1. Interview mit Matthau in Tampere Finnland

(Bloodpit)

28.08.2006 von Diana Hartmann

Nachdem sie mit ihrem erfolgreichen Debutalbum das letzte Jahr in Finnland getourt sind, wird ‘Mental Circus’ nun auch in die deutschen, österreichischen, schweizerischen und italienischen Läden kommen. Die Veröffentlichung ist für den 27. Oktober geplant und danach werden Matthau (voc), Paavo (guit), Aleksi (bass) and Alarik (drums) auf einen kurzen Besuch in Deutschland und Italien vorbeischauen, um ein paar Shows zu spielen. Grund genug für MHQ, die Jungs von Bloodpit mal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

An einem sonnigen Montag Nachmittag traf ich Matthau im Klubi in Tampere. Wir suchten uns ein stilles Plätzchen auf der Terrasse, und während ich mein Zeugs zusammenkramte, reichte ich ihm schon mal Stift und Shortcut. Bei der Frage nach seiner Augenfarbe angekommen, an welche sich Matthau offensichtlich so gar nicht erinnern konnte, (schon klarÂ…) blitzten mich plötzlich ein paar grüne Augen frech an und baten um Mithilfe bei der Bestimmung der Farbe eben dieser. Wollte der Mann mich denn gleich zu Anfang schon umbringen? ;-)

Ich denke, ich beginne mal mit der unbeliebten Frage, denn es gibt ja einige Leute, die euch noch nicht kennen. Deshalb dachte ich, dass du vielleicht Bloodpit und eure Musik kurz vorstellen könntest?

Matthau: Yeah, Bloodpit. (denkt nach) Ich glaube, wir alle wollen den Leuten etwas geben. Wir wollen, dass die Leute unsere Musik fühlen, und dass die Leute etwas haben, dassÂ… sie entweder antörnt, oder abtörnt, oder irgend sowas. Ich spreche über Gefühle, denn für mich ist Musik ein Mittel zu Emotionen, ob das nun Hass oder Liebe oder irgend etwas anderes davon ist. Und was wir hier versuchen zu tun, ist etwas zu schaffen, was du tatsächlich fühlen kannst, zusätzlich zum hören. Und zur Beschreibung unserer MusikÂ… Ich würde sagen wir sind rockig, poppig, mit hartenÂ… schweren Riffs und einigen fangenden Melodien und guten Texten. Yeah.

‘Mental Circus’ wird bald in Deutschland, Österreich und der Schweiz veröffentlicht. Was erwartet ihr euch davon?

Matthau: Also, im Moment habe ich gar keine Erwartungen, denn ich weiß wirklich nicht, was ich erwarten soll. Es ist ja so, dass wir ja nun zum ersten Mal im November auf Tour in Deutschland gehen, und ich weiß wirklich nicht, was ich erwarten soll. Sagen wir mal, als wir vor einigen Monaten das erste Mal in Moskau waren, war es das selbe: wir wussten nicht, was wir erwarten können. Und kurz vor dem Auftritt saßen wir Backstage, zerbrachen uns die Köpfe über Dinge und waren ziemlich aufgeregt, denn wir wussten ja nicht, ob überhaupt Publikum da sein würde. Und als dann die Vorhänge aufgezogen wurden, und wir es sehen konnten, da dachten wir: ‘Heilige Scheiße!’ Da waren jede Menge Leute da draußen und alle sangen mit zu den Songs. Also, ich weiß es nicht. Ich weiß, es gibt viele Fans in Deutschland, zumindest zwei. (Gelächter)

Ich denke, es werden schon ein paar mehr seinÂ…

Matthau: YeahÂ… Ich glaube, dass sie zu unseren Shows kommen, diese zwei.

Okay, ich bin mir ziemlich sicher, dass da ein paar mehr Leute kommen werden.

Matthau: Danke!

Trotz dieser Veröffentlichung ist das Album ja nun schon ein Jahr alt, und ihr habt sicher schon an neuem Material gearbeitet? Also, es ist ja so, dass es sich offensichtlich überschneidet. Ihr könntet ja in anderen Ländern kein altes Album rausbringen, und dann hier in Finnland ein neues machen, oder?

