Interview mit Fire In The Attic-Bassist Dennis Meyer

(Fire In The Attic)

05.03.2009 von Thomas Kröll

Fire In The Attic sind nicht nur für so manche musikalische Überraschung gut. Ihr letztes Album "Cum Grano Salis" lag im vergangenen Jahr gratis einer Ausgabe des VISIONS-Magazins bei und vor kurzem verließ nach fünf erfolgreichen Jahren Frontmann Ole Feltes die Köln/Bonner Band. Mit Thomas Prescott als neuem Sänger und ihrem vierten Album "Fire In The Attic", das am 13. März erscheint, steht das Quintett nun wieder in den Startlöchern. Ab März geht es dann auch auf grosse Deutschland-Tour. Gründe genug also, um Bassist Dennis Meyer über die Hintergründe all dessen mal auf den sprichwörtlichen Zahn zu fühlen. Für Musicheadquarter tat dies Thomas Kröll.

Hallo Dennis! Habt ihr ordentlich Karneval gefeiert?

Dennis Meyer: Hallo! Also unsere Meinungen über Karneval gehen relativ stark auseinander. Während ich mich in meiner Wohnung mit Chips und Videospielen eingeschlossen habe, ist mein Bruder, unser Gitarrist, fünf Tage am Stück feiern gewesen. Natürlich im Kostüm. Anscheinend hat der mehr "Rheinländer-Gene" abbekommen als ich.

Als sich 2003 eure damaligen Bands Summer`s Last Regret und Fastplan auflösten und ihr Fire In The Attic ins Leben rieft, habt ihr da ernsthaft geglaubt, sechs Jahre später so erfolgreich zu sein?

Dennis Meyer: Wir haben nicht damit gerechnet, dass alles bei uns so rund laufen würde, aber wir haben zu jeder Zeit an die Band geglaubt. Dass wir irgendwann unser viertes Album veröffentlichen würden und mehrere Touren fahren würden, auf denen wir teilweise auf den größten Festivals gespielt haben, habe ich aber so in der Tat nicht erwartet.

Was würdest du anderen Nachwuchsbands raten, die an demselben Punkt stehen wie ihr damals?

Dennis Meyer: Ich kann nur empfehlen das zu tun, was wir gemacht haben: Konzerte spielen. So viel wie möglich. Auch heute, in Zeiten von MySpace und den ganzen anderen Musikplattformen ist die Livepräsenz einer Band immer noch ihr wichtigstes Argument.

Was hättet ihr gemacht, wenn die Geschichte schon nach dem ersten Album „Crush / Rebuild“ in die Hose gegangen wäre?

Dennis Meyer: Ich glaube nicht, dass wir einfach so aufgehört hätten. Wir waren damals so euphorisch, wie heute eigentlich immer noch bei einem Albumrelease, dass uns schon die Arme hätten abfallen müssen um uns zum Aufhören zu bewegen.

Am Freitag, den 13. März erscheint euer neues Album. Ihr scheint also nicht abergläubisch zu sein!? Oder habt ihr auch bestimmte Rituale bevor ihr auf die Bühne geht? Ähnlich wie im Fussball, wo sich der eine Spieler erst den rechten Schuh anzieht und der andere erst den linken...

Dennis Meyer: Mit Aberglaube haben wir nicht viel am Hut, ist doch eh alles Schnickschnack. Trotzdem haben wir unsere Rituale, wir verteilen untereinander vor einem Konzert immer "Schub", stacheln uns also gegenseitig hoch. Das hat bisher auch noch nie seine Wirkung verfehlt.

Apropos Fussball: Was machst du in deiner Freizeit?

Dennis Meyer: Die Band frisst einen Großteil meiner Freizeit auf, aber ich versuche immer viel zu lesen. Und ich pflege eine Leidenschaft für Videospiele, welche mir wahrscheinlich meine, durch Lesen aufgebauten, Hirnzellen wieder plattmachen. Von Fussball verstehe ich nicht allzuviel, aber in der Band gibt es den ein oder anderen 1.FC Köln Supporter, weswegen ich auf sonntäglichen Autofahrten auch immer Liveübertragungen über mich ergehen lassen muss. Meistens ist dann nach 90 Minuten für eine Weile schlechte oder hervorragende Stimmung, je nach Leistung des FC. Wir halten auf der Autobahn auch immer Ausschau nach dem Teambus des FC und haben ihn auch schon zweimal gesehen, was zu spontanen Jubelstürmen in unserem Van führte.

