(Entwine)
Entwines fünftes Studioalbum Fatal Design ist seit 15. September in deutschen Läden erhältlich und im November kann man sich davon überzeugen, wie grandios die sechs Finnen aus Lahti auch die deutschen Clubs rocken können denn zusammen mit Zeraphine werden sie neun Shows hier spielen.
Zusammen mit einer Freundin hatte ich vor kurzem die Möglichkeit, ein paar Fragen an Sänger Mika loszuwerden, der uns bestens gelaunt vor ihrem Konzert im On The Rocks in Helsinki geduldig Rede und Antwort stand.
Ich möchte gern damit anfangen, über euer neues Album Fatal Design zu sprechen. Als erstes mal meinen Glückwunsch, das ist eine verdammt tolle Scheibe geworden, eine meiner derzeitigen Favoriten!
Mika: Danke! (lächelt)
Was sind denn deine Gedanken zum Album? Wie zufrieden seid ihr mit eurer Arbeit und wie vergleicht sich Fatal Design zu euren vorherigen Alben?
Mika: Ich bin sehr glücklich damit. Es ist das beste Album bisher. Okay, das ist ein Klischee, aber es ist so! (Gelächter) Denn es ist etwas anders als das vorhergehende Zeug, es ist offener; es ist ein pures Album. Und ich denke, es ist auch aggressiver, und… einfach alles, weißt du. (lacht) Das vorhergehende Album war vielleicht etwas wie… ein Wegweiser zum nächsten Album, wenn du verstehst, was ich meine. Und ich denke, wir haben in diesem Album zu uns selbst gefunden, wirklich richtig. Wir sind zurück zu unseren Teenagerjahren. (Gelächter) Es ist wie… ich weiß nicht… es ist großartig! Ich mag es! (lacht)
Wie lange haben die Aufnahmen gedauert?
Mika: Die Aufnahme war relativ kurz. Es hat so ungefähr vier Wochen, oder sechs Wochen gedauert. Aber die Songs zu machen, dazu habe ich so ungefähr sechs Monate gebraucht. Ich war alleine mit einem Computer in einem verdammten Bunker, habe die Texte geschrieben und die Melodien gemacht. Es war auf eine Art eine harte Prozedur; es war beschissen lang und schwierig.
Also hast du das meiste an den Songs gemacht, und die Band kam dann später dazu?
Mika: Nein, die Band hat die Musik gemacht, ich habe nur an den Melodien und an den Texten gearbeitet. Aber es ist sehr schwierig, dorthin zu kommen. Du hast 13 Songs und setzt dich hin und dann: ‘Okay, wo fange ich an?’ Und dann beginnst du, so ‘Yeah, ich öffne meine Wunden’. (lacht) Es ist ein heftiger Prozess. Und das nächste Mal werden wir alles total anders machen.
Wie?
Mika: Ich möchte ein paar Songs fertig haben, was ich eben schreiben kann, und danach können wir dann die Demos und so machen. So dass ich nicht monatelang dasitzen muss, weißt du. Denn wenn du eine Menge Songs zu schreiben hast, dann ist da ein großer… jetzt habe ich die Worte vergessen… Es passiert sehr leicht, dass man anfängt und sich wiederholt. Ich habe so oft einfach etwas gesungen und gedacht: ‘Oh, das klingt nach etwas!’ Und dann habe ich einen weiteren Song genommen, okay, und dann noch einen… (lacht) Man sollte einen langen Zeitraum haben, um die Songs zu machen, damit man nicht anfängt, sich zu wiederholen.
Okay. Du schreibst die meisten Texte, aber es gibt auf dem Album auch ein paar Songs, die Tom geschrieben hat. Wie fühlst du dich dabei, diese Songs dann zu singen? Also, es sind ja seine Texte…
Mika: Ja, ja, aber es ist okay, denn er geht in die selbe Richtung. (lacht) Ich weiß nicht, ich habe darüber nachgedacht, aber da ist eigentlich wirklich kein Unterschied, glaube ich. Der einzige Unterschied ist, dass ich versuchen muss, in die Sache reinzukommen, weil es ja neu für mich ist. Denn das, was ich schreibe, ist ja schon in mir drin und da weiß ich, wie ich das herausbringen kann. Aber es ist keine große Sache.
Es sind 10 Songs auf dem Album. Hattet ihr eigentlich mehr zur Auswahl?
