(Betontod)
Betontod haben sich bereits seit Anfang der 90er einen Namen in der Punkszene gemacht und sind seit jeher aus dieser nicht mehr wegzudenken. Für ein nahegelegenes Gastspiel - man könnte fast schon Heimspiel sagen - hat die Band einen Zwischenstopp in der Domstadt eingelegt und zu einem fünfzehnminütigen Interview eingeladen. So traf sich MHQ-Redakteur Marc Brüser an diesem kühlen Oktoberabend mit Gitarrist Frank "Eule" Vohwinkel im Biergarten des Kölner Underground.

Frank, wie war die Tour bis jetzt so? Ihr seid ja mit der Hälfte der Konzerte bereits durch. Gab es irgendwelche besonderen Vorkommnisse bis jetzt?
Frank: Eigentlich sind wir schon komplett durch. Wir hatten bis jetzt vier Auftritte, heute ist die fünfte und letzte Show und zwischen Weihnachten und Neujahr haben wir nochmal vier. Aber zurück zu deiner Frage: Die Tour ist bombig wie immer. Gut, es gab anfangs einige Schwierigkeiten, da wir für die Show in Innsbruck keine Plakate bekommen haben. Aber sonst war alles super, vor allem München war geil.
Apropos Tour: Ich habe gehört, dass ihr auf dem G.O.N.D. (Größte Onkelz Nacht Deutschlands, d.Red.) im letzten Jahr gespielt habt. Die Onkelz sind ja in der Punkszene, nennen wir es mal verrufen. Sie sind bekanntlich vieles, aber auf jeden Fall nicht links. Wie kam es zu dieser ungewöhnlichen Zusammenarbeit?
Frank: Sagen wir so: Ich weiß, dass das Thema kein einfaches ist, gerade für die Punkszene und wir kommen aus der Punkszene und sind da auch immer noch. Nur man muss auch die Realität mit hinein nehmen und wir haben keinen Bock uns zu verbiegen. Ich hör die Onkelz seit ich 16 oder 17 bin. Und wieso sollte ich mich dafür schämen? Wir alle hören sie selber privat und ich finde, dass Stephan Weidner ein großartiger Texter ist. Also mit denen habe ich weitaus weniger Probleme als mit der aktuellen Kopie.
Meinst du Freiwild?
Frank: Ja, genau die meine ich. Das ist mir einfach zu viel Kopie.
Deswegen sind sie auch wahrscheinlich so erfolgreich.
Frank: Es wundert mich persönlich nur, dass das alles nochmal funktioniert.
Ich finde, dass es auch zwischen euch und den Onkelz einige Parallelen gibt, die man stark auf eurem neuen Album "Antirockstars" heraushören kann. Zum Beispiel "Mit Vollgas durch die Hölle" erinnert von der Thematik her an Onkelz-Songs wie "Die Stunde des Siegers" oder "C’est La Vie". Habt ihr in der Zeit, wo ihr das Album geschrieben habt auch wirklich so viel Scheiße erlebt?
Frank: Im Endeffekt ist das aktuelle Album aus unserer Sicht eine Review aus 20 Jahren Bandgeschichte. Es sind mittlerweile sogar schon 21 Jahre. Diese Bandgeschichte haben wir bei diesem Album versucht zu beschreiben und es ist teilweise wirklich hart gewesen das alles in Worte zu fassen. Für eine Band die a) so einen Namen hat und b) aus dieser Szene kommt ist es ein unglaublich schwieriger Weg gewesen so weit zu kommen.
Das ist bestimmt der Fall. Das Einzige was mich bei der Platte gestört hat, war die Ähnlichkeit der ganzen Songs, vor allem im Hinblick auf die stark ausgeprägte Melancholie.
Frank: Gut, aber die Sachen die wir dort wiedergeben sind nicht erfunden. Es war teilweise wirklich so verdammt schwer gewesen und das haben wir auch garantiert nicht angestrebt. Und was die Texte angeht: Ich habe schon öfters in Reviews gelesen, dass das Album keine Offenbarung ist, aber was will man denn großartig neu erfinden nach 21 Jahren? Gib mir ein Album von irgendeiner Band, was du total klasse findest und ich werde dir sagen: Ich bitte dich, das wurde schon 18.000 Mal so gespielt.

