(Fish)
Es war mal wieder soweit. Kurz vor Beginn von Fishs Loreley-Show am zweiten Tag des Night Of The Prog-Festivals 2007 hatten wir Gelegenheit, uns ein weiteres Mal mit dem großen Schotten zu unterhalten.
Obwohl er gerne den Auftritt seiner Freunde von Pendragon sehen wollte, nahm er sich 30 Minuten Zeit für ein ausführliches Interview zum Thema Clutching At Stars (der aktuellen Tour), den neuen Songs des Albums 13th Star und der gescheiterten Hochzeit mit Mostly-Autumn-Sängerin Heather Findlay, von der er sich erst im Oktober 2006 getrennt, dann aber wieder zusammen gefunden und eine Hochzeit für August 2007 geplant hatte. Ein Fish in unruhigen Gewässern also.
Das Ambiente auf dem Loreley-Felsen war natürlich malerisch. Und Fish posierte nur zu gerne für einige Fotos mit Rhein-Kulisse.
Mein Dank gilt Karsten Bier und Thomas Wittje für die große Unterstützung und natürlich Mario Bölt, dem Leiter des deutschen Fish-Fanclubs, für die perfekte Organisation.

Hallo Fish, schön, dass du dir etwas Zeit für uns genommen hast. Wie geht es dir jetzt nach wenigen Tagen auf Tour?
Fish: Es ist wirklich ungewohnt, schon jetzt diese Festivals zu spielen. Normalerweise hätten wir ein paar Warm-up-gigs gespielt, bevor wir irgendwelche Festivals machen. Somit ist es dieses Mal wirklich ungewöhnlich. Wir gehen von Anfang an auf die großen Bühnen.
Festivals sind immer eine größere Herausforderung, bringen mehr Stress mit sich. Die Bühne entspricht nicht genau deinen eigenen Erwartungen, du benutzt geliehenes Equipment. Das erste Festival war in Reichenbach, das zweite war das „Midnattsrocken-Festival“ oben in Norwegen, in Lakselv. Dies waren großartige Orte, da sie allesamt abseits lagen. Von daher wäre es, hätten wir absoluten Mist gemacht, nicht gleich zu einem Karriereknick gekommen. Wir wussten, dass nicht ganz so viele Leute da sein würden. Es waren Orte, die wirklich weit weg lagen. Aber alles lief bestens, es war wirklich gut. Diese Sessions haben uns zusammengeschweißt, insbesondere das Wochenende in Norwegen. Wir haben Chris Johnson, der vorher bei Mostly Autumn gespielt hat und Foss Patterson, der als Keyboarder zu uns zurückgekommen ist. Neue Bandmitglieder führen dazu, dass es eine andere Chemie in einer solchen Band gibt..., obwohl Foss früher schon mal bei uns war. Es war einfach großartig, da es alle Leute zusammengebracht hat.
Und nun sind wir hier auf der Loreley. Danach haben wir drei Wochen Pause, drei Wochen, bis wir in Aylesbury auftreten, was wirklich bizarr sein wird. In Aylesbury auftreten... Ich wollte immer auf dem Marktplatz in Aylesbury spielen. Ich hoffe, dass einige, vielleicht alle Mitglieder von Marillion vorbeischauen werden. Ich habe sie vor einigen Wochen, als sie in Glasgow spielten, getroffen. Wir hatten sehr viel Spaß, einige der lustigsten Momente überhaupt.
Kannst du uns etwas über die Idee hinter „13th Star“ erzählen? Das Konzept des neuen Albums? Welche Rolle spielt Steve Vantsis als Co-Writer?