Mika: Da war ein Song, den wir einfach weggeworfen haben, denn er war so sehr anders. Vielleicht machen wir ihn später, wir werden sehen.
Also wisst ihr noch nicht, was ihr damit machen werdet?
Mika: Nein. Aber da sind zwei Songs. Der eine ist auf der Single, es ist Hearts Of Frozen Stone, der ist etwas poppiger. Wir wollten so eine Art… Paket haben. (lacht) Wenn wir die gesamten 12 Songs auf das Album gepackt hätten, dann ware es kein Paket gewesen, wenn du verstehst, was ich meine. Denn das sind die zwei vielleicht sanftesten Songs, die wir je geschrieben haben.
Und ihr wolltet also sozusagenÂ… auf dem Album alles miteinander verbunden haben.
Mika: Yeah! Sozusagen ein Thema. (lacht) Aber da sind trotzdem noch die Bonustracks. Wir werden, ich glaube in drei Wochen, eine zweite Single herausbringenÂ…
Oh, in drei Wochen schon? Welche?
Mika: Chameleon Halo. Und da wird es einen Bonustrack geben. Und den gibt es nirgendwo anders, es ist also sozusagen ein Bonus für alle, die die Single kaufen. (Anm d. Red.: VÖ 01.11.2006, vorerst nur in Finnland)
Das ist cool! Der Text zu Fatal Design, dem Song, ist zur Abwechslung mal politisch. Das ist normalerweise ein ziemlich heikles ThemaÂ…
Mika: Ich weiß! Aber diemal hatte ich das Gefühl, dass ich es einfach tun musste.
Wie ist das mit den Anderen in der Band, teilen sie deine Meinung da?
Mika: Ich glaube nicht, dass sie großartig über die Texte nachdenken. Sie sind mehr wie, weißt du, die hören da drüberweg. Ich glaube nicht, dass sie darüber nachdenken.
Ist das eine Art neue Richtung, die du mit deinen Texten gehen willst?
Mika: Definitiv! Als ich meinen irischen Freund mit uns hatte, saßen wir of nur da und haben geredet und Wodka getrunken und so… Und er hat dann zu mir gesagt: ‘Denk nicht zu viel nach! Du bist der Künstler, und du kannst machen, was immer du willst. Und dein Englisch ist gut, also denk nicht zu viel nach. Denn wenn du zu viel nachdenkst, dann verlierst du den Schwerpunkt dessen, was du eigentlich versuchst, zu sagen.’ Diesmal war es so, dass ich meine Gedanken wieder öffnen kann, und ich habe viele Dinge getan, die ich immer gemacht habe, als ich mit dem Schreiben angefangen habe. Diesmal ist also alles neu für mich.
Jules von Misery Inc hat auf Twisted den zusätzlichen Gesang gemacht und ich habe gehört, dass er auch mit dir zusammen auf dem Releasekonzert in Lahti im letzen Monat gesungen hat. Wie kam das zustande, dass ihr da zusammen gearbeitet habt?
Mika: Aksu produziert Misery Inc und kennt ihn also. Es war eigentlich das erste Mal, dass ich ihn getroffen habe. (Gelächter) Ja, wirklich! An dem Abend, ein paar Stunden vor dem Auftritt. Wir hatten viel Spaß! Und… wie war nochmal die Frage? (Gelächter, ich wiederhole noch mal)
Yeah, also ich hab ihn vorher nicht gekannt, die Verbindung kam durch Aksu. Denn ich hatte gesagt, dass wir in Twisted eine Art Schreien haben sollten und dann sagte Aksu: ‘Yeah, wir warten mal ab, was passiert’. Und dann, als wir die Songs in Finnvox gemixt haben, hat er Jules angerufen und gesagt: ‘C’mon, ich habe hier ein paar Zeilen für dich’. Er ist dann dorthin gekommen und es war toll. Aber es ist sehr langweilig, Twisted live ohne in zu spielen. Es ist so… lalala…
Also wird er ab und an mal auftauchen, bei weiteren Shows?
Mika: Hoffentlich!
Gibt es jemand anderen, mit dem ihr in Zukunft gerne mal arbeiten würdet? Finnische Künstler, oder vielleicht internationale Künstler?
Mika: Ich fantasiere nicht über sowas. Ich weiß es nicht, wirklich nicht. Vielleicht gibt es jemanden…
Also, was passiert, passiert halt?
