Interview mit Ben Folds in Mannheim (Deutsche Version)

(Ben Folds)

03.07.2008 von Sascha Knapek

Bis 2005 hat sich Ben Folds auf deutschen Bühnen relativ rar gemacht. 2008 war er nun zum dritten Mal innerhalb von drei Jahren bei uns auf Tour. Musicheadquarter hatte vor seinem Konzert in Mannheim die Gelegenheit zu einem Interview mit dem 41-jährigen US-Amerikaner (den Konzertbericht findet ihr hier). Das in der edlen Lobby des Hotels „Mannheimer Steigenberger Hof“ stattgefundene Gespräch führte Sascha Knapek (alle Fotos von Stefan Mock).

Ben, als wir uns das letzte mal unterhalten haben, hattest du gerade eine Tour durch Europa hinter dich gebracht, während der du dir eine dicke Erkältung zugezogen hattest. Hast du diesmal irgendwelche Vorkehrungen getroffen?

Ben Folds: Na ja, dieses Mal habe ich keine Erkältung, aber dafür einen ausgerenkten Rücken (Man merkte gleich zu Beginn, dass ihm das Sitzen ziemliche Probleme bereitete. Während des gesamten Gesprächs versuchte er so oft wie möglich seinen Rücken zu entlasten und änderte unzählige Mal seine Sitzposition, d. Red.).Irgendwas ist immer.

Wenn ich richtig liege, dann hast du hier in Deutschland bereits einige neue Songs vorgestellt. Was kannst du uns über deine neuen Stücke und das neue Album, das im September erscheinen soll, erzählen?

Ben Folds: Im Vergleich zur letzten Platte ist es viel schneller und aggressiver geworden. Ich weiß nicht, ich glaube es ist ein gutes Album (lacht).

Hat die Platte denn schon einen Titel?

Ben Folds: Ja, sie heißt “Way To Normal“.

Steckt eine bestimmte Bedeutung hinter dem Titel?

Ben Folds: Nein, die gibt es nicht. Ich hatte ungefähr sechs oder sieben Titel und hab dann die Plattenfirma angerufen und gesagt: „Hier ist mein Titel.“ Und dann hab ich am nächsten Tag wieder angerufen und gefragt ob die Deadline schon vorbei ist. Wenn sie „nein“ gesagt haben, habe ich ihn wieder geändert. Als ich das letzte Mal angerufen habe, haben sie gesagt, dass die Deadline verstrichen ist. Also hab ich gefragt wie das Album denn nun heißen würde und sie haben geantwortet, dass das letzte was ich gesagt hätte “Way To Normal“ war. Und ich sagte „OK“.

Wie würdest du deine neuen Songs jemandem beschreiben, der sie noch nicht gehört hat?

Ben Folds: Es ist ein Rock-Album. Das Piano bildet das Fundament und ein paar Drums sind auch dabei. Es ist ziemlich geradeaus und direkt. Im Album steckt viel Energie. Ich war in einer viel energiegeladeneren Stimmung als jetzt gerade (lacht). Ich meine, auf der Platte macht’s ab der ersten Note einfach nur BLLLAAAH (der von Ben gemachte laute Ton ist schwer in Buchstaben auszudrücken, d. Red.) und das geht über die gesamte Albumlänge so weiter. Es gibt ein paar langsamere Songs, aber der Rest ist einfach ungebändigte Musik.

Stimmt es, dass du einen Song namens “Cologne“ geschrieben hast? Bitte erzähl uns etwas über den Hintergrund dieses Stückes.

Ben Folds: Ja. Nun ja, ich hab mir den Grundriss des Songs überlegt als ich in Köln vom Bahnhof weggegangen bin. Es hat sich einfach gut angefühlt.

Du hast eine sehr energische Bühnenpräsenz und während deiner Konzerte wird das Publikum oft zu einem integralen Bestandteil. Wie gehst du mit der Situation im Studio um, stört es dich, dass es keine umgehende Reaktion eines größeren Publikums auf deine neuen Stücke gibt wenn du sie aufnimmst? Oder versuchst du dir vorzustellen wie ein Publikum während eines gewissen Songs reagieren würde?