Fish: Dieses Jahr war mit Sicherheit die stressigste Zeit meines ganzen Lebens, zumindest seit Jahren, soweit ich mich erinnern kann, seit sieben, acht Jahren auf jeden Fall. Ich meine, zuerst habe ich mich entschieden, das neue Album zu machen. Ich wollte, dass Calum Malcolm das Album produziert. Ich wusste, dass Steve und ich das Album schreiben würden. Steve Vantsis, mein Bassist, und ich haben 80% des Albums geschrieben. Zwei weitere Tracks wurden mit anderen geschrieben, einer mit Foss, einer mit Frank. Wir haben mit der Arbeit im Januar begonnen und wir wussten beide, oder zumindest ich wusste, dass wir einen namhaften Produzenten brauchen würden. Ich wollte das neue Album nicht wie das vorhergehende mit Elliot Ness machen. Ich brauchte jemanden, der den Level eine Stufe anheben kann. An diesem Punkt wollten wir einfach etwas kreieren, was einen hohen qualitativen Standard hat. Es sollte nicht wie ein Independent Prog Rock Album klingen. Von daher brachte ich Calum Malcolm ins Spiel, der in der Vergangenheit bereits als Mixer auf meinen Alben gearbeitet hat und Material von mir gemastert hat. Er hat viel Erfahrung und früher schon mit Nazareth, Blue Nile und Prefab Strout gearbeitet. Er hat großartige Ideen für die Produktion und die einzelnen Arrangements mitgebracht. Von daher dachte ich, wenn Steve und ich das Album schreiben und an Punkte kommen, an denen wir Meinungsverschiedenheiten haben... Nun, es gab nie wirkliche Probleme, aber manchmal haben wir einfach gesagt, lass Calum dies auseinander dröseln. Calum ist von daher so etwas wie der Mediator, den wir beide respektiert haben, der dann sagte, so könnte es gehen oder so. Es war großartig und es hat fantastisch funktioniert. Wie ich gesagt habe, wir haben uns entschieden, Calum als namhaften Produzenten mit ins Boot zu nehmen. Es war nicht wie bei früheren Alben. Zum Beispiel „Field of Crows“ - dieses Album ist über einen Zeitraum von drei bis vier Monaten entstanden. Mit Calum hast du ein Zeitfenster von sechs Wochen und du musst in diesem Zeitfenster arbeiten, wenn er selbst vor Ort ist. Das bedeutete, dass wir alle zehn Songs für das Album fertiggeschrieben haben mussten, wir mussten top vorbereitet sein, jeder in der Band musste genau wissen, was zu tun war. Keinerlei Zeitverschwendung. Wir haben uns an diesen Tagen getroffen, es ging um 10 Uhr morgens los und um 7 Uhr abends haben wir aufgehört. Nicht so eine Scheiße wie bis um 4 Uhr morgens durcharbeiten, dabei reichlich Wein trinken und dann immer wieder sagen: „Lasst uns noch einen Take spielen.“ Stattdessen wollten wir das Ganze einfach professioneller angehen.

Daneben gab es ein Auf und Ab in deiner Beziehung zu Heather Findlay. Was kannst du nun rückblickend zu den Auswirkungen auf das Schreiben von „13th Star“ sagen?
Fish: Auf dem neuen Album gibt es eine Menge Songs, die mit dieser Beziehung zu tun haben. Wir sind wieder zusammengekommen... Wir hatten uns im Oktober letzten Jahres getrennt und sind dann im Januar wieder zusammengekommen. Und in der Zeit von Oktober bis Januar habe ich eine Menge der Lyrics geschrieben. Als wir dann wieder zusammengekommen sind, hat sich der Blickwinkel beim Schreiben verändert und dann hat sie mich in der ersten Woche der Aufnahmen zum neuen Album verlassen. Von daher musste ich mich nicht nur mit der Fertigstellung meines neuen Albums beschäftigen, sondern musste auch mit einem emotionalen Trauma, mit der Erfahrung, dass dich jemand verlässt, umgehen. Zwei Tage, nachdem die Einladungen zur Hochzeit verschickt worden waren und zehn Wochen vor der Hochzeit. All dass musste organisiert werden. Es war wirklich schwierig, aber wir haben es hinbekommen.
Das Album klingt hervorragend. Es ist brillant, es wird dir dein Herz herausreißen. Es gibt zwei Songs auf dem Album, die du – so habe ich es der Presse erzählt – nur anhören solltest, wenn du eine Krankenschwester bei dir hast. Der letzte Track des Albums, „Thirteenth Star“ - ich wusste nicht, welche Aufnahme der Vocals wir letztlich verwenden sollten, aber Calum spielte mir eine Fassung vor und meine Lippen zitterten. Du kannst hören, wie ich weine, ich schluchze. Am Ende saß ich nur stumm da und dachte: „Fuck!“. Diese Fassung ist stimmlich nicht ganz optimal, das Timing ist nicht hundertprozentig, aber Calum meinte: „Du wirst eine solche Performance in Deinem ganzen Leben nicht noch einmal hinbekommen“. Und er meinte noch: „Wenn Du Dich wirklich traust, entscheide Dich für diese Version“. Ich meinte nur, ich weiß nicht, es ist so... Es ist mein Herz. Selbst heute noch, wenn ich darüber spreche, merke ich... “Puuhh“... und dies war die zuerst eingesungene Version des Songs.
