Interview mit Kevin Hamann alias ClickClickDecker

(Clickclickdecker)

16.05.2009 von Jasmin Dreger

Seit dem 30. Januar steht nun schon sein drittes Album "Den Umständen entsprechend" in den Plattenläden. Während er bei den ersten beiden Alben alles komplett alleine machte, holte er sich diesmal Unterstützung mit ins Studio. Live wird er von Lars Lewerenz (Bass), Simon Rass (Schlagzeug) und Oliver Stangl (Gitarre) tatkräftig unterstützt.

Nur als ClickClickDecker tätig zu sein, reicht Kevin Hamann aber noch nicht aus. So widmet er sich nebenbei seinem instrumentalen Projekt "My first trumpet". Unter dem Namen Bratze macht Kevin zusammen mit Norman (Der Tante Renate) die Clubs unsicher. Spätestens 2010 soll es damit wieder weitergehen.

Vor dem letzten Tourkonzert in Magdeburg nahm sich Kevin die Zeit, um unter anderem darüber zu reden, wie die Tour lief und welche Pläne er für die nächste Zeit hat (Fotos von Torben Iversen).

 

Kevin, heute ist das letzte Konzert der Tour. Gab es irgendwelche Highlights?

Kevin: Auf den 10 Tagen jetzt? Gestern in Leipzig war es super. Es ist immer sehr rührend, wenn das Publikum sehr Textsicher ist. Von Wien waren wir auch sehr überrascht, Jena war auch super! Eigentlich war alles gut. Erstmal gucken wie es heute noch wird. Aber ich denke mit Bodo Bill wird das bestimmt ein guter Abend.

Bei eurer Tour waren jetzt schon einige Vorbands dabei. Wie sucht ihr die Vorbands aus?

Kevin: Wechseln wir die sooft? Manchmal kann man das nicht selber bestimmen, wenn der Veranstalter noch einen heimischen Support dazuholt. Wir versuchen meistens einen eigenen Support mitzunehmen. Geil ist es wenn es eine Person ist, weil er dann bei uns im Bus mitfahren kann. Dann muss derjenige oder die Band nicht selber fahren. So spart man einfach die Kosten, die Vorband für sich und wir auch. Wir hatten die letzten Tage Petula aus Berlin dabei. Das war auch so ein Ein-Mann-Projekt. Ich hatte mir mal die Songs bei Myspace angehört und kannte ihn noch ein bisschen von anderen Bands. Ich hatte ihn einfach angeschrieben, ob er bock hätte. Er hat sich supergut in die Gruppe eingefügt. Man ist auf Tour sozusagen eine Einheit und wir kamen total gut mit ihm aus. Er macht tolle Musik und ich hoffe, dass wir ihn wieder mal mitnehmen. Er hat sich jetzt von den vielen die dabei waren, am meisten bewährt.

Wie kam die Band zustande?

Kevin: Wie die Band zustande kam? Mit dem Schlagzeuger Simon Rass hatte ich schon früh angefangen, dass er mich Live begleitet hat. Marcus Wiebusch hatte mich damals gefragt, ob ich nicht mitkommen will auf Tour. Da hatte ich gesagt: „Oh man. Ihr spielt doch immer in solche großen Hallen und ich alleine auf der Bühne? Das wird schwierig. Kann ich vielleicht einen Schlagzeuger mitnehmen?“ Und er meinte, dass noch ein Platz im Nightliner frei wäre. Marcus kannte einen Schlagzeuger. Simon Rass arbeitet ja beim Grand Hotel und so sind wir von Marcus Wiebusch zusammengeführt worden. Dann habe ich Oliver Stangl kennen gelernt, als ich mit Fink zusammen auf Tour war. Den habe ich dann einfach mal gefragt. Und Lars Lewerenz kenne ich eh. Also wir brauchten noch einen Bassisten. Da Lewe meistens dabei ist, lag das ganz nahe.

Es gab ja den Remix-Contest. Dabei gab es viele Einsendungen. Wie lief die Auswahl?

Kevin: Die Auswahl war total schwierig, weil es einfach sehr viele waren. Es gab auch keine Vorgaben vom Label, wie viele Remixe es sein müssen. Ich konnte mich nicht entscheiden. 9 Remixe fand ich richtig super und die sind auch sehr unterschiedlich. Trotzdem ich mich für so viele entschieden hatte, gab es Beef im Netz.

Stimmt, im Blog gab es doch paar Beschwerden, weil einige Gewinner aus dem Umfeld von Audiolith kommen.

Kevin: Genau, 2 Leute! 2 Bands davon kommen aus unserem Umfeld. Das ist bei 9 Remixen ein massiger Schnitt, das ist richtig. Hinter den Kulissen haben wir ziemlich viel gemauschelt. Eigentlich hat auch Lars alle Remixe selber gemacht mit seiner kleinen Groove-Box! Ich weiß auch nicht. Da kann man machen was man will. Wenn jemand Beef machen will, dann macht er es halt auch. Du machst es halt niemanden recht!

