(Carus Thompson)
Am Tag nach seinem letzten Deutschlandkonzert der vergangenen Euro-Tour hatten wir in Neuenkirchen-Voerden die Gelegenheit zu einem Interview mit dem australischen Singer-Songwriter Carus Thompson. Die Fragen stellte unser Redakteur Sascha Knapek.

MHQ-Redakteur Sascha Knapek (rechts) traf Carus Thompson in Neuenkirchen-Voerden (Foto: Dieter Blanke)
Der deutsche Teil deiner gerade stattfindenden Europatournee ist jetzt vorbei. Wie waren die zweieinhalb Wochen, irgendwelche lustigen Geschichten, die du uns erzählen möchtest?
Carus Thompson: Die Tour war bisher großartig. Ich denke, bezogen auf die Leute, die auf die Konzerte gekommen sind, ist es bisher die größte Tour, die wir gemacht haben. Wahrscheinlich liegt das am neuen Album und daran, dass wir mit unserer Plattenfirma ‘Valve‘ ein paar Sachen gemacht haben, um etwas bekannter zu werden. Wir haben uns z.B. das Radio zunutze gemacht. Die haben uns ein bisschen Airplay verschafft und das hat ziemlich was gebracht. Ich denke, ich habe ich den letzten sechs Jahren so viele Deutschlandtouren gemacht, jetzt fängt das alles an sich auszuzahlen. Ich habe eine richtig gute Fanbase hier. Lustige Geschichten, hmm. Ich glaube zum Fußball zu gehen war das Lustigste. Es war sehr kalt und ich war ziemlich beeindruckt, dass man die Sitze in Deutschland erstmal vom Eis befreien muss, bevor du dir ein Fußballspiel angucken kannst.
Welches Spiel hast du dir angesehen?
Carus Thompson: Das war Werder Bremen gegen irgendeinen anderen Verein (lacht). Bremen war die Heimmannschaft, an die andere kann ich mich nicht erinnern.
“Creature Of Habit“ ist dein erstes Soloalbum seit “Acoustic At The Norfolk“. Was hat dich dazu bewogen dieses Album ohne deine übliche Backingband, die True Believers, einzuspielen?
Carus Thompson: Ich habe jetzt schon ein paar Alben mit den True Believers gemacht, jetzt wollte ich einfach mal etwas anderes machen. An erster Stelle bin ich ein Singer-Songwriter. Ich wollte mich vom Rest einfach mal lösen, nur meine Songs haben und, wenn nötig, ein paar andere Instrumente dazunehmen. Der Ausgangspunkt sollten meine Songs und ich sein. Ich glaube das hat ganz gut geklappt, es ist mein Lieblingsalbum.
Als ich dein neues Album zum ersten Mal gehört habe, habe ich die Songs sofort mit deinem “Cover Tapes“-Album in Verbindung gebracht. Hat dich die Erfahrung direkt mit so großartigen australischen Songs zu tun zu haben dazu geführt etwas Ähnliches schreiben zu wollen, etwas, das dort weiter macht, wo die Stücke auf „Cover Tapes“ enden?
Carus Thompson: Nein, ich hatte den Großteil des Albums schon geschrieben, bevor die „Cover Tapes“-Aufnahme entstand. Der Punkt ist, dass ich die Songs schreibe und besser geworden bin, ich mache das jetzt schon seit 20 Jahren. Wenn ich ein Cover spiele, versuche ich Songs zu finden, die stark, kraftvoll und direkt sind. Es war eine gute Erfahrung “Cover Tapes“ zu machen. Ich habe dabei ein bisschen mehr über das Singen gelernt, direkter, rauer und ohne Anmaßung zu singen.
Während du dein aktuelles Album aufgenommen hast, gab es da ein bestimmtes Leitmotiv für dich, oder warst du für alles offen?
