Interview mit Elvis Perkins in Köln - Deutsche Version

(Elvis Perkins)

30.10.2007 von Stephan Kämper

Während der Deutschland-Tour des sympathischen Songwriters Elvis Perkins hatte Musicheadquarter die Möglichkeit ihn im Rahmen des Konzertes im Gebäude9 in Köln zu interviewen. Dabei ging es inhaltlich besonders um seine Musik und weiterführend um die Situation der Musikindustrie in Bezug auf illegale Downloads aus dem Internet. Mit Elvis Perkins sprach Stephan Kämper.

Zu allererst möchte ich Sie herzlich in Köln willkommen heißen.

Elvis Perkins: Dankeschön.

Was sind Ihre Eindrücke von Köln? Haben Sie jemals schon von dieser Stadt gehört?

Elvis Perkins: Ich war im Februar in Köln mit „Clap Your Hands Say Yeah“ und den „Cold War Kids“. In dieser Nacht teilten wir uns den Bus mit den „Cold War Kids“ und gingen mit ihnen und ein paar Jungs von „Clap Your Hands Say Yeah“ aus. Wir wussten gar nicht genau wo wir waren, da wir erst den Abend vorher in Berlin spielten und von da aus hier nach Köln fuhren. Doch es war eine lustige Nacht. Wir gingen die Straße hinauf und aßen irgendwo zum Frühstück oder zu Abend. Wir waren alle ein wenig durcheinander. Kann das sein, dass zu diesem Zeitpunkt hier in der Gegend ein Festival stattfand, wo überall Clowns herumliefen?

Ja, das Festival nennen wir Karneval in Deutschland.

Elvis Perkins: Genau, im Februar. Auf jeden Fall waren wir sehr müde und wussten nicht genau, wo wir waren. Und wir waren an diesem Restaurant und schauten uns die ganzen Clowns an und fragten uns die ganze Zeit über, was denn bloß hier los sei. Wir dachten, vielleicht hat ja Köln irgendetwas mit Clowns zu tun. Später wussten wir dann, was es damit auf sich hat und gingen zum Dom.

Sie haben bis jetzt in Hamburg und Berlin gespielt. Gibt es irgendwelche Unterschiede zwischen dem deutschen und dem amerikanischen Publikum?

Elvis Perkins: Natürlich. Zu allererst ist die Sprache unterschiedlich. Ich glaube, die meisten Leute, die zu unseren Konzerten kommen, können Englisch. Ich entschuldige mich immer für mich und meine Band, dass wir kein Wort Deutsch können. Wir wurden sehr gut empfangen in Deutschland. Es ist wirklich schön. Ich bin über die deutsche Reaktion auf unsere Auftritte wirklich erfreut.

Was ist das besondere daran, live vor Publikum zu spielen? Unterscheidet es sich von der Arbeit an einem Album im Studio?

Elvis Perkins: Sicherlich. Es ist total anders. Die Belastung, ein Album unbedingt aufzunehmen und zu beenden, ist viel größer als für 14 Monate auf Tour zu sein. Du spielst jeden Abend die gleichen Songs, sodass du eine ganz tiefere Beziehung zu den Songs herstellst, als wenn du sie zum ersten Mal im Studio einspielst. Somit ist es eine ganz andere Sache. Wenn du live spielst, bekommst du darüber hinaus zu jedem Song sofort ein Feedback des Publikums. Es hat mehr mit dem Tausch von Energie zu tun. Du gibst irgendjemandem deine Musik auf einem direkten Weg und dieser gibt dir auf dem gleichen Weg sein Feedback. Es ist eine andere Situation, als würde jemand etwas in einem Plattenladen kaufen. Du kennst dann einfach nicht deren Reaktion auf das Album und ihre Vorstellungen der Musik.

Welchen Beruf würden Sie ausüben, wenn Sie kein Musiker wären?

Elvis Perkins: Ich weiß nicht. Vielleicht würde ich Bücher schreiben.

Oh, ich liebe es Bücher zu schreiben.

Elvis Perkins: Du schreibst Bücher?

Ja.

Elvis Perkins: Ich nehme an, das würde ich machen. Vielleicht würde ich auch malen oder ins Theater gehen. Es ist nicht einfach zu sagen.

Was ist persönlich wichtig für Sie, wenn Sie an die Musik denken?

