Interview mit Gitarrist Marco Wriedt über seine neue Band 21Octayne

(21Octayne)

24.03.2011 von Ingrid Silvasi

Listening-Session bei Gitarrist Marco Wriedt in Remscheid – der Rough-Mix der 21Octayne-EP "Turn The World" dröhnt in seiner Anlage. Vier Songs, vier Stile, vier Eindrücke, vier Bandmitglieder. Eine Mischung zwischen Alt und Neu, 70er Jahre und 21. Jahrhundert, Blues und progressivem Rock, Ballade und Nackenbrecher, Groove und starken Gitarrenriffen. Der Sound überzeugt mit mal kräftigen, mal rockigen und mal gefühlvollen Vocals. Der dröhnende Bass und die Tempiwechsel bei Gitarre und Drums klingen frisch, der Funke springt beim Hören sofort über. Bei Kaffee und Kuchen erzählt Marco von seiner neuen Band 21Octayne, die er mit Axxis-Bandkollegen Alex Landenburg ins Leben gerufen hat und die vielversprechender gar nicht klingen könnte.

Wann und wie begann die Entstehungsgeschichte von 21Octayne?

Die Grundzüge der Band gehen eigentlich in das Jahr 2008 zurück, als ich zum ersten Mal Alex Landenburg kennengelernt habe, als er für Axxis vorgespielt hat. Wir waren damals auf der Suche nach einem neuen Drummer für Axxis – Alex kannte ich als Drummer jedoch noch nicht. Als ich hörte, dass er eine Tour mit Annihilator gemacht hat, dachte ich mir, dass es nicht passt, dass es zu hart sei. Während er im Proberaum sein Schlagzeug aufbaute, war von Anfang an eine magische Connection da. Die anderen waren nebenan im Studio, wir waren quasi allein und sprachen über unsere Musikgeschmäcker. Er nannte Bands, die ich auch schon mein Leben lang höre und gut finde. Das hat mich überrascht, schließlich sind wir im gleichen Alter, nun ja, er ist 2-3 Jahre älter als ich. Eine persönliche Freundschaft entstand im Laufe der Zeit und zwei Monate stieg er bei Axxis ein. Ich werde nie vergessen, dass er nach dem ersten Gig, als er noch nicht offiziell bei Axxis war, mir eine Nachricht über Myspace schrieb, dass 'egal was passiert, wir müssen irgendwann eine Band gründen'. Es fühlte sich so natürlich an. Das ist nun 2,5 Jahre her, 2009 haben wir gar nichts geplant, wir waren mit Axxis, dem neuen Album und der 20-Jahr-Geschichte eingespannt. 2010 ging es dann richtig los, dass wir gesagt haben, dass wir uns auch etwas für die Zukunft aufbauen müssen. Das kam zu dem Zeitpunkt alles von Alex. Ich war gar nicht mehr so überzeugt eine eigene Band zu gründen. Das Hauptproblem war immer mit dem Sänger - er muss unfassbar gut sein, am Besten noch mit Namen und in unserem Alter. Das ist ein Lottogewinn, das kriegst du nicht hin.


Gitarrist Marco Wriedt

Wie seid ihr auf die anderen Bandmitglieder gestoßen?

