Interview mit Rou und Rory im Columbiaclub Berlin - Deutsche Version

(Enter Shikari)

10.10.2007 von Melanie Schupp

Enter Shikari – was sich wie eine neue fernöstliche Kampfsportart anhört ist vielmehr eine Band aus England, die innerhalb des letzten Jahres viel an Ansehen in Deutschland gewonnen hat. Nachdem sie an einigen namhaften Festivals auftraten, kamen sie für ein paar Shows nach Deutschland zurück, um uns mit ihrem sogenannten “Nintendocore” zu beeindrucken.
Im Cateringraum, der prall gefüllt mit Essen und Süßigkeiten war, hatten wir die Chance Sänger Rou und Gitarrist Rory zu befragen. Obwohl sie sichtlich hungrig nach dem vorangegangenen Soundcheck waren, verhielten sie sich stets sehr freundlich und geduldig und gaben uns sympathisch und ausführlichst Antwort.

Okay zuerst möchte ich ein paar – für euch wohl mittlerweile langweilige – Basic-Fragen stellen. Wer kam auf die Idee für den Bandnamen?

Rou: Wir kamen zuerst durch meinen Onkel auf das Wort “Shikari”. Er hatte ein Boot, das er “Shikari” getauft hatte. Er erzählte mir, dass “Shikari” in Indien “der Jäger” bedeutet. Ich fand das ziemlich cool. Dann haben wir mit dem Wort ein wenig rumgespielt. Es kommt also von unseren Experimenten mit dem Wort “Shikari”, dass wir uns dann letztendlich “Enter Shikari” nannten.

Habt ihr euch jemals überlegt den Namen zu ändern? Denn als ich zuletzt im Laden war und nach “Enter Shikari” fragte meinte der Angestellte “das hört sich nach etwas esoterischem an, oder?”

Rou: Nun, der erste und einzige, der meinte wir müssten unseren Namen ändern bevor wir bekannt werden war mein Vater. Er meinte niemand wird den Namen mögen oder sich an den Namen erinnern können.

Es ist noch nicht lange her, dass ihr in Deutschland gespielt habt. Hat sich hinsichtlich eurer Erfolge das Publikum geändert?

Rou: Nun es ist gewachsen.

Rory: Es ist lediglich größer geworden. Immer mehr Leute kennen uns jetzt und können die Lyrics und kennen die Songs. Und sie sind auch ein wenig verrückter.

Was würdet ihr sagen, wo ihr derzeit euer größtes Publikum habt?

Rory: Meinst du in Deutschland?

Nein überall...

Rory: hmmm…

Rou: In Japan (lacht)

Rory: Yeah das größte Publikum vor dem wir jemals gespielt haben war in Japan. Und England vielleicht noch.

War das ein Festival in Japan?

Rou: Ja das war ein großes Festival. Es war das größte Festival auf dem wir bis dato spielten. Da waren z.B. auch die Pet Shop Boys.

Ihr bringt im November eine EP auf den Markt. Was erwartet uns?

Rou: Die EP trägt den Titel “The Zone” und enthält alle unsere B-Sides. Wir sind ziemlich stolz auf unsere B-Sides. Wir schreiben diese nämlich nicht einfach nur um Lücken auf unseren Singles zu füllen. Wir möchten sicher gehen, dass jeder einen speziellen Song für sich auf der EP finden kann. Es gibt darauf auch Liveversionen von ein paar Songs und auch einen Remix.

Was war das Peinlichste das euch jemals auf der Bühne geschehen ist?

Rory: Aaahm. Das ist nicht peinlich für mich, eher für Rob. Bei einer Show, einige Jahre zuvor, kletterte Rob auf die Lichttechnik. Er rutschte aus und fiel direkt auf die Elektronik.

Rou: Es war alles kaputt. Das war ein wenig ärgerlich.

Hat er sich dabei verletzt?

Rou: Ja er hatte mächtige blaue Flecke am Rücken und am Hintern.

Es liegt noch nicht so lange zurück, dass ihr die Schule verlassen habt. Es gibt da immer so typische Charaktere wie den Streber, den Sporttypen o.Ä. Was für eine Rolle hattet ihr in der Schule?

Rou: Wir hatten alle total unterschiedliche Rollen… Chris war der Sportstyp. Er war total versessen auf Sport. Er wollte den ganzen Tag nur Sport machen und wir veräppeln ihn heute manchmal: “Kommt schon Jungs. Ihr schafft das Jungs”…

Rory: Rob… sein Spitzname war “Psycho Rob” und er hat sich kein bißchen geändert. Ich war recht beliebt. Natürlich hatte ich auch ein paar Feinde, aber mit den meisten war ich befreundet.

Rou: Ich war mit einer Gruppe unterwegs und am Ende hassten sich ziemlich alle.

Hat sich das wieder beruhigt? Hast du heute noch Kontakt zu ihnen?

Rou: Mit ein paar. Es war eine recht große Clique…


Ist es schwer mit euren Freunden Kontakt zu halten?