Elvis Perkins: Es hat etwas mit Kommunikation zu tun. Es ist immer noch besser, als mit jemanden zu sprechen. Es ist irgendwie effektiver und deshalb eine besondere Form der Kommunikation. Ich fühle mich verstandener als bei anderen Formen der Kommunikation.

Gibt es irgendwelche Referenzen an die Sie dachten, als Sie „Ash Wednesday“ aufnahmen? Ich persönlich finde, dass das Lied „May Day“ Referenzen zu „All You Need Is Love“ von den Beatles aufweist.

Elvis Perkins: (lacht) Möglicherweise in der Stimmung, wie es gemacht wurde. Es war die Idee meines Bruders und die von Freunden, das Lied in dieser Richtung aufzunehmen. Sie waren in unserem Haus, auf einer Party und der Song brauchte nur einen Tag, um fertig zu sein. Ich weiß nicht, ob ich dabei an die Strukturen von „All You Need Is Love“ dachte. Es kann jedoch sein, dass die Stimmung dieselbe ist.

„Ash Wednesday“ ist für mich persönlich nahezu ein Meisterwerk eines Konzeptalbums. Denken Sie, dass Sie irgendwann einmal derart erfolgreich sein könnten wie andere Single-Songwriter, zum Beispiel Conor Oberst oder Ryan Adams?

Elvis Perkins: Klar. Ich wüsste nicht, warum nicht.

„Ash Wednesday“ ist hoffentlich nicht Ihr letztes Album.

Elvis Perkins: Nein. Es ist bloß das erste.

Ihr Album ist ein Konzeptalbum. Denken Sie, diese Art von Album könnte in Zukunft der Vergangenheit angehören, wenn Sie an iTunes oder digitale Musikplattformen denken?

Elvis Perkins: Ich weiß gar nicht, ob ich überhaupt bedacht habe, ein Konzeptalbum zu schreiben. Viele der Songs schrieb ich, ohne daran zu denken, dass sie irgendwann einmal auf einem Album landen würden. Ich denke jedoch nicht, dass das Konzeptalbum zu sterben droht. Wenn Leute einen Song mögen und ihn auf iTunes hören, dann werden sie auch mehr davon wollen. Ich hoffe nicht, dass ihre Intentionen irgendwann mal so weit gehen, dass sie das Album an sich nicht mehr hören möchten.

Haben Sie Angst vor Entwicklungen wie das illegale Kopieren von Musik?

Elvis Perkins: Es ist nicht gut vor Dingen Angst zu haben. Das ist halt das, was passiert. Das ist die Realität. Die Musikindustrie wird nicht mehr das sein, was sie einmal war und sie wird in Zukunft nicht mehr das sein, was sie jetzt ist. Es ist eine Zeit der Veränderung. Und es ist aufregend ein Teil dieser Veränderung zu sein. Keiner weiß, wie es weitergeht. Es ist eine gute Zeit.

Denken Sie, dass Strafen die einzige Möglichkeit sind, das illegale Kopieren von Musik zu verhindern?

Elvis Perkins: Ich weiß nicht. Welche Alternative gibt es meinst du?

Ich weiß nicht. Es ist sehr schwer, Leute zu erwischen, die illegale Musik kopieren oder sie aus dem Internet laden. Ich denke jedoch, dass man die Musik kaufen muss. Man geht ja auch nicht in den Supermarkt und nimmt sich irgendetwas ohne dafür zu bezahlen.

Elvis Perkins: Ja. Es ist eine komplizierte Geschichte. Es gibt Menschen, die verhungern. Wenn sie etwas nehmen, um zu überleben, würdest du sie dann bestrafen? Wenn die Kultur um sie herum so leer ist, dass sie Musik zum Überleben brauchen, was ist dann? Ich meine, natürlich ist es eine traurige Geschichte für sie und auch eine traurige für uns Musiker. Es wird immer Diebe geben. Und es wird immer Hunger geben, richtigen Hunger. Es ist eine spirituelle Leere, die sie zu füllen versuchen. Letztendlich ist es jedoch ein kleines Beispiel für ein großen Problem.

Das stimmt. Danke für das Interview.

Elvis Perkins: Danke schön, kein Problem. Gehst du später zu meinem Konzert?

Ja, natürlich.

Elvis Perkins: Cool.

Vielen Dank an Melanie von Beggars, dass dieses Interview möglich gemacht wurde! Und natürlich vielen Dank an Elvis Perkins und seine Managerin für den herzlichen Empfang im Tourbus.

Die englische Version des Interviews findet ihr hier.

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