Matthau: Oh ja, das ist der Fall. Wenn wir ins Ausland gehen, um Gigs zu spielen, ist das etwas neues für diese Leute, weißt du. Die selben Songs, die wir hier seit Jahren gespielt haben, sind da neu. Aber wir haben schon, sagen wir mal, 15 neue Songs geschrieben und ich denke wir werden im Dezember ins Studio gehen, und das Album wird dann im März 2007 herauskommen, glaube ich. Hier in Finnland. Aber ja, es ist seltsam, denn wir haben gerade eben aufgehört, für Mental Circus in Finnland zu touren. Und nun, wenn wir nach Deutschland gehen, nach Italien, und in welche anderen Länder auch immer, dann wird es das selbe sein. Die selben Songs noch mal rauf und runter spielen.

Wenn ihr die Songs schreibt, wie entwickelt sich da die Musik? Ist es ein Prozess in der Band, so dass alle involviert sind, oder sind es mehr oder weniger nur ein oder zwei Leute?

Matthau: Es war mal so, dass es nur ich und Paavo Pekkonen waren, die die Songs geschrieben haben. Aber in letzter Zeit haben alle damit angefangen, an neuem Material zu arbeiten, undÂ… Der Prozess ist so, dass alles in unserem Probenraum passiert, wo wir einfach unsere Gitarren nehmen und anfangen zu jammen, Ideen in den Raum werfen, und diese dann versuchen aufzuheben und zusammenzuleimen. Und derjenige, der die besten Ideen hat, gewinnt sozusagenÂ…

Aber die Texte, die schreibst nur du?

Matthau: Ja, nur ich.

Und woher bekommst du die Inspiration dafür?

Matthau: Nun, vom Leben, sozusagen. Ich glaube nicht, dass ich jemals dafür war, nur über eine Angelegenheit, oder über eine Sache zu schreiben. Für michÂ… ich glaube, ich kann über fast alles schreiben.

Wann hattest du zum ersten Mal eine Gitarre in der Hand?

Matthau: Als ich ein Kind war, ein sehr kleines Kind, sagen wir, zwei Jahre alt, oder drei Jahre oder so. Denn mein Vater war ein Musiker und wir hatten immer Gitarren bei uns zu Hause. Ich kann mich erinnern, als ich noch sehr klein war und mein Vater immer zu Hause geprobt und Gitarre gespielt hat. Und ich bin dann hin gegangen (lächelt) und habe angefangen, die nochmal komplett neu abzustimmen. (Gelächter) Und er sagte dann nur: ‘Raus hier, zum Teufel!’ Er hat mich immer aus dem Zimmer geworfen, so dass er proben konnte.

Und wann hast du angefangen, richtig spielen zu lernen?

Matthau: Ich würde sagen, ungefähr als ich zehn war. Ich habe angefangenÂ… anfangs war ich immer dafür, Sänger zu sein. Nur Sänger, überhaupt nicht Gitarrist. Aber dann habe ich angefangen zu spielen, denn ich wollte meinen Gesang begleiten. Es war so, dass ich einige Songs kannte, von Guns ‘N’ Roses, Nirvana und solchen Bands, und ich wollte lernen, diese zu spielen, denn ich konnte sie auch singen.

Die Musik liegt also in deinem Blut, in der Familie. Aber was ist mit den anderen in der Band? Sind sie auch mit musikalischen Einflüssen aufgewachsen?

Matthau: Nun, Paavo schon, ja. Aber Alarik und AleksiÂ… sie sind auf eine Musikschule gegangen, haben dort Unterricht genommen. Sie können Noten lesen und all das. Aber Paavo und ich, wir können das nicht. Das ist also der Unterschied zwischen uns. Ich glaube, Alarik und Aleksi sindÂ… nun gut, sie sind zur Schule gegangen, alsoÂ… (kichert)

Yeah, natürlich. Okay, beschreibe dich mit drei Worten!

Matthau: Sehr unberechenbar. Launisch. AberÂ… auch liebenswert. Yeah.

Okay, und die anderen? Kannst du die auch beschreiben?

Matthau: Fangen wir mal mit Alarik an. Er istÂ… ich denke, Alarik istÂ… er ist ein Irrer. Das ist er tatsächlich, ja. Denn an einem Tag, kann er zu dem seltsamsten Etwas werden und am nächsten Tag kann er der absolut herzigste Junge sein. Denn er kannÂ… er findet neue Dinge und macht sich dann über diese Dinge verrückt. Zum Beispiel, vor einigen Tagen entschloss er sich dazuÂ… wie heißt dasÂ… nicht VegetarierÂ… Veganer zu werden.

