Interview mit Jens Moelle und Ismail Tüfekçi in London

(Digitalism)

05.11.2011 von Jessica Franke

Besser könnte es für das Duo um Digitalism derzeit nicht laufen. Zwei fantastische Alben haben Jens "Jence" Moelle und Ismail "Isi" Tüfekçi mittlerweile auf den Markt geworfen, und dafür sowohl von Fans als auch von der Presse fantastische Reaktionen bekommen. Mittlerweile füllen sie Clubs auf der ganze Welt, ausverkaufte Shows sind längst keine Seltenheit mehr. Heute haben sich die beiden vor ihrer Show im Londoner HMV Forum die Zeit genommen, um unserer Redakteurin Jessica Franke ein paar Fragen zu ihrer Tour zu beantworten und uns über ihre Lieblingsplätze in der Welt zu berichten.

Vielen Dank Jungs, dass ihr euch die Zeit genommen habt. Wie war euer Tag bisher?

Jens: Wir sind so gegen Mittags aufgewacht, dann haben wir quasi hier eingecheckt (im Venue, d.Red.)...

Isi: Erstmal haben wir die Schlüssel vom Hotelzimmer abgeholt...

Jens: Dann haben wir geduscht, dann haben wir unser tägliches Büro aufgebaut, mit den ganzen Computern und so, ein Tischfußball ist jetzt oben... Ja, was haben wir gemacht? Eigentlich das Übliche, was man halt jeden Tag macht. Ankommen, Emails checken, Soundcheck, meistens gibt’s noch ein Interview, dann wird schnell was gegessen und dann müssen wir auch schon wieder spielen.

Wo habt ihr gestern gespielt? Und wie war’s?

Isi: Leeds. Es war cool. Die Venue war super: "Cockpit".

Wie läuft die Tour bisher?

Jens: Das ganze Jahr war auf jeden Fall krass bis jetzt. Wir waren auf tollen Festivals, wir hatten eine US Tour, die hat sehr viel Spaß gemacht. Wo haben wir denn noch mal mit der Euro Tour angefangen?? Ach ja, Schweden war cool...

Isi: Wir haben im März mit kleinen Shows angefangen. Dann fing auch schon sofort die Festivalsaison an. An und für sich waren wir überall außer in Lateinamerika und Südafrika, sonst waren wir eigentlich überall oder sind dabei nahezu überall gewesen zu sein. Dabei haben wir eigentlich so ziemlich alles miterlebt. Wir haben vor 20.000 bis 30.000 Leuten gespielt, genauso aber auch vor 200 oder 300. Zwischendurch hatten wir sogar ein Erdbeben, und wahrscheinlich haben wir auch schon um die 500.000 Flugmeilen gesammelt und sind schon gefühlte 2 Millionen Kilometer gefahren.

Ihr habt ein Erdbeben miterlebt?

Isi: Ja, in Japan. Wir waren im 13. Stock. War aber am Ende alles halb so wild, obwohl es sogar 6.4 war. Ja, wir haben also alles miterlebt in diesem Jahr.

Gibt es generell Unterschiede zwischen dem englischen und dem deutschen Publikum?

Isi: Es gibt mittlerweile eigentlich keine mehr.

Jens: Früher war ein großer Unterschied, dass die Leute in Deutschland uns noch nicht so kannten und deswegen da noch nicht so ausgerastet sind, aber das hat sich dann nach ein paar Jahren gelegt und jetzt ist Deutschland für uns mit eins der besten Länder. Das war halt früher nicht so. Aber generell unterscheidet sich das Publikum nicht, sondern ist ziemlich ähnlich. Was mir aufgefallen ist, in Manchester hatten wir viele relativ ältere Leute. Das ist natürlich immer ganz cool, weil das dann nicht einfach nur trendy ist, zu unseren Konzerten zu kommen.

Isi: Ich muss generell sagen, auch in Birmingham, da waren 40-Jährige, also nicht, dass das jetzt alt ist...

Jens: Ja, genau. Halt nicht nur Clubleute, das ist auf jeden Fall cool.