Carus Thompson: Ich wollte die besten Songs schreiben, die ich konnte. Aber ich dachte dabei immer daran direkt und ein bisschen poppiger zu sein – kürzere Songs, kraftvoller, leichter zu verstehen, Bang. Mein letztes Album, “Three Boxes“, war ein wenig politisch, ich habe über Australien und Konservatismus geschrieben. Auf dem neuen Album wollte ich Songs über Menschen schreiben, über Charaktere und Geschichten über das menschliche Dasein, unsere Hoffnungen, unseren Neid, unsere Wut. Ich mag es, dass das neue Album von Menschen und deren Erfahrungen im Leben handelt. Es geht dabei nicht zwingend um mich, aber ich denke, dass es trotzdem sehr real ist und die Leute verstehen, was die Menschen in den Songs denken.

Carus Thompson live im "Kulturbahnhof" (Foto: Claudia Grover)
Wurden die zehn Songs auf “Creature Of Habit“ alle im direkten Vorlauf zum Aufnahmeprozess geschrieben, oder sind ein paar Stücke dabei, die du schon länger mit dir herumträgst?
Carus Thompson: Nun ja, als wir ins Studio gegangen sind, hat der Produzent gesagt, dass alle Songs dem neuen Standard entsprechen müssen, den ich kürzlich erreicht habe. Nach “Three Boxes“ habe ich ein gewisses neues Level erreicht, was das Songwriting betrifft. Ich hatte ein paar ältere Songs, aber die entsprachen nicht diesem Standard und so kamen sie auch nicht aufs Album. Der älteste Song auf der Platte ist “Creature Of Habit“, der ist ungefähr zwei Jahre alt. Die anderen Stücke habe ich vor nicht allzu langer Zeit geschrieben. “For The Rest Of My Life“ habe ich z.B. zwei Wochen vor den Aufnahmen geschrieben. Es ist spannender, für einen Künstler, an einem neuen Stück zu arbeiten, denke ich.
Hast du irgendwelche der Songs geschrieben, während du auf Tour warst?
Carus Thompson: Während ich auf Tour bin, schreibe ich eigentlich nicht, da bin ich zu beschäftigt. Aber was ich immer mache ist, mich umzusehen. Wie z.B. der Song ”I Found Love”, den habe ich über einen Auftritt in einem Gefängnis in Celle geschrieben. Ich hatte das damals schon im Kopf, und wenn ich dann nach Hause komme und Zeit habe, dann schreibe ich. Auf Tour bin ich immer am Fahren oder dabei mich für den Auftritt fertigzumachen. Ich bevorzuge ein ruhiges Umfeld, wenn ich schreibe.
Du hast deinen Song “I Found Love“ gerade erwähnt. Du hast das Lied, eine wahre Geschichte, aus der Sicht eines Gefängnisinsassen geschrieben. Ist das eine Schreibtechnik, die du bevorzugst, oder ziehst du es vor über dein eigenes Leben und deine eigenen Erfahrungen zu schreiben?
Carus Thompson: Ich habe viele Songs über meine eigenen Erfahrungen geschrieben und das wird, denke ich, ein bisschen langweilig nach einer Weile. Für den Autor und für den Zuhörer. Ich glaube, wenn jeder Song über dich ist, ist das ganz schön egozentrisch. Songs sind Geschichten und wenn du immer die gleiche Geschichte über den gleichen Typen liest, kann darin auch nur soundso viel passieren. Wenn du anfängst, über deinen eigenen Tellerrand hinaus zu schauen wird es interessant. Du kannst diese Geschichten finden, aber du musst dich dann natürlich auch in die Position der Figur versetzen können, um dem Song eine gewisse emotionale Kraft zu verleihen. Diese Technik über den Tellerrand hinaus zu gucken, ist etwas Neues für mich. Ich habe das erst in den letzten zwei bis drei Jahren entdeckt und bin sehr glücklich darüber. Jetzt bin ich ein richtiger Songwriter, diese Art Songs zu schreiben ist schwieriger. Unterm Strich hat man dann auch mehr Themen über die man schreiben kann.
Ich habe gelesen, dass du noch nicht mal den Namen des Gefängnisinsassen kanntest.
Carus Thompson: Ja, ich kannte seinen Namen nicht.
Weiß er das der Song existiert?