Mika: Yeah. Villeicht mit Layne Staley, ex-Alice In Chains Sänger. Aber das geht ja nicht… er ist vor fünf Jahren oder so gestorben.
Aber das ist eigentlich nicht so mein Ding. Ich höre nicht so viel Musik heutzutage. Manchmal, wenn ich im Zug sitze oder so, dann höre ich die ganze Zeit Musik. Aber zu Hause genieße ich die Ruhe, denn in meinem Kopf ist sonst immer so viel Lärm.
Ihr habt schon mal eine Coverversion gemacht, von Savage Gardens Carry On Dancing. Habt ihr irgendwelche weitere Pläne für andere Covers vielleicht?
Mika: Noch nicht.
Und was ist mit Poison? Der Alice Cooper SongÂ…
Mika: Wir haben vor der ganzen Savage Garden Sache darüber nachgedacht, denn wir haben das oft gespielt. Aber ich denke, der Song ist für uns zu seinem Ende gekommen. Wir haben ihn so oft gespielt, und dann dachten wir nur: ‘Okay, wenn wir das machen, dann wäre es nur für die Fans’. Und vielleicht wollten wir lieber etwas Besonderes machen.
Finnische Bands werden heutzutage immer beliebter im Ausland. Woran denkst du liegt das?
Mika: Ein Name: Bam Margera. Er hat eine Menge verdammt guter Promo für alle finnischen Bands gemacht. Wenn irgendjemand mit HIM in Verbindung gebracht wird, dann heißt es immer: ‘Okay, was ist das?’
Kennst du eine Band namens Bloodpit?
(lacht) Yeah! Ich habe mit Matthau letzen Monat sogar ein Interview gehabt!
Mika: Yeah, okay! (lacht) Also… ich denke, es läuft alles sehr gut. Ich denke, dass die finnische Goth-Szene wächst und vielleicht liegt es daran, dass die Goth-Szene überall auf der Welt immer noch wächst. Ich denke, dass alle so aussehen wollen: ein bisschen Eyeliner drauf, schwarze Klamotten angezogen usw. Aber ich denke auch, dass wir uns gerade etwas davon wegbewegen… (lacht) Wenn wir… wir können zum Beispiel von The Rasmus reden. Die verkaufen das als Gothic-Musik in Deutschland, so wie ich gehört habe.
Ja, das stimmt.
Mika: Aber das ist es nicht unbedingtÂ…
Sie sind mehr eine Pop-BandÂ…
Mika: Yeah. Reiner Pop. Aber wenn du Make-up trägst und schwarze Klamotten anhast, dann heißt es bei allen gleich ‘Verdammte Gothics’. Und dann hat man ein paar Schmetterlinge…
Yeah. Aber ich muss sagen, dass es auch die Gigs sind. Da sind dann all die kleinen Goth-TeeniesÂ…
Mika: Yeah, und das ist etwas, was mich irgendwie etwas nervt. Es geht immer nur um die Klamotten und so. Aber es sollte um die Musik gehen. Die Musik sollte die Priorität Nummer eins sein.
Aber gut, ich weiß nicht… vielleicht wächst die finnische Musik. Es wird es eine neue Grunge-Welle von Finnland kommen. Sowas wie Finngoth… (Gelächter)
Hast du irgendwelche musikalischen Einflüsse gehabt, also zuerstmal irgendwelche Bands?
Mika: Das dauert dann so ungefähr vier Stunden! (Gelächter) Also ich weiß nicht, es gibt eine Mege Zeugs. In der Band hört jeder total unterschiedliche Musik. Natürlich gibt es da ein paar Bands, die wir alle mögen, aber ich kann einfach nicht sagen, welche irgendeinen Einfluss gehabt haben. Es gibt einfach zu viele davon. Ich habe schon eine ganze Zeit lang keine Musik mehr gehört, alles ist in meinem Kopf, das was ich tue. Aber ich nehme alles von Pop bis zu Grunge und so. Denn ich höre Sachen von Backstreet Boys bis hin zu Children Of Bodom. Ich höre eigentlich alles, also kann ich wirklich nichts dazu sagen.
Also beeinflusst dich die Musik, die du beim Songschreiben hörst, nicht?
Mika: Vielleicht unbewusst, aber nicht so, dass ich sage ‘Oh, das klingt wie das’ oder ‘Oh, wir machen das so’. Es ist wirklich schwer zu sagen.