Isi: Das ist der Unterschied, wenn man ein Konzert spielt, dass dann auch wirklich ein anderes Klischee dort hinkommt, also von jung bis alt. Da sieht man dann auch Kinder, die vielleicht so 14 bis 15 Jahre alt sind, die gerne hinwollen, und die dann auch wirklich ihre Mama mit hin nehmen. Wir haben einmal in Portland gespielt, da war sogar ein 10-Jähriger, der von der Bühne bis zum Mischer gestagedivet ist, und dann auch wieder zurück.

Wie ihr schon gesagt habt, ihr seid jetzt fast überall auf der Welt gewesen, wo hat es euch bisher am besten gefallen?

Isi: Ich mag wirklich Amerika, das Land ist wunderschön, es gibt viele nette Leute, das Essen geht mittlerweile. Auf Japan freu ich mich jedes Mal, weil das Essen wunderbar ist. Auf Australien freu ich mich immer, weil es einfach schön dort ist. Wir waren etwas länger in Singapur, das war auch mal ganz interessant.

Jens: Hmm, wo war’s denn am besten? Das ist echt schwer zu sagen.

Isi: Man ist vor allem jetzt auch schon so verwöhnt, weil man in so vielen Städten war.

Jens: Ja, und es ist auch überall irgendwas anderes reizvoll. Ob man nun einen wunderschönen Strand hat oder – wie wir es in Singapur hatten - im fünfzigsten Stock mit Swimmingpool, das ist natürlich toll, aber wenn wir dann irgendwo mit dem Bus ankommen, auf irgendeiner Festivalwiese, und dann am Abend vor 20.000 Zuschauern spielen, dann ist das natürlich auch cool. Es also echt schwer sich da zu entscheiden.

Habt ihr irgendwelche Tipps, was man sich unbedingt wo anschauen sollte, wo man unbedingt mal einkaufen, wo unbedingt ein Bier trinken gehen sollte?

Isi: Hmmm, wo fangen wir da mal an... Habt ihr Zeit? (lachen)

Jens: Jeder sollte mal zum Emmaboda Festival in Schweden (www.emmabodafestivalen.se), das ist irgendwo in den Wäldern, da gibt’s so ein Haus, da ist dann die Bühne reingebaut, das ist richtig cool. Das gibt’s auch noch nicht so lange und ist auch nicht groß. Hmmm, was noch...? Es gibt so viele Sachen. Isi, jetzt bist du mal dran...

Isi: Also gut shoppen kann man eigentlich überall. Es gibt immer so zwei, drei Ecken. Es kommt halt immer darauf an, worauf man so steht, das ist also Geschmackssache. In Skandinavien kann man ganz gut shoppen gehen, aber das hat sich jetzt wirklich ausgeweitet. Das, was es früher nur dort gab, kann man mittlerweile fast überall bekommen. Ich meine, da hat es ja angefangen mit Weekday (www.weekday.se), Urban Outfitters (www.urbanoutfitters.com), was ja eigentlich zeitgleich auch in England angefangen hat, aber in Skandinavien hat es dann Übermaß genommen. Aber das breitet sich jetzt eben überall aus. Interessant ist auf jeden Fall, dass Singapur jetzt den ersten H&M hat. Kein Witz, die Leute haben fünf oder sechs Tage dort gezeltet, um überhaupt rein zu kommen bei der Eröffnung.

Jens: Es ist halt schwierig zu sagen. Es gibt viele Sachen, von denen man behaupten würde, das ist das Beste dafür, dies das Beste hierfür... Das beste Guinness gibt’s wahrscheinlich gezapft in Dublin, das ist zwar Klischee, aber das ist tatsächlich so.

Isi: Die besten Tapas gibt es in Barcelona.

Jens: Ach ja, in San Antonio auf Ibiza, das ist zwar mittlerweile alles englisch da, aber dieser eine Laden, der ist in so einem Hinterfeld, das ist genial, was sie da zaubern. Das heißt auch einfach nur Tapas (www.ibiza-restaurants.com/tapasrestaurant).

Isi: Ja, also wenn ihr mal auf Ibiza seid, früh hingehen.

Ihr genießt also generell schon auf Tour zu sein, oder freut ihr euch schon auf zu Hause?