Rou: Ahm immer wenn wir mal nicht auf Tour sind treffen wir uns mit ihnen. Die Sache ist, dass die meisten mittlerweile an der Uni sind. Wenn wir zu den Unis fahren würden könnten wir sie treffen, aber es ist recht schwierig geworden.

Schließt ihr viele neue Freundschaften oder ist es eher schwierig da viele euch nur als Band sehen?

Rou: Es ist ziemlich schwer Freundschaften zu schließen. Es gibt sehr viele Leute, die nur mit uns befreundet sein wollen, damit sie einen Backstagepass bekommen, um ihr Mädchen zu beeindrucken oder sowas in der Art.

Rory (lacht): Das ist uns gestern passiert.

Rou (lacht): Der Typ meinte die ganze Zeit: Kann ich bitte backstage kommen – nur für 10 Minuten? Er wollte seinem Mädchen imponieren.

Rory: Aber wir schließen schon ein paar Freundschaften z.B. mit Promotern und Leuten die in der Venue arbeiten… Leute die wir dann wiedersehen wenn wir erneut auf Tour gehen.

Wie lange dauerten die Aufnahmen und ist dabei etwas Außergewöhnliches geschehen?

Rou (stutzt): Warum… hast du bereits irgendetwas Außergewöhnliches gehört?

Nein…

Rou: Wir nahmen unser erstes Album innerhalb von 2 Wochen auf. Das war genau zwischen zwei Touren. Wir tourten mit einer Band namens “Blessed By A Broken Heart”, dann sind wir ins Studio am Tag drauf, dann kam das Album raus und wir gingen wieder auf Tour. Es ging also alles sehr schnell.

Rory: Ich erinnere mich, dass Rob all seine Schlagzeugtracks in zwei Tagen eingespielt hat! Und es war so heiß im Studio, dass er das komplett nackt machte.

Seid ihr in den zwei Wochen überhaupt zum Schlafen gekommen?

Rou: Ein wenig. Wir mussten um 7 Uhr morgens aufstehen, ungefähr 2 Stunden fahren und beendeten die Aufnahmen um 7 Uhr abends. Dann fuhren wir wieder zurück – und das zwei Wochen lang. Immer wenn jemand von uns mal nicht mit Aufnehmen dran war, schlief der auf dem Sofa im Studio.

Seid ihr zufrieden mit den Resultaten... ich meine, zwei Wochen sind ja nicht gerade viel Zeit…?

Rou: Yeah der Sound ist ziemlich rau. Aber so klingen die meisten ersten Alben von Bands. Wir sind sehr stolz auf unser Album.

Was war das erste, das ihr gemacht habt, nachdem ihr euren ersten Plattenvertrag unterzeichnet habt?

Rory: In England haben wir gar keinen richtigen Plattenvertrag. Wir haben ein paar Lizenz-Sachen für Japan und America, aber in England haben wir unser eigenes Label. Wir mussten nie wirklich etwas dafür unterzeichnen.

Ihr seid noch ziemlich jung. Habt ihr euch jemals starkem Druck ausgesetzt gefühlt?

Rou: Nun ja wir hatten über 3 Jahre lang kein großes Release. Darum haben wir die Aufnahmen in 2 Wochen gequetscht. Es war ein großer Druck das Album relativ schnell rauszubringen. Aber sonst hatten wir nie großen Druck. Wir haben diese Songs über 3 Jahre live gespielt und wir wussten, dass wir die Aufnahmen darum recht schnell über die Bühne bringen können.

Eure Musik ist ganz schön hyperaktiv. Seid ihr auch privat so hyperaktiv?

Rory: Wir haben unsere Phasen….

Rou (lacht): Wenn ich rumlaufen, Leuten ins Gesicht schreien und die ganze Zeit auf Sachen klettern würde, müssten sie mich wahrscheinlich verhaften. Auf der Bühne kann man das natürlich tun – es ist also eine Art Ventil. All die verrückten Sachen auf der Bühne zu machen, die man sonst nicht tun kann…

Wie kam es dazu, dass ihr so unterschiedliche Musikstile mischt?

Rory: Die Stadt aus der wir sind ist ziemlich vielseitig. Es gibt eine sehr vielseitige Szene. Die Clubs haben Dancenights und Rocknights. Also mögen viele Kids dort Dancemusik als auch Rockmusik. Da das unser Background ist, ist diese Musikmischung für uns selbstverständlich.

Was war die merkwürdigste Frage, die euch jemals in einem Interview gestellt wurde?

Rou: Hmmm… bis jetzt wurden mir noch keine merkwürdigen Fragen gestellt.
Einmal war ich bei einem komischen Interview. Die Fragen waren verrückt und alle sehr psychologisch. Aber eigentlich… war es nicht allzu merkwürdig. Nein, wir hatten noch nie wirklich merkwürdige Fragen.

Also wäre es mal an der Zeit. Aber ich habe auch keine parat, tut mir leid.

Rou: Nun, ein Typ fragte uns mal nach dem Sinn des Lebens. Ich wusste echt nicht was ich da antworten sollte.

Was war das Verrückteste, das ein Fan jemals tat?