Ben Folds: Bei diesem Album haben wir tatsächlich ein gefälschtes Publikum an den Anfang gesetzt. Während eines Konzerts hab ich den Leuten erklärt wie der Song geht und hab sie mitsingen lassen. Das haben wir dann über den ersten Song des Albums gelegt. Aber nein, es stört mich nicht, dass das Publikum fehlt wenn ich aufnehme. Du arbeitest immer mit irgendjemandem zusammen und wenn du was Aufregendes machst, dann spürt das auch jeder. Es ist das gleiche wie bei einer Show, da gibt es für mich keinen Unterschied.

Normalerweise bist du dafür bekannt deine Platten selbst zu produzieren. Hast du diesmal mit einem „normalen“ Produzenten gearbeitet?

Ben Folds: Ja, habe ich. Seine Name ist Dennis Herring. Ich mochte was er mit dieser Modest Mouse-Platte gemacht hat (“We Were Dead Before The Ship Even Sank“, d. Red.). Er ist ein exzellenter Musiker und er hat schon sehr viele Platten produziert (z.B. für Elvis Costello, The Hives, Counting Crows, d. Red.). Es war eine gute Zusammenarbeit mit ihm, er hat uns in Form gepeitscht. Er hat nicht zugelassen, dass wird schlaff in der Ecke hängen. Manchmal nehme ich eine Stunde lang auf und dann frag ich alle, ob sie nicht Lust haben eine Kaffeepause einzulegen. Dann gehen wir für zwei Stunden ins Cafe, kommen zurück, gucken noch ein bisschen YouTube und dann fangen wir wieder mit den Aufnahmen an. Dennis hat uns den ganzen Tag arbeiten lassen. Das kommt auf dem Album auch ganz gut rüber, es wurde dadurch um einiges stärker.

Du hast zusammen mit Amanda Palmer von den Dresden Dolls ihr bald erscheinendes Soloalbum “Who Killed Amanda Palmer“ produziert – und auch darauf gespielt. Wie war es einen anderen Künstler zu produzieren?

Ben Folds: Es ist jetzt das zweite Mal, dass ich das gemacht habe. William Shatner hab ich auch schon produziert. Dieses Mal war es ähnlich. Während ich mit verschiedenen Künstlern arbeite, finde ich Ähnlichkeiten. Eine Sache die man machen sollte ist, dass man herausfinden sollte warum diese Person denkt, dass ihre Musik wichtig ist. Denn dann weißt du, dass diese Antwort die Falsche ist. Künstler denken immer sie wären etwas, was sie eigentlich gar nicht sind. Das ist als wenn jemand sich selbst für einen Klassenclown oder irgendetwas anderes hält. Normalerweise ist das, was so eine Person über sich sagt nicht wirklich zutreffend und das gibt dir einen Anhaltspunkt worauf du achten musst. Wenn sie anfangen das zu tun, weißt du, dass sie nicht sie selbst sind und dass sie sich in eine Art Schutzzone zurückziehen. Das hat bisher bei beiden Künstlern gestimmt mit denen ich gearbeitet habe. Ich würde gerne mehr Sachen produzieren, denn mir gefällt es die Leute zu finden und sie im Studio genau das sein zu lassen was sie sind. Ich wünschte mir, das würde auch jemand für mich machen, aber wenigstens kann ich es für andere Leute tun.