Okay, also keine Milch, kein Käse und so wasÂ…

Matthau: Ja. Und am nächsten Tag war er total für Fleisch. Ja, das ist Alarik! (lacht)
Und Aleksi ist sehr professionell. Er erinnert mich an mich selbst, denn er hatÂ… ich war immer ein Mann, der eine klare Vorstellung davon hat, was er tun will und ichÂ… ich denke eine Menge über Dinge nach und ich habe eine Vorstellung davon, wo ich in fünf Jahren sein werde. Und mit ihm ist es so ziemlich das gleiche. Und er ist so ein guter Bassist.
Paavo ist ein alter Freund von mir. Ich kenne ihn seit Mitte der 90er. Er ist manchmal sehr stur, aber er istÂ… er macht keinen Stress über Dinge, er ist sehr unbeschwert.

Okay. Da du es angesprochen hast, können wir diese Frage schon etwas eher nehmen. Wo siehst du dich in fünf Jahren?

Matthau: In fünf Jahren?

Ja, da du es eben angesprochen hast.

Matthau: Oh yeah. Also die erste Sache ist die, dass wir als Band, Bloodpit, totale Kontrolle über Dinge haben werden, alles was wir tun, alles was wir veröffentlichen, überall wo wir hingehen und was wir tun. Und die andere Sache ist, dass ich Sicherheit haben will. Ich möchte mein eigenesÂ… ein größeres Haus natürlich, und Dinge, die --- (Anm. d. Red.: Mir war bisher nicht klar, dass es Flugzeuge gibt, die genau über Klubi fliegen, aber ansscheinend ist das so, denn bei dem könnt ihr euch für die versaute Aufnahme bedanken; dieser Teil ist leider nicht hörbar. Sorry.) Aber das wichtigste ist, esÂ… falls wir immer noch richtig dabei sind, dann möchte ich, dass wirÂ… Das ist wirklich schwierig. Ich möchte, dass wir das erhalten, was wir heute sind, denn es ist wirklich wichtig, dass keiner von uns verrückt wird, aufgrund der Dinge, die noch kommen werden. Und noch eine Sache ist, dass ich unser gesamtes Merchandising besitzen möchte. Ich werde es kaufen. Eines Tages.

Okay! Das ist sehr klar. Das gefällt mir gut! Denn eine Menge Leute, wenn man die danach fragt, dann sieht das nur so aus (zuckt mit den Schultern)

Matthau: Yeah!

Hat dir die Sommerfestivalsaison in Finnland gefallen?

Matthau: Yeah! Es ging so schnell! SommerÂ… (schnippt mit den Fingern) vorbei, einfach so! (lacht) Wir haben auf, sagen wir 20, oder 15 bis 20 Sommerfestivals hier in Finnland gespielt. Und es war toll. Es gab ein paar Zwischenfälle, die mir noch im Hinterkopf feststecken. Ich könnte da etwas erzählenÂ… Wir haben bei Välipuistorock in Lapua gespielt. Ich weiß nicht, ob du davon gehört hast?

Ich habe darüber gehört, ja.

Matthau: Yeah, da waren diese zwei Typen in der ersten Reihe – ich habe sie von der Bühne aus gesehen – und sie waren ganz klar betrunken. Und sie waren einfach nur total ordinär, haben uns den Mittelfinger gezeigt und soweiter, und haben uns angeschrieen und alles. Und ich habe ihnen gesagt, dass sie raus gehen sollen, aber das haben sie nicht getan. Und dannÂ… als nächstes bemerkte ich, dass etwas auf die Bühne geflogen kam und ich denke, das ging zu weit. Also habe ich meine Gitarre abgestellt, bis ins Publikum runter und habe zugeschlagen, sozusagen. Und dann kam die Polizei undÂ… aber die Polizei konnte den Typen davon überzeugen, alle Beschuldigungen fallen zu lassen, denn sie vestanden, um was es ging. Die Sache ist, dass wenn du irgendjemanden arbeiten siehstÂ… sagen wir auf Hämeenkatu (Anm. d. Red.: Hauptstraße in Tampere), wenn sie den Boden aufgraben, undÂ… dann gehst du da nicht hin, und wirfst Steine auf sie, denn du weißt wie es ist. Und ich denke, das ist sozusagen das gleiche. Wir sind dort und tun unsere Arbeit, und die Leute sollten das respektieren!