Würdest du so einen Remix- Contest trotzdem noch mal machen wollen oder würdest du dir das lieber noch dreimal durch den Kopf gehen lassen, wenn es am Ende immer Beschwerden gibt?

Kevin: Das hat mich jetzt auch nicht wirklich berührt oder aufgeregt. Ich fand es einfach nur albern. Es gab halt wirklich nur ein oder zwei Typen, die sich darüber aufgeregt haben. Die meiner Meinung nach auch selber Remixe eingeschickt haben und einfach nur enttäuscht waren. Wenn die beim Contest nicht gewinnen, kann ich da auch nichts machen. Das Ding ist auch: Öffentlichkeit haben schon alle Remixe gefunden, weil sie in meinem Blog und bei Myspace zu hören sind. Wenn die Single jetzt rauskommt, glaube ich nicht, dass diese durch die Decke gehen wird. Es ist im Enddefekt egal ob man jetzt drauf ist oder nicht. Es ist cool, das Leute mitgemacht haben. Ich finde es spannend und würde es gerne wieder machen. Es ist mir egal, wenn sich Leute darüber aufregen.

Letztes Jahr warst du zusammen mit Der Tante Renate als Bratze unterwegs, dann die neue Platte, jetzt die Tour. Sehnt man sich nicht mal nach einer Pause oder musst du immer etwas zu tun haben?

Kevin: Ich muss immer etwas zu tun haben, aber ich habe auch Pausen. Das letzte Bratzekonzert hatten wir im November. Im Januar dann auch noch mal, wo wir an einem Abend 2 Konzerte in Hamburg spielten. Ich nehme mir auch meine Freizeit. Jetzt kommt eine längere Durststrecke, wo ich nicht unterwegs bin. Das kommt einen nur so vor als wenn man ständig unterwegs sei. Dabei ist das gar nicht so. Wenn ich im Jahr auf meine 80 Konzerte komme, dann bin ich zufrieden.

Für dein neues Album hast du dir Unterstützung ins Studio geholt. Kamen in der Zeit auch mal Vorschläge von den anderen, die du angenommen hast?

Kevin: Die Liveband und die beiden Herren mit denen ich im Studio war, das sind verschiedene Leute, bis auf Oliver Stangl. Ich habe die beiden Herren eingeladen, damit sie ihre eigene Note mit einbringen. Sicherlich habe ich dann auch Dinge abgelehnt, das ist ja auch mein gutes Recht! Das macht man in jeder normalen Band ja auch, dass man darüber debattiert. Meistens gibt es hinter den Kulissen immer einen, der über alles entscheidet. Es gibt immer den Bandhitler! Das kann mir niemand erzählen, dass es nicht so ist. Meistens ist es derjenige, der die Songs schreibt. Man hat schon ein ganz klares Arrangement im Kopf. Das möchte man gerne beibehalten. Einen Umbruch bringt es nicht mit, aber es bringt einen neuen Wind mit ein.

Kommen die Textideen immer von dir oder bekommst du von den anderen mal Vorschläge?

Kevin: Da ich zu hause alleine arbeite, kommt es meistens von mir. Texte sowieso, das mache ich ausschließlich allein. Musikalisch habe ich mich mehr geöffnet und will jetzt auch weiterhin mit Tobias Bade, der die letzte Platte aufgenommen und das Schlagzeug gespielt hat, zusammenarbeiten. Ich halte ihn für einen großartigen Musiker. Wir funktionieren zusammen ziemlich gut, ergänzen uns gut. Deshalb kann ich mir das gut vorstellen, da noch mehr mit Tobi zu machen.

Erklärst du anderen deine Lieder gerne oder sollen sich die Leute doch mehr ihre eigenen Gedanken darüber machen?

Kevin: Das sollen sie nicht, aber mein Wunsch ist es, dass sie es selber tun. Wenn mich Leute fragen: „Was hast du damit gemeint?“, dann versuche ich es schon zu erklären, aber ich mache es nicht gerne. Ich lasse die Sachen gerne so stehen.

Stimmt es, dass du mal ein Angebot von einem anderen Label abgelehnt hast?

Kevin: Ja, das gab es damals zur Platte „Nichts für ungut“. Da gab es von 2 Labels Angebote.

Warum hast du abgelehnt?

Weil es mich nicht interessiert hat. Ich bin bei Audiolith vollkommen glücklich. Es war für mich von vorneherein ganz klar: Lars hat meine erste Platte gemacht, er hat dafür Geld reingesteckt und an mich geglaubt. Wir sind miteinander befreundet. Ich wollte ihm kein Messer in den Rücken stechen. Ich fühle mich dort einfach wohl.

Hast du auch mal Angst, keine Textideen mehr zu haben?