In einer deiner Mails an den Fanclub „The Company“ hast Du geschrieben, dass hinter diesem Album ein Konzept steckt, die Suche eines Mannes nach seiner wahren Liebe. Und die Zahl würde sich auf die Anzahl der Frauen beziehen, die in Deinem bisherigen Leben eine entscheidende Rolle gespielt haben
Fish: „13th Star“ ist nicht nur mein dreizehntes Studioalbum, ich stellte auch fest, dass es bis zum heutigen Zeitpunkt tatsächlich zwölf Frauen in meinem Leben gegeben hat, inklusive meiner Ex-Verlobten, die mir wirklich etwas bedeutet haben, die mein Herz ganz tief berührt haben. Die „13“ war unmittelbar von der Trennung von meiner damaligen Freundin im Oktober beeinflusst und ich dachte, lass mich den dreizehnten Stern suchen. Lass mich die 13te finden, das ist die Glückzahl, die nächste Frau wird die Richtige sein. Und in der Zeit zwischen der Trennung im Oktober und dem erneuten Zusammenkommen im Januar habe ich wirklich nachgedacht und mich gefragt: „Was willst Du wirklich in Deinem Leben?“ Und ich kam an den Punkt, an dem ich feststellte, ja, ich will eine Familie, ja, ich will noch mal Kinder haben. Das war etwas, was ich immer wollte.
Die Analogie hierbei war ein Schiff auf hoher See, und plötzlich fällt jemand über Bord und du merkst, dass du diesen Menschen verletzt hast und ihn nun wiederfinden möchtest, einen Neubeginn möchtest. Von daher habe ich mein Schiff gestoppt und um 180 Grad den Kurs gewechselt, bin zurückgefahren, habe mich dieser Person, meiner Ex-Verlobten, die in eine völlig andere Richtung unterwegs war, wieder genähert. Ich gebe zu, ich bin manchmal wie ein Stier, ein sturer Motherfucker, und ich habe zu ihr gesagt, lass es uns versuchen, das ist das, was wir machen können.
Und sie ist von da an dabei gewesen, auf meinem Schiff, und dann, auf einmal, hat sie mich über Bord ins Wasser gestoßen. Zu einem Zeitpunkt, zu dem ich es wirklich nicht erwartet hatte, wirklich nicht. Wir hatten gerade mit den Aufnahmen der Drums für das Album begonnen, die letzten drei, vier Texte waren fast fertig, und zwei Texte wurden dann neu bzw. umgeschrieben, handelten von dem, was zu diesem Zeitpunkt gerade los war. Von daher ist das ganze Album für mich eine sehr emotionales Werk geworden, textmäßig, und Calum bringt mich dazu, mit meiner Stimme in Bereiche vorzustoßen, in denen ich noch nie zuvor gewesen bin. Er hat mich wirklich dazu gebracht, mit meiner Stimme zu arbeiten. Sechs Stunden singen - täglich! Es war anstrengend, aber das Endresultat ist wundervoll.
War es so, dass du nach der Trennung einige Lyrics neu schreiben musstest?
Fish: Ja, da war vor allem ein Text... Wobei ich das Ganze nicht als „neu schreiben“ bezeichnen würde. Ich nenne es eher eine Veränderung des Blickwinkels. Du beginnst, Worte den geänderten Umständen anzupassen, eine Feinjustierung vorzunehmen. Songs wie der von der Schildkröte und dem Skorpion, einige dieser Songs haben für mich eine andere Bedeutung bekommen. Manchmal führt nur das Ändern einer Strophe dazu, dass der Song eine andere Richtung bekommt.
