Interview mit Jade in Köln

(AFI)

08.10.2006 von Melanie Schupp

Jahrelanges Warten wurde bei der AFI Tour 2006 gleich doppelt belohnt. Nicht nur ein sagenhafter Auftritt, nein sogar ein Interview im Vorfeld wurde uns beschert.

An dem sonnigen Nachmittag des 08.10. trafen wir AFI Gitarristen Jade im Tourbus, um ihm ein paar Fragen zu stellen.
Angenehm, sympathisch, ruhig und geduldig widmet er uns 30 Minuten seiner Zeit. Im Bus noch in Schwarz gekleidet, das später on stage dem komplett weißen schicken Bühnenoutfit weichen sollte.
Nach einer kurzen Begrüßung und dem Ausfüllen unseres Fragebogens (“Das ist ja wie bei einem Bewerbungsgespräch” – Jade´s amüsierter Kommentar dazu) können wir loslegen.

Euer aktuelles Album “Decemberunderground” beinhaltet 13 Songs. Hattet ihr noch mehr Songs aus denen ihr auswählen konntet?

Jade: Ursprünglich hatten wir hunderte von Songs für dieses Album. Wir haben dann 15 aufgenommen, drei davon sind unveröffentlichte SongsÂ… ah dann sind es sogar 16 Songs. Ich hoffe diese drei Songs werden eines Tages veröffentlicht werden.

Welches Kriterium war für euch für die Songauswahl wichtig?

Jade: Ahm... nun wir hielten es demokratisch ab. Wir wählten die aus, die gut auf dem Album zusammen passten. Es gab da kein spezielles Kriterium.

Was geschieht mit den übrigen Tracks, die nicht auf das Album kamen?

Jade: Wir haben uns überlegt vielleicht eine EP zu Weihnachten zu veröffentlichen. Ich mag die Songs sehr und ich möchte sie gern veröffentlichen.

Wie lange brauchtet ihr für die Aufnahmen?

Jade: Ich schätze es waren 5 Monate.

Ist während der Aufnahmezeit irgendetwas Auußergewöhnliches passiert?

Jade: Nicht wirklich. Die Aufnahmen waren in Hollywood, was wirklich cool war, denn das Studio war nur ein kleines Gelände, in dem viele verschiedene Leute ihre Aufnahmen machten. Es gab lediglich drei Räume und da waren wir und wenige andere. Michael Jackson kam eines Tages herein mit all diesen Leuten um sich herumÂ…

Michael Jackson??!

Jade: Yeah er machte dieses Allstar-Ding...

(im Scherz) Ist er immer noch am Leben?

Jade: Er ist es offensichtlich. Des weiteren haben Maroon 5 dort aufgenommen, Stevie Wonder kam um etwas aufzunehmen. Es waren also immer eine Menge unterschiedlicher Leute um uns herum, das war wirklich sehr interessant.

Und ihr habt euch keinen dieser Künstler als Gastsänger geschnappt? Michael Jackson & AFI...

Jade: Nein. Er (Michael Jackson) war einmal ein toller Künstler in der Vergangenheit.

Ja auf jeden Fall war er das.

Jade: Bevor er solch ein Freak wurde.

Zurück zu AFI. Ihr habt den Award für das beste Rock Video bei den Mtv Music Awards erhalten. Wie habt ihr euch dabei gefühlt?

Jade: Es war toll. Wir gewann schonmal einen im Jahr 2003 mit unserem vorigen Album. Und dieses Mal standen wir zur Wahl neben Green Day und Red Hot Chili Peppers. Richtig große Bands und wir hatten wirklch nicht erwartet zu gewinnen. Doch es geschah und das war cool, denn Lou Reed übergab uns den Preis!

Nun, viele Fans denken immer noch über euch als eine Art Undergroundban und sehen diesen kommerziellen Erfolg ziemlich kritisch. Wie geht ihr damit um?

Jade: Weißt du diese Veränderung ist über die Jahre hinweg entstanden und noch bevor wir in der großen Liga spielten gab es Leute die sagten “Oh ihr Jungs seid zu groß”. Alle waren darüber besorgt, was geschehen könnte. Vermutlich hörten wir schon vor langem auf uns darüber den Kopf zu zerbrechen. Wir haben unsere Alben nun über die Jahre hinweg verkauft, wir waren auf Mtv und im Radio. Falls jemand ein Problem mit dem kommerziellen Erfolg hatÂ… nun, wir kümmern uns nicht mehr darum.

Ihr investiert viel Zeit in die BandÂ… eigentlich euer Leben. Könntest du dir etwas neben AFI vorstellen, das dich genauso erfüllt?

Jade: Kann ich mir vorstellenÂ… was ich sonst tun würde?

Ja ich möchte wissen ob es etwas neben AFI gäbe, das dich so zufriedenstellen würde, wie es die Ban tut?