Carus Thompson: Wahrscheinlich, denn die Frau, die er geheiratet hat, war vor ungefähr einer Woche auf einem Konzert und ich habe ihr den Song vorgespielt.
War der Auftritt in Celle dein erstes Konzert in einem Gefängnis und was war das für ein Erlebnis?
Carus Thompson: Es war richtig gut. Es war mein erstes Konzert in einem Gefängnis, ich habe für ungefähr 40 Leute gespielt. Denen hat es richtig gut gefallen, sie haben jedem Wort gelauscht und nach dem Song laut geklatscht. Es hat sich richtig gut angefühlt Musik nur wegen des Grundgedankens Musik zu spielen, zu machen. Eine sehr besondere Erfahrung, eine positive Erfahrung. Es bringt dich dazu, dich lebendig zu fühlen.
Auf der Bonus-Disc von ”Creature Of Habit” ist ein Song namens ”Sunrise Over Sea”, ein Track, der laut deiner Aussage aufs Abstellgleis geraten ist, weil John Butler ein Album mit dem gleichen Titel veröffentlicht hat. Warum geriet der Song aufs Abstellgleis, unterm Strich ist es doch bloß ein Songtitel?
Carus Thompson: Na ja, zum einen ist es jetzt kein wirklich großartiger Song. Es ist nur ein Songtitel, aber wir bewegen uns in Australien in sehr ähnlichen Kreisen, da kann man so etwas einfach nicht machen.
Also lag es nicht nur am Titel, du warst von dem Song an sich auch nicht voll und ganz überzeugt?
Carus Thompson: Hmm, ich mag den Song, aber der Titel funktioniert so in Australien nicht. Du kannst keinen Song namens “Sunrise Over Sea“ veröffentlichen, nachdem der größte Indie-Musiker des ganzen Landes sechs Monate vorher ein Album mit dem Titel “Sunrise Over Sea“ herausgebracht hat.
Wie viele Songs befinden sich auf dieser Art von Abstellgleis, von denen noch nie ein Fan gehört hat?
Carus Thompson: Da gibt es einige, sogar viele. Wahrscheinlich schafft es von fünf geschriebenen Songs am Ende nur einer. Deshalb gibt es einige Songs auf dem Abstellgleis. Aber normalerweise gibt es auch einen Grund, warum ein Song es nicht schafft. Na ja, manchmal kann man auch überrascht werden. Darum spiele ich so gerne live. Manchmal sollte ich meine neuen Songs vielleicht nicht spielen, aber ich mache das gern, anhand der Publikumsreaktion kann man schnell sehen, ob ein Song gut ist oder nicht. Aber ja, es gibt eine ganze Menge Songs, die es nicht geschafft haben (lacht).

"Australien hat eine sehr ausgeprägte Konzertlandschaft" (Foto: Sascha Knapek)
Hast du die Songs denn jemals aufgenommen oder gibt es sie nur auf dem sprichwörtlichen Papier?
Carus Thompson: Wahrscheinlich habe ich sie auf meinem Computer aufgenommen oder auf irgendeinem Tape. Bei mir liegen Stapel von Tapes rum. Manchmal tauchen sie auch als andere Songs wieder auf, aber viele habe ich einfach wieder vergessen. Eine Menge.
Ich weiß, dass es für einen unabhängigen Musiker schwierig ist, eine ausgedehnte Tour durch Deutschland oder Europa zu buchen. Wie ist die Situation in Australien bezogen auf das Buchen einer Tour und Orte zu finden, wo du auftreten kannst?
Carus Thompson: Es ist sehr viel einfacher. Wir sprechen alle die gleiche Sprache (lacht). Australien hat eine sehr ausgeprägte Konzertlandschaft, sehr gute Venues und du kannst direkt bei der veranstaltenden Örtlichkeit buchen. Wenn die dich kennen, kannst du einfach anrufen und einen Gig buchen. Es ist relativ einfach zu sehen, mit welchen Gegebenheiten man es zu tun hat. Aber für Anfänger ist es schwer. Es gibt keine Garantien, du musst deine Show selbst promoten und hoffen, dass dann auch zahlende Besucher kommen. Du musst also hart arbeiten, sehr hart. Und viel Geld ausgeben und viel Geld verlieren. Aber ich denke, es ist eine gute Szene, denn sie härtet dich ab, macht dich zäh. Du musst einfach gut sein, andernfalls stirbst du (lacht).