Bist du dabei jemals in eine Situation geraten in der du etwas gesagt hast oder einen Vorschlag gemacht hast bei dem du anschließend dachtest: „Hmm, wenn ein Produzent das zu mir gesagt hätte, wäre ich darüber alles andere als erfreut gewesen.“

Ben Folds: Ja, aber um ehrlich zu sein, musst du das als Produzent einfach manchmal machen. Gleich zu Anfang sollte man festlegen, dass es sozusagen nur was geschäftliches ist, eine Art Rollenspiel. Zum Beispiel: Ich bin der Produzent und ich werde ein paar Dinge sagen, die Produzenten so sagen. Und du bist der Künstler und du wirst ein paar Dinge sagen, die Künstler so sagen. So lange wir beide aus dem Raum gehen und uns noch in die Augen sehen können, ist alles in Ordnung und das Ganze nichts persönliches – dann kann man bestimmte Dinge auch sagen. Aber Amanda kann gut was einstecken, sie ist taff. Ich habe ein paar ziemlich harte Sachen zu ihr gesagt – nicht über sie persönlich, sondern über bestimmte Richtungen von einigen Songs. Wenn sie damit nicht einverstanden war, dann war sie damit nicht einverstanden, so einfach. Sie ist da ziemlich selbstbewusst. Vielleicht hatte sie Recht oder vielleicht hatte sie Unrecht, aber ich denke wir haben dadurch eine ziemlich gute Platte gemacht.

Wie waren denn diesbezüglich deine Erfahrungen mit Dennis Herring?

Ben Folds: Meine Erfahrungen waren ziemlich gut. Dennis Herring ist bekannt dafür Leute zu verärgern. Wenn du seinen Namen googelst, stolperst du über viele Geschichten diverser Künstler, die mit ihm gearbeitet haben und die ihn schlagen wollten. Ein Typ hat erzählt, dass er die Polizei rufen wollte bevor er in die Session ging, weil er wusste dass er Dennis verprügeln würde. Er wollte der Polizei nur schon rechtzeitig bescheid sagen, damit der Polizist wusste, dass Dennis verprügelt sein würde wenn der Polizist eintrifft. Aber mich hat er nicht genervt. Es gibt genügend ernste Sachen im Leben, wenn dir jemand sagt, dass du echt scheiße bist und dass du etwas noch mal machen musst ist es halb so wild. Wen kümmert’s?!

Während der letzten Jahre hast du die Musik für den Animationsfilm “Ab Durch die Hecke“ geschrieben und mit Captain Kirk, William Shatner, zusammengearbeitet. Worin besteht für dich die Verbindung zwischen Film und Musik und planst du weitere Sachen in dem Bereich zu machen?

Ben Folds: Na ja, ich könnte viele Sachen machen. Ich bin mir nicht sicher ob das der Weg sein wird, den ich einschlage. Meine Songs erledigen zu viel von der Arbeit, denke ich. Wenn du dir zum Beispiel einen Film ansiehst und im Hintergrund Musik läuft, dann assistiert diese dem Film, sie versucht nicht der Film zu sein. Mit dieser Auffassung hatte ich ein Problem. Ich fülle den emotionalen Raum zu sorgfältig. Ich sage nicht, dass ich es nicht tun könnte, aber ich sehe die Chance etwas Musikalisches zu machen und wenn ich meine Augen schließe denke ich, dass es ein großartiger Song ist. Wenn ich dann meine Augen öffne und den Film ansehe, ist der Song nicht mehr so gut. Also ändere ich den Song, sehe mir noch mal den Film an und plötzlich passt das Stück besser. Aber wenn ich dann wieder meine Augen schließe, ist der Song nicht mehr so gut. Diese Dynamik gefällt mir nicht. Es stört mich das beiden Komponenten so dermaßen miteinander verbunden sind. Was wenn sich jemand den Soundtrack anhört und fragt: „Warum hast du diesen Mist geschrieben?“ (Nach diesem Satz wechselt Ben seine Stimme und spricht den folgenden Satz in einer hohen, lächerlichen Stimmlage, d. Red.) „Nein, nein, nein, du musst dir das zusammen mit dem Film ansehen. Warte bis du die verdammte Ratte und den Waschbär tanzen siehst, dass ist großartig.“ (lacht) Das stört mich.