Irgendwann kam Alex mit einem Namen, den ich damals auch noch nicht kannte, Andrew Lauer, dem Bassisten, geboren in Kalifornien, aber wohnhaft in der Gegend von Alex. Andrew kommt aus dem Soul, R&B, Rock-Bereich. Er ist mit unterschiedlichen Bands aufgewachsen, er hat als Bassist nur in Soul, R&B, Jazz-Bands gespielt, ist aber unfassbar breit gefächert und kann alles spielen. Ich dachte mir, das könnte interessant werden musikalisch.... Alex, als vielseitiger, progressiver Drummer, ich höre seit meinem 8. Lebensjahr eh alles, über Abba, Olivia Newton-John über Queen bis Dream Theater, auch Katy Perry – ich bin für alles offen. Also haben wir uns im August 2010 getroffen, um zu sehen wie die Chemie zwischen uns Dreien ist, persönlich und musikalisch. Wir haben uns in Frankfurt getroffen, Andrew ist ein Jahr jünger als ich, 25, und in Deutschland wohl der Einzige, der in dem Alter Barry White Fan ist. (lacht) Drei Tage lang haben wir gejammt und haben gemerkt, dass wir innerhalb eines 10-Minuten-Jams acht verschiedene Stile hatten – das haben wir als Geschenk wahr genommen. Es gab lange keine Band mehr, die verschiedene Stile miteinander gemischt hat. Wir sind ganz klar eine Rock-Band, aber wir wollen schon so breit gefächert sein, wie es nur geht, weil jeder in der Band so extrem unterschiedliche Einflüsse mitbringt. Dann hatte ich vorgeschlagen, eine Fusion-Jazz-Rock-Geschichte draus zu machen, weil ich mir nicht vorstellen konnte einen passenden Sänger in unserem Alter zu finden.


Bassist Andrew Lauer

Eine Band ohne Vocals?

Ohne Vocals. Als Instrumental-Projekt. Aber die anderen waren davon überzeugt eine richtige Band zu gründen. Als ich wieder zu Hause war, bekam ich einen Anruf von Andrew, der Hagen Grohe kannte, der in der Joe Perry Band singt. Ich sagte ihm, dass er sich sicherlich vertan habe, er singe bestimmt in der Joe Perry Cover Band... aber nachdem ich mir die You Tube Links angeschaut habe, wie Hagen als Sänger aus Rheinland-Pfalz von Joe Perry´s Frau gefunden wurde, wollte ich ihn unbedingt kennenlernen. Obwohl ich großer Aerosmith Fan bin seit dem ich Gitarre spiele, habe ich es nicht mitbekommen, dass Joe Perry überhaupt ein Solo-Projekt hatte. Dann haben wir uns zu viert getroffen – wir sind alle Kaffee-Junkies und haben Starbucks zum Durchbruch in Deutschland verholfen.


Sänger Hagen Grohe

Wie lief es?

Altersmäßig passt es einfach, die Chemie war sofort da und am ersten Tag ist der erste Song „Leave my Head" entstanden. Das war der erste Song, den wir zusammen gemacht haben. Da haben wir auch schon das Grundgerüst für mehrere Songs gehabt, vor allem natürlich die insgesamt vier Songs, die wir für die Musikmesse fertig haben wollten, die am weitesten fortgeschritten sind und die stärksten vier Songs sind. Das war der eigentliche Startschuss der Band – August 2010.

Welche musikalischen Einflüsse hat Hagen?

Als Hagen dazu kam haben wir gemerkt, dass er aus dem melodischen Rock und Blues-Bereich kommt. Seine Einflüsse sind Paul Rodgers, David Lee Roth, Sammy Hagar, die klassischen Rock-Sänger. Das hört man auch bereits auf der EP, dass unsere Musik stilistisch sehr breit gefächert ist, aber auf dem Album wird es noch krasser rauszuhören sein. Alex kommt mehr aus der...

Metal-Schiene...

Das wäre zu einfach zu sagen, weil ich weiß, dass Alex auch Barry Manilow-Fan ist und Michael Bolton hört (lacht). Aber vom Spielerischen her ist er der progressive Rock-Metal-Drummer, der auch unglaublich vielseitig ist. Er kann super Jazz spielen. Das wissen Wenige, weil er das in Bands bis jetzt wenig ausleben konnte, auch nicht bei Axxis. Ich komme von meinem Naturell her, wo mein Herzblut musikalisch drinsteckt, vom progressiven Rock, vor allem der aus Europa. Das ist mir ganz wichtig. Queen, Genesis, Pink Floyd, aber auch viel Blues und Musicals.


Drummer Alex Landenburg

Wie seid ihr auf den Bandnamen 21Octayne gekommen?