Es gibt einige Fans von dir, die während einer Tour mehrere Konzerte besuchen und dafür weite Wege in Kauf nehmen. Hast du Bands oder Musiker bei denen du das gleiche machst oder schon mal das gleiche getan hast?
Carus Thompson: Eher nicht (lacht). Na ja, vielleicht. Wahrscheinlich Lucinda Williams. Das ist doch das Interessante an Musik, man denkt vielleicht, da ich selbst Musik mache, werde ich nicht zu einem vergötternden Fan. Aber wenn du den richtigen Künstler vor mich stellst, bin ich so verrückt wie viele andere. Wenn du Lucinda Williams oder Paul Kelly vor mich stellst, stammle ich (Carus spricht jetzt in einer sehr mädchenhaften Tonlage, d. Red.): Ich bin ein Fan, ich bin ein Fan, ich liebe dich. Das ist das Großartige an Musik, selbst die bekanntesten Musiker haben Künstler, die sie vergöttern.
Wie wichtig ist es für dich deine Alben in Australien aufzunehmen?
Carus Thompson: Das ist nicht so wichtig. Meine letzten beiden Alben habe ich in Australien aufgenommen, aber in Amerika gemixt. In Nashville, um genau zu sein. Solange ich ein gutes Studio habe, ist das nicht so wichtig für mich. Ich denke, es ist gut, wenn du dich wohlfühlst, wenn du aufnimmst und es ist gut großartige Leute zu haben, mit denen du arbeitest. Der Produzent meiner letzten beiden Alben, Greg Arnold, ist ein sehr guter Einfluss für mich und er ist sehr gut darin, das Beste aus mir herauszuholen. Darum nehme ich in Australien auf. Aber das nächste Album mache ich vielleicht in Amerika.
In Nashville?
Carus Thompson: Ja, das ist eine großartige Musikstadt. Es ist relativ egal wo du bist, wenn du aufnimmst, aber Nashville wäre genial. Es wäre schön eine Platte in den Staaten zu machen und ein paar amerikanische Musiker mit an Bord zu holen.
Wie ist denn das Touren in den Vereinigten Staaten, hast du dort schon Shows gespielt?
Carus Thompson: Nein, es ist zu schwer in das Land, den Markt, reinzukommen (lacht). Es ist sehr schwer, aber ich würde da schon gerne auftreten. Amerikaner sind ein bisschen wie Deutsche, sie lieben Musik und sie unterstützen dich. Außerdem glaube ich, dass die Amerikaner meine Musik mögen würden. Sie ist wie ihre Musik, nur mit diesem australischen Etwas. Eines Tages vielleicht, bis dahin arbeite ich erstmal in Europa weiter.
Und ich glaube du bist da drüben gar nicht mal so unbekannt. Ich habe von einem amerikanischen Freund von dir erfahren.
Carus Thompson: Wow, das ist erstaunlich. Mit dem Internet heutzutage… wahrscheinlich wäre man überrascht, wenn ich in Amerika Konzerte spielen würde und da gäbe es sogar einige Fans. Das Internet hat es schwieriger gemacht CDs zu verkaufen, aber es hat es für die Leute auch viel einfacher gemacht deine Musik zu hören. Mir gefällt das.
Meistens spielst du auf einer Akustikgitarre. Mal abgesehen von einem Verstärker und derartigen Sachen, was ist für dich der grundlegende Unterschied von akustischen und elektrischen Gitarren? Warum favorisierst du die akustischen?
