(Disco Ensemble)
Vor dem explosiven Konzert von Disco Ensemble im Berliner Kato haben wir Gelegenheit die Jungs aus Finnland in einem Interview auszufragen. Zu unserer freudigen Überraschung ist die gesamte Band anwesend. Gemütlich in die Couches im Eingangbereich gefläzt kann es losgehen.
Euer Album wurde vor ein paar Jahren bereits veröffentlicht, bevor es in diesem Jahr zu dem Re-Release kam. Was war der Grund?
Miikka: First Aid Kit wurde in Finnland in 2005 veröffentlicht. Es kam also in Finnland über unser Label raus und danach wurden einige internationale Labels darauf aufmerksam. Wir hatten ein total kleines internationales Release und daraufhin ist nichts passiert. Doch dann wurde Universal Germany aufmerksam, die das Album im größeren Stil rausbringen wollte. Ja so ist das gewesenÂ…
Warum denkst du hat es beim ersten Mal nicht gleich geklappt? Denkst du der Musikmarkt war noch nicht bereit oder war es die falsche Marketingstrategie
Miikka: Nun, es gab gar keine Marketingstrategie.
Jussi: Es gab keine richtige Promotion.
Miikka: Ja es ist echt nichts geschehen. Aus diesem Grund war es einfacher es noch mal über Universal rauszubringen.
Wie ist denn das Feedback bis jetzt?
Miikka: Ich glaube die Kritiken waren größtenteils positiv. Natürlich können wir nicht jede Kritik lesen.
Wir werden kurz vom Manager unterbrochen, der ein paar wichtige Dinge mit der Band klären muss.
Miikka (verwirrt): Worüber habe ich gerade gesprochenÂ…?
Über die Kritiken. Ich persönlich habe ein paar Kritiken gelesen und die waren alle ziemlich gut. Ebenso die Konzertberichte.
Jussi: Und noch eine gute Sache ist, dass die beiden Singles des Albums es in die Charts geschafft haben. Black Euro ist in den Charts. Dafür bin ich echt dankbar!
Wie lange dauerten die Aufnahmen? Und wo habt ihr aufgenommen?
Jussi: Das war in Schweden, in Göteborg. Als wir den Vertrag mit Universal unterschrieben hatten, beschlossen wir einige Songs in Schweden neu aufzunehmenÂ… mit Pelle Gunnerfeldt, der auch The Hives gemacht hat. Ich denke es waren dreieinhalb WochenÂ… die ursprüngliche Session. 23 Tage oder so.
Ist währenddessen irgendetwas Außergewöhnliches passiert?
Mikko: Wir mussten ein bisschen erfinderisch sein, da uns die Zeit davon lief. Also sang Miikka die Vocals am Tag und in der Nacht nahmen wir die Instrumente auf. Wenn wir also zu Ende waren, wachte Miikka auf. Wir tranken ein Guten-Morgen-Bier bevor wir zu Bett gingen.
Jussi: Er wachte gegen 20 Uhr abends auf und ging gegen 11 Uhr morgens ins Bett.
Also habt ihr im Studio gehaust?
Jussi: Ja. Das Studio war mitten im Nirgendwo. Es gab da lediglich einen Supermarkt. Und drumherum nurÂ… Einöde. Irgendwo war das auch ganz gut, denn so konnten wir uns voll auf die Aufnahmen konzentrieren.
Miikka: Da war nicht mal eine Bar.
Aber ihr hattet sicher viel Bier aus dem SupermarktÂ…?
Miikka: Ja, aber das hat nur 2,8% man wird davon nicht richtig betrunken. Man wird nur müde.
Jussi: Man wird lediglich ein wenig schläfrig davon.
Wo liegen eure musikalischen Wurzeln?
Jussi: Bei mir geht das zurück zu alten Metallica und AC/DC Sachen. Ich spielte immer zu Metallica Gitarre. Aber was unsere Band gemein hat ist zum Beispiel Refused und WeezerÂ… ein wenig Snapcase. Was nochÂ…?
Mikko: Madball.
Gelächter
Miikka: Vielleicht ein paar lokale Bands.
Mikko: Ja es gibt da ein paar beeindruckende Bands.
Jussi: Yeah die Rockszene in Poori zum Beispiel. Die machen fortschrittlichere Musik, nicht diesen Mainstream.
Euer Bandname klingt ja total nicht nach der Musik die ihr macht. Habt ihr jemals daran gedacht, ihn zu ändern?
Miikka: (dramatisch) Ständig, ständig. (Gelächter) Jede Nacht weine ich mich in den Schlaf. (Vergräbt theatralisch das Gesicht in seinen Händen) Disco Ensemble – warum nur??