Yeah! Ich finde, dass es schon ok ist, wenn sie etwas nicht mögen, aber dann können sie ja einfach raus gehen!

Matthau: Ja genau! Also, man kann mir gerne den Mittelfinger zeigen, sowas macht mir nichts aus. Aber wenn dann Dinge auf die Bühne geworfen werden, das macht mich dann richtig wütend.

Ja, das verstehe ich. Das zeigt absolut keinen Respekt. Auf eurer Website hast du dieses Tourtagebuch geschriebenÂ…

Matthau: Yeah!

Aber du hast es nicht für die Sommerfestivals getanÂ…

Matthau: Doch, das habe ich gerade getan!

Hast du?

Matthau: Yeah, es wird jederzeit auf der Website erscheinen, heute, morgen. Es wird dort einen Bericht geben.

Okay, das ist gut, denn es hat Spaß gemacht, das durchzulesen. Die Tourdaten für Deutschland sind gerade veröffentlicht worden. Sind noch mehr Daten in größeren Städten geplant? Da waren ein paar Orte, von denen ich tatsächlich noch nie etwas gehört habeÂ…

Matthau: Oh! Wirklich? Aber du wohnst dort, oder?

Nein, ich wohne nicht in Deutschland, nein. Also, ich wohne in NorwegenÂ…

Matthau: Oh, okay. Es ist absolut möglich, dass ein paar mehr Städte dazukommen. Ich bin nicht sicher, aber für den Moment sind das die Daten. Aber es ist möglich, ja.

Und eine Menge Fans fragen danach – besteht die Möglichkeit, dass die eine oder andere Show zusammen mit Negative sein wird, da sie ja zur selben Zeit in Deutschland sind?

Matthau: Eine Menge Leute fragen die selbe Frage, und das einzige was ich dazu sagen kann ist, dass wir im Moment daran arbeiten.

Okay, dann sollten sie die Augen offen halten.

Matthau: Yeah. Keiner weiß wirklich, wie es sein wird, aber hoffen wir es mal.

Gibt es andere Länder, in denen ihr speziell gerne touren möchtet?

Matthau: Nun, ich liebe Italien. Wir waren zweimal dort undÂ…

Und ihr geht jetzt wieder hinÂ…

Matthau: Yeah! Ich würde natürlich gern in allen Ländern touren, die unser Album veröffentlichen. Frag mich jetzt aber nicht, was diese Länder sind, denn ich kann mich nicht dran erinnern. (Gelächter) Yeah, auf jeden Fall. Und Russland natürlich, denn es war so toll, als wir dort waren.

Yeah, okay. Die nächste Frage, die hast du vielleicht schon etwas beantwortet, aber ich frage dich trotzdemÂ…

Matthau: Okay, mach nur!

Gibt es eine lustige Tourstory zu erzählen, z.B. etwas peinliches, das auf der Bühne passiert ist? Ich meine das generell, nicht nur von den letzten Gigs.

Matthau: Okay. Gib mir einen Moment!

Ja, sicher.

Matthau: (denkt nach) Nun ja. Vor einem Jahr haben wir auf dem Provinssirock Festival gespielt, und am Ende der Show habe ich meine Gitarre zerschlagen und dann das, was davon übrig war, ins Publikum geschmissen. Und da waren zwei Mädchen, die von der Gitarre am Kopf getroffen wurdenÂ…

Autsch!

Matthau: Yeah! Und sie mussten zur Ersten Hilfe Station gebracht werden. Ich habe das nicht gesehen, denn ich habe die Gitarre geworfen und bin dann von der Bühne gegangen. Da war dieser Security Typ, der dann gleich nach der Show zu mir kam und mir erzählte, was da passiert war. Ich hatte wirklich Angst, denn ich wusste ja nicht, wie schlimm es war. Also bin ichÂ… eigentlich waren es ich und einige meiner Freunde und unser Booking Agent; wir sind dann zur Ersten Hilfe Station gegangen, um die Mädchen zu sehen, aber sie waren schon weg. Ich habe sie also nie gesehen und konnte mich nicht entschuldigen. Aber ich habe gehört, dass diese Mädchen begeistert waren, die Gitarre zu habenÂ… (Gelächter)

Sie haben sie also behaltenÂ…

Matthau: Yeah!

