Interview mit Chris Field

(Chris Field)

07.09.2007 von Günther Schuhbäck

“In einer blutbefleckten Army-Jacke, mit Rayban und Zottelhaar, war er Mr. LennonDylanJagger himself, Chris Field ließ das Publikum an jedes bisschen Rock’n'Roll-Wahrheit glauben, die er da predigte.” Das schrieb die britische “The Sun”. Mit 18 war Chris Field mit seiner abgeranzten Gitarre aufgebrochen aus der Provinz, mit dem Greyhound und dicken Rosinen im Sack nach Vancouver. Als die Vancouver-Szene langsam im Nebel verschwand, ging Field nach Toronto. Dann rief die Rock-Legende Bob Rose an, der gerade mit Julian Lennon arbeitete und vom Autor der “Sun” Chris’ Debüt-Album kopiert bekommen hatte. Field reiste nach London und er und Bob Rose passten zusammen wie die zwei letzten noch fehlenden Teile eines großen Puzzles. Das Ergebnis jener Begegnung liegt jetzt mit Chris Fields Album “Powis Square” vor (hier findet ihr ein Review).

Zu diesen und vielen anderen spannenden Themen befragte Chris Field unser Redakteur Günther Schuhbäck.

Du hast kürzlich dein neues Album "Powis Square" veröffentlicht. Daneben hast du mit fast genau der gleichen Band und demselben Produzenten an Gregory Darlings Solodebüt "Shell" gearbeitet (Review). Wie hast du dich bei diesen beiden Projekten gefühlt?

Chris Field: Es hat einen Riesenspass gemacht an diesen beiden Projekten zu arbeiten und sie aufzunehmen. Es war grossartig Bob Rose als Produzenten zu haben und ich bin begeistert von der Art und Weise, wie er die Energie der Bands und Musiker auf Tape festhält. Ich habe in den Rockfield Studios und Air Studios sehr viel von Bob Rose über den Prozess, ein Album zu machen gelernt. Das war bei beiden Projekten definitiv eine fantastische Erfahrung für mich.

Für "Powis Square" hast du einen Song zusammen mit Sam Brown aufgenommen. Wie kam diese Zusammenarbeit zustande und wie würdest du sie beschreiben?

Field: Es war wunderbar mit Sam Brown zu arbeiten. Ich hatte in den Rockfield Studios in Wales einen Song namens "Make It Tonight" geschrieben. Als ich Bob Rose den Song vorspielte, liebte er ihn. Seine erste Reaktion war, dass dieser Song ein tolles Duett abgeben könnte. Einige Wochen später flog Bob von New York City nach London und wie der Zufall es wollte, war auch Sam Brown mitsamt ihrer Band in der Maschine. Bob kannte Sam`s Mutter durch seine Arbeit mit George Harrison. Also gab er Sam den Song, damit sie ihn sich anhören konnte. Sie mochte ihn wirklich und war sofort einverstanden ihn zu singen. Es endete damit, dass sie sogar einem weiteren Song auf "Powis Square" ihre Stimme lieh, nämlich "I Wanna Love You". Sam hat wirklich eine der besten Stimmen des Rock`n Roll. Sie ist schon mit all den Großen aufgetreten, sogar mit Pink Floyd!

Das Album klingt als sei es live aufgenommen worden. Ist das richtig oder habt ihr die Songs im Studio noch sehr nachbearbeitet?

Field: Der Aufnahmeprozess für "Powis Square" war sehr organisch. Alle Teile haben wir live aufgenommen. Es gab nicht viele Overdubs oder Studiotricks. Was du auf "Powis Square" hörst ist das, was du auch live zu hören bekommst. Bob`s Herangehensweise bei den Aufnahmen war es, vor allem den Moment festzuhalten. Das Ziel war es, auf der Platte grossartigen Rock`n Roll einzufangen und ich fühle, dass er das toll hinbekommen hat. Also, es gab im Studio kaum Nachbearbeitungen, alles wurde so authentisch wie möglich aufgenommen.

Wenn du eine benennen müsstest: Was ist die Botschaft von "Powis Square" mit deinen eigenen Worten?

Field: Die Botschaft von "Powis Square" ist: Genieße die Rock`n Roll Musik, lass dich unterhalten und deine Vorstellungskraft den Rest erledigen. Als ich die Songs für "Powis Square" geschrieben habe, tat ich das für jeden, der sie genießen möchte und nicht etwa für eine bestimmte Gruppe von Leuten. Ich habe sechs Jahre alte Kinder getroffen, die mir gesagt haben, wie sehr sie das Album lieben. Und ich habe Sechzigjährige getroffen, die sagten, dass sie Spass daran haben. Die Botschaft von "Powis Square" kann also jeder mit seiner eigenen Phantasie so interpretieren, wie er möchte.

