(Carus Thompson)
Im November gastiert der australische Singer/Songwriter Carus Thompson für fünf Konzerte in Deutschland. Die "Doing Time Tour 2009" wird exklusiv von Musicheadquarter präsentiert. Vor seinem vorletzten Gig in der Wuppertaler Börse stellt sich ein bestens gelaunter Carus Thompson den Fragen unserer Redakteurin Diana Dolensky und signiert am Ende sogar noch unsere Australien-Flagge.
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Carus Thompson und MHQ-Redakteurin Diana Dolensky vor dem Konzert in Wuppertal.
Du bist in einer Familie ohne musikalischen Background aufgewachsen. Wieso wolltest du da Musiker werden?
Carus Thompson: Meine Nachbarn waren Musiker und habe in einer Band gespielt. Ich hab mir das oft angehört und mit 12 Jahren hab ich mir dann eine Gitarre gekauft. Ich fing an zu lernen auch mit meinen Freunden in der Schule. Ich hatte niemals Unterricht oder ähnliches und ich denke, das trägt auch einen Teil dazu bei wieso ich Musiker geworden bin oder warum Musik immer etwas war, was ich machen wollte. Ich hatte keinen Lernzwang. Oftmals gehen Eltern hin und zwingen ihre Kinder: Du musst jetzt lernen das Piano zu spielen.
Erinnerst du dich noch an deinen Ersten Song? Wie hieß er?
Carus Thompson: Den Namen weiß ich nicht mehr, nur dass er sehr schlecht war (lacht).
Unterstützt deine Familie deine Arbeit wo du doch auch ständig unterwegs bist?
Carus Thompson: Ja das sind große Fans. Möglicherweise sind sie meine besten Fans (lacht).
Anwesend sind sie heute aber nicht?
Carus Thompson: Nein, sie sind zu Hause in Frementle in der Nähe von Perth.
Deine Texte handeln ja hauptsächlich von emotionalen Gedankengängen. Wie kommen dir die Ideen für diese Songs?
Carus Thompson: Normalerweise aus meinem persönlichen Erfahrungsschatz oder Geschichten die ich auf dem Weg einsammele. Ich treffe jemanden, der erzählt mir eine Geschichte und ich denke darüber nach. Manchmal reime ich mir auch eine Geschichte in meinem Kopf zusammen. Ich denke der Trick an der ganzen Sache ist folgender: Wenn jemand den Song hört sollte er nicht wissen ob es gerade um dich geht, jemand anderes oder ob du es nur erfunden hast. Dann arbeitet der Song in die richtige Richtung.
Was hilft dir bei diesem kreativen Entstehungsprozess?
Carus Thompson: Am kreativsten bin ich morgens mit einer Tasse Kaffee und einem klaren Kopf. Man muss außerdem Disziplin haben um einen Song dann auch fertig zu schreiben. Am besten den Tag davor Ruhe haben.
Deine Musik lässt sich nicht in ein Genre packen und du fühlst dich auch offensichtlich gut dabei verschiedene Richtungen zu spielen. Wie würdest du deine Musik beschreiben und vor allem ist deine Richtung an bestimmte Stimmungslagen geknüpft?
Carus Thompson: Meine Musik nennt sich Folk und ich finde es einfach interessanter, wenn nicht jeder Song wie der andere ist. Er muss gut klingen. Der beste Song entsteht aus einem Gefühl heraus. Du startest mit der Idee von einer Emotion und dann versuchst du daraus eine Geschichte zu bauen die etwas vermittelt. Um es realer wirken zu lassen vermischst du es dann mit deinen eigenen Lebenssituationen.
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"Ich habe meine australische Band und eine europäische Band. Ich mag es sehr gerne mit Leuten aus verschiedenen Ländern zu spielen."
Nachdem du nun immer berühmter wirst, was ist für dich im Zuge dessen am Hilfreichsten und was ist deiner Meinung nach das Schwerste am Erfolg?
Carus Thompson: Der finanzielle Support, der berühmt zu sein mit sich bringt, ist auf alle Fälle relaxed. Je bekannter man ist, desto mehr Geld verdient man und dann kann man sich einfach besser auf das Wesentliche konzentrieren. Je bekannter man ist, desto länger muss man aber auch touren und ist fern ab der Heimat und ohne Familie. Das wird wohl das Schwerste sein. Meine Familie und meine Freundin sind nicht dabei.
