Interview mit Jared und Sameer, Palladium Köln

(Flyleaf)

27.01.2008 von Melanie Schupp

KoRn zu supporten stellt für viele Musiker eine große Ehre dar. Die jungen Texaner von Flyleaf kamen bei der “Bitch We’ve Got A Problem” Tour nicht zum ersten Mal in den Genuss. Vor der Show im ausverkauften Kölner Palladium bot sich uns die Gelegenheit einen Teil der Band im Interview zu befragen. In einem kleinen, jedoch gemütlichen Raum, beantworteten Jared und Sameer sämtliche Fragen, nachdem ich Ihnen ein bißchen über den momentanen Karnevaltrieb – der sie bei ihrer Ankunft ohne Vorwarnung getroffen hatte - aufklärte.

Ich habe euer Album bereits vor knapp einem Jahr erhalten und letztens bekam ich von eurem Label noch eines. Was ist passiert? Handelt es sich hierbei um ein Re-Release?

Sameer: Ja dies ist ein Re-Release. Es ist das selbe Album, mit ein paar Extras wie Akustik-Songs und Musikvideos. Wir haben dieses Re-Release gemacht, weil wir das Label gewechselt haben. Wir sind zu Interscope gegangen und die wollten ihr eigenes Ding, also gab es ein CD/DVD Release. Die CD hat ein paar extra Akustik-Songs und die DVD beinhaltet das Akustik-Set sowie all unsere bisherigen Musikvideos.

Wann kommt es raus?

Sameer: Ende März wird das sein.

Wie lange haben die Aufnahmen gedauert und ist währenddessen etwas Außergewöhnliches geschehen?

Jared: Die Aufnahmen dauerten an die 2 Monate.

Sameer: Ja 2 Monate. Wir sind im Januar ins Studio und waren im März fertig. Das war in Los Angeles. Ich denke die gesamte Erfahrung an sich war außergewöhnlich. Es war eben unser erstes Album. Wir sind also für 2 Monate nach L.A. und wohnten da in einem Appartment. Das ganze war einfach jenseits  unserer Vorstellungskraft. Es war wirklich aufregend.

Jared: Das war das erste mal, dass ich auf mich alleine gestellt war. Wir haben alle zusammen in dem Appartment gewohnt.

Sameer: Jared hat seine erste große Mahlzeit zubereitet!

Jared: Ja. Ich war der Koch wenn wir nicht Außerhalb essen gegangen sind. Das war cool.

Was würdet ihr sagen waren die größten Einflüsse für das Album?

Jared: Wir haben viele unterschiedliche Einflüsse. Jeder von uns hat seine eigenen. Für mich waren es zum Beispiel hauptsächlich Deftones und Third Eye Blind.

Sameer: Zu dem Zeitpunkt der Aufnahmen habe ich ständig Björk gehört – die Beats und der Sound bei ihrer Musik. Aber auch Radiohead und ein paar Hardcore Sachen, und vor allem Third Eye Blind.

Hat euch das außergewöhnliche Arbeitsumfeld in L.A. spontan zu neuen Sachen inspiriert?

Jared: Wir haben verschiedene Arrangements aufgenommen. Nach den Aufnahmen haben wir dann ein paar Veränderungen vorgenommen… wir wussten nichth wie es sich endgültig anhören würde auf der CD.

Und wie ist das Feedback? Habt ihr schon etwas gehört?

Sameer: Ja wir haben uns schon ein wenig umgehört. Viele Leute wissen unsere Texte zu schätzen und einige hören unsere Musik von Anbeginn. Ich glaube manche sind etwas enttäuscht, denn ein paar Sachen sind nicht auf dem Album. Andere haben wir wiederum etwas geändert. Einige Fans mochten die ursprüngliche Form der Songs und dann haben wir etwas verändert. An solchen Stellen entstehen oft Probleme, denn die Leute erwarten einen bestimmten Sound und wenn das nicht erfüllt wird… das ist nicht so toll.
Doch diejenigen, die usnere Musik zuvor noch nie gehört haben, äußerten sich fast nur positiv über das Album. Mittlerweile haben wir dank Evanescene auch einiges an Erfahrung dazu gewonnen.

Warum denkt ihr, focussieren sich die Leute so stark darauf, dass ihr euch selbst eine “Christian Rock Band” nennt? In jedem Interview, das ich bis jetzt las, ist mindestens eine Frage darüber.

Jared: Ich schätze das kommt daher, weil es nicht allzu viele Bands gibt, die diese Art der Rockmusik machen.

Sameer: Ja es gibt nicht viele Christian Bands. Aber wir spielen keine Christlichen Shows. Im vergangenen Jahr waren wir an ein paar Christlichen Festivals, aber zuvor haben wir das nicht gemacht.
Ich denke die Leute sind auch so interessiert daran, da wir bereits mit einigen erfolgreichen Bands auf Tour waren und in der Welt rumkommen. Ich finde es ganz witzig, denn was wir als Christen tun sollten ist zur Kirche zu gehen, den Glaubenlernen. Es verbindet die Leute und gibt dir Energie und all das. Das ist ein Teil des Glaubens. Und das ist was wir offen darlegen – wie fühlt man sich wenn man in seiner eigenen kleinen christlichen Welt lebt?

