A Young Heart-Sänger und Gitarrist Holger Kochs im Gespräch

(A Young Heart)

28.07.2010 von Simon Baranowski

A Young Heart ist das neue Projekt keiner ganz so Unbekannten im deutschen Musikzirkus. Neben Sänger und Gitarrist Holger Kochs, den man mit der Band Pale in Verbindung bringt, spielen mit Schlagzeuger Daniel Klingen (Klee), Bassist Lorenz Naumann (Subterfuge) und Gitarrist Stefan "Pele" Götzer (Astra Kid, Pele Caster, Klee) ebenfalls erfahrene Leute in dem Vierer. Auf der ersten Tour von A Young Heart haben die Vier gleich die Ehre, die als Newcomer des Jahres hochgelobten An Horse aus Australien zu unterstützen und dürfen für Kate Cooper und Damon Cox einheizen. Dabei spielen A Young Heart ihre ersten gemeinsamen Shows. Da fragen wir doch mal nach wie das alles zustande kam und wo der Weg hinführen soll. Holger Kochs war so nett und hatte einige Minuten vor dem Auftritt Anfang Juni im Gleis 22 in Münster Zeit für ein Gespräch mit unserem Redakteur Simon Baranowski.

A Young Heart sind (von links nach rechts): Stefan "Pele" Götzer, Daniel Klingen, Holger Kochs und Lorenz Naumann

Hallo Holger, seit wann gibt es euch und wie kam es zu der Zusammensetzung der Band?

Holger Kochs: Genau seit Silvester 2009.

Wie hat sich das ergeben, dass sich Pele, Lorenz, Daniel und du zusammengefunden haben?

Holger: Daniel hat letztes Jahr die neuen Songs schon produziert und irgendwann standen wir vor der Frage wer diese denn spielen könnte. Da hat Daniel dann zwei Leute aus dem Hut gezaubert, die meiner Meinung nach unglaublich gut passen. Wir haben dann nach einiger Zeit angefangen zu proben. Die erste Probe war wie gesagt am Silvestermorgen und abends haben wir dann ins neue Jahr zusammen reingefeiert.

Was hat der Name zu bedeuten? Vielleicht für dich Holger etwas ganz spezielles, nachdem es mit Pale nicht mehr weiterging?

Holger: Ist vielleicht ne gute Frage. Ich mochte den Klang. Weil es eben auch nicht mit "The" anfängt, sondern mit "A". Und ich mag die Bedeutung.

Im Herzen jung geblieben?

Holger: Ja okay, das klingt ja… wenn man so was sagt, dann merkst du immer, okay, jetzt wirst du alt. Also es hat gar nicht so eine Bedeutung, die mit uns zusammenhängt, sondern vielmehr ist es etwas das für sich steht. Ich finde es einfach klanghaft, es ist googlebar, was heute auch wichtig ist, nicht so wie Computer aus Hamburg…

…oder Instrument aus München. Wie würdest du eure Musik beschreiben? Als Band seid ihr noch frisch auf dem Markt und veröffentlicht habt ihr bislang auch noch nichts. Geht es in die Indie-Richtung oder wie würdest du es betiteln?

Holger: Nee, Indie ist es nicht. Ich würde sagen, dass es Popmusik ist, die man sich mit dem Walkman von 1984 anhört.

Gibt es eigentlich Konflikte zwischen den anderen musikalischen Tätigkeiten der einzelnen Bandmitglieder? Pele hat ja noch sein Soloprojekt und spielt bei Klee, Daniel ist auch bei Klee aktiv und Lorenz hat noch eine Band in Düsseldorf.

Holger: Eigentlich nicht. Klar gibt es Präferenzen. Wenn man halt ne Show spielen kann vor 1.000 Leuten, dann spielt man eher die, als wenn man sagen würde, lass uns doch mal nach Augsburg fahren, da gibt es jemanden der uns buchen will. Da würden sich die Leute wahrscheinlich dann eher für den Auftritt mit Klee entscheiden. Aber bisher gab es noch keine Differenzen deswegen.

Wie war die Tour bisher für euch? Es sind ja eure allerersten Konzerte als Band.

Holger: Ist mir eigentlich gar nicht so aufgefallen, dass es die ersten waren. Was merkwürdig ist, weil es mit Pale auch schon wieder so lange her ist. Komischerweise war ich gar nicht aufgeregt, was wohl an den vielen Proben gelegen hat. Wir als Band fühlen uns glaube ich sehr sicher und mit jedem Abend wird das mehr und mehr. Die Tour war super. Es ist natürlich alles im kleinen Rahmen, es gibt mal größere Shows, mal kleinere. Es ist natürlich auch ein Kennenlernen für uns selber.

