Interview mit Lewis Bowman von Chapel Club in Berlin - Deutsche Version

(Chapel Club)

13.04.2011 von Jessica Franke

Seit 2010 sorgt die Londoner Band Chapel Club nun schon für reges Aufsehen. Und die Medien scheinen sich auch wirklich einig darüber zu sein, dass es sich bei dem Quintett um mehr als einfach nur eine weitere Indieband handelt. Seit Anfang des Jahres steht ihr Debütalbum "Palace" in den Läden, und seitdem scheint sich ihre Fangemeinde kontinuierlich zu vergrößern. Heute nimmt sich Sänger Lewis Bowman für die Zeit für Musicheadquarter-Redakteurin Jessica Franke, um ein paar Fragen über ihre Musik zu beantworten sowie das Touren und seine Leidenschaft für andere Sprachen.

MHQ-Redakteurin Jessica Franke und Lewis Bowman von Chapel Club

Als erstes einmal vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast. Wie war euer Tag bisher?

Lewis: Gut bis jetzt. Wir hatten einen spaßigen Tag. Wir waren bei diesem Radiosender, der Motor.fm heißt.

Wann seid ihr angekommen?

Lewis: Wir sind heute morgen angekommen. Ich weiß nicht, von wo wir gefahren sind (überlegt). Wir sind gestern aus Köln losgefahren und haben dann irgendwo dazwischen übernachtet.

Kannst du euch vielleicht kurz vorstellen, zum Beispiel wo ihr euch kennengelernt habt und seit wann ihr Musik zusammen macht?

Lewis: Nun ja, das kommt ein bisschen darauf an, wen du genau meinst. Die Band gibt es seit ungefähr zweieinhalb Jahren und so lange machen wir auch schon Musik zusammen. Seit ungefähr eineinhalb Jahren spielen wir live. Das erste Jahr haben wir damit verbracht, Songs zu schreiben und nicht zu spielen. Naja und mit trinken und solchen Sachen eben, wenn wir eigentlich hätten arbeiten sollen (lacht). Also im Grunde genommen kennen wir uns ein bisschen länger, aber einige von uns kennen sich schon viel länger, wie Alex und Liam zum Beispiel. Die beiden sind schon beste Freunde seitdem sie sechs Jahre alt sind oder so. Wir leben alle in Nord- oder Ostlondon und haben uns dort kennengelernt, sind auf dieselben Parties, Clubs und Pubs gegangen. Wir haben uns schließlich durch Freunde kennengelernt.

Wie würdest du eure Musik und euch selbst als Band beschreiben?

Lewis: Oh, das ist wirklich schwierig. Momentan würde ich unser erstes Album und unsere Shows, die wir zur Zeit spielen als laut und abgefahren beschreiben. Es geht eine Menge darin vor, es ist ziemlich ergiebig und ich denke, es ist wirklich sehr emotionale Musik, vielleicht ein bisschen großartig oder ein bisschen maßstäblich. Und wie würde ich uns beschreiben? Wir sind einfach fünf Idioten (lacht). Wir sind einfach fünf Kerle, die auf der Suche nach einer Art Geheimnis sind, und vielleicht dabei sind, es zu finden.

Wer schreibt bei euch die Songs und was inspiriert euch?

Lewis: Wir sind alle ziemlich involviert. Ich glaube, bei allen Sachen, die wir spielen, sind wir gleichermaßen beteiligt. Ich spiele zwar nichts, aber ich schreibe alle Gesangparts, Melodien und Liedtexte. Wir alle haben unterschiedliche Meinungen, sind aber wirklich demokratisch. Es gibt wirklich keine Person, die die Führung an sich reißen will. Manchmal denke ich jedoch, dass es vielleicht sogar ganz gut für die Musik wäre. Ich versuche sie immer ein bisschen zu animieren, ein bisschen mehr zu kämpfen und große Ideen zu haben, diese schließlich zu puschen. Aber sie sind wirklich alle so höflich. Sie waren schon immer höflich und nett zueinander. Ich versuche also ein bisschen mehr Temperament hineinzubringen, das sollte besser für die Musik sein. Wir werden sehen, was passiert, aber momentan ist alles sehr gleichgestellt und nett.

Ich habe gelesen, dass du Angst vor der Frage hast, mit welcher Band du euren Sound beschreiben würdest und nun frage ich...