Das war schwierig, denn irgendwie gibt es bereits jeden Bandnamen. Das siehst du ja bereits, wenn du den Bandnamen googlest. Dann kommt ein Treffer wie Countryband aus Cincinatti oder aus Rom. Aber wir dachten, wir müssen etwas Innovatives bringen. Also 21 für das 21. Jahrhundert, hat also nichts mit unserem Alter zu tun. Und Octayne steht für Kraft und Ausdruck. Selbstbewusster Name und wir brauchen uns nicht zu verstecken, weil wir uns auf unseren Gebieten bereits viel erarbeitet haben und jeder aus einem anderen Gebiet kommt und wir diese Tatsache verbinden. Wenn du es wirklich auf einen Satz reduzieren möchtest, dann ist unser Ziel europäische Musikkultur mit amerikanischer Musikkultur zu verbinden. Andrew kommt aus Kalifornien, daher können wir den amerikanischen Soul und R&B Einfluss mit dem klassischen Rock und progressiven Elementen gut verbinden. Auch Hagen ist durch seine Arbeit in der Joe Perry Band eher in dem amerikanischem Sound verwurzelt. Alex und ich sind für den europäischen Touch verantwortlich.

In eine richtige musikalische Schublade lasst ihr euch nicht stecken, oder?

Nein. Die Leute werden zwar hinterher sagen „Rock", aber extrem facettenreich und farbenfroh. Wir haben eigentlich alles drin von einer Pop-Rock-Radio-Ballade bis hin zu Alternative-Rock-beeinflussten härteren Songs mit Classic Rock dazwischen, hier und da verspielte progressive Elemente – es ist sehr breit gefächert.

Die neue Band hört sich nicht mehr wie eine musikalische Ergänzung zu Axxis an, sondern eher nach Zukunftssicherung.

Es ist auf keinen Fall etwas, was wir so nebenbei machen. Es ist auf jeden Fall eine eigenständige Band. Es ist kein Projekt für ein Album, es ist eine richtige Band und es soll sich richtig etablieren. Und ich wünsche, dass ich bis zu meinem Lebensende diese Band haben werde – unsere Musik ist eine Symbiose aus allen vier Geschmäckern.

Eure ersten Auftritte spielt ihr auf der Frankfurter Musikmesse im April, wie seid ihr an diese Gigmöglichkeiten gekommen?

Alex und ich hatten das Angebot von unserem GEWA Endorser auf der Messe zu spielen. Wir hatten zwar schon Songmaterial und waren bereit aufzunehmen, jedoch waren wir mit unseren anderen Bands und Projekten eingespannt und es war schwierig ein Zeitfenster für die Aufnahmen zu finden. Wir haben jetzt die Chance auf der Musikmesse zu spielen und das am Messefreitag sogar auf der Agora-Stage (A.d.R.: die größte Bühne auf der Musikmesse), sonst jeden Tag im GEWA Soundroom. Das ist DIE Chance, das Produkt offiziell bekannt zu machen. Wir spielen auf der Agora-Stage zwischen dem Gitarristen von Oliva Newton John und der Gitarristin von Michael Jackson. Das ist ein Hammer-Start für uns. Einfach dort zu spielen ist nervenzerreißend genug, aber...

...aber ihr müsst die Messe nutzen, um eure Musik mit einer CD bekannt zu machen.

Genau. Und da gehen wir einen Schritt weiter. CD´s sterben mehr und mehr aus, deshalb haben wir eine EP mit vier Songs aufgenommen und wollen die EP als USB-Stick und Mini-CD´s verteilen, damit die Leute aus dem Musik-Business wissen was wir machen. Wir haben die EP innerhalb von einer Woche quasi live wie die Bands früher eingespielt, natürlich mit einigen Overdubs. Wir sind ja keine Punkband...

Habt ihr ein eigenes Studio?

