(Black Stone Cherry)
Eine ganz neue Erfahrung für mich: zum ersten Mal kann ich ein Interview nach einem Konzert führen, was mir ermöglicht zuerst ein Bild von der Live-Show der Band und der Stimmung während des Konzertes zu bekommen.
Dieses Vergnügen habe ich mit den jungen Rock-Newcomern von Black Stone Cherry aus Kentucky. Bereits während der Show im Kölner Underground verkündigt Sänger Chris nach dem Konzert noch ein „Meet and Greet“ mit den Fans zu halten. Jeder ist willkommen die Band zu begrüßen: Shakehands, Fotos, Autogramme und immer ein Lächeln auf den Lippen. Erst die Ordner im Underground unterbrechen die Idylle, alle raus und nun heißt es auf meinen Interviewpartner Drummer John Fred warten. Bassist Jon vertreibt mir im Aufenthaltsraum der Band die Wartezeit mit einem netten Small-Talk über das Tourleben, die großen Unterschiede zwischen Köln und Brüssel, den noch nicht besichtigten Kölner Dom und die anfängliche Unwissenheit in Hamburg mitten auf der Reeperbahn entlangspaziert zu sein und sich dabei komisch gefühlt zu haben.

Unseren obligatorischen MHQ-Shortcut John Fred dann in die Hände gedrückt, sind plötzlich alle vier Black Stone Cherries ganz beschäftigt mit dem Ausfüllen und können es sich nicht verkneifen, nach und nach immer mehr im Interview zu sagen zu haben. Eine ganz schön chaotische Bande! Los geht´s!
Eine klasse Show, Jungs!! Leider konnte ich Euch im Frühjahr hier in Köln nicht live sehen und hatte nun die Möglichkeit dies nachzuholen. Ihr geht voll ab auf der Bühne und wirbelt nur so umher, alle Achtung!
John Fred: Danke! Es hat dir also gefallen?
Sehr gut sogar! Jedoch habe ich die ganze Show darauf gewartet, dass du dir die Finger beim Schlagzeugspielen leckst...
John Fred: Manchmal halte ich die Drumsticks nicht fest genug und die Sticks purzeln dann nur so umher. Daher muss ich manchmal meine Finger lecken (im Hintergrund muss sich Chris lautstark rechtfertigen, dass das Handy auf alle Fälle zu den drei unverzichtbaren Dingen gehört (siehe Shortcut von Chris)).
Ich habe darauf geachtet, aber anscheinend hast du es dir abgewöhnt! Hast du heute oder auch bei den anderen Shows einen Unterschied zwischen dem amerikanischen und deutschen bzw. europäischen Publikum bemerkt?
John Fred: Ich bin der Meinung, dass die amerikanischen Fans ziemlich genauso sind wie die Fans hier. Jedoch ist mir aufgefallen, dass die hiesigen Fans eher musikalisch dazu neigen, bei Gitarren- oder Drumparts genau hinzuhören wie sich das Album zusammensetzt. Keineswegs drücke ich damit aus, dass amerikanische Fans dadurch nicht intelligent sind! Sie sind eher auf das Gesamtbild der Band aus. Europäische Fans driften mehr in die einzelnen Songstrukturen ab.
Und wie sieht es mit dem Alter der Fans aus? Habt Ihr in den Staaten nicht überwiegend jüngere Fans? Ich war überrascht recht viele ältere Generationen heute Abend zu sehen!
John Fred: Eigentlich nicht! Es geht bei 5 Jahren los bis ca. 80 Jahren (lacht). Genauso wie hier. Jugendliche finden uns und erzählen ihren Eltern von Black Stone Cherry, die sich unsere Musik anhören und sich in ihre eigene Jugendzeit zurückversetzt fühlen, als sie Bands wie Led Zeppelin hörten.
Genauso ist es auch andersrum, wenn 40 oder 50jährige Eltern uns bereits kennen und ihren Kindern unsere Musik näher bringen und die Kinder dann auch auf uns abfahren! Es kann auch schon mal ein „Familienkonzert“ werden, wenn Töchter und Söhne mit ihren Eltern unsere Shows besuchen. Das ist cool!