Lewis: (lacht) Als wir in England das erste Mal Aufmerksamkeit erregt haben, haben wir lediglich zwei oder drei Mal live gespielt und ich dachte, es ist vielleicht ein bisschen früh, um uns zu beschreiben. Du setzt dich nicht hin und sagst: "Das ist, wonach wir klingen wollen und das sind unsere Einflüsse". Wir haben uns nicht unter Druck gefühlt, irgendwas zu machen, da niemand wusste, wer wir sind. Wir hatten noch nicht mal einen Namen für ein Jahr. Wir standen also nicht unter Druck und waren auch ein bisschen faul, was das betrifft. Wir sind auch nie zusammengekommen, um einen Plan für unsere Musik aufzustellen oder irgendwas drum herum. Und als dann plötzlich alles begann, passierte alles so schnell und wir hatten nie die Zeit, uns auf solche Fragen vorzubereiten. Ich habe mich beim Beantworten dieser Frage also ein wenig unwohl gefühlt, weil wir uns nie darüber Gedanken gemacht haben und ich nicht wusste, was ich ehrlich darauf antworten sollte. Ich weiß, was andere Leute denken, wie wir klingen und manchmal denke ich, sie haben genau den Punkt getroffen und dann denke ich manchmal sie sind verrückt. Ich weiß genau, wie wir klingen wollen, aber solche Sachen ändern sich auch immer wieder. Wir haben einiges an neuem Material, was wir bisher noch vor niemandem gespielt haben und was zum Beispiel vollkommen anders klingt als die alten Sachen. Ich kann allerdings sagen, was momentan meine Lieblingsbands sind. Es ist nicht so, dass wir so klingen wollen wie diese, aber eine meiner Lieblingsbands ist Deerhunter aus Amerika. Dann gibt es noch so einen Kerl aus Neuseeland, der jetzt in Britain lebt, Connan Mockasin. Ich glaube, die beiden Bands gehören momentan zu den aufregendsten Bands in der Welt. The Horrors sind eigentlich auch sehr gut. Das ist auch eine Band aus London und ihr zweites Album ist fantastisch und ich kenne sogar einige der Jungs.

Ist euer Album schon veröffentlicht?

Lewis: Ja, ich denke schon (überlegt). Japp, es steht schon in den Läden.

Was kannst du uns über euer Album erzählen? Was erwartet uns?

Lewis: Das sind die ersten Songs, die wir jemals geschrieben haben und als wir den Plattenvertrag unterschrieben haben, haben wir diese ziemlich schnell aufgenommen, ohne jemals vorher Demos von den meisten gehabt zu haben. Wir wussten also nicht wirklich, wie sie klingen würden. Die ganze Idee dabei war, diese alten Songs so gut einzufangen wie wir nur konnten. Denn sie sind ungefähr ein oder eineinhalb Jahre vor Veröffentlichung geschrieben worden, bevor überhaupt irgendjemand wusste, wer wir sind. Sie sind mehr als individuelle Songs entstanden und nicht als ganzes Album. Und jetzt, wenn man so zurückschaut, scheinen es diese bestimmten Sachen zu sein, die miteinander gekoppelt sind. Es ist irgendwie ein Album über das Zurückschauen und über unsere Sammlung, über Erinnerungen und das Schwelgen in Erinnerungen, über Beziehungen und das Zurückschauen auf eine Beziehung. Ich bin mit meiner Freundin schon ziemlich lange zusammen, aber es ist auf eine bestimmte Weise auch wie eine Art Ende einer Beziehungsgeschichte. Und auch übers Erwachsenwerden, Verlassen der Schule und das hinaus gelassen werden in die große weite Welt und das Gefühl, als habe man zu viel Zeit verschwendet und die Art und Weise, wie das Leben verläuft und man sich ein wenig fürchtet, sich ein bisschen verloren vorkommt. Ja, das Album ist über solche Sachen. Klanglich, also musikalisch hat es was von was Großem, eine Art Durchlaufen einer großen Suche und auch an Emotionen. Es gibt eine Menge schlichte Gitarren und so was eben.

Paul Epworth (Adele, Bloc Party, Friendly Fires, Florence + The Machine, d.Red.) hat euer Album produziert. Wie war es für euch, mit ihm zusammen zu arbeiten?