Nein, es ist quasi unser fünftes Bandmitglied, bei dem wir in Hamm aufgenommen haben. Es ist Charly Czajkowski, er hat damals Rage produziert. Charly ist Soundman bei Axxis, daher kannten Alex und ich ihn bereits. Wir hatten ihm Proberaumdemos zugeschickt und er war sofort dabei. Er hat unser Potenzial von Anfang an erkannt. Er wird in Zukunft auch unser Soundmann sein. Wir haben die EP innerhalb von einer Woche aufgenommen und nun haben wir den 20. März und wir sind immer noch am Mixen, die Messe rückt näher (A.d.R.: Beginn 6. April) und das wird eine Last-Second-Aktion! Vermutlich werden wir die CD´s im Hotel vor dem ersten Messetag noch für die Presseleute brennen. Aber es ging nicht anders... wir mussten jetzt alles so schnell durchziehen, weil wir sonst wirklich eine Chance verpasst hätten.

Wie regelmäßig könnt ihr in Kontakt miteinander sein, dadurch, dass ihr keine geographische Nähe zueinander habt?

Wir treffen uns ein Mal im Monat zum Proben und Songwriting und den Rest machen wir per PC. Heutzutage kannst du da viel machen und Songideen rüberschicken. Die Songs arbeiten wir dann zusammen aus und schreiben die Songs auch zusammen im Proberaum. Ich komme meistens mit fertigen Riffs und harmonischen Ideen an, dann kommt Alex und setzt seine Drums hinzu. Weil jeder auf seinem Gebiet erfahren ist, weiß jeder, was gut zu den Songs passt. Wir müssen keine Vorgaben geben.

Wer ist für die Texte zuständig?

Im Moment Hagen. Jeder wird in Zukunft sicherlich mal einen Song schreiben. Aber die Texte bisher hat Hagen geschrieben. Und das Musikalische kam im Endeffekt von mir, wurde aber von uns Dreien, Alex, Andrew und mir zu Ende gestaltet. Wir sind eine demokratische Band und teilen alles.

Geht es textmäßig bis jetzt nur um Liebe?

Um kaputte, schmerzhafte Beziehungen. Es klingt tatsächlich wie ein Klischee... Aber es wird nicht nur unser Hauptthema sein. Es sind jedoch keine Heile-Welt-Lyrics, es ist eine Abrechnungsgeschichte mit jemandem, keine Fiktion.

Wie werden die anderen Songs musikalisch ausfallen?

Das kann ich dir sagen, ich persönlich bin momentan an drei Sachen gleichzeitig dran. Ich arbeite gerade an einer extrem ruhigen Ballade, nur mit einer Akustikgitarre und Gesang. Dann bin ich an einem 9-Minuten-Song dran, das wird vermutlich unser progressivster Song mit vielen Tempiwechsel. In dem Song können wir viele stilistische Extreme unterbringen. Der dritte Song ist eher ein Blues beeinflusster Song à la Audioslave meets Led Zeppelin. Der Song ist schon fast fertig, auch recht kommerziell, gut für´s Radio. Die Platte wird ein guter Mix aus eingängigen zeitlosen Pop-Rock-Songs, Balladen, straighten Rocknummern und progressiven Elementen.

Ihr bereitet ein Album vor, ohne eine Plattenfirma dafür zu haben und ohne genau zu wissen, wie die Vorgaben der Plattenfirma selbst sein werden. Habt ihr nicht Angst an einen Deal mit Vorgaben gebunden zu sein und jetzt „umsonst" gearbeitet zu haben?

Das hängt davon ab, was für ein Angebot kommt. Viele Bands setzen gar nicht mehr auf Plattenfirmen und vertreiben selbst über iTunes & Co. Das werden wir nach der Messe sehen, wie das Feedback sein wird. Aber das ist noch nicht abzusehen. Wir schreiben die Songs zunächst, wie es sich für uns gut anfühlt. Wir versuchen den roten Faden der Rockband zu behalten. Ich verstehe auch nicht, warum Bands heutzutage nicht mehr riskieren als früher. Früher haben sich die Bands viel mehr getraut. Früher sind die Bands stilistisch so offen gewesen, auch die Beatles, mit denen hat doch alles angefangen. Die Beatles haben tausend Stile miteinander verbunden oder Genesis und Led Zeppelin. Da hat keiner was gesagt. Vielleicht wollen wir diese Offenheit wieder in das 21. Jahrhundert zurückbringen.

