The History Of Popstars

Im Dezember 2004 ging auf Pro7 die vierte (jawohl, solange gibt`s das Format schon) Staffel der (hoffentlich endlichen) „Popstars“-Sucherei zu Ende. Nach BroSis und den No Angels nun also NuPagadi. Stefan Raab nannte die neueste Bandschöpfung durchaus zutreffend „eine Mischung aus Rammstein und Dschingis Khan“.
In den vergangenen vier Jahren haben sich rund 30.000 selbsternannte musikalische Talente bei den jeweiligen Castings mal mehr, mal weniger lächerlich gemacht. Die Mitglieder von NuPagadi haben sich gegen fast 6.500 andere Kandidaten durchgesetzt, die in den letzten Wochen abendfüllend den Jurymitgliedern Uwe Fahrenkrog-Petersen, Ex-Angel Sandy Mölling und Lukas Hilbert abwechselnd etwas vortanzen, vorjaulen oder wahlweise auch nur vorgaukeln durften.
Ich schwanke noch, ob ich für soviel Exhibitionismus nun Mitleid empfinden oder die Portion Mut würdigen soll, die dazugehört, um sich vor einem Millionenpublikum derart zu produzieren. Letzteren kann ich zumindest anerkennen, auch wenn es mich erschreckt, wie schnell die eigene Persönlichkeit unter intensivster Kamerabeobachtung einem ultracoolen und selbstverliebten Gehabe weichen kann. Leider konnte ich das relativ hautnah in meinem eigenen, weiteren Bekanntenkreis beobachten. Da kommt man schon ins Grübeln... Wohl dem, der über einen gutsortierten Psychohaushalt verfügt.
Ich gebe gerne zu, dass ich mit dieser „Popstars“-Kiste nicht viel anfangen kann. Ich stehe mehr auf Musiker, die nicht nur rumzappeln, sondern tatsächlich mit ihrer eigenen Hände Kraft ein Instrument spielen können oder die Töne auch ohne technische Aufbereitungsanlage treffen. Da bin ich altmodisch. Aber hier geht`s ja nicht um mich...
Es soll ja genug Leute geben, die Overground oder die Preluders auch trotzdem mögen. Und für all die wird die DVD „The History of Popstars“ bestimmt ein guter Weihnachtseinkauf sein.
Diese bietet immerhin „Best of Popstars“ mit den Anfängen der No Angels über BroSis und den bereits erwähnten Overground und Preluders. Dazu das Beste aus der abgelaufenen „Popstars – Jetzt oder nie!“-Staffel. Jetzt oder nie? Muß ich darauf antworten? Weiterhin sieht man die vier Bands auf Tour, was zugegebenermaßen durchaus einen gewissen Unterhaltungswert besitzt. Schließlich die „Popstars Videos“ mit allen vier Bands in elf Clips und dazu „Unnatural Blond“ von Sandy, „Dramaqueen“ von Vany, „Ten Steps Back“ von Jess sowie „Where“ von Lucy. Diese Lucy Diakovska fand ich ja schon immer ausnehmend süß, aber das nur am Rande. Wenigstens schien sie mir immer noch die Authentischste von allen.
Pünktlich zum Fest des Kaufrausches gab es übrigens noch die gleichnamige CD obendrauf, die mit "So Wanna Be With You" immerhin einen bisher unveröffentlichten Song der No Angels zu bieten hat.
Wie auch immer, „The History of Popstars“ wird die Musikwelt nicht einen. Diejenigen, die schon vorher auf Retorte abgefahren sind, werden sich das Ding gerne zulegen und die anderen interessiert es sowieso nicht. Vom Selberkaufen mal ganz abgesehen... Jedem das seine!
Ich gehöre zur zweiten Kategorie. Aufgrund der ganzen individuellen Arbeit, Angst und (erfüllter wie enttäuschter) Hoffnung, die sich hinter den Kulissen verbirgt, lasse ich mich aber noch zu 3 von 9 hinreißen. Meinem Bekannten geht es übrigens inzwischen auch wieder besser. Er hat angefangen Gitarre zu lernen...