Isi: Beides. Ich finde, das ist eigentlich die perfekte Mischung, die ich für mich persönlich haben kann. Es gibt Leute, die nörgeln, weil sie 30 oder 40 Jahre in der gleichen Stadt leben. Ich sag immer wieder: Ihr seid auch selber Schuld, weil ihr müsst auch mal raus. Und genau dieses ständige Unterwegssein tut uns wirklich gut. Wenn man mal vier Wochen unterwegs ist, dann genießt man die Stadt gleich viel mehr und lernt alles viel mehr schätzen. Ich glaube, wenn ich 30 oder 40 Jahre in ein und derselben Stadt bleiben würde, dann würde mich auch alles schnell langweilen.

Könnt ihr euch denn vorstellen aus Hamburg wegzuziehen? Wenn ja, wohin?

Jens: Gute Frage. Also ich würde es nicht ausschließen, aber ich wüsste jetzt auch nicht genau, was da in Frage käme.

Isi: Also ich könnte mir vorstellen in Sydney zu leben, aber das Problem ist, das ist mir einfach zu weit weg. Und von daher könnte ich mir jetzt nicht großartig vorstellen, aus Hamburg wegzuziehen.

Wo trifft man euch in Hamburg, wenn ihr nicht gerade arbeitet?

Isi: Eigentlich auch da, wo wir nicht arbeiten. Also Jens und ich wohnen eigentlich so quasi in der Mitte von unserem Studio... Das kann man so sagen oder?

Jens: Ja, also, das Studio ist in der Mitte...

Isi: Genau, das Studio ist in der Mitte. Ich wohne Richtung St. Georg, Jens wohnt in Winterhude.

Jens: Ich bin meistens zu faul, um noch irgendwas zu machen abends, wenn ich dann mal zu Hause bin. Insofern sieht man mich meistens eigentlich nur im Studio und Umgebung, oder am Flughafen. Manchmal auch in Richtung Schanze und Reeperbahn. Oh, und bei unserem Lieblingschinesen, der ist in Wartenau, falls das irgendjemandem was sagt. Da sind wir fast einmal in der Woche.

Habt ihr schon Ideen für das nächste Album? Was können die Fans erwarten?

Isi: Die Frage kommt eigentlich relativ früh. Auf jeden Fall ist klar, also zumindest meiner Meinung nach, wir haben ein krasses Marathönchen hingelegt. Innerhalb von sechs Monaten haben wir fast 95 Gigs gespielt. Das ist schon echt hart. Es bringt natürlich auch unheimlich viel Spaß, aber wir werden nächstes Jahr auf jeden Fall erstmal ein bis zwei Monate frei nehmen, um mal wieder etwas runter zu kommen. Wir haben in der Zwischenzeit ziemlich viele Sachen fertig gemacht, von denen die Leute noch nichts wissen. Unter anderem haben wir einen Remix gemacht für das neue Who Made Who Album, das kommt im nächsten Jahr, die Single soll in diesem Jahr noch raus kommen. Dann haben wir was für den guten Zweck gemacht. Es gibt eine Kompilation von DIY Records, für die haben wir einen Remix gemacht. Dann gibt’s noch ein, zwei andere Sachen, die in der Pipeline sind, oder wir haben auch gerade was fertig gemacht für ein Spiel von EA Sports, das war auch mal eine schöne Herausforderung für uns, naja und dann gibt es halt noch so ein, zwei andere Sachen, an denen wir arbeiten. Auf jeden Fall touren wir bestimmt noch bis nächstes Jahr. Ende des Jahres und was dazwischen passiert, wird man sehen.

Jens: Und wir wissen auch noch nicht, in welche Richtung das dann gehen wird. Wir haben verschiedene Sachen ausprobiert, mal sehen, was sozusagen das Fazit davon ist, für das nächste Mal.

Isi: Interessant zu sehen ist, dass wir nach Australien acht Tage Zeit hatten, und in dieser Zeit haben wir eben diese vier Sachen gemacht, also drei Remixe und das Ding für EA Sports, und ich glaube, das ist auch eine krasse Leistung, vor allem danach dann gleich wieder weiter auf Tour zu gehen. Also fleißig sind wir. Momentan dringt das vielleicht nicht so nach außen, aber da ist wirklich viel in der Mache, viel in der Pipeline. Einige Leute kriegen was mit, einige eben nicht, und ich denke, in naher Zukunft passiert mit Sicherheit noch mehr.