Das Album dreht sich um einen Menschen, der auf der Suche ist, dessen Leben in einer Art Kreislauf gefangen ist. Er träumt, fantasiert, über sein Leben, in welchem er mit einem anderen Mensch unterwegs war. Und dieser Mensch hat ihn enttäuscht. Und er findet schließlich wieder einen Menschen, in den er sich verliebt, aber er hat Angst. Angst vor seiner erneuten Hingabe, sein Leben an diesem Menschen auszurichten. Und es geht um Vertrauen, wie z. B. bei der Geschichte von der Schildkröte und dem Skorpion, dies ist eine solche Geschichte... Der Song heißt „Manchmal“, welches, wie ihr ja wisst, ein deutsches Wort ist und „Sometimes“ bedeutet. Es geht um Vertrauen. Die Geschichte von der Schildkröte und dem Skorpion geht darum: Die Schildkröte will einen Fluss überqueren, sitzt am Flussufer und ein Skorpion kommt vorbei und fragt sie: „Kannst Du mich auf die andere Seite des Flusses mitnehmen? Ich möchte auf die andere Seite“. Und die Schildkröte erwidert: „Nein, das tue ich nicht. Du bist ein Skorpion.“ Und der Skorpion sagt daraufhin: „Alles, was ich will, ist, auf die andere Seite zu gelangen. Trage mich hinüber und ich werde dich nicht töten.“ Die Schildkröte daraufhin: „Doch, du wirst mich töten. Du bist ein Skorpion. Und wenn du mich tötest, war’s das für mich.“ Der Skorpion erwidert: „Wenn ich Dich töte, ertrinken wir doch beide.“ Daraufhin sagt die Schildkröte: „O.k.“ Und sie schwimmen los, aber auf der Mitte des Flusses sticht der Skorpion zu. Die Schildkröte fragt: „Warum hast Du das getan?“ Daraufhin der Skorpion: „Es liegt in meiner Natur!“. „Manchmal“ dreht sich darum, dass es manchmal anders ist. Die letzte Zeile spricht davon, dass es diesmal anders ist. Manchmal, manchmal, jedes Mal.

Warum hast Du Dich für das deutsche Wort „Manchmal“ entschieden?
Fish: Weil ich dieses Wort liebe. Es gibt einfach Worte, die ich liebe. „Manchmal“ ist ein solches Wort. Es klingt so romantisch, und es ist ein sehr romantischer Song. Du weißt nicht, ob die Schildkröte einfach untergegangen ist und den Skorpion zurücklässt. Es geht um das Vertrauen zwischen zwei Menschen, ein Punkt in ihrem Leben. Und im Kontext des Albums meint dieser Song, dass wir uns im Grunde gegenseitig fast umbringen und dann doch wieder zusammenkommen. Diese Spannung, die einen immer wieder anzieht, der andere Mensch, der zu dir sagt: „Komm mit mir!“. Und am Ende des Albums, im letzten Track, merkt der eine, dass er allein auf sich gestellt ist. Und er muss alleine sein Ziel erreichen. Es geht um Menschen, es geht um Beziehungen, dass Album hat Passion, ist explosiv, es geht um das Leben.
Also ist das Album tatsächlich ein Konzeptalbum?
Fish: Ja, wie ich schon sagte. Es ist die Geschichte eines Menschen, der sich im Kreis dreht und „Manchmal“ ist einer der Songs, der zum Ausdruck bringen soll, dass dieser Mensch etwas sucht, irgendwo hingelangen möchte. Der „13th Star“ repräsentiert die einzig wahre Liebe. Die Liebe, die du dein Leben lang suchst. Die perfekte Partnerin, die Seelenverwandte, das ist der dreizehnte Stern. Der Punkt in deinem Leben, an dem du denkst, alles ist richtig. Danach suchst du.
Als ich im Kontrollraum saß, dachte ich an all die Frauen, die mir in meinem Leben begegnet sind. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich, es wäre interessant, Lieder über all diese verschiedenen Menschen zu schreiben. In der Vergangenheit habe ich dies zum Teil bereits getan. Nicht alle Songs auf dem neuen Album sind über meine Ex-Verlobte. Ich habe Elemente verschiedener Beziehungen eingearbeitet. Ich habe zurückgeschaut bis in meine frühe Schulzeit. Ich rede nicht nur von den intensiven Beziehungen mit Sex und all dem, sondern eben auch von Begegnungen in der Grundschulzeit oder während der Highschool. Menschen, in die ich einfach sehr verliebt gewesen bin.
Und du glaubst immer noch an die wirkliche, wahre Liebe, an den „13th Star“?
Fish: Ja, das tue ich. Ich habe immer daran geglaubt. Ich bin ein romantischer Mensch. Meine Ex-Verlobte hat mich in der schottischen Presse beschuldigt, ich sei total unromantisch, wäre ihr gegenüber nicht romantisch genug gewesen. Das ist Scheiße. Ich meine, ich bin Shrek. Ich bin romantisch, aber eben sehr „shrekisch“. Und das Problem ist, die meisten Frauen, mit denen ich zusammen waren, haben diese „Shrek-Seite“ an mir geliebt. Und sie meinten: Großartig, das ist wirklich süß. Und dann wollten sie den Märchenprinzen. Aber das bin ich nicht, ich bin kein Märchenprinz, ich bin Shrek! (lacht). Kein Märchenprinz.