Gab es nicht doch die ein oder andere Aufregung vor den Konzerten?

Holger: Klar, das gibt es natürlich immer. Vergleich das mit einem Fussballspiel. Da kannst du trainieren wie du willst, aber ab dem Moment, in dem der Schiedsrichter anpfeift, weißt du eh nicht mehr so genau was passieren wird. Ich will das Publikum jetzt nicht mit der gegnerischen Mannschaft vergleichen, aber es ist auf jeden Fall eine Variable, die du nicht berechnen kannst. Deswegen ist halt jeder Abend anders.

Wie seid ihr jetzt mit An Horse zusammengekommen, die ihr hier durch Deutschland begleiten dürft?

Holger: Die Leute vom Grand Hotel van Cleef, die wir da noch kennen, haben uns einfach gefragt ob wir Lust haben An Horse zu begleiten. Und wir dachten, dass es eine gute Gelegenheit ist mal Nägel mit Köpfen zu machen und uns dann endlich auch mal zu zeigen. Um nicht nur hypothetisch im Proberaum zu sitzen und zu gucken was wohl passieren wird.

Wann kommt was Greifbares von euch auf den Markt?

Holger: Ich würde grob sagen: Weihnachten 2010.

Habt ihr ein Label oder macht ihr das in Eigenregie?

Holger: Das Label steht noch nicht fest. Wir sind da noch ein wenig uneinig, wo die Richtung hingehen soll und vor allem auch was Sinn macht, weil es halt auch nicht mehr so die Indie spezifische Musik ist, die wir machen, sondern schon ein wenig offener gedacht ist. Da ist es auf der anderen Seite natürlich auch ein wenig schwieriger, weil du ein gewisses Niveau erreichen musst, damit das alles so funktioniert.

Habt ihr die Songs zusammen als Quartett geschrieben oder sind es teilweise Schnipsel aus anderen Bandphasen? Wie sind die Songs entstanden?

Holger: Nee, eigentlich überhaupt nicht. Die ersten Songs waren die, die ich direkt nach Pale geschrieben habe. Jetzt momentan ist es halt so, dass wir die Songs auch im Laufe der Proben weiterentwickelt haben aber auch komplett neue geschrieben haben. Fürs Texten bin ich zurzeit verantwortlich aber es wird mehr so ein Bandding, was ich ganz gut finde. Aber Outtakes von anderen Projekten die wir haben oder hatten sind jetzt nicht dabei.

Um was geht es inhaltlich in euren Songs? Handelt es sich um die typischen Themen?

Holger: So typisch wie es eben geht. Der Hauptinhalt der Popmusik besteht halt aus dem Thema "verliebt sein".

Von dir solo gab es oder gibt es auf eurer myspace-Seite eine Coverversion von "Sex On Fire" von den Kings Of Leon. Warum ausgerechnet der Song und gibt es dieses Cover auch mal als Bandversion?

Holger: Puh, weiß ich auch nicht. Ich war abends bei mir zu Hause und habe ne Flasche Rotwein gefunden, hatte Lust Musik zu machen und habe es aufgenommen und online gestellt. Seitdem habe ich den Song auch nie wieder gespielt, geprobt haben wir den auch noch nicht. Ich fände es ganz gut, wenn man diesen Song auch mal im Bandgewand machen würde.

Hast du da nicht auch Sorge, dass das negativ ankommt, weil der Song so ein wenig ausgenudelt ist, um es vorsichtig auszudrücken?

Holger: Ja total, aber genau das finde ich daran ja spannend. Eine Nummer zu nehmen, die den Leuten auf den Keks geht vielleicht und man jetzt nicht irgendwas indiekredibles nimmt, wo das Original nur zwei Leute von hundert kennen. Das finde ich grade das Spannende, dass die Leute dann sagen, ach ja, den Song habe ich zwar 150mal gehört, aber das jetzt ist ja ne ganz neue Facette daran.

Was hörst du denn privat zurzeit an Musik?

Holger: Was höre ich denn?

Neuentdeckungen? Tipps?

Holger: Die aktuelle Band Of Horses finde ich super, obwohl die überall Prügel bezieht. Als ob es das fünfzehnte Album der Stones wäre. Bon Iver finde ich super. Eher so die melancholischen indieinspirierten Sachen.

Vielen Dank Holger, das war es schon.

Holger: Vielen Dank Simon.

Mit freundlicher Unterstützung von Benjamin Mirtschin vom Grand Hotel van Cleef.

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