Carus Thompson: Wenn ich solo auftrete, benutze ich immer die Akustikgitarre. Mit der Band spiele ich manchmal auch E-Gitarre, aber eine akustische ist einfach perkussiver. Es ist eine Gitarre, aber gleichzeitig auch ein Schlagzeug, du bekommst einen besseren Rhythmus. Meine Stärke als Gitarrist ist, denke ich, mein Rhythmusspiel und mein Groove. Diesen Groove bekommst du mit einer elektrischen Gitarre nicht, du brauchst dann ein Schlagzeug an deiner Seite. In Australien spiele ich öfter mit einem E-Gitarristen an meiner Seite, aber ich liebe einfach den Sound, auch wenn die E-Gitarre im Vordergrund steht, eine Akustikgitarre als Fundament zu haben. Es gibt dem Ganzen diese gewisse Wärme. Es ist ein sehr interessantes Instrument.
Hast du deine Solo-Sachen denn schon mal mit einer elektrischen Gitarre versucht?
Carus Thompson: Nein, nicht wirklich. Es würde wahrscheinlich funktionieren, aber sobald das jemand sieht, denken die Leute sofort an Jeff Buckley. Aber ich mag das schon. Billy Bragg habe ich mir angesehen, ich mag die Art und Weise, wie er seine E-Gitarre einsetzt. Vielleicht versuch ich es eines Tages, aber das ist dann immer noch ziemlich zweidimensional, wohingegen die Akustikgitarre eher dreidimensional ist. Sie hat so viel (Carus versucht den perkussiven Sound zu imitieren, d. Red.) „tschukka, tschukka“, das bekommst du mit einer E-Gitarre nicht. Ich mag es, die Leute zum Tanzen zu animieren, eine Akustikgitarre erreicht das.

"Als Grunge kam, war das eine neue Art von Musik und Nirvana waren eine neue Art von Band" (Foto: Sascha Knapek)
Auf deinem Album “Acoustic At The Norfolk“ ist ein Song namens ”Kurt Cobain”. Hat dich die Szene in Seattle beeinflusst, als du jünger warst?
Carus Thompson: Ich bin jetzt 32 und Grunge war das letzte Mal, als ein neuer Musikstil entstanden ist. Seitdem ist Musik nur so ein Retro-Ding. Jet, The Strokes, das ganze Zeug. Das kann man keinen neuen Musikstil nennen, die nehmen einfach Musik aus den 60ern und verändern das ein bisschen. Als Grunge kam, war das eine neue Art von Musik und Nirvana waren eine neue Art von Band. Ich war damals ungefähr 14, das war eine großartige und besondere Zeit, was Musik angeht. Das ist, glaube ich, etwas, das 18-jährige heutzutage vielleicht nicht ganz verstehen, für sie gibt es das in der Form heutzutage nicht. In den 70ern hattest du Flower-Power, in den 80ern das Punk-Zeug und wir hatten Grunge. Es ist etwas Besonderes deine eigene Musik aus deiner Zeit zu haben. Etwas zum ersten Mal zu sehen und zu denken, „das ist etwas absolut neues“. Grunge hat mich beeinflusst, obwohl ich diesen Stil nie selbst gespielt habe. Ich dachte, wie jeder, Kurt Cobain – speziell aus heutiger Sicht – war ein wahres Genie. Es ist ein bisschen traurig, aber ich glaube so etwas wie das wird nicht mehr passieren. Die Leute versuchen neue Musikstile zu finden und erkennen, dass fast alles schon mal gemacht wurde. Mittlerweile versuchen sie es mit der Brechstange, das ist komisch. Zur gleichen Zeit als wir Grunge hatten gab es auch Bands wie Portishead, Massive Attack und DJs. Ich kann mich noch an den ersten DJ und die erste DJ-Party bei uns erinnern. Heutzutage gibt es viele neue Aufgüsse alter Ideen. Das ist nicht so spannend, obwohl es natürlich auch sehr gut sein kann.
Welche Alben drehen sich denn gerade in deinem Plattenspieler?
Carus Thompson: (denkt ungefähr 20 Sekunden nach) Ich höre in letzter Zeit viel Bruce Springsteen.
Die neue Platte?