Ein Punkt war sicherlich, dass sie die Aufmerksamkeit, die ich bekam, irgendwie ablehnte. Da sich vieles um mich drehte, dachte sie, sie gehöre nicht dazu, fühlte sie sich außen vor. Dabei war sie mittendrin. Aber das hat sie nicht an sich ranlassen können. Sie hat dagegen angekämpft. Und das ist ein großes Problem. Wenn du mit jemandem im Musikbusiness ausgehst, mit jemandem, der das macht, was ich mache, musst du dies verinnerlichen, es voll unterstützen, damit arbeiten. Du kannst es nicht bekämpfen. Denn wenn du dagegen ankämpfst, bedeutet es endlose Spannung und Frustrationen. Aber genau das war hier der Fall.
Gegenseitige Unterstützung ist aber doch eine Grundvoraussetzung für das Gelingen jeder Beziehung...
Fish: Ja, richtig, da stimme ich dir voll zu. In einer Zweierbeziehung geht es immer darum, den anderen zu verstehen, ihn zu respektieren. Und man muss seinen Partner unterstützen. Vielleicht habe ich sie für meinen Teil während der Arbeit an meinem neuen Album nicht genügend unterstützt. Aber was soll ich machen? So nach dem Motto: „Warte, ich stelle die Arbeit am Album erst mal zurück, lass uns mal für drei Stunden an den Strand gehen?“ Ich kann das nicht. Es liegt nicht in meiner Natur. Es ist hart. Ich weiß, dass es in meinen Beziehungen immer viele Probleme geben hat. Es soll wohl so sein. Ich bin 49 Jahre alt, ich kann und will mich nicht mehr komplett ändern. So ist es einfach.
Das Album soll zunächst nur per Mailorder erhältlich sein und dann im nächsten Jahr in den Handel gehen?
Fish: Das Album ist ab September ausschließlich über Mailorder zu beziehen und wird zudem bis Mitte Januar auf der Tour verkauft. Danach geht es in den Handel. Wenn es dann im Handel erhältlich sein wird, wird das Album eine komplett andere Aufmachung haben.
Los geht´s mit einem Vorverkauf im August. Du hast das „Star“-Design auf der Website gesehen. So wird das Frontcover aussehen. Dann öffnest du das Frontcover – Mark (Wilkinson) hat ein atemberaubendes Artwork entworfen, welches ich für eines seiner besten Artworks halte. Vergleichbar mit dem Vigil-Cover, aber direkter – und er hat zwei Artworks gestaltet, ein einzelnes und ein großes, komplexes Artwork.
Bei dem Album, welches ab September zu haben ist, wird eine DVD mit einem Making Of dabei sein. Diese enthält zudem eine Menge Material von Fish-TV. Somit erhältst du einen Menge Informationen zum Making-of des Albums, zum dahinterstehenden Konzept sowie zu Diskussionen im Zuge der Entstehung des Albums – bis hin zu den ersten Aufnahmen im Studio. Und es werden einige Live-Sachen dabei sein. Somit könnt ihr die ersten Darbietungen des neuen Materials sehen. Diese DVD wird es nur über den Mailorder geben, sie wird nicht in den Handel gehen.
Ich denke, es an der Zeit, an diese ganze Sache anders heranzugehen. Es macht keinen Sinn... weißt du, dieses Album kostet mich etwa 50.000 Pfund bis zum Zeitpunkt seiner Fertigstellung. Würde Snapper das Album von Anbeginn an verkaufen, müsste ich erst einmal 35.000 bis 40.000 Alben verkaufen, um plusminus Null rauszukommen. Das ist doch dämlich. Von daher sind viele Künstler dazu übergegangen, ihre Alben direkt an die Fans zu verkaufen. Dafür haben wir unseren Mailorder Service. Anschließend können die Plattenfirmen das Album dann haben.
Wenn das Album also in den Handel kommt, wird es eine Standard-CD im Jewelcase sein. Wenn Du aber das Digipack und die DVD haben möchtest, kannst Du es direkt vom Künstler kaufen. Auf diese Art und Weise werden auch Raubkopien nicht zu einem solchen Problem.