Eure Musik ist selbst sehr beeinflusst von Eurer Familie – dein Vater und dein Onkel haben Euch viel unterstützt. Siehst du dies auch mal als negativen Punkt an, da sie vielleicht noch einer „alten Musikgeneration“ angehören?
John Fred: Nein, daran gibt es nichts Negatives! Wir haben durch ihre Unterstützung so viel mehr an musikalischer Erziehung genießen können, vor allem bezogen auf das Spielen. Ich denke nicht, dass wir so spielen würden wie wir es jetzt tun, wenn es sie nicht gegeben hätte. Sie haben uns eingeführt in den alten Blues, den Motown, in das Aufnehmen von Songs. Ohne sie wären wir nirgends und niemand.
Die Kentucky Headhunters sind als eine Country-Band bekannt, aber das waren sie nicht. Sie sind eigentlich eine „Southern Rock Band“ aus Kentucky, die wirklich eine Rock´n´Roll Band war. Sie sind richtige „bad ass“-Musiker! Und das sage ich nicht nur, weil ich der Sohn eines Mitglieds bin! Sie sind eines der unterschätzten Bands überhaupt!
War es denn dein Vater, der dich dazu brachte mit dem Schlagzeugspielen zu beginnen?
John Fred: Nein. Mein Vater wollte, dass ich Gitarre spiele, aber ich konnte es einfach nicht lernen (Chris ruft dazwischen: „Gott sei Dank!“). Als ich dann fünf Jahre alt war, hat mein Onkel mir ein Drumkit gekauft. Ich mochte es, da ich drauf schlagen konnte.
Jon (lacht): Wir schlagen alle gerne etwas.
John Fred bricht in Lachen aus.
Chris: Weißt du, was ich bei „Guilty Pleasure“ geschrieben habe? X-Box, Kelly Clarkson und Filme, die mich zum Weinen bringen!
John Fred (schmunzelnd): Filme, die mich zum Weinen bringen....
Chris: Meine Lieblingsfilme, die mich zum Weinen bringen, sind u.a. „We are Marshall“. Ich habe geheult wie ein Schulmädchen! Oh Gott!
John Fred: Der beste Film ist der mit Will Smith.
Ben: Pursuit of Happyness?
John Fred: Ja! Toller Film…!
Chris: Entschuldige für die Unterbrechnung!
Kein Problem!
John Fred (zurücklehnend): Du siehst... die Jungs haben das Interview übernommen. Jeder von uns wird deine Fragen beantworten.
Was wäre denn für Euch anders verlaufen, wenn Ihr in einer Großstadt aufgewachsen wärt?
Alle auf einmal: Alles! Es wäre komplett anders verlaufen!
Chris: In der kleinen Gegend, aus der wir herkommen, gibt es keinen Wettbewerb. Du bist nicht abgelenkt und wirst nicht beeinflusst. Es mag 40 Bands geben, die sich wie die Strokes anhören in einer Stadt. Du wirst automatisch versuchen den Stil zu kopieren, um groß rauszukommen. Wo wir herkommen, ist uns das total egal! Wir müssen uns an niemandem messen, noch nicht mal an der wohl besten Sache aus Kentucky: den Fried Chicken!
John Fred lacht.
Chris: In den Staaten kann es nicht mehr Kentucky Fried Chicken genannt werden, es heißt nur noch „KFC“. An der Reeperbahn sahen wir jedoch, dass es hier Kentucky Fried Chicken genannt wird. Das war echt komisch!
John Fred: Die ganze Reeperbahn war komisch, gleichzeitig jedoch richtig toll! KFC, BSC...
Chris: Wir sind schon wieder vom Thema abgekommen. Wo waren wir stehen geblieben?
Ich möchte noch mal kurz auf das Thema der Familienunterstützung zurückkommen, John Fred. Wäre alles anders verlaufen ohne deinen Vater und Onkel?