Klar, ich will damit auch nicht sagen, dass das ganze Album schlecht ist, es hat auf jeden Fall seine Momente. Mein Lieblingssong ist beispielsweise "Auf eine gute Zeit". Kannst du mir ein wenig über die Entstehung des Liedes erzählen?
Frank: In dem Song stellen wir die Beziehung zu unserem alten Schlagzeuger dar. Wir hatten eigentlich eine wirklich gute Zeit gehabt, aber... naja, Scheiße kann man eben nicht polieren, was (lacht)? Trotz allem steht die Grundformation immer noch, wie vor 21 Jahren.
Gab es in eurer Anfangszeit irgendwelche Vorbilder, die euch beeinflusst haben?
Frank: Was heißt Vorbilder? Gut, es gibt immer wieder Bands, die einen inspirieren, aber das sind Gruppen aus verschiedensten Stilrichtungen. Bei mir war das hauptsächlich der Punk- und Metalbereich, allen voran Die goldenen Zitronen und Iron Maiden.
Zu einem anderen Song: Wie kamt ihr dazu die Melodie von "Wir haben ein Idol" für euren Song "König Alkohol" zu benutzen? Sehr unterhaltsam das Ganze.
Frank: Naja, zu jedem Song musst du halt eine Hookline haben, beziehungsweise eine Melodie, die einen hohen Wiedererkennungswert hat. Und da hat sich das einfach angeboten.
Wenn man euch als Band gerade erst neu entdeckt hat: Welche Songs würdest du den "Neueinsteigern" empfehlen zu hören?
Frank: Auf jeden Fall würde ich da das Album "Schwarzes Blut" empfehlen, das ist aus meiner Sicht eines der Punk-Alben schlechthin. Keine Frage, das würde ich allen "Neueinsteigern" nahelegen, die uns noch nicht so gut kennen.
Ein anderes Thema: Ich habe im Internet gelesen, dass ihr euch schon vor einiger Zeit von eurem Label "Nix-Gut Records" getrennt habt und eure letzten beiden Alben unter eurem eigenen Label herausgebracht habt. War die Umstellung leicht oder hat es viel mehr Arbeit als gedacht mit sich gebracht?
Frank: Es kam da auch immer darauf an bei welchem Label wir unter Vertrag standen. Beispielsweise hat uns die Plattenfirma, bei der wir das erste Album released haben, von vorne bis hinten verarscht. Wir waren echt froh, als wir dann davon weggekommen sind. Unsere zweite Scheibe brachten wir dann bei einem Label heraus, welches kurz danach pleite gegangen ist. Schließlich landeten wir bei "Nix-Gut Records", die das alles schon ganz gut gemacht haben. Letztlich wollten wir es aber dann doch selber anpacken. Der Hauptgrund war, dass keines der Labels es geschafft hat unsere Musik wirklich zu verbreiten. Und siehe da, unsere beiden neuesten Alben haben es bis in die Charts geschafft. "Antirockstars" sogar auf Platz 28. Und das will – finde ich zumindest – schon etwas heißen.
Auf jeden Fall. Vor allem in finanzieller Hinsicht ist das ja nochmal ein komplett neuer Anreiz, der euch da geboten wird. Das soll jetzt nicht heißen, dass ihr die Musik macht, um das große Geld zu kassieren. Ich meine es nur in der Hinsicht, dass ihr ja nicht nur vom Musikerdasein leben könnt.
Frank: Wir wollen das auch gar nicht. Klar, wenn man jetzt wie Die Toten Hosen beispielsweise die ein oder andere Million mit seiner Musik verdient hat, dann sagt man ganz sicher nicht nein dazu. Es geht mir eher um die Frage, ob ich die privaten Strukturen aufgebe für die Musik alleine, wo ich vielleicht dann gar nichts anderes mache als heute. Wir investieren in die Musik momentan unheimlich viel Zeit, wir touren jede Menge, wir spielen viele Konzerte. Die Frage ist einfach, was würden wir dann anders machen? Nichts.
Unsere Zeit ist leider um. Noch ein paar letzte Worte an alle die dieses Interview lesen?
Frank: Ich habe nur das zu sagen, was ich bei so etwas immer sage: Investiert euer Geld in handgemachte, gute Musik. CDs oder Konzerte, das ist scheißegal. Es gibt einfach nur so viele großartige Künstler, die es gilt zu fördern.
Wahre und schöne Abschlussworte. Vielen Dank für das Interview!
Mit freundlicher Unterstützung von Oktober Promotion, namentlich Hanno Klänhardt!