Also ich denke, man sieht das schon, dass bei euch eine ganze Menge passiert. Wie können wir uns generell den Entstehungsprozess eines Songs vorstellen?

Isi: Ich vergleiche das immer mit Kochen, oder Jens und ich sagen immer, Jens ist der Kameramann und ich schneide dann oder ich bin der Direktor. Ja, so ähnlich kann man sich das vorstellen. Wir sind eben keine richtigen Musiker. Was wir machen ist, wir fangen einfach an, wir kloppen einfach drauf los.

Jens: Meistens ist das Resultat der zwanzigste Remix aus der ersten Idee. Und da ist dann meistens aber auch schon, dass wir uns selber gesampelt haben und so. Da kommt dann irgendwas bei raus zum Schluss. Bis jetzt haben wir es noch nie geschafft, Text und Musik zusammen von Anfang an zu schreiben. Meistens ist die Musik immer zuerst fertig. Das nervt dann immer so ein bißchen, denn dann dauert es länger mit dem Text, wenn man was drauf legen will. Ähm, ja, das ist immer unterschiedlich, wie Sachen entstehen.

Wo seht ihr die wesentlichen Unterschiede zwischen eurem ersten und zweiten Album?

Jens: Das zweite Album ist songlastiger und kürzer. Ähhh... (denkt nach)

Isi: (lacht) Ja, das sind wesentliche Unterschiede (alle lachen).

Jens: Das sieht man auch schon am Cover. Das ist eher weiß statt schwarz. Das ist mehr so ein Tagesalbum, mehr freundlicher. Das erste war mehr so Nachts angesiedelt. So ein bißchen sonniger ist das zweite Album. Wir haben zwar auch dieses Mal wieder viel Gitarren mit drin, aber es hat weniger Garagen-Atmosphäre dieses Mal...

Isi: Es ist sauberer...

Jens: Ja, genau, es ist ein bißchen sauberer, und ein bißchen extremer, die Songs sind schneller oder langsamer, es geht nicht nur um die 130 bpm wie es normalerweise immer so in den Clubs gespielt wird. Das sind eigentlich so die Hauptunterschiede. Und wir haben ein Feature, das hatten wir auch noch nie, bei einem Song, "Just Gazin’", und ja, wir haben auch mal mit ein, zwei Leuten zusammen gearbeitet...

Isi: Ein bißchen mehr eigentlich, aber egal... Beim ersten Album haben wir tatsächlich alles gemacht, und beim zweiten Album war es halt so, dass wir mit verschiedenen Leuten was ausprobiert haben, ob es klappt oder nicht. Dann war es auf jeden Fall so, dass wir das zweite Album etwas sauberer gemischt haben. Wir sind zum Beispiel hier nach London gekommen, um Jens’ Vocals aufzunehmen. Das haben wir beim ersten Album halt nicht gemacht. Das sind dann aber auch für uns wichtige Sachen, um Erfahrungen zu sammeln, denn man muss sich ja auch stets weiter entwickeln. Und das waren auf jeden Fall ganz schöne Sachen.

Was könnt ihr uns über den Albumtitel "I Love You, Dude" erzählen?

Isi: Jens hat vorgestern was Süßes gesagt...

Jens: Hab ich? Was hab ich denn gesagt? (lachen) Der Titel ist auf jeden Fall ohne Kontext. Also wir dachten einfach, statt wieder so ein –ismus Wort oder was Gigantisches zu nehmen, nehmen wir einfach das und stoßen das den Leuten vor den Kopf. Und im Nachhinein passt es auch eigentlich ganz gut, denn auf dem Album sind diesmal mehr Sachen über Beziehungen und Freundschaften und so drauf als auf dem ersten Album. Das erste Album war ein bißchen mehr ideologisch. Aber es hat eigentlich überhaupt gar keinen Zusammenhang.

Isi: Wir waren in Australien und das war da ziemlich interessant, dass es da Leute gibt, die ohne Probleme zu ihren Freunden oder auch einfach nur zu dem Busfahrer sagen "I love you, dude", einfach nur, weil sie einen guten Tag haben. Momentan sind viele Sachen ernst, überall ist irgendwas und ich glaube, mal ein bißchen Liebe zu zeigen oder zu äußern, ist nicht so schlimm. Im Gegenteil, ich find’s eigentlich sogar ziemlich gut.

