Wolf Maahn

Direkt ins Blut 2 - (Un)Plugged

Veröffentlicht: 02.05.2008 / Libero Records / PIAS / Rough Trade

Von: Thomas Kröll

Wolf Maahn

Fortsetzungen sind ja immer so eine Sache. "Direkt ins Blut - (Un)Plugged" Teil 1 haben seit 1993 wohl Millionen Menschen gehört und im Fernsehen gesehen. 2003 erschien das erste Unplugged-Projekt eines deutschen Künstlers überhaupt auch auf DVD. Kann es einen besseren Anlass für einen zweiten Teil geben als das 25jährige Solo-Jubiläum von Wolf Maahn im vergangenen Jahr? Dass die Neuauflage auch 14 Jahre später bestens funktioniert, davon konnte man sich bereits auf der noch bis in den Januar 2009 andauernden Direkt ins Blut-Tour und dem im September 2007 erschienenen gleichnamigen Live Doppel-Album überzeugen. Maahn hat nach wie vor den Blues!

1984 oder 85 habe ich Wolf Maahn zum ersten Mal live gesehen, danach immer mal wieder und zuletzt vor gut sechs Monaten im Alten Wartesaal in Köln. Maahn ist längst Kölner, auch wenn er in Berlin geboren wurde und in München aufwuchs. Seine Songs waren und sind mal leise, mal laute Soundtracks für all die kleinen und grossen Helden da draußen. Er singt von Häuptlingen und Indianern, Gewinnern und Verlierern, von Glaube, Liebe, Schmerz und Hoffnung. Oft genug hat er mir damit die Worte aus dem Mund genommen. Und nicht nur mir. Er hat befreit, berührt und inspiriert und ist dabei vor allem immer er selbst geblieben. Ehrlich, authentisch und geradeaus. Wolf Maahn eben.

Jetzt legt der inzwischen 53jährige "Direkt ins Blut 2 - (Un)Plugged" ebenfalls als DVD vor. Aufgenommen im Mai 2007 bei einer öffentlichen Recordingsession in den legendären Dierks-Studios in Stommeln, in denen schon solche Hochkaräter wie die Scorpions, Toten Hosen, BAP, Tina Turner oder Hot Chocolate ihren Platten den letzten Schliff geben ließen und wo auch der erste (Un)Plugged-Teil entstand. 128 Minuten lang lässt uns Wolf Maahn noch einmal in die besondere und intime Atmosphäre dieses Tages eintauchen. Es herrscht eine wunderbar relaxte Stimmung, fast hat man das Gefühl inmitten der Band auf der Bühne zu stehen. Das einfache Bühnenbild aus Orientteppichen, Kerzenleuchtern und Stehlampen trägt dazu das seinige bei. Aus über 100 Liedern stellte Maahn die Songauswahl zusammen, zwanzig von ihnen haben es auf die DVD geschafft, darunter mit der rockigen Ode an die Frau "Frech und schön" und "Wir wissen es" auch zwei brandneue Titel.

Der Auftakt könnte mit dem herrlich schwärmerischen "Hallo Sehnsucht" nicht besser gewählt sein. Bereits hier wirkt Wolf Maahn wie ein kleiner Junge, der endlich wieder mit seinen besten Freunden sein Lieblingsspiel spielen darf. Von den Freunden, sprich der hochkarätig besetzten und perfekt eingespielten Band, sei an dieser Stelle besonders Gitarrist Markus Wienstroer erwähnt, der mich schon vergangenes Jahr live begeistert hat. Was der Mann an den Saiten oder wie in "Leben und Leben lassen" an der Geige veranstaltet, ist schon sensationell. Viele der Stücke klingen im Vergleich zu den Originalen regelrecht entstaubt. Das liegt daran, dass teilweise neue Instrumente wie Banjo, Piano oder Akkordeon hinzugekommen sind und so den Maahn`schen Stimmungsbildern noch mehr Tiefe und Intensität verleihen als ohnehin schon. Bei "Ich will dir meine Liebe geben" könnte ich immer noch Rotz und Wasser heulen. Wunderschön auch das dahinfließende "Kind der Sterne" oder die siebenminütige Version von "Wunder dieser Zeit" zum Abschluss. Man begibt sich quasi selbst nochmal auf eine Zeitreise kreuz und quer durch die eigenen letzten 25 Jahre und sieht wieder unzählige Bilder von durchgetanzten Parties, ersten oder letzten Küssen und allerlei anderen Katastrophen und Höhepunkten vor sich. Hinzu kommt die unbändige Spielfreude aller Protagonisten irgendwo zwischen Rock, Soul und Rhythm & Blues. Auch in der Konserve wirkt die hautnahe Emotionalität von Musik im Allgemeinen und der Songs von Wolf Maahn im Besonderen, unterstrichen durch die ruhige Kameraarbeit. Lediglich die Schnitte sind an einigen Stellen etwas abrupt.

Witzig auch die Gastauftritte von Dietmar Bär (gar kein mal so schlechter Gesang in "Leben und Leben lassen"), Henni Nachtsheim (Ex-Rodgau Monotones / "Bleib noch hier") und Carl Carlton (Ex-Herman Brood und -Panikorchester / feines Gitarrensolo bei "In der Tür geirrt"), Vater des DSDS-Aussteigers Max Buskohl (Empty Trash). Das Bonusmaterial bietet dann noch einen "Countdown in Stommeln" mit Aufnahmen von den Vorbereitungen und Proben, einer Studioführung von Wolf Maahn höchstselbst sowie Interviews mit den Gästen des Abends und einigen Fans. Dazu gibt es drei Outtakes, in denen Maahn gewohnt lustige Anekdötchen zum Besten gibt. Schließlich die Foto-Performance "Buenos Dias" von Robert Winter.

Obwohl mir persönlich noch der ein oder andere Song wie etwa "Kleine Helden" oder "Ich wart auf dich" fehlt (letzteren gibt es aber immerhin ausschnittweise als Bonustrack zusammen mit Xavier Naidoo zu hören) ist "Direkt ins Blut 2 - (Un)Plugged" nicht nur ein klasse Konzert, sondern ein rundum gelungenes Paket geworden. "Ich wünsche mir, daß ihr euch in genau so viele Momente verliebt wie ich beim Abmischen", schreibt Wolf Maahn im Booklet. Diesen Wunsch hat er sich und uns uneingeschränkt erfüllt. Auf die nächsten 25 Jahre! 

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