Gut. Ihr habt früher in diesem Jahr einen Vertrag mit einem US Label unterschrieben. Gibt es irgendwelche Neuigkeiten dazu, und zur Veröffentlichung? Denn ich glaube, es wurde dort mal gesagt, dass das Album im Laufe des Jahres dort veröffentlicht werden sollte, aber danach gab es dann keine weiteren Neuigkeiten.

Matthau: Ich denke nicht, ich denke nicht. Daran glaube ich nicht. Ich denke, es wird 2007 veröffentlicht werden. Denn es gibt einige Dinge, die im Hinblick auf das Label, 456 Entertainment, passiert sind. Die haben sehr viel zu tun, und ich denke, dass die Veröffentlichung für nächstes Jahr geplant ist.

Okay.

Matthau: Und die Tour natürlich auch

Yeah, okay. Könntest du dir vorstellen, heute was alleine zu machen? ErrrmÂ… (bemerkt den Fehler) Sorry! (lacht) Ich meinte, irgendwann. Nicht heuteÂ…

Matthau: Oh, nicht heute, nicht heuteÂ… (Gelächter) Nun jaaaa, heuteÂ… (tut so, als würde er auf eine Uhr schauen) Yeah! (mehr Gelächter)

Also, heute Abend ist Jam Session in Henry’s PubÂ… ;-)

Matthau: Ja, also es gab tatsächlich ein Angebot vor ein paar Tagen, ein Solo-Album aufzunehmen, aber ich habe abgelehnt, weil ichÂ… (lacht) Ich sehe keinen GrundÂ… Es wäre nicht klug, das jetzt zu tun. Vielleicht in einigen Jahren. Aber auf jeden Fall, ja. Ich finde das total gut!

Und dieser Acoustic Sauna Gig, den du vor einer Weile gespielt hastÂ…

Matthau: Ah yeah, hierÂ… (zeigt auf das Klubi Gebäude hinter uns)

Yeah. Gibt es da vielleicht einen ‘Teil 2’ irgendwann? Ich war in Finnland für Helldone damals, aber ich wusste nichts davon. Ich habe nur einige Videos gesehen, die ein paar Girls vom Spanischen Fanclub gemacht haben, glaube ichÂ…

Matthau: Auf youtube?

Yeah. Sie haben die dort hochgeladen. Ich habe sie gesehen und dachte nur: ‘Wow!’

Matthau: Yeah, viele Leute fragen mich, wo und wann. Und alles, was ich dir sagen kann ist, dass unser Booking Agent im Moment and einer kurzen Tour arbeitet. Denn ich mag das wirklich sehr und würde das gern öfter machen. Mir macht es Spaß, alleine auf der Bühne zu sein, Songs zu spielen, die ich wirklich liebe, undÂ… Ich werde auf jeden Fall mehr Acoustic-Shows spielen.

Aber die werden dann auch richtig bekannt gegeben?

Matthau: Ja, sicher!

Aber das passiert jetzt nicht im Laufe dieses Jahres oder so, oder?

Matthau: Doch!

Yeah??

Matthau: Yeah! Ich würde sagen, innerhalb eines Monats, oder zwei.

Okay, das ist gut zu wissen!

Matthau: Yeah! Und ich werde dir bescheid geben!

Das ist sehr gutÂ… Es ist das vierte Mal, dass ich seit Juni in Finnland bin, ich wohne sozusagen schon fast hier, alsoÂ… ich werde da sein. (Gelächter) Das Video zu Bad-Ass Blues basiert auf einem Märchen, Hänsel und GretelÂ…

Matthau: Ein deutsches Märchen, ja.

Das ist eine ziemlich außergewöhnliche Idee für ein Musikvideo. Wer hatte diese Idee, wie kam es dazu?

