(Black Stone Cherry)
Black Stone Cherry tourten mit ihrem zweiten Album “Folklore and Superstition” im Gepäck quer durch Deutschland und bei dieser Gelegenheit empfingen uns Basser Jon und Gitarrist Ben vor der Show in der Bochumer Matrix backstage zum Interview – im Hintergrund ging es sehr musikalisch her: Gitarrenspiel, Mundharmonika und Soundcheck trugen zu einer gewissen Geräuschkulisse bei, jedoch verstanden wir uns prima. Nicht nur akustisch, sondern auch “persönlich”. Bereits vor einem Jahr stand uns die Band Rede und Antwort und so ist es besonders angenehm eine Band in der Entwicklung verfolgen zu können und nochmals zu treffen. Kompliment an das gute Gedächtnis der Jungs und Grund zu feiern gab es an dem Tag auch noch...
Ein Jahr ist es her, dass wir uns im Kölner Underground zum Interview trafen! Was ist in der Zwischenzeit passiert – abgesehen davon, dass Ihr ein zweites Album aufgenommen habt? Was war Euer aufregendster Moment im vergangenen Jahr?
Jon: Das Album war eines unserer Highlights. Wenn du das erste Album schreibst, hast du praktisch dein ganzes Leben Zeit dafür, für das zweite Album hast du nur wenige Monate. Das war sehr interessant. Es war viel Arbeit innerhalb kurzer Zeit.
Ben: Auch die Classic Rock Awards mit dem Preis der Best New Band; mit all den Legenden, mit denen wir aufgewachsen sind, mal in einer Reihe zu sein – das war schon sehr überwältigend.
Habt Ihr jemand Besonderen in der Zeit getroffen, mit dem Ihr eventuell sogar zusammengearbeitet habt?
Jon: Eines der coolsten Treffen, welches wir hatten war, als wir in der Wembley Arena mit Whitesnake und Def Leppard spielten. Während wir auf der Bühne waren, schauten uns Jimmy Page und Richie Sambora zu, was wir aber zu dem Zeitpunkt noch nicht wussten!
Wow, Richie Sambora ist einer meiner Lieblingsgitarristen! (Jon lacht)
Ben: Auch meiner!
Jon: Wir konnten nach der Show backstage ein wenig mit ihnen abhängen. Das war sehr klasse!
Haben sie Euch Komplimente gemacht?
Ben: Ja, sie mochten unsere Show sehr.
Jon: Als ich Jimmy Pages Hand schüttelte, sagte er, dass er auf unsere Band steht. Das ist vermutlich mein Highlight meines ganzen Lebens! (lacht)
Wie seid Ihr in der Zwischenzeit musikalisch gewachsen? Wie seht Ihr Eure Entwicklung?
Ben: Wir wachsen und verändern uns ständig. Es sind uns keine Türen und Möglichkeiten versperrt und das erlaubt es uns zu wachsen. Wir sind auch offen für alles – sei es eine Zusammenarbeit mit einem anderen Künstler – alles ist ein Versuch wert, um zu sehen, was draus wird.
Das erste Album war ja nicht nur das, was wir als Band sind. Es zeigte, wo wir im Jahr 2006 stehen. Das zweite Album zeigt uns in 2008. Wir haben so viel mehr über das wir singen können, wir sind erwachsener geworden, waren auf Tour, sind als Künstler gewachsen. Wir können es uns erlauben Neues auszuprobieren, Reggea mit Rock zu vermischen, Blues, Heavy-Metal. Wir haben Hip-Hop noch nicht ausprobiert! (lacht)
Sollt Ihr auch bloß nicht tun!
Ben: Wir haben es mal kurz ausprobiert – wir können uns zum Glück die Freiheit nehmen, das zu tun was wir möchten.
Jon: Das ist das Tolle: die Fans verstehen, dass wir nicht nur eine Hard-Rock Band sind. Wir sind eine Blues-Band, eine Jazz-, R’n’B-Band. Egal was, es gibt keine Grenzen. Wir mögen, was wir spielen.
Ben: Wir sind vielfältiger. Wir sind reifer, wir haben uns textlich und musikalisch entwickelt, z. B. durch die Strukturen unserer Songs.
Jon: Und wir werden älter! (wendet sich Ben zu) Happy Birthday, Ben!
Ben: Danke!
Hey! Herzlichen Glückwunsch Ben! Heute? Du bist 23 Jahre alt geworden?
Jon: Er ist der Jüngste in der Band.