John Fred: Wir hätten vielleicht lediglich ein paar Konzerte in unserer Gegend gegeben und wer weiß was dann aus uns geworden wäre. Ich denke nicht, dass uns jemals klar geworden wäre, wie viel Arbeit dahinter steckt um das hier zu erreichen.
Alle unsere Familien haben uns unterstützt, wir brauchten keine Nebenjobs zu haben, weil sie erkannten, dass Musik das richtige für uns war.
Ben: Unsere Eltern kauften uns unser gesamtes Equipment! Sie sind sehr unterstützend und daher ist es auch einfach, all das hier machen zu können. Wenn wir auf Tour sind und wir telefonieren, hören wir nicht ständig wie sehr sie uns vermissen. Natürlich tun sie das, aber sie möchten hören, was wir auf Tour erleben.
John Fred: Es ist einfach ein notwendiges Übel. Sie möchten uns etwas Gutes tun und uns als Musiker wachsen sehen, hassen es jedoch, dass wir so viel unterwegs sind. Aber sie wissen, dass wir mit dem Herzen dabei sind, so wie unsere Eltern auch uns lieben und wir auch sie.

Habt Ihr denn genügend Möglichkeiten Eure Familien zu sehen während Ihr auf Tour seid?
John Fred: Doch, sicherlich! Kentucky hat den Vorteil genau in der Mitte zwischen West- und Ostküste platziert zu sein.
Chris: Es gab Tourneen, bei denen wir drei Monate lang nicht nach Hause gefahren sind. Dann gibt es manchmal auch die Möglichkeit alle zwei Wochen zu Hause zu sein.
Verliert Ihr manchmal den Überblick über das, was zu Hause passiert?
Ben: Nein, wir telefonieren recht regelmäßig mit unseren Familien.
John Fred: Richtig toll an der Band ist: obwohl wir uns manchmal morgens am liebsten killen würden, wenn jedoch jemand Heimweh bekommt am Ende des Tages, sind wir als „Brüder“ füreinander da. Wir sind keine zusammengewürfelte Band aus unterschiedlichen Teilen der Welt. Wir sind eine Familie!
Chris: Freunde arbeiten in unserer Crew. Mit unserem Tour Manager habe ich die High School beendet.
John Fred: Mit unserem Gitarrentechniker sind Ben und ich zur Schule gegangen. Er ist der Grund, warum wir überhaupt in der Band sind! Er stellte uns vor!
Das könnte doch auch gefährlich werden so enge Freunde um sich zu haben, meint Ihr nicht?
Ben: Überhaupt nicht. Es macht das, was wir tun, wirklich einfach! Wir tragen so nicht ständig ein Bild von zu Hause mit uns, weil die ganzen Jungs halt hier sind. Die Zeit geht um und wir haben Spaß.
Jon: Früher haben wir ständig und jeden Tag geprobt, wir hockten ständig zusammen.
Ben: Es ist ein Lifestyle, wir leben es und unsere Familien leben es auch mit uns. Es ist toll, es ist nicht nur etwas, was wir während der Albumaufnahmen leben.
Im September wart Ihr zwischenzeitlich zu Hause und habt bereits für das neue Album proben können. Werden sich Eure Texte zu Eurem Vorgängeralbum ändern, dadurch dass Ihr nicht mehr regelmäßig zu Hause seid?
Chris: Oh, wir haben noch jahrelang Stories auf Lager! Da brauchst du dir keine Sorgen zu machen! (lacht) All solche schrägen Sachen, die in Kentucky passieren, von denen die Leute denken, sie würden niemals passieren – oh, wir haben noch jahrelang Stories!
John Fred: Es ist unsere Heimatstadt, die auch die Band formt. Es sind so viele lustige Geschichten, die uns passieren. Nun können wir Stories von Tourneen noch mit einfließen lassen. Es wird jedoch immer Black Stone Cherry bleiben, die Stories werden unterschiedlich sein.
Ben: Wir waren nun bereits drei Mal hier in Europa, wir haben mehr gesehen und haben dadurch mehr zu erzählen.
Wie wird es mit der musikalischen Seite aussehen? Wird die neue Scheibe rockiger?