Rou: Bei einem Festival auf einer Insel spielten wir in einem Zelt. Und du weißt ja, dass diese großen Zelten Maste haben. Ein Fan kletterte den Mast bis zur Hälfte hinauf und sprang runter. Er wurde des Festivals verwiesen. Der Typ war cool.
Ein anderes mal in Sheffield in England, spielten wir in einem Club. Ein Typ kletterte am Lautsprecher hoch. Lautsprecher haben doch so eine Art Gitter vorne dran und er hatte seine Finger in dem Gitter. Er kroch auf seinen Knien umher und versuchte die Finger raus zu bekommen. Und als er es schaffte blieb ungefähr soviel (Rou zeigt uns in etwa die Hälfte des obersten Fingerglieds) vom Finger stecken.

Wie bereitet ihr euch auf eine Tour vor?

Rou: Wir haben keine Zeit uns vorzubereiten. Wir hatten zuletzt lediglich zwei Tage zu Hause Zeit, denn wir versuchen soviele Shows wie möglich zu spielen.

Gibt es irgendeine interessante oder lustige Geschichte, die euch beim Touren passiert ist?

Rory: In Japan sind wir in ein paar Karaokebars gegangen. Rob nannte ein Mädchen dort eine Schlampe oder ähnlich. Sie warf daraufhin das Mikro in den Plasmascreen und zerstörte ihn.

Rou: Er hat nur Spaß gemacht…

Rory: Naja, sie war schon eine Bitch. Wir wurden natürlich rausgeworfen und liefen schon die Straße runter, als wir merkten, dass Chris fehlte. Als wir zurück kamen saß er mit dem Bier und einer Tasche da und versuchte das Bier in die Tasche zu füllen. Er meinte “Wir können doch nicht das Bier verschwenden!” – und das war um 8 Uhr morgens! Dann nahme wir ein Taxi und er verschüttete das Bier über dem Sitz. Es sah aus als wäre ein anderes Missgeschick passiert…
Wir fuhren mit drei unterschiedlichen Taxis zu drei unterschiedlichen Hotels, bevor wir blickten, dass die Adresse unseres Hotels auf der Rückseite des Zimmerschlüssels stand.
Als wir am Hotel ankamen standen da all diese Fans vor dem Hotel und warteten, dass wir rauskamen. Doch wir gingen rein. Chris kann sich nicht einmal mehr dran erinnern wie seine Unterschrift gekritzelt hat.

Rou: Ich kam am Morgen aus dem Hotel nachdem ich augewacht war (ich bin in der Nacht nicht ausgegangen). Ich sah all diese Fans, die auf Unterschriften warteten. Dann sah ich, dass die anderen bereits unterschrieben hatten und dachte “Sind die schon aufgestanden?!” Und ich sah Chris’ betrunkenes Gekritzel.

Was ist das Beste und was das Schlechteste am Touren?

Rory: Meiner Ansicht nach ist das Beste daran, eine gute Show zu spielen.
Das Übelste ist wahrscheinlich, dass man nicht die Freiheiten hat zu tun wonach einem ist. Aber im Prinzip ist es nicht so übel, denn du kommst an so viele coole Orte.

Streitet ihr euch oft auf Tour?

Rou: Nein. Naja vielleicht ein wenig.

Stellt euch vor ihr hättet das Geld die Liveshow eurer Träume zu machen. Wie würde sie aussehen?

Rory: Vielleicht in einem großen Stadion mit der Bühne in der Mitte. Und wir fliegen mit einer Art Schwebeboard zur Bühne.

Haben das nicht die Backstreet Boys getan?

Rory (lacht): Ja genau daher stammt die Idee.

Rou: Aber das ist ne gute Idee. Und vielleicht noch Laser, Tänzer, ein Orchester...

Tiger... Mädels in Käfigen…

(Gelächter)

Habt ihr euch schonmal überlegt weibliche Vocals für einen Songs aufzunehmen?

Rou: Ja. Bei den neuen Sachen gibt es viele Stellen wo das passen würde. Aber ich kann auch ganz gut wie eine Frau singen!

Habt ihr euch jemals vorgenommen einen Coversong zu machen?

Rou: Ja, wenn wir zurück in England sind werden wir “Insomnia” von Faithless covern. Aber es wird eine Enter Shikari Version – ziemlich Hardcore also.

Wird das auf der EP sein?

Rou: Nein.

Der Tourmanager kommt rein und sagt, es sei Zeit für die letzte Frage.

Okay, letzte Frage: Wie fühlt es sich an nach einer langen Tour wieder zu Hause anzukommen uns was werdet ihr als erstes tun?

Rory: Schlafen.

Rou: Ja. Einfach ins Bett fallen “aaah Bett ich habe dich vermisst!”. Und dann ein tolles Essen von meiner Mom gezaubert bekommen.

Dann ist es an der Zeit, die Jungs ans Buffet zu lassen um sich zu stärken, bevor sie die Bühne mit ihrer energiegeladenen Show entern.
Wir danken Rou und Rory für ein angenehmes Interview. Ebenso möchten wir uns herzlich bei Pias Records bedanken, die uns das Interview ermöglicht haben.

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