Einige deiner Fans nehmen für deine Konzerte einen ganz schön weiten Weg auf sich. Hast du das früher auch gemacht und was ist der weiteste Weg den du jemals für ein Konzert in Kauf genommen hast?

Ben Folds: Als ich in der Highschool war, bin ich nach New York City gefahren, dass war ca. zehn Autostunden von meinem Wohnort entfernt. (Ein Gruppe japanischer Touristen beobachtet das Gespräch freundlich von der Seite und wartet auf unser OK um an uns vorbeilaufen zu dürfen – man könnte uns damit ja stören. Ben bemerkt lächelnd, wie nett er die Leute hier findet und ich stimme ihm zu. d. Red.) Ich wollte Elvis Costello sehen. In die Show bin ich zwar nicht reingekommen, aber ich saß dann hinter dem Club. Als er rauskam habe ich ihn nur angeguckt und gedacht „wow, das ist Elvis Costello“. Ich hätte ihn ansprechen können, aber ich war zu schüchtern.

Und jetzt bist du sozusagen in der Situation von Costello.

Ben Folds: Ja, und deshalb versteh ich das auch. Ich fuhr dahin um mir Elvis Costello anzusehen, weil seine Musik für mich Sinn machte. Ob ich einen beschissenen Job hatte oder das Leben um mich herum nicht ganz normal war, wenigstens Costello hat Sinn gemacht. Aber als es dann darum ging ihn wirklich zu treffen, habe ich keinen Grund darin gesehen. Vielleicht wäre er gar nicht die Person gewesen, die ich erwartet habe, ich wollte ihn einfach nur mal sehen. Wow, da geht er. Das hat mir gezeigt, dass es diesen Kerl wirklich gibt und dass er ins Studio geht und all diese Sachen macht. Als ich in der Highschool war, hörte sich das alles an als ob sie direkt von Gott kämen oder so was in der Richtung.

Kürzlich hast du auf Festivals wie z.B. “Bonnaroo“ gespielt und in zwei Tagen trittst du beim deutschen Rheinkultur-Festival auf. Was erwartest du dir vom Publikum und was ist generell deine Meinung über das Publikum auf Musikfestivals?

Ben Folds: Das ist immer unterschiedlich. Manchmal gibt’s Drug-Lag. Du spielst oder sagst irgendwas und ein paar Minuten später geht den Leuten dann ein Licht auf (lacht). Manchmal schwimmen sie im Schlamm und sind nicht gerade glücklich darüber und manchmal schwimmen sie im Schlamm und sind total begeistert davon. Das Publikum ist immer unterschiedlich. Meine Lieblingsfestivals haben keine gleichzeitigen Auftritte auf benachbarten Bühnen. Das ist Mist, da kann man nicht mit voller Energie an die Sache rangehen. Du konkurrierst nur mit dem Low-End irgendeiner anderen Bühne und das ist scheiße. Ich meine, Bonnaroo mag ich sehr und Glanstonbury war auch prima. Das Festival was mir richtig gut gefallen hat war ein europäisches, ich glaube es war in Holland oder Dänemark. Ich kann mich nicht daran erinnern wie es hieß, es geht einfach zu schnell hin und her von Auftritt zu Auftritt. Das Publikum war dort eher klein und sehr freundlich. Die meisten standen mit dem Rücken zu uns, weil auf der Bühne gegenüber eine einheimische Künstlerin namens Anouk gespielt hat und alle da waren um sie zu sehen. Aber die Leute die da waren um unseren Auftritt zu sehen waren sehr freundlich, das Festival hat mir sehr gut gefallen.

Hast du dir bei Bonaroo auch ein paar Auftritte anderer Bands angesehen? Die haben da jedes Jahr ein erstaunliches Line-Up.

Ben Folds: Nein, habe ich nicht. Ich musste das hier machen (seine Handbewegungen deuten darauf hin, dass er Interviews meint) und dann mussten wir fahren, ich hatte alles mögliche wie Edit-Approvals und Videogeschichten für mein neues Album abzusegnen. Da konnte ich mir niemand anders ansehen.