Nach deiner letzten Eurotour hast du meinem Kollegen Sascha Knapek im Interview schon berichtet, dass es Anfang des Jahres eure größte Show war. Wie würdest du es mit diesem Mal vergleichen?
Carus Thompson: Diese Tour haben wir weniger Gigs gemacht, es kamen aber noch mehr Zuschauer und es war energiegeladener als letztes Mal.
Du bist heute mit The French Connection zu sehen. Wer steht hinter diesem Namen?
Carus Thompson: Freunde aus Frankreich. Mathieu Lucas und Christophe Baillieut. Es ist unsere zweite oder dritte Tour die wir zusammen machen. Es ist super. Ich fliege einfach rüber, wir treffen uns, schmeißen die Sachen in den Van und los geht’s. Und auf der Tour dieses Jahr haben wir aber auch noch Jesse Beaton dabei, ein Freund den ich aus Australien kenne, der aber in London wohnt. Er ist ein wirklich guter Gitarrist, den wir einfach gefragt haben ob er Lust hat mitzumachen. Dann hat er die Songs gelernt und es läuft wirklich super. Ich habe meine australische Band und eine europäische Band. Es wäre auch zu teuer alles nach Deutschland zu transportieren. Und ich mag es sehr gerne mit Leuten aus verschiedenen Ländern zu spielen. Ich halte es gerne von Tour zu Tour verschieden, so ist es schöner für die Zuhörer meiner Konzerte.
Gibt es Länder, die du nächstes Mal gerne noch besuchen möchtest, um auch dort die Menschen von deinen gesanglichen Fähigkeiten zu überzeugen?
Carus Thompson: England und Frankreich habe ich dieses Jahr schon besucht. Amerika wäre ganz nett, dort war ich noch nicht.
Was denkst du, ist deine Geheimwaffe bei dem was du musikalisch machst?
Carus Thompson: Energie in der Performance, dass man sich selber nicht zu ernst nimmt und dass man alles auf eine emotionale Ebene bringt.
Was zeichnet dich aus?
Carus Thompson: Wenn man viele kleine Auftritte hat kann man nicht wirklich den Rockstar raushängen lassen und den Kopf hoch tragen. Man sollte einfach real und natürlich sein und ich denke das ist was ich bin. Ich möchte keine engen Lederhosen tragen, ich möchte einfach nur meine Lieder spielen. Was die Leute bei mir anerkennen ist auch meine Anspruchslosigkeit. Viele Fans sind meine Freunde. Die Show heute ist von Freunden organisiert und wir haben verschiedene Gruppen von Freunden überall in Deutschland verteilt und die machen unheimlich viel um meine Musik bekannter zu machen. Das ist besser als Werbung.
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"Die Menschen in Deutschland sind sehr freundlich. Deutschland ist das beste Land zum Touren und jeder hier ist gewillt dich zu unterstützen."
Wenn wir über Arbeitsgepflogenheiten sprechen, wie bereitest du dich beispielsweise auf deine Show vor?
Carus Thompson: Viele Tassen Kaffee, ein paar Gläser Weißwein und los geht’s (lacht).
Also keine große Vorbereitung?
Carus Thompson: Nein nicht wirklich, vielleicht die Stimme nicht überanstrengen und relaxen, aber definitiv ist das ein oder andere Glas Wein nicht verkehrt.
Wie bereitest du dich auf deine Songs vor, die du noch schreiben willst? Kommt dir die Idee einfach zugeflogen?
Carus Thompson: Ich bekomme die Ideen eigentlich immer wenn ich herum komme, aber ich fange mit dem wirklichen Schreiben immer nach einer Tour an, wenn ich Ruhe habe und mich hinsetzen kann. Normalerweise starte ich mit einem Gitarrengroove oder einem bestimmten Gefühl und dann lasse ich die Lyrik einfach kommen. Manchmal habe ich diese bestimmten Ideen in meinem Kopf von denen ich dann Gebrauch mache. Die eine Idee wirkt für diesen Song und jene für einen anderen. An gewisse Zeiten halte ich mich da gar nicht.
Vom Standpunkt Null bis heute, was waren die härtesten Zeiten in deiner Laufbahn?
Carus Thompson: Die ganzen Touren um den Bekanntheitsgrad zu steigern. All das ist mit großem Aufwand verbunden. Bis du wirklich auch Geld damit verdienst, ist es ein weiter Weg. Das Geld was du verdienst muss wieder investiert werden, um neue Platten aufzunehmen und natürlich auch zu pressen. Aber diese langen Nächte sind jetzt vorbei weil ich auch immer schneller lerne wie man es besser macht.