Jade: Nun, ich denke... es müsste auf jeden Fall etwas mit Musik zu tun haben denn Musik machen, Musik schreiben und performen ist alles eine ähnliche Art von Erfahrung. Zum Beispiel könnte ich nicht mit Bergsteigen anfangen. Es wäre sicherlich spaßig aber es würde nicht den Part ersetzen. Wenn ich  nicht in einer Band wäre gäbe es glaube ich nichts, das mich so erfüllen könnte. Sogar mein Hobby ist es, elektronische Musik zu schreiben und zu programmieren. Ich schreibe eine Menge RnB und Hip Hop Sachen an meinem Computer. Du siehst also, auch mein Hobby ist die Musik, ich könnte mich nicht weit davon entfernen.

Planst du deine elektronischen Sachen zu veröffentlichen (Anspielung auf Blaqk Audio) ?

Jade: Davey und ich haben ein Nebenprojekt, das sich Blakq Audio nennt. Es ist ein elektronisches Projekt. Wir versuchen zum Ende zu kommen und irgendwann nächstes Jahr ein Album zu veröffentlichen.

Ist auch geplant mit Blakq Audio auf Tour zu gehen?

Jade: Das würde ich gerne tun. Ich meine, wir würden sicher keine komplette Tour auf die Beine stellen, aber definitiv ein paar Shows spielen. Das wäre klasse. Einfach eine elektronischer AuftrittÂ…

Doch ich denke die meisten dieser Shows werden dann in Amerika sein, oder?

Jade: Vielleicht... weißt du Deutschland hat eine wirklich ausgeprägte elektronische Musikszene. Falls wir außerhalb der USA ein paar Gigs haben werden, dann höchstwahrscheinlich auch in Deutschland.

Ja das wäre toll! Kannst du uns etwas zu dem Videodreh zu “Love like Winter” erzählen?

Jade: Der Dreh ist ungefähr 1 ½ Monate her und fand in L.A. statt. Es war harte Arbeit, in dem Video sind Unmengen an Kunst-Schnee und wir waren alle dick eingepackt als ob wir im Schnee wären. Aber in der Realität wird es sehr heiß unter den Studio-Strahlern. Und der SchneeÂ… er flog einem ständig ins Gesicht und man schluckte ihn sogar. Es war schrecklich und anstrengend und ging über zwei Tage.

Und Davey hatte am zweiten Tag eine Szene unter Wasser. Sie begannen zu filmen und dann gab es Taucher zu jeder Seite. Ständig musste kurz gestoppt werden und die Taucher kamen angeschwommen, um Davey mit Luft zu versorgen, bevor er Wasser inhalierte. Ich war froh, dass ich das nicht machen musste. Das Video hatte letzte Woche auf Mtv seine Premiere.

Kannst du uns vielleicht auch etwas über das Fashion Label erzählen, das Davey hat?

Jade: Er arbeitet noch daran. Es kommt wohl nächstes Jahr raus.

Ist es Männer und Frauen Fashion?

Jade: Ja. Ich kann leider nicht viel dazu sagen, aber es wird nächstes Jahr rauskommen.

Wenn ihr über eure Fans sprecht, so tut ihr das aufÂ… ja man könnte sagen auf eine liebevolle Art und Weise. Fühlst du diese Verbindung wenn du an neuen Songs arbeitest oder nur wenn du am Konzert die Menge vor dir hast?

Jade: Seit ich in der Band bin... oftmals schreibe ich Stücke eines Songs nach dem Motto “wie wird es funktionieren. Die Fans singen den Part und dann singen wir diesen Part”. Oft habe ich die Fans dabei im Kopf und überlege mir wie sie es aufnehmen würden. Ich denke das ist eine gute Weise es anzugehen. Denn wenn du einen Song schreibst, tust du das in erster Linie, um ihn auf Tour zu präsentieren. Das Touren ist automatisch der nächste Schritt wenn du in einer Band bistÂ… rausgehen und eine Show geben. Du musst also die Fans berücktsichtigen.

Wir lieben unsere Fans und sie wissen das – jeder weiß das. Wir haben eine enge Verbindung zu ihnen und denken ständig an sie.

Gibt es eigentlich auch etwas, das du am Touren nicht leiden kannst?

Jade: Nun, manchmal... die Problematik des Duschens. Und die Sprachprobleme sind auch hin und wieder eine Hürde. Andererseits ist es jetzt viel einfacher als es in den Anfängen war. Als wir noch in einem kleinen Bus tourten und auf dem Boden schliefen. Es ist nun wirklich angenehmer.

Es ist eine Weile her, seit ihr das letzte Mal in Deutschland aufgetreten seid (ausgenommen der Gig in Berlin im Frühling). Was verbindet ihr mit Deutschland? Gibt es da etwas spezielles?

Jade: Deutschland... nun wir hatten hier bis jetzt einige Auftritte. Unsere Musik war in der Vergangenheit nie so großartig verbreitet, die Leute kennen uns hier nicht sooo gut. Und ich denke letztendlichÂ… die Leute hier entdecken unsere Musik langsam. Wir geben heute ein recht großes Konzert. Es ist schön, dass uns nun immer mehr Leute kennen, nachdem wir schon einige Male hier waren. Das ist cool.