Matthau: Als wir unser erstes Video für Platitude machten, haben wir uns entschieden, dass dies der Weg ist, den wir gehen werden. Wir wollen in allen unseren Videos selbst die Rollen spielen, denn das macht es interessanter für uns und für die Fans. Es ist eigentlich mehr oder weniger durch Zufall passiert. Bei Platitude sollte eigentlich ein weibliches Model die Rolle der Wendy spielen, Jack Nicholsons Frau (Anm. d. Red.: The Shining). Aber wir haben gesagt: ‘Nein, wir wollen nicht irgendsoeine vollbusige Blondine dabei haben. Denn das ruiniert alles. Wir wollen das nicht. Wir wollen das selbst machen. Nehmt es so oder lasst es sein!’ (lacht) Das hat denen überhaupt nicht gefallen. Sie sagten: ‘Okay, es gibt da ein Problem!’ Und wir sagten: ‘Nein, nein, nein, wir machen es einfach so. Wir spielen die Rollen, und ihr filmt einfach nur. Los, geht und filmt!‘ (Gelächter) Und es erwies sich als eine der besten Ideen, und dies gab uns wirklich einen Grund, mehr dieser auf eine Art albernen Videos zu machen. Als es dann Zeit war, ein neues Video zu machen, dachten wir über Märchen und solche Dinge nach. Und letztendlich haben wir eben dieses Märchen genommen, weil darin eine böse Hexe vorkommt, die versucht diese Kinder zu kochen, dann aber selbst im Kessel landet. Der Dreh hat einfach Spaß gemacht!

Du magst es also, den Fiesling zu spielen?

Matthau: Das stimmt so, auf jeden Fall!

Wirst du damit weitermachen?

Matthau: Ja, klar! Und Alarik wird auch die Dame seinÂ…

Yeah, er ist das Mädchen, okayÂ…

Matthau: Ja, er ist soÂ… wenn du ihn dir persönlich anschaust, er scheint als ob er 15 Jahre alt ist und er istÂ… Der Junge hat nicht malÂ… (lacht) weißt du, er hat nicht mal Haare im GesichtÂ… (Gelächter) denn da wächst einfach nichts. Und nur zur Info, er ist der Älteste von uns vieren.

Ist er?

Matthau: Yeah!

Wie alt ist er?

Matthau: 26.

Okay, und du bist?

Matthau: 24.

Und die anderen?

Matthau: 25 und 26. Ich bin der Jüngste. Aber die Leute sind verwirrt, denn ich erzähle ihnen immer, dass ich 45 Jahre alt bin. Und einige dieser Leute glauben das sogar!

Nein?! (lacht)

Matthau: Yeah! (lacht) Und das ist wirklichÂ… das macht mich stutzig. ‘Vielen Dank auch!’ (Gelächter)

Also, ich kann dir definitiv sagen, dass du nicht wie 45 aussiehst!

Matthau: Naja, jetzt, weil ich meinen Bart abrasiert habe. Aber mit dem Oberlippenbart und so sah ich viel alter ausÂ…

Yeah, vielleicht, aber trotzdem nicht wie 45! (lacht) Okay, von den Videos her scheint es, als ob dir das schauspielern ziemlichen Spaß macht. Wenn du also die Möglichkeit hättest, eine Rolle zu spielen – ohne Bezug auf Alter und Geschlecht – was würdest du gerne spielen wollen?

Matthau: (denkt nach) Ooooh! Das it eine gute FrageÂ… (denkt weiter nach) Ich würde gern den Präsident der Vereinigten Staaten spielen. Das wäre fantastisch! (lacht)

Warum? (lacht)

Matthau: Weil er der verdammteÂ…(lacht) Er ist ein Idiot! Und ich würde gern einen Schritt weiter gehen, weißt du. Und um der absolute Trottel zu sein, würde ich ihn spielen wollen, yeah. Bush.

Okay. In der Suosikki (Anm. d. Red.: finnische Musik-/Teeniezeitschrift) von diesem Monat warst du Modell für diese Klamotten im Piratenstyle. Wie kam es dazu?

Matthau: (schaut zuerst ein bisschen verwirrt) Oh, du meinst dasÂ… yeah, okay. Nun ja, ich wurde gefragt, alsoÂ… das war’s eigentlich. (lacht)

Hat es dir Spaß gemacht?