Lewis: Es war fantastisch. Paul ist eines der größten Genies, die ich je kennengelernt habe. Er ist nicht einfach nur ein Meister in dem, was er tut. Ich glaube, er hat schon so ziemlich jeden Job gemacht, den es in der praktischen Anwendung von Musik gibt. Er hat schon den Sound in Clubs gemacht, er war in einer Band, er hat eine Band gegründet, er hat als DJ gearbeitet, er war Techniker in einem Studio und nun ist er Produzent. Und all diese Sachen spielen mit ein. Er ist eine sehr positive und aktive Person und hat ein unglaubliches Wissen von Musik. Es gibt nichts, was er noch nicht gehört hat und was er nicht in und auswendig kennt. Und es war wirklich fantastisch, unser erstes Album mit ihm zusammen zu machen. Er ist einer der größten Produzenten in Großbritannien, wenn nicht sogar in der Welt. Er hat an dem Adele Album mitgewirkt, welches überall auf Platz 1 ist, er ist also zu einem der größten Produzenten der Welt geworden. Es war unglaublich und er ist ein wirklich netter Kerl.

Ihr präsentiert euer Album momentan auf Tour. Wie läuft die Tour bisher?

Lewis: Eigentlich läuft es ganz gut bis jetzt. Ich kann mich an nichts Schlechtes erinnern oder irgendwelche Desaster. Normalerweise gibt es auf jeder Tour immer eine Show, bei der alle Instrumente kaputt gehen und alles schief läuft. Aber bis jetzt ist noch nichts passiert, auf dieser Tour ist bisher alles gut gelaufen. Einige Shows waren ausverkauft und die Leute scheinen uns zu mögen. Es ist auch für mich persönlich wirklich gut, denn wir haben letztes Jahr viele Shows gespielt, bei denen ich mich nicht wirklich wohl gefühlt habe, ungefähr bis zum letzten Winter. Für mich hat es eine Weile gedauert, da es meine erste Band ist und ich einfach noch alles lernen musste. Aber jetzt bin ich ein wenig entspannter und sag mir immer: "Ja, ich schaff das". Ich freu mich wirklich auf das Konzert heute Abend, es ist wirklich ein schöner Club.

Welche Bands habt ihr bisher supportet?

Lewis: Auf Tour haben wir nur Two Door Cinema Club begleitet, letztes Jahr. Das war wirklich lustig, denn ihr Publikum unterscheidet sich sehr zu unserem. Ihr Publikum besteht überwiegend aus jungen Mädchen, die kreischen und Sachen rufen wie: "Ihr seid so sexy!", und ich stand auf der Bühne und dachte nur: "WAS?". Normalerweise sind unsere Zuschauer etwas ruhiger. Aber es hat wirklich Spaß gemacht und es sind richtig nette Jungs. Abgesehen davon haben wir eigentlich niemanden wirklich supportet. Lediglich einige Festivals, auf denen wir mit anderen Bands die Bühne an einem Tag geteilt haben. Letztes Jahr haben wir zusammen mit Arcade Fire in Italien gespielt. Das war großartig und Win Butler ist sehr nett. Er hat mich gefragt, ob ich mit ihm Tischtennis spiele, aber ich habe nein gesagt, ich habe mich ein bisschen gefürchtet. Ah ja, wir supporten Suede in London in ein paar Wochen, das wird toll.

Wo siehst du die wesentlichen Unterschiede zwischen einer Support- und einer Headlineshow?

Lewis: Für mich liegen die Unterschiede darin, dass man eine kürzere Show spielt und danach mehr Zeit hat, sich zu betrinken (lacht). Du hast weniger Druck. Aber ich denke, die Kehrseite ist, wenn die Leute nicht auftauchen. Wenn du in England jemanden supportest, kommen die Leute oft nicht, um die Supportband zu sehen. Als wir mit Two Door Cinema Club in Europa unterwegs waren, sind die Clubs immer voll gewesen, sobald die Türen offen waren. Die Menschen hier scheinen viel höflicher zu sein und die Show von Anfang an sehen zu wollen. Deswegen ist es schön hier zu touren. Aber in England waren wir ein bisschen enttäuscht, dass niemand da war.

