(Across The Delta)
Across The Delta aus Wien veröffentlichten nach ihrem erfolgreichen ProgPop-Juwel "Dancing To Architecture" Ende Mai diesen Jahres mit ihrem zweiten Album "Passports & Souvenirs" ein kleines Meisterwerk, welches bereits optisch in einer ästhetischen Form als Deluxe Box präsentiert wurde und die Neugier auf den Inhalt weckte. Dieser hatte es in seiner musikalischen Ausdruckskraft und beeindruckenden Umsetzung durchaus in sich. Grund genug für Musicheadquarter die Menschen hinter dieser Musik zu sprechen, um etwas mehr über die Band Across The Delta zu erfahren. Unser Redakteur Pascal Kraus fühlte Schlagzeuger Ivo Thomann auf den Zahn.

Von euch ist erstaunlich wenig über das Medium Internet respektive einer Homepage zu erfahren. Daher stell euch doch bitte selbst einmal vor um allen unseren Lesern, die noch nichts von Across The Delta gehört haben, ein Bild der Band und ggf. den Musikern dahinter zu verschaffen.
Ivo: "Writing about music, is like dancing to architecture" soll mal jemand gesagt haben. Wir fühlen uns genauso wenn wir unsere Musik mit Worten beschreiben sollen. Letztendlich muss und soll die Musik immer für sich selbst sprechen. Da Genrebezeichnungen jedoch oft unumgänglich sind, ist "Post Prog, Pre Pop!" wohl die treffendste Beschreibung für die Musik die wir derzeit machen - zu hören auf dem im Mai dieses Jahres veröffentlichten Album "Passports & Souvenirs". Musikmachen ist ein Prozess. Wir machen seit über zehn Jahren gemeinsam Musik und seit unserer ersten Veröffentlichung "Dancing To Architecture" vor drei Jahren hat sich wieder einiges weiterentwickelt. Dies betrifft nicht nur die Musik sondern auch den ästhetischen Anspruch. Zu nennen sind hier zum Beispiel die spezielle "Überraschungs-Box" in der das Album verpackt wurde oder das vollkommen selbstproduzierte Stop-Motion-Video zur ersten Single "Unit Exploded", welche es übrigens zum kostenlosen Download gibt. Mit unserem aktuellen Album sind wir jedenfalls zufrieden und hoffen, dass es den Hörern genauso gut gefällt wie uns.
Studiert ihr alle noch oder geht ihr mittlerweile neben der Musik anderen Berufen nach?
Ivo: Zwei von uns, Johannes (Reisinger, Gesang - d.Red.) in Architektur und David (Welleditsch, Gitarre - d.Red.) in Psychologie, werden Ende dieses Jahres ihr Studium abschließen. Ich bin hauptberuflich Musiker.
Delta ist der vierte Buchstabe im griechischen Alphabet und wird in verschiedenen Kontexten angewandt, zum Beispiel in der Mathematik, der Astronomie etc. In welchem Kontext findet sich "Delta" in eurem Bandnamen wieder?
Ivo: Wir haben damit eher immer das Flussdelta assoziiert. Demnach hat der Bandname kein bedeutungsschwangeres, pseudo-mystisches Konzept hinter sich, sondern es gefielen uns einfach die drei Wörter und das schwebende Gefühl das mit dem Bild im Kopf transportiert wird. Probier es mal selbst: ACROSS - THE - DELTA (grinst).
Wie sieht eure musikalische Sozialisation aus? Wie seid ihr zum Musikmachen gekommen und seit wann existiert ihr in dieser Formation als ATD?
Ivo: Wie bereits erwähnt, gibt es uns seit über 10 Jahren. Da wir alle mittlerweile Ende 20 sind, haben wir uns demnach in der Oberstufe kennengelernt. Ich zum Beispiel wurde schon als Kind mit den Led Zeppelin- und Black Sabbath-Platten seiner Eltern beschallt. Das hatte anscheinend nur positive Auswirkungen auf meine musikalische sowie persönliche Entwicklung (grinst).
War die für meine Begriffe musikalisch weitestgehende Verortung im Prog-Bereich von Anfang an vorhanden oder gab es auch eine Phase rohen ungeschliffenen Punkrocks oder ähnliches?
Ivo: Ja, diese Affinität war eigentlich schon immer vorhanden. Drei-Akkorde-Punksongs hat es bei uns nie gegeben. Unsere Lieder waren von Anfang an etwas länger und abseits der Strophe-Refrain-Struktur. Das ist ganz einfach die Art wie wir spontan Musik machen.
Die Konzeption des neuen Albums und der Songs darauf wirkt an manchen Stellen fast schon "mathematisch". Habt ihr die Arbeit an "Passport & Souvenirs" auf einer so detailliert akribischen Ebene durchgeführt oder aus dem Bauch heraus agiert?