Habt ihr momentan Zeit euch 100%ig auf 21Octayne einzulassen oder habt ihr noch mit euren anderen Projekten wie Axxis und Joe Perry viel um die Ohren?

Momentan stehen alle Zeichen auf Sturm mit 21Octayne. Mit Axxis passiert momentan wegen DVD-Veröffentlichung nicht viel. Bei Hagen auch nicht, weil Joe Perry etwas mit Aerosmith vorbereitet. Alex war mit Symphonica unterwegs. Es wäre auch nicht schlimm, wenn jemand drei Wochen mit dem anderen Projekt auf Tour wäre, was sind denn schon drei Wochen in einem Jahr? Ich unterrichte den ganzen Tag in der Musikschule und habe auch Zeit an den Songs zu arbeiten.

Die vier Songs der EP „Turn The World" zeigen wie musikalisch vielfältig ihr seid. Befürchtest du nicht, dass ihr euch musikalisch verzettelt? Dadurch, dass ihr die Zuordnung in eine bestimmte Musikrichtung verpasst und dadurch kein bestimmtes Publikum ansprechen könnt.

Unsere Hoffnung ist, dass wir Rock-Musik für Jedermann schreiben. Auch Labels unterschätzen manchmal den Geschmack der Masse. Ich glaube auch, dass die Leute, das Mainstream-Publikum viel offener wäre, wenn im Mainstream-Radio etwas anderes laufen würde, als immer die gleiche Musik... wenn die Labels auch mal nach rechts und links schauen würden oder auch die Politik der Radiosender und etwas offener wäre, dann würden auch normale Zuhörer Sachen entdecken und gut finden, die sie sonst nicht hören würden. Unser Ziel ist sehr ambitioniert, dass wir Leute aus allen möglichen Genres anziehen wollen. Ganz ehrlich, mir fällt keine Band ein, die das in den letzten Jahren gemacht oder versucht hat. Ich weiß auch nicht warum es diese Bands nicht gibt oder ob es sich die Bands nicht trauen...

...oder die Plattenfirma es ihnen vorschreibt...

Aber viele Bands sind so unabhängig mittlerweile, nimm Radiohead oder Bands, die eigene Sachen rausbringen. Wir wollen versuchen, dieses Ziel „Crossover"-Potenzial zu haben, d.h. aus allen möglichen Schichten Leute für unsere Musik zu begeistern, das ist ein ambitioniertes Ziel von uns.

Was erhofft ihr euch von der Musikmesse?

Es soll ein Ausrufezeichen für das Musik-Business entstehen, dass es uns gibt. Mittlerweile ist die Frankfurter Musikmesse die größte Musikmesse der Welt. Wir wollen erst mal versuchen den Leuten mitzuteilen, wer wir sind und was wir machen. Wir distanzieren uns auch von den Bands, die live genauso rüber kommen wie von Platte. Warum hören sie sich genauso an? Weil die Hälfte vom Band kommt. Es war auch Anfangs im Raum einen Keyboarder in die Band mit aufzunehmen, um für die verspielteren Songs eine andere Klangfarbe zu haben. Ich würde es gar nicht ausschließen, dass wir in den nächsten Jahren noch einen Keyboarder dazuholen. Aber es fühlt sich im Proberaum einfach so stark an, dass da momentan auch nichts fehlt. Andrew ist so ein starker Bassist, der so viele Lücken schließt, wenn ich ein Solo spiele, da brauchen wir nicht mal eine zweite Gitarre. Er macht so viel mit seinen Effektgeräten und Technik. Er fängt mich extrem gut auf und bringt sich mit seinen Bass-Soli gut ein. Wenn du so fähige Leute wie Hagen, Andrew und Alex hast, kannst du beruhigt auf Samples verzichten.

Was ist mit dem Lima-Projekt in dem Alex und du zusammen gearbeitet habt?

Wir hatten drei gute Gigs und viel Spaß. Und bei der Zusammenarbeit mit Alex habe ich gemerkt, dass wir zusammen selbst etwas auf die Beine stellen können. Aber ich muss ganz ehrlich zugeben, ihr Manager hat mich immer ermutigt, uns auf der Bühne individuell zu präsentieren. Obwohl auf der CD-Produktion so gut wie keine Gitarren-Soli drauf waren, habe ich bei jedem Song auf der Bühne ein Gitarrensolo bekommen.