Und was ist mit Einflüssen, als du aufgewachsen bist, hast du einen musikalischen Hintergrund? Zum Beispiel, hast du ein Instrument gespielt oder so, als du klein warst?
Mika: Das habe ich nicht. Aber ich wollte immer ein Zirkusclown sein. (Gelächter) Weißt du, an Silvester… ich glaube nicht, dass ihr das auch habt, was wir haben. Aber wir erwärmen dieses Metall und dann…
Ja, ich weiß, was du meinst.
Mika: Yeah, und immer, wenn ich dieses Ding da rausgenommen habe, war es ein Clown. Und hier bin ich! (Gelächter) Ich bin ein verdammter Clown!
In einem MusikzirkusÂ…
Mika: Yeah! Vielleicht wollte ich so eine Art Künstler sein, ich weiß es nicht.
Und denkst, du, dass es einen Einfluss auf deine jetzige Arbeit hatte, dass du in Finnland aufgewachsen bist? Also im Vergleich dazu, wenn du irgendwo anders aufgewachsen wärst, wie…
Mika: In Schweden… Ja, vielleicht. Vielleicht ist es die Melancholie, die ich in meinem Kopf habe. (lacht) Denn wenn ich in Schweden gelebt hätte, dann hätte ich wohl überall total andere Musik gehört, glaube ich. Du weißt, was ich meine. Also denke ich, dass es dann vielleicht etwas anders gewesen wäre…
Beschreibe dich in drei Worten!
Mika: (denkt nach) Zwei Worte: ruhelose Seele.
Okay. Und die anderen?
Mika: Waaah! Das musst du sie selber fragen! (Gelächter)
Okay, du willst jetzt nichts falsches sagen?
Mika: Nein! (mehr Gelächter)
Okay. Ihr habt ein Mädchen in der Band, Riitta. Wie kommt sie mit all euch Jungs klar? Wie denkst du darüber, ein Mädchen in der Band zu haben, also ihre weibliche Rolle da?
Mika: Er is ein Kerl. Sozusagen.
ER ist ein Kerl? (lacht)
Mika: Yeah! (Gelächter) Es ist schwer zu sagen… (denkt nach) Denn er war schon immer da, er ist einer von uns. (wir kichern immer noch vor uns hin wegen der Sache mit dem ‘er’) Es ist unmöglich, zu denken… Ich weiß es nicht. Er ist einfach einer von den Kerlen!
Also macht das für dich keinen Unterschied?
Mika: Nein. Er trinkt nicht so viel. (lacht) Und erÂ… errrm sie ist verheiratet. Und sie trinkt nicht so viel.
Welche Resonanz habt ihr bis jetzt international bekommen, speziell von Deutschland, da dieses Interview hauptsächlich für ein deutsches Webzine ist?
Mika: Also eigentlich habe ich von Deutschland noch kein Feedback gehört.
Aber ihr habt ja schon da gespieltÂ…
Mika: Ja. Aber wenn wir jetzt von Fatal Design sprechenÂ…
Ah nein, ich meinte das jetzt mehr generell.
Mika: Ah okay. Also es war sehr gut. Es gibt da eine Menge Fans, aber es ist nicht… Also was passiert ist, war, dass nach Time Of Despair, als DiEversity rauskam, das war so eine Art Flop in Deutschland. Vielleicht war es deshalb, weil sich der Musikstil zu weit von der Gothic-Szene wegbewegt hat. Aber in Amerika haben sie es total gemocht. Und in Finnland hat es sich besser Verkauft als Gone. Aber es ist sehr seltsam, wenn man nach Deutschland geht, denn die Gothic-Szene ist sehr groß dort und wenn man dann zu weit davon weggeht, so wie wir es getan haben... Ich weiß nicht, wie es mit Fatal Design sein wird. Ich habe fast ein bisschen Angst da.
Die Rezensionen aus Deutschland waren gut bis jetzt.
Mika: Yeah? Einige davon… okay. Also wenn du die Gothic-Musik tot machst, dann bist du in Deutschland nichts. Vielleicht ist es, weil in Deutschland ein großer Goth-Hype umgeht. Aber in Amerika war es am besten. Besser denn je. Alle meinten so: ‘Okay, die Leute haben die Augen für eure Band geöffnet. Aber vielleicht ist es… yeah, es ist heutzutage eher amerikanische Musik.