An was für Namen hattet ihr dabei gedacht?
Miikka: Gay fists.
Gelächter
Den solltet ihr nehmen!
Miikka: Was nochÂ…?
Jussi: Young Satan.
Miikka: Young Satan, genau. Und noch ein Vorschlag war Homos of the Afterlife. Aber mittlerweile ist es zu spät den Namen zu wechseln.
Jussi: Wir haben ihn schon einmal geändertÂ…
Ja in unserem Interview letztes Jahr habt ihr mir bereits erzählt, dass ihr euch erst nur „Disco” nanntet und eine andere finnische Band denselben Namen hatte. Was war das erste, das ihr getan habt, nachdem ihr den Plattenvertag unterzeichnet habt?
Mikko: Aaaah das ist eine gute FrageÂ… Nun, wir haben nie wirklich einen Vertrag unterschrieben. Oder haben wir?
Jussi: Wir haben nie die Rechte an unseren Shows verkauft.
Miikka: Das Label in FinnlandÂ… der Hauptverantwortliche ist ein guter Freund von uns. Er hat angefangen Shows für uns zu buchen und wir arbeiteten mit ihm zusammen. Es gab nie einen Grund irgendwas zu unterzeichnen. Nach einer der Shows trafen wir uns im Ilves und haben ein paar Papiere unterschrieben. Er gab sie uns einfach und wir unterschrieben.
Was war es für ein Gefühl die Antidote Tour mitzumachen?
Mikko: Ich denke wir waren alle sehr zuversichtlichÂ… (Pause) als wir die Tour starteten...
Gelächter
Hat sich eure Zuversicht geändert während dem Touren?
Mikko: Yeah. Tag für Tag.
Miikka: Nein im Ernst, es war eine gute Sache.
Jussi: Jedes Mal wenn wir auf Tour gehen – für vielleicht 3 oder 4 Wochen – ist es bei mir so: nach der ersten Show denke ich mir “Cool das war eine gute Show, aber wir haben noch weitere 29 Shows vor uns.“ Manchmal fühlt es sich wie ein ganzes Leben an. Aber wenn ich zurück blicke war es wirklich super!
Habt ihr noch Kontakt zu den Bands?
Mikko: Nein.
Miikka (gleichzeitig wie Mikko): Ja. (Gelächter)
Miikka: Wir waren noch nicht lange in Kanada und haben zwei Leute der anderen Bands gesehen. Danko Jones´ Drummer und einer von Bedouin Soundclash. Wir sind zu seiner Privatparty. Also, ja, wir haben noch Kontakt.
Jussi: Und natürlich bekommen wir E-Mails über myspace.
Habt ihr was Lehrreiches von den Bands erfahren?
Miikka: Natürlich lernt man immer viel dazu wenn man die Shows anschaut.
Jussi: Es war auch sehr interessant zu sehen, wie sie als Band zusammen arbeiteten. Wie sie ihren Soundcheck hielten und all das Drumherum. Nette Leute.
Ist irgendwas Außergewöhnliches während der Tour passiert?
Miikka: Ja an einem Tag hatten wir einen Termin mit einem Verleger und unser Bus blieb stehen. Wir riefen ihn an und erzählten was passiert ist. Wir waren ungefähr 100 Kilometer von dem Platz entfernt, an dem wir uns treffen sollten. Er stieg also in sein Auto und fuhr zu unserem Bus und wir hielten das Treffen im Bus ab. Er war ein älterer Herr – wirklich nett. Er brachte uns Schokolade mit.
Jussi (witzelt): Er wollte nur, dass wir unterschreiben.
Miikka: “Hier ist etwas Schokolade, also unterschreibt bitte!”
Gibt es sichtbare Veränderungen im Publikum seit Antidote tour?
Miikka: Dies ist die erste große Tour nach der Antidote Tour. Wir werden sehen.
Wo war das aufregendste Publikum?
Miikka (schnell): In Helsinki. Aber das ist die Heimatstadt, das zählt nicht.
Jussi: Wien denke ich und Zürich.
Miikka: Und Berlin.
Was ist das Verrückteste, das jemals passiert ist?
Jussi: Nun, ich denke das Verrückteste ist, dass wir nie einen Unfall hatten.
Miikka: Eigentlich hattest du mal einen...
Jussi: OhÂ… du hast recht. (Gelächter)
Okay aber das Verrückteste ist, dass nie was wirklich Verrücktes passiert ist.
Was war die verrückteste Frage, die euch je in einem Interview gestellt wurde?
Miikka: Wir waren mal bei einer Art Teenager Fernsehsender in Finnland. Die hatten da dieses gefühlsduselige Interview. Jussi und ich sollten Teenagern Beziehungstips geben. Das war eines der verrücktesten Interviews. Da waren Fragen wie „In welchem Alter, denkst du, sollten Kids zum ersten Mal Sex haben?“
Was hast du geantwortet?