Du hast begonnen, Gitarren-Workshops zu geben. Möchtest du damit fortfahren?

Auf jeden Fall! Ich habe bis jetzt drei Stück gegeben. Der letzte Workshop war an Leute gerichtet, die noch überhaupt keine Erfahrung mit Gitarren haben. Ich versuche die Leute für das Gitarre-Spielen zu begeistern und von der Playstation fernzuhalten. Für manche kleine Kinder ist Gitarre-Spielen besser als jede Therapie und es ist gesünder als Schokolade essen. Ich bin der Meinung, dass Ideale von früher zurückkommen müssen.

Blicken wir nun in die Zukunft, es ist der 31. Dezember 2011 – du blickst zurück auf das Jahr 2011. Was möchtest du mit 21Octayne bis dahin erreicht haben?

Ich liebe diese „back to the future"-Fragen. Da habe ich das letzte Mal mit Alex drüber philosophiert. Wir wollen auf jeden Fall das Album bis zum Sommer komplett aufgenommen haben. Konzerte hier und da, vor allem in ein paar Hard Rock Cafes, eine kleine Club-Tour im Herbst, zusammen mit einer anderen Band, die wir kennen. Businessmäßig einen Deal zu haben, der heutzutage noch Sinn macht. Wenn dieser nicht kommen sollte, dann spielen wir uns in der Zeit einfach weiter den Arsch ab und hoffen unseren Bandnamen weiter in die Welt rauszutragen.

Das ist schön, ihr setzt Eure Ziele noch nicht so hoch, dann könnt ihr nicht enttäuscht werden.

Wir sind trotzdem ehrgeizig und selbstbewusst genug, dass wir behaupten können, dass die Band so viel Potenzial hat, wenn es nur die richtigen drei-vier Leute hören. Ein langfristiges Ziel ist, den Rock & Roll gerade in Deutschland wieder gesellschaftsfähig zu machen, ohne eine Retro-Band sein zu wollen und ein Gefühl der 70er Jahre in das neue Jahrtausend zu bringen. Wir wollen dabei trotzdem frisch und zeitgemäß klingen.

Dein musikalischer Werdegang bis jetzt: hättest du irgendetwas ändern wollen, um zum heutigen Ziel zu gelangen? Glaubst du, dass du irgendwann mal eine Fehlentscheidung gemacht hast oder hat dich jeder Schritt so geprägt und dich zur heutigen Band geführt?

Ich glaube ja persönlich an Schicksale ohne wie ein Psychologe klingen zu wollen. Es gab Ende 2006 die Chance nach LA zu ziehen und die Daize Shane Geschichte fortzuführen oder zwei Wochen später bei Axxis einzusteigen. Ich habe damals natürlich schon überlegt, weil ich gerade durch Axxis viel gelernt habe. Im Endeffekt bin ich auch so weit Europäer, dass es mir sonst gefehlt hätte. Ich würde eher nach London als nach LA ziehen. Und wenn ich bei Axxis nicht eingestiegen wäre, hätte ich auch Alex nicht kennengelernt. Wäre Andre Hilgers bei Axxis nicht ausgestiegen, hätte ich Alex auch nicht kennengelernt. Ich glaube wirklich, dass alles so kommen sollte. Ich bin mir auch sicher, dass alles, was in den nächsten 10 Jahren passiert, so passieren soll. Es gibt bestimmt jemanden da oben, der seine Fäden zieht in unserem Leben.

Deine letzten klugen Worte für unsere Leser?

Mein Lebensziel ist es das Gitarrensolo mehr in das Bewusstsein des Mainstreams zu bringen. Das ist mir ganz wichtig! Das Gitarrensolo ist momentan tot im Mainstream!

Musicheadquarter wünscht viel Erfolg bei diesem Lebensziel und vor allem viel Erfolg mit der neuen Band!

 

 

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