Various Artists

Roskilde – The Music. The Party. The Feeling.

Veröffentlicht: 26.06.2009 / edel motion

Von: Andreas Weist

Various Artists

Irgendwie hat "Roskilde" einen magischen Klang. Ich war noch nie dort – doch das Festival, das inspiriert von Woodstock im Jahr 1971 erstmals unter dem Titel "Sound Festival" stattfand, gilt allgemein als die Mutter aller regelmäßig wiederkehrenden Festivals. Kennern braucht man nicht zu sagen, dass es Ende Juni in der Nähe der dänischen Stadt Roskilde stattfindet. Die logistischen Zahlen sind allemal beeindruckend: sechs Bühnen, ein Dutzend Festangestellte, knapp 25.000 freiwillige Helfer und bis zu 115.000 Besucher – da wird selbst "Rock am Ring" schwach. Der Erlös fließt traditionell an weltweit agierende wohltätige Organisationen, was zum einen das hohe ehrenamtliche Engagement erklärt, zum anderen aber auch die Langlebigkeit des Festivals, das schon durch viele Höhen und Tiefen geführt wurde.

Der Untertitel der DVD sagt alles aus: Es geht nicht nur um die Musik, sondern auch um Party und Gefühl. Dies versucht der dänische Filmemacher Ulrik Wivel in seiner 95minütigen Dokumentation zu thematisieren. Insgesamt acht Jahre lang hat er das Festival mit seinem Team begleitet und unzählige Bilder eingefangen, mit denen er das Großereignis aus vielen verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Zu Wort kommen Bands und Veranstalter, kleine Mitarbeiter wie Bühnenhelfer, Ordner oder der Cateringservice, sowie natürlich die Zuschauer und Besucher mit Stellungnahmen quasi aus allen Lebenslagen. Wer zur Festivalsaison die Eifel besucht, kann nachvollziehen, was in der dänischen Provinz abgeht. Die großen Musikfestivals sind nicht nur Bühne für die angesagten Künstler der Gegenwart, sondern werden zur Kunstform selbst – bilden eine ganze besondere Form von Gegenwartskultur mit einem winzigen Hauch von Freiheit.

Der Auftritt von Pearl Jam am 30. Juni 2000 ließ für einen kurzen Moment die Zeit stillstehen, als die Zuschauermenge auf matschigem Untergrund teilweise stürzte und neun Menschen in der entstehenden Panik zu Tode getrampelt wurden. Das Festival wurde allerdings fortgesetzt und mit vielen teils melancholischen Konzerten zu Ende geführt. Wivel lässt Augenzeugen zu Wort kommen und beleuchtet die Ereignisse ebenfalls aus möglichst vielen Richtungen, um ein authentisches Bild zu erzeugen. Kein einfaches Unterfangen und in weiten Teilen sehr emotional.

Natürlich kommt auch die musikalische Seite nicht zu kurz. Wo bliebe sonst der Sinn? In Konzertausschnitten und Interviewpassagen werden ausgewählte Bands der letzten Jahre vorgestellt, deren Performances letztlich den Film in Kapitel gliedern. Ein knappes Dutzend kompletter Songs und aussagekräftiger Snippets dürft ihr erwarten:

Franz Ferdinand - "Take Me Out"
Mnemic - "Liquid? "
Editors - "Fingers In The Factories"
Josh Rouse - "Quit Town"
Placebo - "Infra-Red"
Jenny Wilson - "Common Around Here"
Rufus Wainwright - "In My Arms"
Tartit - "Tabey Tarate"
Baby Woodrose & Peter Belli - "Det Vi Ka Li"
Sonic Youth (Snippet)
The Streets - "Blinded By The Light"
Mew "Comforting Sounds"

Doku und Musikauswahl geben den Geist des Festivals hervorragend wieder. Der 2.0-Digital-Sound geht ebenfalls in Ordnung. Ungewohnt ist die deutsche Synchronisation – wer mag, kann aber auch auf dänisch mit englischen Untertiteln umschalten. 
 

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