Ivo: Auf diesen Aspekt werden wir öfters angesprochen und ob du es glaubst oder nicht, die Basis der Lieder entsteht immer zu 100 Prozent spontan. Man spielt einfach auf seinem Instrument drauflos und verwendet dann das, was einen auf der emotionalen Ebene anspricht. Ob es sich dabei dann um einen 13/8 Takt handelt oder nicht ist dabei vollkommen unwichtig. Es ist keine bewusste Entscheidung, sondern entsteht ganz einfach so. Das subjektive Empfinden der Hörer können und wollen wir nicht vorhersehen. Uns selbst spricht die Musik jedenfalls emotional an und ist damit weit entfernt von einer kühlen Mathematik.
In seiner Komplexität hat mich euer aktuelles Album sehr beeindruckt. Im Pressetext dazu ist in eher kryptischen andeutungsweisen Formulierungen etwas über den Hintergrund und die Aussage des Albums zu lesen. Würdet ihr es als "Konzeptalbum" beschreiben?
Ivo: Nein, es ist kein Konzeptalbum, da es im Vorhinein kein theoretisches Konzept, weder musikalisch noch textlich, gegeben hat. Unsere Musik entsteht und wird nicht geplant.

Ivo Thomann in Aktion (Foto: VALENCE).
Diese Vielschichtigkeit auf dem Album kann für manche Ohren auch überladen wirken. War diese Gefahr ein Faktor bei den Aufnahmen?
Ivo: Wir mögen gern Musik wo durch Vielschichtigkeit eine räumliche Tiefe erzeugt wird in der es beim fünften Mal durchhören noch immer etwas zu entdecken gibt. Überladenheit ist zwar theoretisch eine Gefahr, war aber bei der Produktion für uns praktisch nie ein Thema.
Wer hatte die Idee zum Artwork und der Aufmachung der CD-Box mit dem "Reclam"-Heftchen und wie kam es dazu?
Ivo: Oft sieht man Musik bevor man sie hört... im CD-Regal, in der Werbung, im Video. Die visuell-ästhetischen als auch haptischen Aspekte waren uns daher wichtig. Für die ästhetische Umsetzung ist Johannes verantwortlich. Die Ideen zu den Boxinhalten kamen vor allem von mir.
Ich persönlich konnte beim Hören der Platte Verbindungen zu Bands wie zum Beispiel Incubus, Tool oder Dredg herstellen. Aus eurer Sicht berechtigt oder eher nicht?
Ivo: Incubus und Dredg spielen sicher im selben Musikgenre. Eine Verbindung zur Musik von Tool war vielleicht vor ein paar Jahren mal da, ist jedoch auf dem neuen Album aus unserer Sicht nicht mehr zu finden.
Wie kam es zum Support von Bands wie Dredg und den Smashing Pumpkins?
Ivo: Eigene Booking Anstrengungen, soziale Netzwerke und Glück (lacht)!
Hattet ihr auf Tour Kontakt zu den Kollegen?
Ivo: Zu den Smashing Pumpkins gar nicht. Da wurde sogar der Soundcheck hermetisch abgeriegelt. Mit den Herren von Dredg wurde dann doch das ein oder andere Bier getrunken.
Versteht sich Across The Delta als Live-Band oder eher als "Studio-Tüftler"?
Ivo: Wir sind beides, da gibt es kein entweder - oder. Mit beidem sind Erfahrungen und Erlebnisse verbunden die wir nicht missen wollen.
Welche Musik habt ihr selbst gerade in eurem CD-Player?
Ivo: David hört "Contra" von Vampire Weekend, bei Johannes ist es Dave Matthews und "Big Whiskey And The GrooGrux King" und bei mir im Moment gerne "Animal" von Miike Snow als Mark Ronson Extended Dub Remix.
Wie sehen eure Pläne für die Zukunft aus? Gibt es schon Ideen oder Konzepte für ein nächstes Album? Irgendwelche Tourpläne?
Ivo: Ja, ein paar neue Lieder sind schon grob vorhanden. Ein theoretisches Konzept wird es jedoch wieder nicht geben. Wir sind voraussichtlich ab 20. November ein paar Tage in Deutschland unterwegs. Ansonsten sind wir natürlich live in Österreich präsent.
Welche Frage möchtest du in einem Interview gerne einmal gestellt bekommen?
Ivo: Warum seids ihr eigentlich so fesch und charmant?
Wie lautet deine Antwort?
Ivo: Viel Ottakringer Bier, Käsekrainer und natürlich der Wiener Schmäh (lacht)!
Vielen Dank und weiterhin viel Erfolg.
Ivo: Danke für dein Interesse! Immer wieder gerne!
Ein Dankeschön geht nach Berlin an Heiko Wessels von mightytunes (Booking-Promotion-Management), der uns dieses Interview vermittelt hat!
Die Tourpläne für November, von denen Ivo Thomann gesprochen hat, haben inzwischen konkrete Formen angenommen. Bis jetzt stehen vier Deutschland-Konzerte fest, die u.a. auch von Musicheadquarter präsentiert werden. Achtet also auf unsere News und weitere Berichterstattung in den nächsten Wochen! Hier die Termine:
21.11.10 - Potsdam, KenFM auf Radio Fritz
23.11.10 - Berlin, NBI
24.11.10 - Hamburg, Haus III&70
25.11.10 - Köln, Lichtung
Tickets gibts HIER!