John Fred: Es wird heavier werden, ja! Und auch einige Balladen werden drauf sein.
Denkt Ihr, das passt zu Eurem Stil?
Chris: Ja, ja klar! Das verspreche ich dir! Hast du jemals Wilson Pickett gehört?
Ben: Viele Bands haben Multitalente. Entweder spielen sie heavy Metalsongs oder bringen Leute mit ihren Balladen zum Weinen. Es wäre dumm, diese Seite von uns nicht zu zeigen. Einerseits bekommen wir dadurch mehr Zuhörer, mehr Anerkennung und wir zeigen, dass wir vielfältig sind. Wir sind nicht nur mit Guns´n´Roses und Metallica aufgewachsen, aber auch mit...
John Fred (unterbricht): Sam Cooke, Elvis. Wir wollen keinen Scheiß-Lovesong machen.
Chris: „Don´t Cry“ von Guns´n´Roses ist ja auch eine Ballade von einer Band, die trotzdem noch rockt!
John Fred: Wir wollen keine Schnulze für das Radio fabrizieren, wir wollen das ausdrücken, was wir in uns haben. Die Songs rocken trotzdem, handeln jedoch mehr über Liebe. Es ist in uns, „schwarz“ zu sein. Wir wollen voller Soul sein, als auch heavy. Das sind unsere Wurzeln, das ist Black Stone Cherry. Black steht für „scharz“, schwarze Musik.
Jon: Stone für den heavy Teil der Musik und Cherry für den seichten Part.
Chris: Das Wort „Ballade“ ist ein sehr lustiger und sehr weiter Begriff. Da kannst du einerseits einen Country-Song nehmen (mimt einen Country-Musiker) oder Aerosmith oder Lynyrd Skynyrd – die tollsten Rock´n´Roll Songs aller Zeit! Sie hatten Balladen, jedoch hauten die richtig rein!
Ben: Wenn Leute eine Ballade von uns erwarten, dann haben sie schon fast Angst etwas satanistisches – nicht textlich, sondern musikalisch – zu hören, was gehörig rockt. Das ist einerseits cool, jedoch auch peinlich.
Es ist erstaunlich, dass Ihr trotz oder gerade wegen Eures jungen Alters so viel von 70er Jahre Bands wisst!
Jon: Sogar noch davor! 60er, 50er und auch noch davor.
John Fred: Ich kenne keine einzige Hard Rock Band, die Django Reinhardt hört. Er ist DER größte Jazz-Gitarrist aller Zeiten. Zakk Wylde (A. d. R.: Gitarrist der Band Black Label Society) hört Django Reinhardt.
Chris: Niemand weiß mehr, wer Sam Cooke war.
Jon: Es weiß auch niemand mehr, wer Jaco Pastorius war.
Ben: Niemand weiß, von wem Led Zeppelin die Songs hatten!
John Fred (ruft rein): Willie Dixon! Led Zeppelin hatten einige Songs von alten Blues-Musikern, u.a. Willy Dickson!
John Fred und Chris vertiefen sich weiter in Diskussionen über Led Zeppelin.
Chris: Eric Clapton sagte bereits: Niemand von uns schreibt 100%es, eigenes Material! Wir alle kopieren von irgendwo Teile bereits vorhandener Musik und vermischen diese mit unseren eigenen Vorstellungen von Musik.
John Fred (lacht): Wir sind mit unserer Musik an einem Punkt angelangt, welches 1981 repräsentieren müsste!
Ist denn Euer Album denn bereits fertig? Steht alles? Müsst Ihr nur noch ins Studio und aufnehmen?
Ben: Nein, nein. Es wird wohl auch nicht fertig sein, wenn wir im Studio sind. Auch beim Debütalbum haben wir noch einen Song geschrieben, während wir im Studio waren.

Wer wird denn diesmal produzieren?
John Fred: Hoffentlich mein Vater!
Oh, wieder?
Ben: Hoffentlich wird alles so verlaufen wie auch beim letzten Mal. Es hat sehr gut geklappt! Wir können unsere Wünsche bei Roadrunner nennen. Du könntest uns mit allen möglichen Produzenten in ein Studio stecken, es würde mehr oder weniger das gleiche dabei rauskommen, denn unser Musikstil ist einfach nicht zu verändern.