"2 Hearts" war die Hymne vom diesjährigen Melt! Festival, wie kam es dazu?

Isi: Geldkoffer und dann lief das... (lachen) Nein, wir verstehen uns eigentlich ziemlich gut mit Stefan Lehmkuhl, einem der Veranstalter vom Melt! Festival. Der Plan war schon immer, mal für die eine Hymne zu machen, wir haben regelmäßig Kontakt zu denen. Eigentlich war die Überlegung, mit ihm was zu machen, dass er singt, aber wir hatten alle zu wenig Zeit, und dann hat er gehört, dass wir ein Album fertig haben. Wir haben ihm das Album dann zugeschickt, und da "2 Hearts" auch unsere erste Singleauskopplung von diesem Album war, hat dann irgendwie eins zum anderen geführt.

Spielt ihr generell lieber auf Festivals oder bevorzugt ihr Clubkonzerte?

Beide fangen an zu lachen.

Isi: Also hätte ich jetzt ein Sparschwein, hättet du wirklich einzahlen müssen. Das ist die Frage, die jeder stellt.

Alle lachen.

Okay, okay, wir können die auch streichen, ich hab genug Fragen dabei...

Jens: Nein, nein, das ist ganz einfach: Im Sommer sind Festivals besser, und dann ab Herbst sind die Clubshows auf jeden Fall viel besser.

Isi: Man braucht halt beides, um es mal ganz kurz auf den Punkt zu bringen. Bei dem einem ist man halt näher an den Fans dran, bei dem anderen erreicht man ein größeres Publikum. Statt vor 100 spielt man vor 10.000 Leuten, das sind die wesentlichen Unterschiede.

Hattet ihr dieses Jahr Zeit, euch andere Bands auf den Festivals anzuschauen?

Jens: Joar, eine Menge eigentlich... (denkt nach) Was hab ich denn alles gesehen?

Isi: The Drums hab ich gesehen.

Jens: Echt?

Isi: Ja! Metronomy hab ich gesehen... Von einigen bin ich allerdings ein bißchen enttäuscht. Das Problem ist bei einigen Bands, dass das Album meistens stärker ist als die Liveperformance. Und ich glaube, wenn man ein gutes Album macht, ist es auch nicht immer so einfach, eine gute Liveperformance hinzulegen. Dazu gehört halt auch eine gewisse Erfahrung. Wenn man diese eben nicht hat, dauert das halt ein bißchen. Ich habe Metronomy zum Beispiel im Sommer gesehen. Sie spielen nicht schlecht, aber ich hoffe, dass sie einfach etwas mehr Energie zukünftig rüber bringen.

Jens: Sie sind irgendwie zu vertieft ins Musik-Machen. Die sind sowieso ziemlich schüchtern.

Isi: Ja, das gehört ja auch alles irgendwie dazu, und das ist ja auch kein Problem, aber ich hatte einfach ein bißchen mehr erwartet. Ich meine, angucken sollte man sich die auf jeden Fall, aber ich fand ihre ersten Gigs, zum Beispiel den Auftritt in der Prinzenbar in Hamburg, persönlich viel besser. Da waren sie auch nicht so vertieft und haben einfach drauf los gespielt.

Jens: Ich glaube sowieso, dass deren Show viel besser in kleinen Clubs aufgehoben ist. Auf der großen Bühne funktioniert das irgendwie nicht so. Die brauchen was intimeres, glaub ich.

Isi: Das kann gut sein...

Jens: The Hives haben wir dieses Jahr auch mal wieder gesehen. Dass die mal wieder auf Tour waren, das war ganz cool. Die sind auf jeden Fall richtig krass drauf.

Isi: Tom Vek haben wir gesehen, das war richtig cool.

Jens: Stimmt, Tom Vek war cool. Ähm, was haben wir noch gesehen...? White Denim waren auch richtig gut. Boah, Iron Maidon haben wir gesehen, das war richtig scheiße...

Isi: Ooohhh ja, das war schlimm (lachen). Two Door Cinema Club, die machen eigentlich immer Spaß...