Matthau: Yeah! Ich fand es super! Ich habe die ganzen Klamotten bekommen undÂ… Ich wusste erst nicht, was ich dort überhaupt sollte, als ich hin ging. (lacht) Die hatten da ein paar Taschen voll mit Klamotten und sagten: ‘Los, bedien dich einfach!’ Und ichÂ… ich habe das angezogen, alles anprobiert, und hatte ein paar falsche Waffen und so ein ZeugÂ…

Und du durftest alles behalten?

Matthau: Yeah!

Das ist ja gut! In eurer Album-Covereinlage stehen diese Art Künstlernamen für alle von euchÂ…

Matthau: Echt?

Erinnerst du dich nicht daran? Okay, ich habe sie mal aufgeschriebenÂ… Hier steht: Paavo – The Amazing Mr AxeÂ…

Matthau: (murmelt zu sich selbst) Ach du heilige Scheisse! (dann erinnert er sich) Oh yeah, dieÂ…

Aleksi – Lord Of Disorder, Matthau – The Ringmaster und Alarik – The Incredible Stickman. Haben die irgendeine tiefere Bedeutung, oderÂ…? (lacht)

Matthau: Ich habe keine Ahnung, wer diese blöden Namen erfunden hat. Ich weiß es nicht, wirklich nicht. Ich habe sie zum ersten mal gesehen, als ich die CD in den Händen hatte. Und ich dachte nurÂ… (verzieht das Gesicht) ‘Ja, schon klar!’ (verzieht das Gesicht weiter) Ich denke es ist albernÂ… (Gelächter) Ich denke es ist wirklich blödsinnig. Ich weiß nicht, wer hinter dem ganzen steckt. Ich habe keine Ahnung. ‘The Ringmaster’Â… (kichert vor sich hin, schüttelt den Kopf und schlägt in seine Hand) Ich schmeiß mich wegÂ… (mehr Gelächter)

Was hältst du als Musiker vom Internet? Ist es mehr wie ein böser Fluch oder eine gute Möglichkeit, zu promoten?

Matthau: Nochmal?

Das Internet.

Matthau: Internet? Ich denke es ist gut, dennÂ… ich denke, das Internet ist Schuld an der Tatsache, dass wir im Ausland so bekannt sind, selbst in Ländern wo wir noch nicht einmal waren. Also denke ich, dass es eine gute Sache ist. Und es war erstaunlich, als wir in Los Angeles waren, um nur eine einzige Show zu spielen. Da waren eine Menge Leute, die bereits wussten, wer wir waren, sie kannten unsere Songs und hatten das Video und alles gesehen. Es war einfach verblüffend, auf die andere Seite des Erdballs zu gehen.

Gibt es einen Künstler, mit dem du in der Zukunft gern zusammenarbeiten würdest? Finnisch oder international?

Matthau: Nun ja. Also eigentlich Mr. Pate Mustajärvi von Popeda. (Anm. d. Red.: die Band, in der sein Vater spielte) Es ist eine finnische Gruppe, Popeda. Der Sänger. Ich habe ihm schon einen Vorschlag gemacht und er sagte auch ‘Ja’, aber wir sind nie einen Schritt weiter gegangen. Also weiß ich nicht. Aber im Moment liegt er in einem Krankenhausbett, denn er hat sich mit der Trinkerei fast umgebrachtÂ… Jedenfalls würde ich gern – wenn wir jetzt von internationalen Stars reden – dann würde ich gern etwas zusammen mit Trent Reznor (Anm. d. Red.: Nine Inch Nails) machen. Yeah, das wäre toll. Eines Tages. Oder Gene Simmons. (Anm. d. Red.: KISS)

Du trinkst keinen Alkohol?

Matthau: Nein!

Wie schaffst du das? Ich meine, es muss doch sicher sehr schwierig sein, wenn man in diesem Geschäft istÂ…

Matthau: Nein, das ist es nicht.

Ist es nicht?

Matthau: Nicht mehr. Am Anfang war es schlimm und nervig, als ich aufgehört habe, aberÂ…

Alle anderen trinken jaÂ…

Matthau: Yeah. Aber der Grund warum ich aufgehört habe ist, dass man im Leben viele Auswahlmöglichkeiten hat. Und ich muss nicht besoffen sein, ich muss es nichtÂ… Ich denke, das hält mich nur zurück. Ich bin viel selbstsicherer. Sehe besser aus. UndÂ… ich meine, ich lächle mehr, ich summe mehr, das Essen schmeckt besser, die Frauen sehen viel hübscher aus und allesÂ… weil ich nüchtern bin. Yeah.