Chris: Wenn wir von den Vorschlägen des Produzenten nicht überzeugt sind und diese nicht gut finden, ziehen wir das Ding nicht durch.
Wer schreibt die Texte?
Chris: Wir alle!
Ben: Texte und Musik, alles von uns allen.
Pläne in Asien zu touren?
Ben: Das wäre klasse! Jetzt arbeiten wir erst mal an Australien, Japan und Irak.
Irak?
Ben: Ja, wir möchten im Irak spielen. Unsere Brüder und Schwestern kämpfen dort für die Freiheit.
Chris: Das bedeutet nicht, dass wir den Krieg unterstützen! Wir wären jedoch komplette Arschlöcher, wenn wir sagen würden, dass wir nicht für die Truppen spielen möchten. Sie brauchen unsere Unterstützung.
Ben: Sie kämpfen für uns, sie riskieren ihr Leben für uns.
John Fred: Amerika ist doch der große Bruder auf dem Spielfeld. Wir würden für jedes Land kämpfen, welches in Not ist. Take it or leave it!
Seid Ihr politisch interessiert?
Chris: Wir sagen alle, dass Krieg bescheuert ist. Jedoch unterstützen wir die Truppen, egal woher sie kommen – England, Frankreich, Deutschland. So lange sie für die richtige Sache kämpfen...
Der Song „Lonely Train“ sagt doch schon alles! Er handelt von unseren Freunden, die im Irak stationiert wurden und in Holzsärgen zurückkamen. Es ist unglücklich, dass Menschen sterben müssen. Wir würden unsere Freunde verletzen, wenn wir sie dort unten nicht unterstützen würden.
Ben: Würde ich im Irak kämpfen müssen, würde ich Gott darum bitten, auch nur irgendeine Band nach Irak zu schicken, damit etwas Abwechslung in das Leben kommt. Es sind einfach noch nicht genügend Bands, die so etwas tun würden.
Musik ist etwas, was jedermanns Geist öffnet. Deswegen wäre es eine große Sache, wenn wir dort spielen könnten! Wir sind doch schließlich nette Kerle, deshalb machen wir auch ein „Meet and Greet“ jeden Abend. Die Nettigkeit bleibt doch letztendlich für immer im Gedächtnis. Wenn wir mit der Musik aufhören, werden wir trotzdem noch als nette und coole Band im Gedächtnis bleiben.
Jon: So wie Elvis! Er kaufte einer Dame einfach so einen Cadillac.
John Fred: Nicht nur war er musikalisch der Beste, sondern wurde auch „King of Kindness“ genannt. Deswegen wurde er so geliebt, egal wo er sich gerade befand.
Chris: Wir versuchen jeden Abend der Menge ein paar Worte in der Landessprache zu sagen. Wir sprechen halt nun mal nur Englisch, es ist schwierig für uns andere Sprachen zu verstehen, weil wir einfach noch nie mit anderen Sprachen zu tun hatten. Aber einige Worte in der Landessprache beim Konzert zu sagen, zeigt, dass wir nicht nur hier sind, um Geld zu machen, sondern dass wir auch Gedanken um die Leute machen, die zu unseren Shows kommen. Wir sind an ihnen interessiert, an ihrem Land, wie sie leben. Ich bin mir sicher, dass es etliche Bands gibt, die sich einen Dreck darum scheren, sie sprechen kein Wort auf der Bühne, spielen ihr Set, holen sich ihr Geld ab und hauen ab!
John Fred: Sie wissen halt nun mal nicht, wie sehr Fans so ein Verhalten wie Chris es jedes Mal auf der Bühne zeigt, schätzen.
Ihr seid ja auch Fans von Bands, von denen Ihr Euch Zeit für ein kurzes Gespräch wünscht. Deshalb fand ich es sehr beachtlich, wie sehr Ihr Euch um die Fans bemüht habt. Auch draußen vor der Halle nach dem Namen der Fans gefragt habt und Interesse gezeigt habt. Das war alles auf einer sehr persönlichen Ebene.