Jens: Ohh ja, die waren super. Ja, wir haben echt viele Sachen gesehen.

Isi: Das ist das Gute, bei einigen Festivals hast du die Zeit, dir einige Bands anzusehen.

Jens: (zählt weiter fleißig auf) The XX, The Naked And Famous, Lykke Li...

Isi: Likki Li war auch richtig gut.

Jens: ...Santigold, blahblahblah... (lachen)

Isi: ...Gossip, und und und... The Streets...

Jens: Stimmt, The Streets haben wir tausendmal gesehen dieses Jahr...

Isi: Also das ist auch wirklich ein super Ding. Performancemäßig ist das echt der Hammer. Ich habe selten so ein hohes Niveau gesehen, wo die Leute so ambitioniert an die Sache ran gehen, ob es im Club oder auf einem Festival ist. Die machen das schon richtig gut, bewegen die Leute immer wieder dazu, ordentlich abzufeiern.

Das war ja eine ziemlich bunte Mischung. Ist das generell auch die Musik, die ihr gerne privat hört? Was ist derzeit aus eurem Player nicht weg zu denken?

Isi: Ich hab keinen mp3 Player, ich sammele meine Musik in iTunes...

Jens: Man kann eigentlich sagen, dass das, was wir eben alles aufgezählt haben, eigentlich auch das ist, was wir gerne hören. Eine ziemlich wilde Mischung, wenn man das mal so durch forstet. Aber ich habe auch keinen mp3 Player. Meistens brauche ich auch einfach ein bißchen Ruhe. Aber wenn da was drauf wäre, dann so was in die Richtung.

Wenn ihr es euch aussuchen könntet, mit wem würdet ihr gerne mal zusammen arbeiten?

Isi: (wirft Jens einen charmanten Blick zu) Ich würde gerne mal was mit dir zusammen machen. (lachen)

Jens: Ja, können wir machen (lacht). Ja, das wissen wir auch nicht so genau. Das entscheiden wir meistens spontan. Und das kann sich dann morgen auch schon wieder ändern. Also wenn ich die Fragen zum Beispiel vor drei Jahren beantwortet hätte, dann sähe das jetzt wahrscheinlich schon wieder ganz anders aus. Deswegen: Wir wissen es nicht. Also es gibt nicht so das Megaidol oder so was...

Isi: Das ändert sich tatsächlich von Tag zu Tag. Es gibt so viel Musik, nicht alles ist gut und es ändert sich halt wirklich jeden Tag und am Ende weiß man nicht, weiß man nie, was so als nächstes kommt.

Vielen Dank Jungs, das war’s auch schon. Gibt es zum Abschluss noch irgendwas, was ihr euren Fans schon immer mal sagen wolltet?

Jens: Ja, danke auf jeden Fall für die großartige Unterstützung! Das muss man ja wirklich mal so sagen!

Isi: Was hatte Fanta4 noch mal gesagt? Das fand ich sehr sympathisch. Danke für die fantastische Unterstützung die letzten 20 Jahre, durch euch sind wir verdammt reich geworden... (Lachen). Haha, nein, das kann ich jetzt eigentlich nicht sagen, aber ich fand das ganz sympathisch. Und ich bin einfach ein bißchen stolz darauf, was in Deutschland gerade um uns herum passiert. In Deutschland kannte uns eben am Anfang keiner und jetzt schwappt das alles rüber. In Hamburg sind wir neben Heinz Strunk und Jan Delay in die Top Ten der wichtigsten Leute für Hamburg rein gekommen, das ist auch nicht so einfach. Wir sind noch nicht so bekannt wie die beiden, und das sind dann halt so schöne Momente. Wir wurden zudem zwei Mal nominiert, darunter vom Musikexpress als bester Liveact. Es findet eine ganze Menge statt und das macht uns wirklich sehr glücklich, und wir hoffen, dass wir da noch mehr erreichen können.

Ich drücke euch auf jeden Fall die Daumen! Habt noch mal vielen Dank für das nette Gespräch!

Vielen Dank auch an Kathrin Mayer (Cooperative Music), Laurence Muller und Piet Maesschalck, die dieses Interview für uns möglich gemacht haben.

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