Na, ich finde, das hört sich doch sehr symphatisch an. Geht mir nämlich genauso wie deinen Bandkollegen. Und musikalisch? Welche Musik hörst du privat?

Dennis Meyer: Ich bin mit Punk und Hardcore großgeworden und in dem Umfeld bewege ich mich immer noch, wobei ich mittlerweile auch über den Tellerrand schaue. Da ist von totalem Geballer bis zu Akustiksachen und Pop eigentlich alles dabei. Wenn es nicht der schlimmste Satz der Welt wäre, würde ich sagen: "Eigentlich alles." Aber es gibt genug Sachen, die ich nur schwer ertragen kann... Ska zum Beispiel ist gar nichts für mich.

Das neue Album heißt „Fire In The Attic“. Warum dieser Titel? Ich meine, ist euch nichts anderes eingefallen als der Bandname?

Dennis Meyer: Oh, wir hatten durchaus andere Ideen, aber uns war wichtig mit dem Album ein Statement von uns zu geben: Dieses Album ist unser Album! Das womit wir uns zu 100% identifizieren können und das für Fire In The Attic im Jahr 2009 steht. Naja, um ehrlich zu sein: Zuerst sollte das Album Circus heißen, den Titel haben wir dann aber für eine Fantastiliarde an Britney Spears verkauft. (lacht)

Was können die Fans vom neuen Album erwarten? Und vor allem, was erwartet ihr euch selbst davon?

Dennis Meyer: Das Album stellt auf jeden Fall einen Neuanfang dar, und könnte so für einige alte Fans ein wenig gewöhnungsbedürftig sein. Ich denke aber, dass es das beste ist, was wir je zustande gebracht haben. Wir haben uns dieses Mal alle in diesem Album verwirklicht und ich würde nichts daran ändern wollen. Ich erwarte oder hoffe vielmehr, dass dies auch alle anderen erkennen.

Wenn du die Zeit von der ersten EP „Decision & Action“ von 2004 bis zu „Fire In The Attic“ noch einmal Revue passieren lässt, wie würdest du die Entwicklung beschreiben, die die Band in dieser Zeit genommen hat?

Dennis Meyer: Nun, ich denke es war ein Auf und Ab, aber die meiste Zeit eher ein "Auf". Wir haben einen wesentlich eigenständigeren Sound entwickelt als zu unserer Anfangszeit, in der die Einflüsse doch noch nicht so weit gefächert waren, wie das heute der Fall ist.

Mit Ole Feltes hat im vergangenen Jahr der ursprüngliche Sänger die Band verlassen. Was hat sich durch seinen Nachfolger Thomas Prescott verändert?

Dennis Meyer: Wenn sich das Besetzungskarusell dreht, passiert immer einiges. Tom hat jede Menge neuen Schwung in die Band gebracht, was uns auch dazu gebracht hat, einige eingefahrene Strukturen zu erkennen. Und auch im Songwriting hat sich einiges getan, da Tom von Anfang an involviert war, hat das auch sehr zu unserem Sound beigetragen.

Wenn du die übrigen Bandmitglieder in jeweils einem Satz beschreiben müsstest, wie würde das dann aussehen?

Dennis Meyer: Richard - Blut ist dicker als Wasser. Oder in seinem Fall: als Kölsch. Crebelli - Internet? Was ist das? Plotzki - Von Prinz Bifi zum Sonnenkönig zum Leib Krispi und zurück. Thomas - Wahrscheinlich der verrückteste Engländer der Welt.

Euer letztes Album „Cum Grano Salis“ lag 2008 gratis und in voller Länge der Mai-Ausgabe der VISIONS bei. Würdet ihr eine ähnliche Aktion noch mal machen?

Dennis Meyer: Wenn wir die Aktion nicht schon gemacht hätten, hätten wir sie jetzt auf jeden Fall noch mal gemacht. Es ist großartig, wenn man die Möglichkeit hat seine Musik zu verschenken. Ich könnte mir ähnlich Aktionen durchaus wieder vorstellen, mal sehen was die Zukunft bringt.

Und wie sehen eure konkreten Pläne für die nächste Zukunft aus?

Dennis Meyer: Touren, so viel wie möglich. Das ist der Grund, warum wir in dieser Band sind, also werden wir viel unterwegs sein. Unsere Tourdaten werden ständig erweitert, also immer mal wieder reinschauen!

Vielen Dank für das Interview, Dennis!

Ein herzliches Dankeschön auch an Elke Schneider, die dieses Interview möglich gemacht hat! 

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