Carus Thompson: (lacht) Nein, die mag ich nicht. Ich höre mir die anderen an. Aber ich hab es zumindest versucht sie mir anzuhören. (denkt nach) Was war das letzte Album, das ich mir gekauft habe? Ich höre immer viel Lucinda Williams… Ich habe mir einen Haufen neuer Platten gekauft, bevor ich hier hergekommen bin, aber ich kann mich gerade nicht daran erinnern welche. Ich höre immer eine Menge Musik. Von Wilco bin ich ein großer Fan, natürlich Dylan und Neil Young habe ich viel gehört. Bevor ich Melbourne verlassen habe, habe ich ein Konzert von ihm gesehen. Es war fantastisch. Ich habe wahrscheinlich um die 600 CDs Zuhause und ich kaufe mir immer neue Musik, versuche neue Musik zu hören und neue Songwriter zu finden, das ist eine gute Inspirationsquelle.
Wenn es also um Musik geht, bist du eher ein CD-Typ. Keine MP3s, kein Vinyl?
Carus Thompson: Ich habe leider keinen Plattenspieler. MP3s sind cool, aber sie hören sich nicht so gut an wie eine CD. Ich bin old-school, ich mag es in den Plattenladen zu gehen – in Australien haben wir noch viele großartige Plattenläden – und zu fragen, was sie Neues haben. Vielleicht habe ich einen Namen aufgeschnappt, jemand wie Ron Sexsmith, und dann gehe ich rein, kaufe die Platte und versuche mein Glück. Vor allem bei Singer-Songwritern mache ich das so. Manchmal findet man so etwas, das man anders nicht gefunden hätte. Für mich ist das einfach nur Geld (lacht) und weil ich Musiker bin, kann ich es sogar von der Steuer absetzen. Deshalb gebe ich gerne viel Geld für Musik aus. Ich meine, für die heutige Generation ist es hart, weil sie immer downloaden. Aber es kostet dich 12 oder 15 Euro um ein Album zu kaufen, und wenn du dir ein richtig gutes kaufst, eins das du liebst, dann gibt es dir viele Jahre lang eine Menge Freude. Es ist es wert das Geld auszugeben, Musik bringt dir eine Menge Freude.
Und zu guter Letzt, was liegt 2009 noch so vor dir? Gib uns doch bitte einen kleinen Vorgeschmack.
Carus Thompson: Im November komme ich mit meiner Band zurück nach Deutschland. Wir werden eine kurze Tour durch Europa machen, vier oder fünf Shows in größeren Venues. Wir gucken mal, wie das so funktioniert. Ich denke, wir haben großartige Fans hier und viele von ihnen würden für die Konzerte auch eine weitere Anreise in Kauf nehmen und versuchen daraus einen großen Event, eine besondere Show zu machen. Mit viel Power, tollem Sound und dann sehen wir, was passiert. Wir werden auch weiterhin versuchen mehr Airplay im deutschen Radio zu bekommen. Die großartige Fanbase, die wir jetzt hier haben, werden wir versuchen aufs nächste Level zu hieven. Außerdem werde ich viele Konzerte in Australien geben und am Ende des Jahres auf ein paar australischen Festivals spielen. Und nächstes Jahr denke ich dann vielleicht über ein neues Album nach.
Wieder solo oder mit der ganzen Band?
Carus Thompson: Ich denke, mein nächstes Album wird wieder rockiger, mit mehr Power und mit der Band. Hoffentlich wird auch mein Bruder mit dabei sein. Alles ein bisschen direkter, auf den Punkt, Rock’n’Roll. Jetzt, wo ich verstehe, wie man ein Album macht und die Idee, die hinter einem Album stehen sollte, denke ich, ist es gut verschiedene Alben mit verschiedenen Sounds zu haben. Beim nächsten werde ich versuchen unsere Liveenergie mit der Band auf ein Album zu bekommen. Ungefähr so wie bei Bruce Springsteen! Und dann geht’s mit der Band in die Vollen.
Vielen Dank für deine Zeit, Carus!
Vielen Dank an Andreas Pusch und Dieter Blanke, die dieses Interview möglich gemacht haben!