Wie hast du die Zusammenarbeit mit Julian Lennon erlebt?

Field: Mit Julian aufzunehmen hat grossen Spass gemacht. Wir haben zusammen auf der Bühne in Monaco "Stand By Me" gesungen. Das war wie eine Explosion. Julian hat eine grossartige Stimme.

Haben all diese Kooperationen mit der Band, mit Julian Lennon, Sam Brown oder Bob Rose dein eigenes Musikverständnis verändert?

Field: Ja, es war fantastisch nach England zu kommen, von F.O.D. Records unter Vertrag genommen zu werden und mit all diesen grossen Künstlern zu arbeiten. Ich habe andere Musiker getroffen und ihnen zugehört, die ich ansonsten niemals getroffen hätte. In Kanada bin ich hauptsächlich mit Bluesmusikern aufgetreten und Rock- und Psychedelic-Bands. Das hier aber hat mir eine völlig neue musikalische Welt erschlossen.

Wirst du in diesem Jahr einige Konzerte in Deutschland spielen?

Field: Ja, ich werde Deutschland in diesem Jahr auf jeden Fall besuchen und ich freue mich darauf. Deutschland ist sehr schön und hat eine grosse Rock`n Roll Geschichte, die mich sehr interessiert.

Gibt es auch Pläne für eine Tour mit Gregory Darling?

Field: Nein, konkrete Pläne gibt es nicht. Aber ich bin sicher, dass ich mit ihm in naher Zukunft irgendwo gemeinsam unterwegs sein werde.

Du bist in einer kleinen Stadt in Kanada aufgewachsen. Dann gingst du nach Vancouver und Toronto. Du hast so berühmte Leute wie die John Spencer Blues Explosion, Sonny Rhodes oder Guitar Wolf getroffen. Und nicht zuletzt Bob Rose, der dich nach England eingeladen und mit dir "Powis Square" aufgenommen hat. All das klingt wie ein Märchen. Hast du das alles schon richtig realisieren können?

Field: Ich liebe Kanada. Ich bin dort aufgewachsen und habe schon früher mit Leuten wie Ronnie Hawkins und Pine To Perkins auf der Bühne gestanden. Musik war immer aufregend für mich. Dadurch, dass ich Bob Rose getroffen habe, nach England gegangen bin und einen Vertrag mit F.O.D. Records unterschrieben habe, ist ein Traum Wirklichkeit geworden. Ich bin ein verdammt glücklicher Kerl, dass ich solch grossartige Leute treffen und um mich herum haben durfte.

Was sind deine persönlichen Lieblingsmusiker und -bands?

Field: Meine Lieblingsmusiker sind Jimi Hendrix, Howling Wolf oder Hank Williams, um nur einige zu nennen. Ich liebe alles was Jimi Hendrix gemacht hat. Er war nicht von dieser Welt und der beste Gitarrist, der je auf dieser Erde herumspaziert ist. Jimi hat uns alles gegeben. Meine Lieblingsband waren und sind immer noch die Beatles. Die Beatles haben so viel für die Musik und die Popkultur, wie wir sie heute kennen, getan. Die Beatles bedeuten mir sehr viel.

Ist es richtig, dass dein Ur-Ur-Urgroßvater der erste Mensch war, der den Ärmelkanal durchschwommen hat?

Field: Mein Großvater war der erste Mensch der den Ärmelkanal durchschwommen hat. Sein Name war Captain Matthew Webb. Auf einer Fahrt von Liverpool nach New York sprang er von einem Frachtschiff mitten in den Ozean. Hinterher wurde er von der Königin von England sogar für seine Tapferkeit ausgezeichnet und zu einer der ersten Berühmtheiten in England überhaupt. Später zog er nach Amerika und wurde ein richtiger Draufgänger. Er starb, als er wegen einer Wette versuchte die Niagarafälle hinunterzuschwimmen. Ein sehr tapferer und verrückter Mensch.

Wie sehen deine Zukunftspläne aus? Arbeitest du schon an neuen Songs? Und wirst du weiterhin solo auftreten oder doch lieber mit einer eigenen Band?

Field: Ja. Ich habe viele neue Songs für das nächste Album in meinem Notizbuch. Aktuell trete ich bei all meinen Konzerten mit einem anderen Gitarristen aus England auf. In nächster Zukunft möchte ich aber wieder eine vollwertige Rockband gründen. Im Augenblick genieße ich jedoch noch dieses Duo. Es ist auf diese Weise lustiger, weil ich so eine grössere Chance habe mit dem Publikum zu sprechen und ihnen die Geschichten hinter den Songs zu erzählen oder etwas über meine Reisen in die verschiedenen Städte. Das ist eine wichtige Erfahrung für mich.

Vielen Dank für das Interview, Chris! 

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