Seid ihr aufgeregt, dass ihr bald in Deutschland auf Tour kommt?
Mika: Na klar! Das ist unser Markt in der Region. Europa und Amerika und vielleicht Japan. Finnland ist ein kleines Land, und dir wird da schnell langweilig, weißt du. Sechs Jahre hier, und du denkst: ‘Hier war ich jetzt schon ein paar mal und es wird wirklich langweilig’. Es ist total anders wenn du nach Deutschland kommst. Es ist nicht so weit weg, aber die Kultur und das Gefühl, irgendwo anders als zu Hause zu sein, ist immer gut. Und man trifft neue Leute.
Und ihr werdet Voband für Zeraphine sein?
Mika: Yeah!
Wie kam das zustande?
Mika: Ich weiß nicht, das kam von unserem Manager.
Also ist es nicht so, dass ihr sie kennt oder so?
Mika: Nein, nein. Aber ich glaube, es war einer der Jungs, der angerufen oder ein Mail geschickt hat, dass sie uns dabei haben wollten.
Und habt ihr irgendwelche Tourpläne für andere Länder?
Mika: Wir haben darüber gesprochen, dass wir im März zurück nach Europa gehen, glaube ich. Wir versuchen, an Orten zu spielen, wo wir vorher noch nie waren, wie Holland, Belgien, Frankreich. Nun gut, da waren wir schon einmal. Und Spanien und Portugal. Aber wir werden sehen, was passiert, denn man braucht eine Menge Geld. Und diesmal haben wir keine sehr gute Situation deswegen, denn der Vertrag mit Spinefarm läuft aus und wir bekommen keine Unterstützung für das Touren. Denn sie wollen, dass wir den Vertrag erneuern, einen neuen Deal unterschreiben und zur Zeit bezahlen wir alles selbst.
Oh!
Mika: Yeah. Aber wenn sie natürlich mit einem guten Deal kommen würden… Aber wir werden sehen, was passiert. Wir müssen wirklich alles selbst bezahlen, und ich kann nur sagen, das ist…
Das ist verdammt teuer!
Mika: Yeah. Und wir sind eine arme Band! (lacht) Wir haben kein Geld, wir haben nur ein großes Minus auf dem Konto! (Gelächter)
Also die ganze Woche lang das gleiche EssenÂ…
Mika: Yeah, Makkaroni und Käse! (lacht)
Thunfisch!
Mika: Der ist sehr teuer heutzutage! (Gelächter)
Eher in diesem Jahr, im Sommer, hattest du Probleme mit deiner Stimme und ihr musstet einige Gigs absagen.
Mika: Einige? Fast alleÂ…
Bist du jetzt wieder okay?
Mika: Ja, ich bin sozusagen okay, aber manchmal habe ich das gleiche Gefühl. Wie heute, als wir in den Bus sind und ich saßda und mein Hals fühlte sich sehr schlimm an, aber jetzt ist es wieder okay. Ich weiß nicht, was es ist, vielleicht irgend eine Art Geisteskrankheit. (Gelächter) Aber zu der Zeit war es sehr schlimm und jetzt… jetzt ist mein Genick gebrochen und ich war im Krankenhaus und die haben meinen Kopf gescannt und alles ist ok da drin… Vielleicht sollte ich meinen Kopf nicht so viel schütteln. (lacht)
Wie jetzt, dein Genick ist gebrochen?! (Anm. d. Red.: die Freuden der Übersetzung… er meinte ‘broken’ wie in kaputt, aber ich hab’s mal wörtlich so gelassen, damit das mit der nächsten Antwort passt)
Mika: Ja, sozusagen. (Gelächter) Die Nerven sind irgendwie kaputt. Also sollte ich Schmerztabletten und Relaxans nehmen. Aber das kann ich nicht, ich muss da irgendwas anderes bekommen. Aber wir werden sehen, was kommt. Die Stimme ist auf jeden Fall okay jetzt und ich mache mir keine Gedanken um irgendwelche anderen Sachen.
Wenn ihr auf Tour seid, gibt es da irgendetwas, dass du hasst?
Mika: Warten!
(lacht) Alle sagen das!
Mika: Es ist immer das WartenÂ…
Also, was macht ihr dann, wenn ihr wartet?