Kevin: Ja, natürlich habe ich das. Das passiert auch öfter, Textlöcher oder Durststrecken zu haben. Das ist nichts Unnormales. Aber dafür kann ich für mich behaupten, dass ich zum Glück diese beiden Textprojekte, als Bratze und ClickClickDecker habe, wo ich verschiedene Sachen machen kann. Und dann habe ich noch ein instrumentales Projekt wo ich einfach gar nicht texten muss. Das ist ganz schön. Insofern wird mir auch nie langweilig und gehe mir nicht selber auf die Eier.

Was tust du gegen einer Blockade beim schreiben?

Kevin: Nichts! Also ich kann da nichts dagegen machen. Kreativität kann man nicht erzwingen. Ich warte dann einfach, bis es wiederkommt. Ich lebe mein Leben einfach weiter. Ich habe auch meinen ganz normalen Alltag. Es ist nicht so, das ich jetzt morgens aufstehe, mich an den Schreibtisch setze und Musik mache. Prinzipiell habe ich meinen Alltag und mache nebenbei Musik. Ich kann einigermaßen davon leben, das ist ein sehr schöner Vorzug. Ich bin kein Berufsmusiker im klassischen Sinne, dass ich mich nur um Musik kümmern muss.

Gab es irgendwann mal eine Zeit, wo du am liebsten alles hingeschmissen hättest?

Kevin: Nee, noch nicht!

Auch keine größeren Zweifel?

Kevin: Auch noch nicht! Ich bin eigentlich ganz zufrieden so wie es ist. Ich bin unabhängig, ich kann mein Leben selber bestimmen. Deswegen denke ich nicht an so etwas. Es geht mir gut!

Mit welchen Künstlern würdest du gerne mal zusammenarbeiten wollen?

Kevin: Wir waren auch unterwegs mit Gisbert zu Knyphausen. Mit ihm würde ich gerne mal zusammen einen Song schreiben. Ich stelle mir das ganz romantisch vor: Er am Klavier, ich am Topf und koche uns was schönes, dann schreiben wir vielleicht ein Lied zusammen. Ansonsten würde ich gerne mal mit..mmh.. Keine Ahnung! Da gibt es bestimmt viele! Das was Petula macht finde ich super, mit ihm würde ich gerne Musik zusammen machen. Der hat ganz irre Ideen. Oder mit Daniel von Delbo. Er spielt ganz irre Sachen auf dem Bass.

Wie geht es mit dir in nächster Zeit weiter?

Kevin: Also Montag muss ich wieder arbeiten.. Nee, also ich schreibe nebenbei an der neuen My first trumpet- Platte, die kommt im Herbst. Das ist ein Instrumentalprojekt, was ich mache. Wir haben auch schon mit neuen Stücken für das nächste Bratzealbum angefangen, was dann hoffentlich 2010 kommt.

Das erste My first trumpet- Album konnte man sich kostenlos runterladen. Wie ist es für das nächste geplant?

Kevin: Ich habe letztens mit dem Labelbetreiber von Aeroton gesprochen. Er sagt, dass es mit dem kostenlos in dem Sinne wohl nicht mehr ginge, weil immer mehr Künstler in der GEMA sind. Was ich auch nachvollziehen kann. Er würde damit sonst selber auf die Schnauze fallen. Wenn er die Bands kostenlos rausbringt, die bei der GEMA sind und der GEMA irgendwann auffällt, das die Platte 6000 mal runtergeladen worden ist, dann kommt die GEMA zu Jan nach hause und sagt: „Du hast die Sache hier vertrieben, zahl uns dafür 20 000 Euro!“ Das wäre etwas doof. Es wird wohl so ein Modell geben, wie „Zahl soviel wie du willst“. Man kann sich das dann für einen sehr geringen Betrag runterladen. Bei 1,50 Euro geht es los, man kann aber auch 13 Euro zahlen. Wie man möchte. Das Modell finde ich super. So hat er seine Umkosten gedeckt und jeder kann selber entscheiden, ob er noch mehr geben will oder nicht.

Ab und an kommt eine Nasenflöte auf der Bühne zum Einsatz. Wie kam die zu euch in den Tourbus?

Kevin: Ja, 2x kam die zum Einsatz. Die habe ich am ersten Tourtag für alle in einem Musikgeschäft gekauft, weil sich Gnill Gitarrensaiten kaufen musste und da bin ich einfach mitgegangen. Dann haben wir da rumgepfiffen.

Ist eine Nasenflöte schwer zu spielen?

Kevin: Es ist wie Fahrradfahren: Wenn man erstmal den Trick raushat, dann ist es einfach. Aber das muss man erstmal hinbekommen. Am Anfang standen wir alle da und es kam nichts raus außer Schnodder! Wer es auf Anhieb konnte war Gisbert zu Knyphausen. Ich habe ihm gesagt, er solle sich auch eine kaufen. Er so: „Alles klar! Wie geht das eigentlich?“ Beim ersten Versuch hat es gleich geklappt und wir standen alle mit offenen Mündern da!

Vielen Dank für das Interview!

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