Wie stehts mit Interviews? Was war die eigenartigste Frage, die euch jemals gestellt wurde?

Jade: Oh wir hatten so viele Interviews. Ich kann mich leider an keine komische Frage erinnern. Eigenartige Fragen.... nein, nichts. Ich bin sicher da gab es etwas, aber ich kann mich nicht erinnern.

Euer Cover Artwork zeigt ein paar Hasen und es sind auch Häschen im Bonustitel “Rabbits are Roadkill on Rt. 37”. Was hat es mit den Hasen auf sich?

Jade: Hasen habe viele verschiedene Bedeutungen. Im Winter verstecken sich die Hasen unter dem Schnee und es ist wieÂ… DecemberundergroundÂ… du verstehst?

Hasen können ebenso ein Omen für Vergeblichkeit und eine düstere Vorahnung darstellen. Und das Video zu “Miss Murder” ist ebenso eine Art düstere Vorahnung.

Die Nummer 37 ist auch zweimal auf dem Album vertreten (Rabbits are Roadkill on Rd. 37 & 37mm)... ist dies Absicht?

Jade: Ja die Nummer 3 ist eine alte Nummer in der Geschichte und besitzt eine Menge Energie. Auch diese Nummer hat viele Bedeutungen in verschiedenen Kulturen. Wir verwenden die Nummer häufig.

Warum habt ihr “Love like Winter” als zweites Release?

Jade: Es hätte eigentlich auch jeder andere Song des Albums sein können. Wir mögen alle Songs auf dem Album. Aber da das gesamte Album ein Winterthema darstellt war dies der geeignetste Song.

Es gibt da ein Buch über die Geschichte von AFI, die auf Internetberichten basiert. Eure Band war in dieses Produkt nicht einbezogen und der Inhalt ist auch teilweise nicht 100% korrekt. Beabsichtigt ihr ein eigenes Buch zu veröffentlichen?

Jade: Weißt du, so viele Leute wissen so viel über unsere Band. Ich wüsste nicht, was ich noch erzählen könnte, das die Leute noch nicht kennen. Vielleicht könnte man ein “Behind the scenes” Buch schreiben.

Ihr seid ja viel unterwegs auf Tour. Gibt es da eine interessante Geschichte die euch passiert ist. Vielleicht etwas lustiges oder merkwürdiges?

Jade: Mal sehen... es gibt eine gruselige Geschichte. Da gibt es ein Hotel in Los Angeles, in dem wir immer untergebracht sind wenn wir dort einen Auftritt haben oder sonst etwas tun. Es spukt dort. Adam bekommt jedes mal dieses eine Zimmer im obersten Stockwerk. Ich denke die Angestellten machen das nicht mit Absicht, es geschieht einfach immer wiedera us einem unbestimmten Grund. Und es spuktÂ… nachts wacht er auf und sieht diesen alten Mann im Türeingang stehen. Das ist ihm ein paar Mal passiert. Er hört auch Schritte und solche Dinge, es ist wirklich gruselig.

Ein alter Mann? Welche Nummer hat das Zimmer?

Jade: Ich glaube es ist Nummer 336. Gruselig.

Wirklich. Was denkst du als Musiker über das Internet? Ist es ein Fluch oder ein geeigneter Weg Werbung zu betreiben?

Jade: Es ist beides. Für neue, aufsteigende Bands ist es sehr wichtig heutzutage. Aber es ist natürlich auch ein Fluch, du kennst es jaÂ… all diese Gerüchte und das Gerede ist meist durch das Internet bedingt.

Wo siehst du AFI in Zukunft, was sind die Pläne falls alles so läuft wie erhofft?

Jade: Weiter touren. Wir denken nicht darüber nach wie lange wir das tun wollen. Wir leben einfach für jeden einzelnen Moment und machen weiter.

Meine letzte Frage. Wie siehts mit Reviews, wie z.B. Fankritiken oder Kritiken in der Presse aus. Lest ihr das oder ärgert es euch vielleicht sogar?

Jade: Ich schaue mir so etwas nicht an. Ich gehe nicht online und forsche danach, was die Leute sagen. Ich habe mir so etwas früher durchgelesenÂ… wir hatten eine Menge guter Kritiken und wir hatten ein paar schlechte. Jeder hat eine eigene Meinung über Musik. Ich kümmere mich nicht groß darum was die Leute über unsere Musik denken. Man sollte tun was man selbst für das Beste halt. Es ist nicht so wichtig was die anderen denken.

Nachdem Jade uns alle Fragen beantwortet und uns seinen lebenswichtigen Sidekick III vorgeführt hat, verlassen wir den Tourbus und warten in den letzten Strahlen der Oktobersonne auf den Einlass und den glanzvollen Auftritt von AFI.

Lieben Dank an Dorit und Niels von Oktoberpromotion, die uns dieses Interview ermöglicht haben, als auch an Jade und AFI.

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