Wer hat dir speziell hier in Deutschland ein Sprungbrett geschaffen?
Carus Thompson: Mein Freund Andreas Pusch. Wir haben uns vor sechs, nein sieben Jahren getroffen, als ich zum ersten Mal nach Deutschland kam. Ich spielte in einem kleinen Café in Berlin und er kam, sah mich spielen und meinte: "Hey ich hab dich gesehen und du solltest wirklich wieder kommen. Ich kann dir helfen und Gigs buchen". Und er organisierte ich denke ca. sechs oder sieben Auftritte und zwei Monate später waren es dann fünfzehn und wir haben es seit sechs Jahren nun schon jedes Jahr weitergeführt und es wird einfach immer größer und größer. Nun komme ich cirka drei Mal im Jahr nach Deutschland. Wir spielen überall, zum Beispiel in einer Wohnung oder in Kirchen. Die Räumlichkeiten sind aber auch größer, wo dann 250 Zuschauer kommen. In Hamburg gestern waren 250 Leute da. Meine Fangemeinde wird größer und wir gehen dabei einen ehrlichen Weg. Die Leute fragen immer wie ich das mache, so ohne Radio, keine Werbung, kein Fernsehen, einfach nur über Mundpropaganda.
Welche Location in Deutschland hat dir bisher am besten gefallen?
Carus Thompson: (grübelt) Die Börse (lacht). Als ich 2006 mit John Butler unterwegs war, da haben wir in tollen Venues gespielt. In Köln zum Beispiel in der Live Music Hall. Das war eine großartige Tour für mich, wir haben auf sehr großen Bühnen gespielt und ich denke das war auch der Anfang mir hier in Deutschland eine größere Fangemeinschaft aufzubauen.
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Hast du ein Vorbild?
Carus Thompson: Es gibt einen Sänger und Songschreiber namens Paul Kelly aus Australien. Er ist wirklich gut und ich würde ihn mit Bob Dylan vergleichen. Ab und an covere ich einige seiner Songs weil er ein guter Schreiber ist.
Du bist nun schon öfter in Deutschland gewesen. Gibt es irgendetwas bestimmtes, was du besonders magst?
Carus Thompson: Die Menschen hier sind sehr freundlich. Sie tun eine Menge für dich. Sie respektieren Musiker. Deutschland ist das beste Land zum Touren und jeder hier ist gewillt dich zu unterstützen. In Australien ist das nicht so.
Was ist das erste, das du tust, wenn du zurück nach Hause kommst?
Carus Thompson: Nach Melbourne? Vielleicht einen guten Kaffee trinken (lacht). Wir haben guten Kaffee in Melbourne. Und womöglich ein Promite & Käse Sandwich essen. Promite ist ein wenig wie Vegemit, nur ein bisschen besser eben. Einfach nur im Haus sein oder auch zum Surfen gehen und die Sonne genießen. Aber ich werde sowieso immer irgendeinen Gig haben, zu dem ich hingehen muss. Es ist eigentlich egal wo ich bin, ob in Frankreich, in Deutschland oder Australien, ich denke immer an die nächste Show.
Das heißt, du kannst dich eigentlich gar nicht entspannen wenn du nach Hause kommst?
Carus Thompson: Nein, nicht wirklich. Es geht direkt in die Vorbereitungen für die nächsten größeren Shows Ende des Jahres. Die Arbeit eines Musikers ist niemals getan.
Weihnachten steht ja bald wieder vor der Tür, wie wirst du es dieses Jahr verbringen?
Carus Thompson: Ich bin mir wirklich nicht sicher (grübelt)... vielleicht am Strand oder campen. Zu Weihnachten ist es sehr heiß in Australien. Viel Zeit zum Entspannen habe ich aber nicht, denn zu Weihnachten will jeder Party machen und das heißt, du musst Musik spielen. Am Tag nach Weihnachten steht schon wieder der nächste Gig an.
Wo wird das sein?
Carus Thompson: In einer kleinen Stadt in der Mitte von Nirgendwo in Apollo Bay.
Vielen Dank für das Interview, Carus!
Ein herzlicher Dank geht auch an Andreas Pusch, der uns dieses Interview ermöglicht hat.