Miikka (mit übertrieben einfühlsamer Stimmer): Ich denke du kannst es tun wenn du dich bereit dafür fühlst.
Gibt es eine Band oder sonst einen Künstler mit dem ihr gern zusammen arbeiten würdet?
Â…denkÂ… denkÂ…
Oder vielleicht ein Produzent oder SchauspielerÂ…?
Jussi: Don Johnson.
Gelächter
Miikka: So ein Typ aus Finnland. Sein Name ist Juhan Af Grann. Er sollte unser nächstes Album produzieren. Er hat absolut keine Ahnung von Musik. Er ist so eine Art spiritueller Künstler. Du kannst ja auf seine Website verlinken. (Link leider nicht gefunden)
Wie kam es zur gemeinsamen Tour mit Lapko?
Mikko: Sie sind bei demselben Label und Freunde von uns. Wir haben schon einige Shows miteinander gespielt. Es ist ihre erste größere Europatour. Wir müssen ihnen also zeigen wie es funktioniert ;)
Werdet ihr diesen Sommer an ein paar Festivals spielen?
Mikko: Rock am Ring und Rock im Park. Und auch ein paar kleinereÂ… Rock amÂ… Bach?
Gibt es eine Interview-Frage, die ihr nicht mehr hören könnt?
Miikka: In welchem Alter, denkst du, sollten Kids zum ersten Mal Sex haben? (Gelächter)
Ich denkeÂ… naja jeder fragt uns warum wir Disco Ensemble heißen. Das ist manchmal ein wenig eintönigÂ… „aaaalso, erst hießen wir „Disco“ und dannÂ… blablablaÂ…“. Aber natürlich ist diese Frage die naheliegendste, das ist klar.
Jussi: Du kannst diese Fragen nicht verhindern wir sind schließlich eine recht neue Band und alle möchten die Grundlagen kennen lernen. Natürlich ist es langweilig immer dieselbe Frage zu beantworten, aber mir macht das im Grunde nichts aus.
Gibt es Vergleiche mit anderen Bands, die ihr nicht mögt (die Vergleiche, nicht die Bands)?
Miikka: Ich glaube wir werden mit vielen Bands verglichen. Etliche neue Vergleiche wöchentlich. Wir können keinen der Vergleiche leiden ;)
Gelächter
Wer hatte die Idee zu eurem Video “Drop dead Casanova”?
Miikka: Das war der Director. Wir haben in einem Studio vor einer Bluescreen gedreht.
Wo war der Dreh?
Miikka: In Berlin. Die Aufnahmen vor der Bluescreen gingen einen Tag und später wurden die virtuellen Animationen in den Hintergrund gepackt.
Habt ihr schon eine Idee für den nächsten Videodreh, die ihr gern verwirklichen würdet?
Lasse: Nicht wirklich. Wir warten mal die Vorschläge des Directors ab und werden uns dann wahrscheinlich für einen davon entscheiden.
Miikka: Wir müssen nur schauen was passt. Wir überlegen uns nicht vorher was wir machen könnten.
Gibt es etwas, das ihr mit Deutschland verbindet?
Miikka: Autobahn. Das ist eine coole Art des Reisens. Und die TankstellenÂ…
Jussi: Die Gebühr nervt. Man muss jedes Mal zahlen wenn man zur Toilette muss!
Mikko: Es ist echt nervig wenn man kein Kleingeld hat. Man versucht dann an der Klofrau vorbei zu schleichen.
Jussi: Manchmal entscheidet man sich dann lieber dafür in die Büsche neben der Toilette zu gehen.
Wie fühlt man sich wenn man nach einer langen Tour zurück nach Finnland kommt?
Jussi: Guuuut.
Miikka: Es ist toll, aber es ist auch immer eine zeitlang etwas merkwürdig. “Was mache ich normalerweise nachdem ich aufgestanden bin? HmmmÂ…? Okay KaffeeÂ… wie mache ich Kaffee?”
Jussi: Nach einer langen Tour ist es echt strange. Es braucht ein wenig Zeit um im normalen Alltag anzukommen.
Was wird das erste sein, das ihr tun werdet, sobald ihr zu Hause seid?
Miikka: Ich werde wahrscheinlich eine Dusche nehmen.
Mikko: Alles was mit dem Badezimmer zu tun hat!
Vielen Dank an die netten Jungs von Disco Ensemble, dass sie sich die Zeit für das Interview genommen haben. Herzlichen Dank auch an Universal und speziell an Ju, die uns das Interview ermöglicht haben!