"Eigentlich finde ich es ganz lustig zu sehen, was Leute über mein Aussehen denken. Ich glaube, ich erschrecke die meisten ein wenig. Ein Skelett, ja, das bekomme ich wirklich oft zu hören".

Wenn du dir eine Band aussuchen dürftest, mit der ihr auf Tour gehen könntet, welche wäre das?

Lewis: Wenn ich noch sechs Monate warten könnte bis wir weiter an unserem zweiten Album gearbeitet und mehr Material haben, wen würde ich wählen? (denkt nach) Uh, das ist wirklich schwierig. Nun ja, ich würde Deerhunter wählen, die ich sehr liebe, wie ich bereits sagte. Das ist eine fantastische Band. Ich würde zudem gerne in der Position sein Spiritualized supporten zu dürfen. Das ist eine britische Band. Sie haben für einige Jahre nichts veröffentlicht, aber sie haben dieses eine Album "Ladies And Gentlemen We Are Floating In Space" und auch noch ein paar andere gute Alben. Das war wirklich ein gewaltiges Album in den 90ern. Sie sind unglaublich. Wenn du sie nicht kennst, hör sie dir unbedingt an. Sie machen gewaltige Shows mit Gospel Chören und lauter so verrücktem Kram.

Bist du vor einem Auftritt noch aufgeregt?

Lewis: Ich werde nicht so aufgeregt wie den Tag vor Weihnachten, als man noch klein war. Mir ist immer ziemlich bewusst, dass alles passieren kann und die Dinge furchtbar schief laufen können. Aber ich werde nicht entsetzlich nervös, nicht mehr. Ich warte einfach ab, was passiert und dann sind wir okay.

Habt ihr irgendwelche Rituale bevor ihr auf die Bühne geht?

Lewis: Nein, eigentlich haben wir keine. Früher haben wir versucht alle in einen Kreis zu bekommen, aber das hat mich zu verrückt gemacht und ich konnte das dann nicht mehr machen. Ich gehe einfach raus, hab einen Drink und eine Zigarette und dann rufen mich die anderen, wenn wir auf die Bühne gehen. Das war’s dann mit den Ritualen.

Was erwartet uns in der Zukunft von Chapel Club? Was sind eure Ziele?

Lewis: Wow, ich bin mir nicht sicher. Ich meine, das Interview ist für eine deutsche Webseite und ich weiß nicht, was Deutschland von uns erwarten kann, denn wir haben ja gerade erst hier angefangen zu spielen. Ich hoffe, dass die Leute mehr und mehr von dem Album hören und in dieses reinfinden. Dann wollen wir zurückkommen und mehr Shows spielen. Im Sommer spielen wir einige große Festivals, zum Beispiel Rock am Ring und Rock im Park. Dann arbeiten wir an unserem zweiten Album diesen Sommer. Also wer weiß, was passiert? Wir sind aber wirklich offen dem gegenüber was wir für unser neues Album machen. Aber ich glaube sicher behaupten zu können, dass es sehr anders sein wird als das erste. Wir werden nicht bei dem Sound bleiben, den wir bereits gemacht haben. Momentan fliegen verschiedene Ideen herum. Wir werden also sehen.

Bist du lieber auf Tour oder im Studio?

Lewis: Es ist nicht so, dass ich Touren gar nicht mag, aber ich bevorzuge es, im Studio zu sein. Wenn du in einer Band bist, ist es für mich das Wichtigste oder das Schönste, Songs zu schreiben und sie dann aufgenommen zu hören, an ihnen herumzubasteln und den Sound genau so hinzubekommen, wie du es dir vorstellst. Bisher hatten wir dazu leider nicht wirklich die Zeit, da wir unser erstes Album letztes Jahr so schnell aufgenommen haben. Es hat also noch etwas Ungewohntes für mich, aber ich mag es im Studio zu sein. Auf der Bühne zu stehen kann auch wirklich großartig sein, aber alles drum herum ist wirklich nur Routine. Du wirst von einem Ort zum nächsten gebracht und verbringst acht Stunden pro Tag im Bus. Das kann wirklich anstrengend sein. Und dann vermisse ich meine Freundin und meinen Hund und solche Sachen eben. Für mich dreht sich alles eher ums Songschreiben und Ausprobieren neuer Sachen, neuer Ideen.