Aber die anderen in der BandÂ…

Matthau: Die trinkenÂ…

Okay. Was sind eure schlechten Angewohnheiten in der Band?

Matthau: ErrrmÂ… (denkt nach und hustet demonstrativ) Zigaretten! (Gelächter) Zigaretten undÂ… das ich stinkfaul bin. Aber auf der anderen Seite bin ich sehr produktiv. UndÂ… ich tue eine Menge Dinge, aber ich würde gern noch produktiver sein. Die ganze Zeit. Ich kann einfach nicht dasitzen, und nichts tun, das ist nichts für mich. Ich muss immer etwas zu tun haben.

Okay. Und wenn ihr auf Tour seid, gibt es da etwas, was du hasst?

Matthau: (denkt nach) Also ja. Mädchen, die versuchen in mein Hotelzimmer zu kommen, ohne mich zu fragen. Raus, verdammt nochmal!

Das ist also passiert?

Matthau: Das ist passiert.

Wie kommen die da rein?

Matthau: Indem sie mir folgen. Also, da war dieser Vorfall vor einer Weile, als wir ein Konzert gespielt haben und nach der Show noch in einen Club gegangen sind. Ich war der erste, der den Club verlassen hatte, und ging also ins Hotel, und da bemerkte ich, dass mir ein Mädchen gefolgt ist. Und sie fing einfach an, mir jede Menge verrückte Fragen zu stellen. Und ich war wirklich müde und wollte einfach nur schlafen gehen. Und sie ist einfach nicht weggegangen, sie ist mir den ganzen Weg die Treppe hoch gefolgt, bis zur Hoteltür sozusagen. Und dann habe ich ihr gesagt, dass sie verschwinden soll. Ich spreche über Leute, die betrunken sind undÂ… einfach denken, dass du ihnen gehörst. Und die tun alles, um deine Aufmerksamkeit zu bekommen. Das ist echt nervig. Wenn ich an einer Frau oder einem Mädchen interessiert bin, dann werde ich den ersten Schritt selbst machen. Aber Damen, dieÂ… Ich rede nicht von Damen, die zu mir kommen und mit mir reden und so. Aber wenn sie betrunken sind und so ‘Wooooaaaaaah’ sind (demonstriert mit herumwinkenden Armen), das nervt wirklich. Das ist es, wovon ich spreche.

Yeah, okay. Ich denke, das war jetzt alles, aber ich würde dir gern die letzten Worte überlassen. Hast du eine abschließende Nachricht für die Leser?

Matthau: (lacht und spricht mit tiefer Stimme) Kill all the white people! (Gelächter) Nein, nein, nein! (denkt nach und lacht noch mehr) Ich habe nie etwas zu sagen, wenn ich etwas sagen sollÂ… Kauft mir eine Menge Ringe! Kauft mir eine Menge Schmuck! Dann bin ich glücklichÂ… (Gelächter) Aber bringt mir kein Geld, denn das nehme ich nicht an!

Okay! (Gelächter) Irgendwelche speziellen Wünsche für den Schmuck?

Matthau: ErrrrmÂ… (denkt nach) Bringt mir nichts billiges! (Gelächter) Denn ich trage nichts anderes als Silber. Alle meine Ringe sind Silber, außer der hier, wie du sehen kannst. Der ist nicht Silber, aber diese hier sind alle Silber. (zeigt sie) Yeah, bringt mir Ringe!

Okay, wir werden das in fett untendrunter schreibenÂ… (tun wir hiermit ;-)
Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast!

Matthau: Danke!

Nach knapp einer Stunde mit Fragen, einigen Fotos und etwas Smalltalk verabschieden wir uns. Matthau hat sich als der perfekte Interviewpartner erwiesen. Er spricht deutlich, denkt seine Antworten gut durch und hinterlässt den bleibenden Eindruck eines sehr charmanten, selbstsicheren und redegewandten Mannes – der definitiv weiß, was er will.

Ein Dankeschön an Matti von Beemvees, der das Interview arrangiert hat, und ein dickes Dankeschön an Matthau, der außerhalb jeglicher Konzertverpflichtungen für ein Treffen bereit war, und geduldig alle Fragen beantwortet hat.

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