(Clutch)
Doppeltes Glück: In Köln hatten wir nicht nur die Gelegenheit, das großartige Konzert von Clutch zu sehen, sondern konnten uns vorher auch noch mit Schlagzeuger Jean-Paul Gaster unterhalten. Er empfing uns im Tourbus der Band und riss sich für das Interview sogar von seiner Mini-Trommel los, mit der er sich auf seine Auftritte vorbereitet. Wir sprachen mit dem Drummer über neue Projekte, das Leben auf Tournee und Rockmusik in Videospielen (das Review des Kölner Konzertes findet ihr hier).

Das letzte Album von Clutch ist nun schon über ein Jahr alt. Arbeitet ihr mittlerweile an einer neuen Scheibe?
Jean-Paul: Ja, das tun wir. Wir haben kürzlich unser eigenes Label gegründet, bei dem innerhalb des nächsten Jahres drei Scheiben erscheinen werden: Das erste wird eine Live-DVD, dann ein Album mit unserem Projekt „Bakerton Group“ und danach gibt es natürlich eine CD von Clutch.
Wo habt ihr die Aufnahmen für die Live-DVD gemacht?
Jean-Paul: Wir haben das Material auf unserer „From Beale Street To Oblivion“-Tour im letzten Jahr aufgenommen, genauer gesagt in Denver, New Yersey und Australien – eben von allem etwas.
Wie würdest Du euren durchaus komplexen Musikstil bezeichnen?
Jean-Paul: Im Grunde ist es nur Rock’n’Roll. Für mich ist der Rock eine Kombination aller nordamerikanischen Musikarten wie Blues, Jazz oder Country. Alle Einflüsse kommen zusammen und wir machen daraus Rock’n’Roll. Näher möchte ich das gar nicht spezifizieren, sonst wird man gleich in eine Schublade gesteckt.
Wie hat sich eure Musik im Laufe der Jahre verändert? Die ersten Alben klingen ja deutlich anders als die letzten.
Jean-Paul: Zuerst einmal haben wir gelernt, wirklich unsere Instrumente zu spielen. Alles ist wie eine lange Reise für uns, auf der wir uns ständig weiterentwickeln. Ich übe immer noch jeden Tag (zeigt auf eine kleine Trommel vor sich). Und nicht nur die Fähigkeiten an den Instrumenten, sondern auch der eigene Geschmack ändert sich: Ich höre zum Beispiel nicht mehr so gerne laute Musik, höre nicht mehr so gerne Metal. Zumindest nur noch selten.
Wie sieht ein typischer Tag in eurem Tour-Leben aus?
Jean-Paul: Zuerst einmal sind wir diesmal in einem Bus unterwegs, was ganz angenehm ist. Ich stehe gegen Mittag auf, dann gibt’s erstmal was zu essen. Nach dem Soundcheck spiele ich ein wenig auf meiner kleinen Übungstrommel, mal länger, mal kürzer, je nachdem, wie ich mich fühle. Und dann kommt schon der Gig. Ich bin immer sehr auf unsere Auftritte fokussiert. Bei unseren Reisen schaue ich mir so gut wie nie irgendwelche Sehenswürdigkeiten an, denn schließlich bin ich hier um zu arbeiten. Und unsere Konzerte sollen immer so gut wie möglich sein.
Ihr spielt jedes Jahr sehr viele Shows. Wie lange haltet ihr das noch durch?
Jean-Paul: Ich hoffe, dass wir das noch sehr lange schaffen – denn das ist im Grunde alles, was ich kenne. (lacht)
Was genau bedeutet eigentlich der Name „Clutch“?
Jean-Paul: Als wir die Band gegründet haben, war klar, dass wir nur ein Wort als Namen haben wollten, wie „Helmet“. Im Grunde haben wir uns aber gar nicht so viele Gedanken darüber gemacht. Wenn ich mich recht erinnere, haben wir uns zehn Minuten vor unserem ersten Auftritt für den Namen „Clutch“ entschieden. Das ist vielleicht nicht die spannendste Geschichte – aber dafür ist sie wahr. (lacht)
Alle Mitglieder eurer Band sind auf die High School in Germantown, Maryland gegangen. Hat einer von euch deutsche Wurzeln?
Jean-Paul: Ich habe gehört, dass mein Nachname „Gaster“ tatsächlich ein deutscher Name ist, aber ich weiß nichts Genaues darüber. Deutsch spricht in unserer Band aber keiner, das kann ich euch versichern. (lacht)
Was gefällt dir an Deutschland?
Jean-Paul: Das Bier. (grinst) Vor allem mag ich den Enthusiasmus unserer Zuschauer in Deutschland. Die Leute lieben es hier, richtig abzurocken. Das ist ein Geben und Nehmen: Mir macht es Spaß, den Leuten macht es Spaß. So pusht man sich gegenseitig bei einem Gig.
Sind die Deutschen etwa enthusiastischer als andere Europäer?
Jean-Paul: Ich denke schon. Die Leute in Deutschland erinnern mich an die aus dem Mittleren Westen in den USA, wie in Detroit, Chicago oder Kansas City. Es ist nicht wie an der Küste, zum Beispiel in Kalifornien oder New York: Die Leute im mittleren Westen und Deutschland sind nicht so mit Äußerlichkeiten beschäftigt, sondern haben einfach Spaß am Leben, holen sich ein Bier und gehen zu einer Rock’n’Roll-Show wie unserer.
Zum Abschluss noch ein ganz anderes Thema: Videospiele mit Rockmusik sind im Moment sehr erfolgreich. Würdet ihr einen Song zu einem Spiel wie Guitar Hero oder Rockband beisteuern wollen?
Jean-Paul: Ich habe schon einmal Guitar Hero gespielt, aber ich finde das dämlich. Ich kann die Begeisterung dafür nicht verstehen. Wie kann sich ein junger Mensch vor den Bildschirm setzen und spielen, statt sich eine richtige Gitarre zu schnappen und echte Musik zu machen? Man bekommt zwar schneller gut klingende Ergebnisse, aber der höhere Aufwand, ein echtes Instrument zu spielen, lohnt sich. Ganz unabhängig davon würden wir trotzdem einen Song zu einem solchen Spiel beisteuern.
Wir bedanken uns sehr für das Gespräch, Jean-Paul!
Mit freundlicher Unterstützung von Dennis Saia (Starkult.de)