Über die Jahre hast du sehr viele Songs geschrieben. Kommen dir irgendwelche bestimmten in den Sinn die du wahrscheinlich nie mehr live spielen wirst und warum ist das so?

Ben Folds: Na ja, einige der frühen Stücke. So eingängig ein paar von ihnen auch waren, ich kann mich einfach nicht mehr daran erinnern warum ich sie geschrieben habe. Ich habe keine Beziehung mehr zu ihnen, vielleicht hatte ich damals noch nicht mal eine Beziehung zu ihnen. Ich war einfach froh einen Song zu schreiben. Ein Song wie “Sports & Wine“, ich hab keine Ahnung von was zur Hölle der Track handelt. Ich weiß, dass es ein guter Song ist, aber ich könnte nicht dasitzen und das Stück bei einem Gig spielen ohne eine Miene zu verziehen. Ich würde einfach nicht wissen von was ich da überhaupt gerade singe (lacht).

Die Präsidentschaftswahl ist dieser Tage ein großes Thema in den USA. Was denkst du über den gesamten Prozess und denkst du, dass Amerika sich während des Wahlkampfs verändert?

Ben Folds: Es ist wie ein großes Basketballspiel über das sich alle Leute unterhalten. Jeder sorgt sich um all die unwichtigen Sachen und die wichtigen Sachen versteht niemand, niemand redet über sie und Raum für Zwischentöne gibt es auch nicht. Sie veranstalten eine Wrestling-Show im Fernsehen, bei der die Leute nicht wirklich miteinander ringen, sondern einfach nur in die Kamera schreien (Ben verstellt seine Stimme und schreit den nächsten Satz in Wrestler-Manier). “Ich werde dich nächste Woche kalt machen Ronnie Piper, du wirst untergehen!“ So ist das ungefähr. Ich versteh das noch nicht mal ansatzweise, ich wünschte ich würde es verstehen. Ich wünschte ich hätte was anderes zu tun als mich nur darüber auszukotzen. Ich denke der kürzlich verstorbene George Carlin hat es am besten ausgedrückt: “In Amerika hast du die Wahl. Du hast keine Wahl in Amerika. Weißt du was deine Wahlmöglichkeiten in Amerika sind? Gang oder Fenster, Papier oder Plastik?“ Ich meine, ich mag wo ich herkomme. Ich mag meine Heimat und das alles, aber ich glaube, dass die Politik nichts mit den Problemen der Menschen zu tun hat. Die ganze Veranstaltung ist riesengroß, es ist Showbusiness, dass ist was es ist. Jeder denkt, dass zum Beispiel Obama das sein wird was viele in ihm sahen. Wir werden das in den nächsten paar Wochen herausfinden. Ein paar der bevorstehenden Entscheidungen werden ihm die Möglichkeit geben seinen Worten auch Taten folgen zu lassen. Ich hab so ein Gefühl, dass er das nicht tun wird. Ich mag ihn, ich denke er ist ein absoluter Rock-Star und ich würde ihn lieber im Weißen Haus sehen als McCain. Aber ich bin mir nicht sicher, ob ich überhaupt irgendwas davon glauben soll.

Er scheint viele Leute zu begeistern.

Ben Folds: Aber für was zu begeistern? Das ist genau das Problem, er hat in der Richtung noch nicht viel gesagt. Ich denke, das er begeisternd ist, aber das ist auch Lil’ Wayne.

Es sieht so aus als ob Obama viele jüngere Leute mit einbezieht und an die Wahlurnen bringt.

Ben Folds: Ja, aber zählt das? Die letzten beiden Wahlen in Amerika wurden wahrscheinlich manipuliert.

In Ordnung, leider läuft uns die Zeit davon und ich muss zu meiner nächsten Frage kommen. Wo entdeckst du neue Musik, wie hörst du von neuen Bands die einen genaueren Blick verdienen?