Ben: Genau das ist es! Bands, die plötzlich größer werden und dabei schon fast großkotzig, vergessen, dass sie selbst mal Fans waren!
Chris: Die Fans sind doch schließlich auch der Grund, warum wir überhaupt auf der Bühne stehen können!
Ben: Unsere Fans sind auch unsere Freunde, wir nennen sie „Freunde“!
Chris: Ja, unsere Fans SIND unsere Freunde. Es ist nicht, weil wir eine neue Band sind, die nur so vor Energie strotzt, sondern weil wir jede Person schätzen, die zu unseren Konzerten kommt. Wir würden sonst nicht jeden Abend noch ein „Meet and Greet“ mit unseren Fans veranstalten, obwohl wir noch 10 Shows zu spielen haben, jeden von ihnen begrüßen und ihre Meinung zu unseren Songs und Shows wissen wollen.
Ben: Wir nutzen...
John Fred (unterbricht): das Catering aus! (alle johlen)
Ben: Wir nutzen jede Gelegenheit, um Interviews zu geben, Fans zu treffen. Wir sind auch noch eine Band, die ihren eigenen Soundcheck macht! (alle lachen) Da gibt es auch einige Bands, die diesen nicht mehr selbst machen... wir sind 21, 22, 23 Jahre jung und so glücklich das hier alles erleben zu können!
Jon: Erinnerst du dich noch an Hyde Park, Ben? Aerosmith war der Hauptact, es war kalt, es hat geregnet, es war einfach total ungemütlich um sich überhaupt draußen aufzuhalten. Wir standen bei den Jungs von Aerosmith und unterhielten uns im Regen mit ihnen. Plötzlich klingelte das Handy von Tom Hamilton, dem Bassisten. Er ging ran und wimmelte den Anrufer ab, mit der Begründung, dass er sich gerade unterhielte!
Chris: Sie haben sich ja nicht mit uns unterhalten, weil sie uns als Band kannten. Wir waren einfach nur vier Jungs. Vielleicht wissen sie inzwischen wer wir sind.
Überleg doch mal, wie viele der Bands, die du bis jetzt interviewt hast, komplett beim Interview anwesend waren und du nicht nur ein Bandmitglied im Gespräch hattest!
Keine einzige Band!
Chris: Genau! Aber so sind wir nun mal. Wir sind so glücklich diesen Job zu haben – wenn es einem nicht passt in einer Band zu spielen, dann ab nach Hause und arbeite an einer Tankstelle!
Ben: Diesen Job oder diesen Lifestyle, die Möglichkeit professionell zu touren, die Alben weltweit in den Plattenläden stehen zu haben, gibt es so selten. Jeden anderen Job kannst du ständig bekommen! Das hier alles kann sich morgen schon in Luft auflösen, alle anderen Jobs wird es ständig geben und deshalb genießen wir es so lange wir noch können! Wenn es uns schlecht geht, haben wir auf der Bühne trotzdem ein Lächeln auf den Lippen. John Fred hatte eine Verletzung am Fuß, Jon ist mal von der Bühne gefallen und verpasste sogar die Hochzeit seiner Schwester!
Chris: Als wir die Hyde Park Show spielten, hatte ich einen völlig entzündeten Hals und wir haben trotzdem gespielt. Wenn das alles keine Hingabe für die Fans ist!
Recht haben sie, die vier jungen Gentlemen... vermutlich hätten wir noch stundenlang auf dem Weg zum nächsten Konzert im Tourbus unsere Diskussionen fortführen können. Eine recht redefreudige Band, wenn die richtigen Themen angeschnitten werden und vor allem eine sehr spielfreudige Band, wie die Show es belegt hat. Gönnen wir ihnen die kurze Auszeit, um das neue Album aufzunehmen – danach heißt es mit neuer Energie zurück auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Und dann sollte mindestens die Live Music Hall in Köln gefüllt werden!
Ein herzliches Dank an die ganze Band und an Sylvie und Dinah von Roadrunner für das Interview!