Interview mit Jon Jameson (Delta Spirit) – Deutsche Version

(Delta Spirit)

26.05.2009 von Sascha Knapek

Nachdem das LP-Debüt von Delta Spirit (”Ode To Sunshine”) zuerst von der Band selbst veröffentlicht wurde und dann im August letzten Jahres auch via ‘Rounder Records‘ auf den US-amerikanischen Markt kam, erscheint das Album Anfang Juni nun auch offiziell in Deutschland. Unsere Rezension der großartigen Scheibe findet ihr hier. Im Vorfeld der Veröffentlichung hatten wir die Chance zu einem Interview mit Jon Jameson, dem Bassisten von Delta Spirit. Die Fragen stellte unser Redakteur Sascha Knapek.

Am 4. April war ich auf eurem ersten Konzert in Deutschland, in Hamburg. Was hast du von der positiven Publikumsreaktion gehalten und kannst du dich daran erinnern, warum ihr keine Zugabe gegeben habt?

Jon Jameson: Das war eine großartige Show! Ich bin mir sicher, dass wir dachten, dass es an uns liegt, eine Zugabe zu spielen, schließlich war es ein Club-Abend. Vielleicht sind uns einfach die Songs ausgegangen.

Während eurer Konzerte tauscht ihr untereinander oft und gerne die Instrumente. Denkst du, das ist der Schlüssel zu eurem einzigartigen, originären, aber zur gleichen Zeit auch “geschichtsbewussten“ Sound?

Jon Jameson: Ich denke, es hilft uns verschiedene Sounds zu spielen und es bleibt dadurch auch spannend für uns. Zum Thema „geschichtsbewusst“: das macht vollkommen Sinn. Wir lieben alte amerikanische Musik, Folkmusik vom ganzen Erdball, Soul aus den 60er- und 70ern, Punk, Klassik – aber wir wollen uns von all dem nicht einschränken lassen. Wir wollen alles.

Ihr nennt eure Musik Americana-Soul. Bitte beschreib uns, was der Begriff für dich bedeutet.

Jon Jameson: Wir identifizieren uns mit dem Begriff eigentlich gar nicht so sehr. Ich denke, der einzige Grund warum wir das sagen, ist, wenn wir sagen würden, dass wir eine Rock-Band sind, denkt irgendeiner am Ende noch an Korn oder Oasis oder Guns’n’Roses. Americana beinhaltet diesen Bezug zu Geschichte und Kultur.

”Ode To Sunshine” habt ihr in den Staaten zuerst selbst veröffentlicht. Es wurde an einem besonderen Ort aufgenommen, in einer Hütte in den Bergen außerhalb von San Diego. Wie waren die Sessions da oben, und wie schwer war der Weg zuerst in den USA, und später auch in Europa, eine Plattenfirma zu finden, die euer Album veröffentlichen würde?

Jon Jameson: Die Platte zu machen war großartig! Lange Nächte in einer Hütte mit Essen, Drinks, Freunden und unseren Songs. Es hat einige Zeit gedauert das richtige Label zu finden, darauf haben wir aber nicht gewartet. Wir haben es einfach selbst herausgebracht und sind weiter auf Tour gegangen. Trotzdem sind wir total glücklich, dass es jetzt auch in Europa auf den Markt kommt.

Vor ”Ode To Sunshine” habt ihr eine EP mit dem Titel ”I Think I’ve Found It” herausgebracht, die mittlerweile “out-of-print” ist. Darauf vertreten sind einige Delta Spirit-Klassiker wie “Crippler King“ und ”Gimmie Some Motivation”. Habt ihr vor die EP wiederzuveröffentlichen oder ein paar der Songs auf euer neues Album zu packen?

Jon Jameson: Sowohl auf CD als auch auf Vinyl haben wir noch ein paar übrig und verkaufen sie bei Konzerten.

Und wo wir gerade beim Thema “neues Album” sind, wann können wir eins erwarten, denkt ihr schon daran wieder ins Studio zu gehen und schreibt ihr schon neue Songs?

Jon Jameson: Wir kommen gerade von einer Tour mit den Shins zurück und jetzt liegt unser kompletter Fokus darauf eine neue Platte zu machen. Sie kommt!

Wenn ich richtig mitgezählt habe, habt ihr mittlerweile vier verschiedene Cover für ”Ode To Sunshine”. Welches ist dein Favorit und warum ändert ihr es häufig von Land zu Land? Amerika, England, Deutschland: drei Länder, drei verschiedene Cover.

Jon Jameson: Mein Vater ist auf unserem UK-Cover – „oben ohne“ – und das ist mein Favorit. Er wäre auch auf dem Cover fürs restliche Europa gelandet, aber in Frankreich und irgendwelchen anderen Ländern gibt es Vorschriften, die keinen Alkohol oder Zigarren auf Albumcovern erlauben. Mein Vater hatte Spaß… Was soll ich sagen?

Wer hat euch als Musiker und als Songwriter beeinflusst?

Jon Jameson: Tom Waits, Richard Swift, Dylan, The Band, The Libertines, Doves, Radiohead, Sam Cooke, Guthrie, die Bands unserer Freunde. Unser Ziel ist es nicht wie irgendeiner dieser Künstler zu klingen, aber sie haben alle ihre Eindrücke hinterlassen.

Ihr habt vor kurzem eine außergewöhnliche ‘Take-Away Show’ in San Francisco gespielt. Wie war es in einem Cable Car zu spielen und in gewisser Weise Matthews Schreibprozess von ”People, Turn Around” nachzustellen?

Jon Jameson: Es war großartig! Über den von dir angesprochenen Aspekt habe ich noch nie richtig nachgedacht, aber es macht immer Spaß für Leute zu spielen, die nicht damit rechnen.

Was habt ihr für den Rest des Jahres noch so auf Lager? Habt ihr vor nochmal nach Europa zu kommen, um vielleicht auch ein paar Konzerte in Deutschland zu spielen?

Jon Jameson: Ich hoffe wirklich, dass wir bald wiederkommen werden! Hamburg war mein Favorit! Ich bin samstagmorgens aufgewacht, über den Flohmarkt gegangen und habe mir eine Tasse Kaffee geholt. Es war herrlich.

Vielen Dank für deine Zeit!

Jon Jameson: Hoffentlich sehen wir uns bald wieder!

Vielen Dank an Oliver Bergmann (Oktober Promotion), der dieses Interview möglich gemacht hat!

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