Ben Folds: Wenn es sehr unbekanntes Zeug ist, dann durch Freunde. Zum Beispiel empfiehlt ein Freund mir dann irgendeine Band oder gibt mir eine CD. Wenn man es überall kaufen kann, dann meistens über iTunes, denn die haben diese „listeners also bought“-Funktion. Kaufst du dir zum Beispiel Beirut, dann steht da „listeners also bought LCD Soundsystem“ und wenn du darauf clickst steht da „listeners also bought The Yeah, Yeah, Yeahs“. Du gehst vom Einen zum Anderen und du kannst dir immer kleine Samples anhören und sehen ob es dir gefällt oder nicht. Einmal alle paar Wochen mache ich das und hör mich durch eine Menge Musik. Es interessiert mich nicht so sehr etwas darüber zu lesen, mir von jemandem sagen zu lassen was mir gefällt. Ich mag es mehr mir die Musik selbst anzuhören. Na ja, wahrscheinlich sagt einem die „listeners also bought“ Funktion auch was man mag. Aber du kannst es dir zumindest anhören und dir dein eigenes Bild machen. Ich denke, das funktioniert ganz gut und es ist eine prima Funktion.

Ebenfalls bei unserem letzten Gespräch habe ich dich etwas über Reinhold Messner gefragt und ob du ihn schon mal getroffen hast. Du hast mir erzählt, dass du ihn noch nie getroffen hast. Kürzlich hatte ich in der Uni mit dem Thema Messner zu tun und hab mir dabei überlegt wie ein Treffen zwischen Reinhold Messner und Ben Folds aussehen würde. Vielleicht im Rahmen einer Podiumsdiskussion oder etwas ähnlichem. Jemand der Grenzgänge am physiologisch und psychologisch Möglichen begeht und ein Musiker der sich im Grenzbereich einer heute eher ungewöhnlichen Art und Weise Rock’n’Roll zu spielen bewegt. Was würdest du von so einer Diskussionsrunde halten?

Ben Folds: Soweit ich weiß hat er eine ziemlich exzentrische und energische Persönlichkeit. Also, würde ich besser meinen Mund halten (lacht und tut dies auch während des nächsten Satzes). Ich würde wahrscheinlich einfach meinen Mund halten und zuhören, weil er diese ganzen unglaublichen Sachen gemacht hat und all diese Geschichten erzählen kann. In so einer Situation ist es besser zuzuhören. Im Zuge meines Älterwerdens versuche ich einfach mal ruhig zu sein und zuzuhören. Ich meine, gerade gebe ich ein Interview und mein Job ist es über mich selbst zu reden, aber wenn dir jemand wie er gegenübersitzt, dann ist es besser einfach zuzuhören. Mein Manager hat mal mit ihm gesprochen und er sagte, Messner sei eine ganz schöne Type. Leute die etwas tun von dem alle anderen sagen, dass es nicht funktionieren wird, haben etwas gemeinsam. Es muss noch nicht mal etwas weltbewegendes sein, ein Koch in einer Küche reicht schon. Zum Beispiel sagt jemand, „das klappt nicht wenn du das alles frittierst und dann mit dem anderen Zeug zusammenmischt.“ Aber dann funktioniert es. Man muss eine gewisse Persönlichkeit aufweisen, die nicht zuhört, sondern Sachen einfach selbst herausfinden möchte. Ich interessiere mich immer für diese Art von Menschen, denn ich denke, dass ich auch schon mal etwas in der Richtung gemacht habe. Manchmal sagt jemand das etwas nicht funktionieren wird und dann bekommst du Angst und versuchst es erst gar nicht. Ich erinnere mich an die Geschichte von Reinhold und seinem Bruder am Nanga Parbat, unglaublich.

Vielen Dank für deine Zeit, Ben!

Vielen Dank für die freundliche Unterstützung an Veronika Hagn und Lina Finelli (beide SonyBMG)!

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