Und du spielst eine Show und bist weit weg von deiner Familie...
Ben: Ja, das sind wir...
Hast du heute mit deiner Familie gesprochen?
Ben: Ich habe mit meiner Familie gemailt. Sie haben mir eine Karte in meinen Koffer gesteckt und ich durfte die Karte bis heute nicht öffnen. (Jon lacht)
Ihr seid jetzt ständig auf Tour gewesen...
Jon: Ja, das stimmt... bis Oktober 2007 haben wir getourt. Von November bis Januar haben wir uns frei genommen, um zu schreiben. Dann fing im Februar die Vorproduktion für das Album an. März war die Aufnahme des Albums, ich glaube wir haben am 2. März angefangen und es ging bis 3. oder 4. April. Dann sind wir direkt nach Hause und haben unsere Sachen für die Tour geregelt – mit Endorsern verhandelt und alles vorbereitet um im Mai bereits zu touren. Und seit dem eigentlich non-stop.
Fühlt Ihr Euch nicht ausgebrannt oder gestresst?
Jon: Nicht unbedingt.
Ben: Wir waren zwar jetzt eine Weile auf Tour, aber auch für dieses Album nicht so lange. Wir haben gerade unsere zweite Single veröffentlicht. Wir haben noch mehr vor uns, aber wir lieben es! Unsere Familie ist zwar zu Hause, unterstützt uns aber und ist stolz auf uns.
Ihr habt also nicht das Gefühl, dass Eure Jugend verloren ist?
Jon (lacht): Wenn überhaupt, dann hält unsere Jugend länger an als bei allen anderen!
Ben: Es ist genau das, was ich auch machen wollte, als ich 15/16 Jahre alt war! Wir wollten Musik spielen und Konzerte geben.
Was wäre denn Euer Job, wenn Ihr nicht Musiker wärt?
Ben: Wir hatten alle möglichen Jobs bevor wir den Plattenvertrag bekamen!
Jon (lacht): Eine Handvoll von verrückten Jobs! Ich habe einige Zeit in Fabriken gearbeitet.

Nochmals zurück zu Eurem neuen Album: für mich scheint es ruhiger zu sein als Euer Debüt.
Jon: Es ist vielleicht nicht so rau wie das erste Album. Es ist halt unser zweites Album...
Der Grund, warum wir das erste Album nach unserem Bandnamen benannt haben, war unseren Fans zu zeigen wo wir vorher waren. Das zweite Album soll zeigen, wo wir sind und wohin wir gehen. Wir haben das gesamte Spektrum: wir gehen von einem Song wie “You” oder “Things My Father Said” zu “Blind Man” und “Long Sleeves”.
Was war der Grund für die Ballade?
Ben (lacht): Viele Mädels fragten, warum es keine Ballade auf dem ersten Album gab, daher haben wir für das zweite Album eine geschrieben. Und wir lieben solches Zeug! Wir hören auch die Beatles und zu deren Zeit war ein Heavy Song “Revolution” oder so ähnlich und dann spielten sie langsame Songs wie “Something” oder “Hey Jude”. Das siehst du auch bei Led Zeppelin, sie spielten auch langsame Songs wie “Stairway to Heaven” oder “Going to California”. Sie setzten sich keine Grenzen, sondern spielten einfach Musik. So lieben die Leute die Band!
Jon: Als wir anfingen, haben wir nicht gesagt: ’Hey, wir möchten jetzt diese Art von Rock-Band sein!’ Wir wollten nur Musik spielen. Und wenn es gut ist, dann spielen wir es!

Und es ist verdammt gut! Als die vier jungen Musiker die Bühne im Bochumer Matrix betreten, bebt der Boden. Der Southern-Rock kommt bei den unterschiedlichsten Altersklassen gut an: junge Hüpfer bis ältere Rocker sind im Publikum und werden von den ersten Tönen an mitgerissen, was auch an der Spielfreude der Jungs von Black Stone Cherry liegt. Eine gelungene Mischung von Songs der beiden Alben - mal rotzig, mal rockig, mal bluesig, mal ruhig, aber immer voller Herzblut! Man mag meinen, die Jungs hätten schon 20 Jahre Erfahrung im Musik-Business...
Eine Live-Empfehlung für die nächsten Shows, wenn die vier Southern-Rocker im Sommer für einige Festivals nach Deutschland zurückkehren!
Besten Dank an Black Stone Cherry und Sylvie von Roadrunner Records!