Mika: Das weißt du! Wir machen das! (zeigt auf seinen Kaffeebecher)
Kaffee trinken? ;-) (lacht)
Mika: Neeee! (lacht) Alk trinken… meistens. Nicht so viel, aber es ist… Natürlich, wenn man nach Deutschland geht, dann… Ich weiß, wie es sein wird: du wachst auf, gehst zum Frühstück, dann hängst du ein paar Stunden rum und dann ‘Oh, vielleicht nehm ich mir jetzt ein Bier’ und dann fängt es an… ein Bier da, und ein paar dort. Aber es ist nicht so, wie wenn man in Finnland tourt, denn dort sind es nur ein paar Shows am Stück und du kannst dich besaufen ohne Ende. Aber dort drüben (Anm. d. Red.: im Rest von Europa, außerhalb des Nordens) ist es eher ‘Europäisches Trinken’, du kannst dort nicht im ‘Finnland-Style’ saufen… (Gelächter) Wenn du weißt, was ich meine.
Yeah! Die Tours da sind da ja auch etwas anders; da ist eine Show nach der anderen.
Mika: Yeah. Also musst du an die Stimme denken, und so… Aber ich rauche zuviel, wenn ich dort bin. Auf der letzten Tour habe ich ungefähr drei Schachteln Zigaretten geraucht. Pro Tag!
Jesus Christ!
Mika: Und als ich zurück nach Hause kam, war ich nur so ‘eeee, arrr, uuurr’ (Anm. d. Red.: ich glaube, das reicht als Beschreibung ;-) Und man fühlt sich schlecht und es ist nicht gut für die Stimme und so weiter, aber was kann ich denn tun? Ich bin nur ein Mensch! (Gelächter)
Naja, es ist ja gut, dass du wenigstens weißt, dass es schlecht ist!
Mika: Also wenn ich zu Hause bin, kann ich ein paar Tage auskommen, ohne zu rauchen.
Es ist also sozusagen nur, weil dir langweilig istÂ…
Mika: Ja, genau.
Gibt es irgendetwas lustiges über das Touren zu erzählen, wie zum Beispiel etwas lustiges, was auf der Bühne passiert ist, oder im Tourbus? Oder ist irgendwas peinliches passiert?
Mika: (lacht lauf auf) Das einzige ist: Vanillestäbchen! Wenn du von irgendwoher davon erfährst, dann wirst du verstehen, warum ich in Interviews nicht darüber spreche.
Okay! (lacht)
Mika: (lacht) Weißt du, wenn du das von irgendwoher rausfindest, dann gehen die Drinks auf meine Rechnung, die ganze Nacht lang. (Gelächter)
Naja, das ist ne Herausforderung! (mehr Gelächter)
Mika: Aber es muss von jemanden von außerhalb der Band kommen!
Okay, wir werden es versuchen… (Anm. d. Red.: die Dinge, die man für Drinks auf sich nimmt ;-)
Okay, was denkst du als Musiker über das Internet? Denkst du es ist eher wie ein böser Fluch oder eine gute Möglichkeit, zu promoten?
Mika: Beides. Es kommt auf die Situation drauf an. Es war richtig beschissen mit Fatal Design, mit den Promos… wir haben sie so ungefähr sechs Wochen vor der Veröffentlichung rausgeschickt, und dann hat es irgendjemand irgendwo in Europa ins Internet gestellt. Matti von ShamRain hat mich dann irgendwann angerufen, und das ging so: ‘Hast du die Neuigkeiten schon gehört?’ – ‘Was für verdammte Neuigkeiten?’ – ‘Yeah, es ist schon im Internet!’ – ‘Was?’ – ‘Euer neues Album!’ Und ich dachte nur ‘Yeah, na toll…’ Weißt du, wenn das ein oder zwei Monate nach der Veröffentlichung passiert, dann ist mir das egal, aber vorher, das ist… (verzieht das Gesicht)
Ich habe ein Interview für Japan gemacht, und der Typ fragte mich: ‘Hast du ein paar letzte Worte an die Leser?’ – ‘Yeah! Vergesst das Internet und kauft die Alben!’ Denn wir müssen das Geld verdienen, um irgendwohin zu kommen. Und die Leute, die alles aus dem Internet nehmen, die verstehen einfach nicht, dass es für uns eine große Sache ist. Wenn wir eine verdammt große Band wären, die Millionen verkauft, dann wäre es nichts. Aber wenn die Leute wollen, dass wir irgendwohin gehen, dann müssen sie das Album kaufen.
Ja, natürlich. Ich meine, das ist es, wovon ihr lebt!