Welche Stadt oder welches Land hat dir bisher am besten gefallen, wo am wenigsten und warum?

Lewis: Oh, das ist eine wirklich gute Frage. Es gibt bisher keine Orte, die ich wirklich gar nicht mochte. Ich war wirklich überrascht von Brüssel. Ich war vorher noch nie dort. In UK gibt es so eine bestimmte Sache, wo alles zentriert ist und ich habe immer angenommen, dass es sehr langweilig ist und überfüllt mit Menschen in Anzügen, aber ich habe nie wahrgenommen, wie schön es eigentlich ist. Ich interessiere mich wirklich sehr für Staturen, zum Beispiel klassische Staturen oder neoklassische Staturen. Ich bin also durch Brüssel gelaufen tagsüber und habe mir die fantastische Architektur angesehen. Es war wirklich toll. Und der schlimmste Ort, an dem ich war... (denkt nach). Es ist wahrscheinlich irgendwo in Großbritannien (lacht). Wenn ich das jetzt sage, kommen wir bestimmt in Schwierigkeiten, wenn wir das nächste Mal dort sind. Vielleicht Wolverhampton oder so. Aber nur weil es auch ein sehr grauer regnerischer Tag war, als wir dort waren und das ist auch schon wirklich lange her, vielleicht eineinhalb Jahre und wir haben einen furchtbaren Gig gespielt, bei dem alles schief lief. Wir waren also wirklich schlecht. Es war kurz nachdem ich einen Tinitus hatte und nichts hören konnte. Die Gitarren waren zu laut und wir haben also eine grausame Show gespielt. Ich erinnere mich daran, dass die Leute am nächsten Tag im Internet geschrieben haben, wie schrecklich wir live sind. Heutzutage kann jeder was im Internet veröffentlichen, was grundsätzlich auch gut ist, aber es bedeutet auch, dass sich die Leute ziemlich schnell ein enormes Urteil bilden können. Aber ja, das war wahrscheinlich die schlimmste Erfahrung, die ich gemacht habe. Aber ich bin mir sicher, es war nicht Wolverhamptons Schuld.

Wo siehst du die Unterschiede zwischen dem Publikum in UK und Deutschland?

Lewis: Bis jetzt würde ich sagen, dass die Unterschiede nicht so wesentlich sind. Das beruht zwar auf nicht so vielen Erfahrungen, aber an was ich mich erinnere ist, dass das Publikum in Deutschland dem in UK sehr ähnlich ist, mehr als im Rest von Europa. In Belgien zum Beispiel kommen die Leute alle sehr früh, kommen direkt vor die Bühne, mögen es zu klatschen und zu jubeln. Aber in Holland und Deutschland ist es mehr wie in UK. Es ist immer ein gewisser Kreis vor der Bühne und die Leute sind ein bisschen langsamer in der Hinsicht sich gehen zu lassen. Ich weiß nicht, warum das so ist. Ich weiß auch nicht, ob die Unterschiede wirklich so gewaltig sind. Ich habe jedenfalls nicht wirklich welche bemerkt.

Zur Zeit kann man viel über Chapel Club in der Presse lesen. Was war das Verrückteste, was du bisher über euch gelesen hast?

Lewis: Mir fällt das Verrückteste gerade nicht ein, aber ich glaube nicht, dass ich jemals was gelesen habe, wo ich nicht vollkommen wie ein anderer Mensch geklungen habe. Es ist ein bisschen so, als wenn ich Sachen lese und denke: "Oh nein, warum habt ihr genau das raus gelassen?". Gerade in England, wo es darauf ankommt, wie man die Kommas setzt und solche Sachen, und ich denke: "Das ist nicht die Art wie ich spreche". Es ist also ein bisschen merkwürdig in dieser Weise und ich versuche das eigentlich auch nicht zu lesen, weil ich mich ein bisschen darüber ärgere, wenn ich mich falsch verstanden fühle. Ich kann aber nichts besonders Eigenartiges nennen, was über uns geschrieben wurde. Jemand hat auf unserer Facebook Seite einmal geschrieben, wie sehr sie auf unseren Gitarristen Alex steht, das war ziemlich lustig zu lesen, wie attraktiv er doch sei und so. Die wahrscheinlich verrücktesten Sachen kannst du in den Kommentaren auf Youtube lesen, die sind wirklich immer komisch. Leute nennen mich zum Beispiel eine Kaulquappe oder dass sie die Show wirklich toll fanden, sich aber sicher sind, dass ich ein Junkie bin, und ich sitze dann immer da und denke mir bloß: "Uff". Aber eigentlich finde ich es ganz lustig zu sehen, was Leute über mein Aussehen denken. Ich glaube, ich erschrecke die meisten ein wenig. Ein Skelett, ja, das bekomme ich wirklich oft zu hören. Das ist irgendwie ein bisschen verrückt, aber es macht mir nichts aus. Ich würde verärgerter darüber sein, wenn man mich unfreundlich oder so nennen würde.