Die Tour „Clutching at Stars“ umfasst im Wesentlichen Songs des Albums „Clutching at Straws“?
Fish: Ja, wir haben probiert, alle Stücke zu spielen, aber es gibt ein oder zwei Stücke... “Just For The Record“, ich mag diesen Song nicht, habe ihn nie gemocht. Aber wir spielen viele andere Stücke des Albums. Und es macht wirklich Spaß, all diese Stücke zu singen, ähnlich wie mit dem Material von „Misplaced Childhood“.
Wird es eine Live-CD oder DVD geben?
Fish: Ja, das habe ich in den letzten Jahren eigentlich immer gemacht. Es wäre ja auch töricht... Diese Sachen unterstützen mich nach dem Ende einer solchen Tour. Es ist nach wie vor so, dass die Ticketpreise nicht dazu ausreichen, Geld damit zu verdienen. Ich verdiene mein Geld auf Tour mit dem Verkauf von T-Shirts und CDs, nicht mit dem Verkauf der Tickets. Von daher, am Ende einer solchen Tour..., wenn ich dann eine DVD herausbringe, verdiene ich nicht nur Geld, sondern kann auch Session fees für meine Band zahlen, so dass die Löhne, die an die Bandmitglieder während einer solchen Tour gezahlt werden, dadurch aufgestockt werden können. Am Ende einer solchen Tour hast Du dann eben 1.000 Pfund oder so. Ein Bonus.

Überlegst du auch, wie andere Künstler, eine Auswahl Deiner Shows als Download anzubieten?
Fish: Auch das wird momentan diskutiert, und war auch Thema in der Zeit, als diese ganze Hochzeitsgeschichte und die Aufnahmen zum Album liefen. Weißt du, ich habe das neue Album auf die Reihe bekommen, eine neue Band wurde zusammengestellt, die Rehearsals sind abgeschlossen, die Vorbereitungen zur Tour sind abgeschlossen... Das Einzige, was ich nicht auf die Reihe bekommen habe, ist meine Hochzeit. Ich erinnere mich, dass Phil Collins dafür kritisiert wurde, aber inzwischen sympathisiere ich voll mit ihm. Es ist halt das, was du machst. Es ist hart, aber so ist es. Das ist mein Leben. Und überhaupt, was ich nicht weiter erwähnt habe..., bei all dem ziehe ich auch noch meine 16 ½ jährige Tochter groß, allein. Und wenn irgendjemand von euch Teenager als Kind hat, wisst ihr genau, wovon ich rede. Sie verlässt alle sechs Wochen das Haus und brüllt: „Das war´s. Ich hasse Dich!“.
Eine Neuerung ist Fish-TV, der Online-Kanal, der gerade gestartet ist. Was versprichst du dir davon? Welche Pläne hast du?
Fish: Ja, wir haben die ersten Videos rausgebracht. Alle möglichen Leute fragen mich, wie läuft es mit dieser Fish-TV Sache. Es läuft sehr gut. Wirklich gut. Wie wir alle wissen, hat das Internet eine sehr große Bedeutung bekommen. Und die Fans erwarten hiervon immer mehr. Sie wollen Downloads, irgendetwas Besonderes. Und irgendwann meinte jemand, lass uns doch Fish-TV machen. Und es ist großartig. Die Leute bekommen einen Einblick in das, was wir machen, sie bekommen Archivmaterial zu sehen, sie sehen Sachen..., ich meine, einiges ist so wahnsinnig lustig. Ihr habt keine Vorstellung. Alleine die kommenden beiden Monate. Das Material, welches wir in Norwegen gefilmt haben. Zwei Freunde kamen vorbei. Sie lagen auf dem Boden vor Lachen. Und darum geht’s. Das ist das Leben backstage. Zum Beispiel gestern... Wir haben eineinhalb Stunden gefilmt, wie wir uns alle in Calw betrunken haben. Ich habe diese HDTV-Kamera und schnappe einfach Dinge auf. Das Problem ist, dass ich dann auf den Aufnahmen nicht drauf bin, ich bin der Mann hinter der Kamera. Und dann sage ich zu anderen... Los, filme mich...
O. k., wenn für Euch alles soweit in Ordnung ist, würde ich mir nun gerne „Pendragon“ anschauen.
Vielen Dank für das Interview. Und wir freuen uns sehr auf die Show.