Mika: Na klar.
Wie ist es mit Reviews, wie Fanreviews oder Pressereviews? Machst du dir darüber Gedanken, oder liest du die gar nicht erst?
Mika: Das kommt drauf an. Die Sache ist die, dass wenn der Reviewer ein Amateur ist, der die Review ohne Hintergrundwissen und so macht, und nur so was sagt wie: ‘Okay, ich habe in einer Zeitschrift gelesen, dass diese Band so und so ist’, weißt du… Wenn er nichts zu sagen hat und keine Ahnung davon hat und nur die Worte von jemanden anderem schreibt, dann denkt man ‘Oh nee, also weißt du…’ Aber wenn es irgendeine schlechte Kritik ist, dann ist es schon ok, solange es… (fängt an, nach DEM fehlenden Wort zu suchen, und wir haben ziemlichen Spaß mit der Wortjagd – zensiert ;-)
Also, in Grunde meinst du, dass es okay is, wenn es professionell gemacht ist und wenn die Person einen ordentlichen Grund hatÂ…
Mika: Yeah! Wenn es einen Grund gibt und… arrrgh, ich brauche doch nur EIN Wort, das ist das Hauptwort in dem Satz! (seufzt verzweifelt während wir uns amüsieren) Okay, nächste Frage! (mehr Gelächter)
Okay, gibt es eine Frage, die du schon immer mal gefragt werden wolltest; wenn ja, dann frag dich selbst und antworte!
Mika: (denkt eine Weile nach) Ich weiß nicht. Antwortet eigentlich jemand auf diese Frage?
Das ist jetzt das erste Mal, dass ich sie gefragt habe… (Gelächter)
Mika: Also dann, okayÂ… Wie geht es dir? (lacht)
Okay! (lacht) Also, wie geht es dir?
Mika: Mir geht’s gut, danke! (Gelächte) Aber das ist immer am Anfang…
Okay, wir müssen das dann halt etwas verschieben… (Gelächter) Okay, wir sind fast fertig. Wo siehst du Entwine in der Zukunft, was sind eure Pläne wenn alles so geht, wie ihr es euch wünscht?
Mika: Vielleicht wie die Rolling Stones oder so… (Gelächter)
Gefüllte Stadien!
Mika: Yeah! (lacht und fängt beim weiterreden an zu kichern) Toms Worte: ‘Wo siehst du dich in 10 Jahren?’ – ‘Ich mache Burger. In Ihrer Nähe!’ (Gelächter)
Ich weiß nicht. Vielleicht machen wir immer noch die gleiche Scheiße und hoffentlich machen wir das als Job und können davon leben. Das ist mein Ding. Werd reich oder stirb dabei, es zu versuchen… (Gelächter) Aber weißt du, das ist ein guter Satz!
Stimmt! Also okay, wir hatten das schon mal vorher, aber trotzdemÂ… damit wir in Reihenfolge bleiben: Die letzten Worte sind deine, wenn du irgendetwas zu den Lesern sagen willstÂ…
Mika: Meine letzten Worte? KAUFT DAS VERDAMMTE ALBUM! Und habt einen schönen Tag! Oh, and fuck the hypocrites! (Gelächter)
Okay, wir danken dir, dass du das Interview für uns gemacht hast!
Mika: Ich danke euch!
Wie ihr sehen könnt, alberten wir zum Ende des Interviews immer mehr herum und hatten schon Bauchschmerzen vom vielen Lachen. Genauso, wie er sich auf der Bühne gibt, kommt Mika auch außerhalb dieser rüber: lustig, selbstbewusst und unterhaltsam.
Trotz der hohen Altersbeschränkung von 24 Jahren war das On The Rocks zum Konzert rappelvoll, was auf Grund dessen durchaus nicht immer üblich ist. Hauptsächlich wurden Songs des neuen Albums vorgestellt, aber auch einige Tracks von DiEversity fanden ihren Weg auf die Setlist. Die Atmosphäre war beeidruckend und das Publikum bekam eine energiegeladende Show geboten, rockte natürlich fleißig mit und verlangte nach dem gut einstündigen Set lautstark nach einer Zugabe.
Wir bedanken uns bei Susanne von Spinefarm und Aksu für’s Arrangieren des Interviews, und ein dickes Dankeschön an Mika für die unterhaltsame Stunde, die wir mit ihm verbringen durften.