Ihr lebt in London, seit aber nicht von dort...

Lewis: Ich bin aus London. Die anderen Jungs kommen von woanders.

Kannst du dir vorstellen, aus London wegzuziehen und wenn ja, wohin würdest du gehen?

Lewis: Oh ja, das kann ich. Ich möchte so schnell aus London wegziehen wie es geht. London ist fantastisch, aber ich lebe dort, seitdem ich geboren bin und habe dort nach der Uni gearbeitet und so was eben. In London gibt es wirklich tolle Sachen und schöne Plätze, aber ist keine besonders freundliche Stadt, es ist keine unglaublich höfliche Stadt. Ich glaube, es wird mit der Zeit immer unfreundlicher. Ich liebe diese Stadt wirklich, aber ich glaube, es ist gut herum zu reisen und neue Orte zu erleben. Ich mochte Französisch und Deutsch in der Schule, ich verstehe also ein paar Wörter, zumindest die, an die ich mich erinnern kann, und ich bedauere das wirklich sehr, dass ich damit nicht weitergemacht habe. Ich möchte also gerne irgendwo hin ziehen, wo ich andere Sprachen lernen kann. Ich habe mir vorgenommen, mit 40, also in 13 Jahren oder so, Französisch, Spanisch und Deutsch fließend zu sprechen, vielleicht auch noch Portugiesisch. Ich werde also hoffentlich nächstes Jahr wegziehen aus London. Ich werde heiraten und wegziehen.

Was kannst du uns in London empfehlen, zum Beispiel Plätze, die man sehen sollte, Pubs, Clubs, alles, was deiner Meinung nach empfohlen werden sollte?

Lewis: Es ist ein wenig außerhalb, aber ihr solltet nach Ostlondon gehen, wo sich die Musikszene strenggenommen zentriert. Da gibt es einen Pub, in dem wir unseren ersten Gig gespielt haben. Der heißt Shacklewell Arms und ist in Dalston. Und wir spielen zu unserer nächsten Single-Veröffentlichung sogar wieder dort, irgendwann im Mai. Es ist wirklich ein toller Pub. Vorne sieht er eigentlich wie ein normaler Pub aus, aber wenn du nach hinten durchgehst, kommst du zu einer Art riesigen, versteckten Dancehall. Und jede Wand und alle Decken sind mit so psychedelischen Ornamenten bemalt. Das ist wirklich besser, als es jetzt klingen mag. Das ist ein wirklich außergewöhnlicher Pub. Es ist wirklich cool, wenn dort Gigs gespielt werden. Wenn ihr es etwas ruhiger mögt, solltet ihr zu einem Ort gehen, den ich wirklich liebe. Er heißt Holland Park. Es ist ein eher vornehmender Park in der Nähe von Notting Hill. Im Zentrum dieses Parks gibt es einen Garten, in dem Pfaue und kleine Babyhasen einfach so rumlaufen und die überhaupt nicht scheu sind. Ich weiß auch nicht, wie sie bei den ganzen Füchsen und Hunden überleben können, aber dort zu sein, ist immer ein bisschen wie in einem Kinderbuch. Das sind also meine beiden Empfehlungen! The Shacklewell Arms: 71 Shacklewell Lane, Dalston, London E8 2EB und Holland Park: 37 Pembroke Road, Kensington, London, W8 6PW.

Das war’s auch schon. Hab vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast! Ich wünsch euch alles Gute für euer Album und die Tour. Viel Spaß bei eurem Gig heute Abend, wir sehen uns später.

Ein Dankeschön auch an Knut Claussen (mindofmusic.de), der dieses Interview für uns vermittelt hat!

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