Was war das erste, das ihr getan habt nachdem ihr den Plattenvertrag unterzeichnet habt?

Sameer: Wir feierten Weihnachten ;)

Jared: Ja das Album kam kurz vor Weihnachten raus.

Somit war das euer größtes Weihnachtsgeschenk.

Sameer (lacht): Yeah.

Jared: Zu dem Zeitpunkt mit Sicherheit. Wir hatten damals nämlich nur 50 Dollar pro Woche.

50 Dollar? Wie kann man davon leben?

Jared: Unsere Eltern unterstützen uns.

Wie bekannt seit ihr in eurer Heimat? Habt ihr dort eine große Fangemeinde?

Sameer: Wir haben ein paar Fans. Es ist nicht riesengroß, aber anschaulich. Wir würden jetzt keine Location mit viel mehr als 500 Leuten füllen.

Manager aus dem  Hintergrund: Sie sind so bescheiden! Sie haben fast eine Million Alben verkauft. Und an einer Geheimshow waren bereits 500 Leute.

Jared: Aber zwischen 500 und 1000 Leuten besteht ein großer Unterschied.

Sameer: Heute werden eine Menge Leute da sein.

Auf jeden Fall. Habt ihr die Schlange gesehen? Die war wirklich lang!In welchem Land hattet ihr das aufregendste Publikum?

Sameer: Ich würde sagen, das war hier in Deutschland. Rock am Ring – das war riesig! Wir haben Bilder gemacht und man kann das Ende der Menge nicht sehen! Man schaut von der Bühne und soweit das Auge reicht sind Leute. Ich denke das war bis jetzt das coolste überhaupt.

Auf welcher Bühne war das?

Jared: Eine der kleineren.

In dem großen Zirkuszelt?

Sameer: Nein es war draußen. Das war wirklich das Coolste, das ich je gesehen habe.

Worin besteht der wesentliche Unterschied hier zu spielen im Gegensatz zu Shows in eurer Heimat?

Jared: Zu Hause touren wir im Prinzip gar nicht allzu viel. Hier in Deutschland haben wir ein paar Fans, aber es kann auch ganz schön hart sein.

Sameer: All diese Leute sind gekommen, um KoRn zu sehen. Es kommt also manchmal vor, dass man auf der Bühne steht und die Leute nur “KoRn” rufen.

Jared: Aber es gibt auch bei jeder Show ein paar Leute, die unsere Musik bereits kennen.

Ihr habt aber schonmal hier gespielt. War das dann auch als Support?

Jared: Ja da waren wir auch Support-Act.

Vielleicht das nächste Mal…
Wie bereitet ihr euch auf eine Tour vor?

Jared: Wir versuchen soviel Zeit wie möglich zu Hause zu verbringen bevor wir auf Tour gehen.

Sameer (lacht): Wie lahm!

Ihr wart zuvor schonmal mit KoRn auf Tour. Hat sich in der Zwischenzeit etwas geändert oder ist es als würde man Kumpels treffen?

Jared: Seit wir jetzt ein paar mal mit ihnen auf Tour waren, ist es cool sie wieder zu sehen. Es ist wirklich cool.

Ihr seid auch schon mit einigen anderen großen Bands auf Tour gewesen. Seid ihr immer noch nervös neue große Bands zu treffen, oder ist die Nervosität jetzt mittlerweile abgeflaut, also quasi zur Routine geworden?

Jared: Nein wir sind immer noch nervös. Denn das sind meist Bands mit denen wir aufgewachsen sind und deren Musik ich seit ich 13 bin höre. Also bin ich immer noch nervös meine Idole zu treffen.

Wie läuft es mit der anderen Supportband, den Deathstars?

Sameer: Oh ja, das sind klasse Jungs!!

Gibt es etwas, das ihr von den anderen Bands gelernt habt?

Jared: Wir haben sozusagen gelernt wie man tourt.

Sameer: Quasi die Tour Etikette. Man lernt etwas von jeder einzelnen Band. Jeder hat etwas anderes, das man an Erfahrung mitnehmen kann.

Was ist das Peinlichste, das euch je on stage passiert ist?

Jared: Ich bin ein paar mal von der Bühne gefallen. Ich strauchelte und bin runtergefallen – das war ziemlich peinlich!

Sameer: Ich bin über meine eigenen Füße gestolpert und mitten aufs Gesicht gefallen.

Jared: Einmal hab ich mir sogar die Hosen zerrissen. Und einmal ist unser Bassist ins Publikum gesprungen. Er wollte, dass sie ihn auffangen, aber sie sind alle zur Seite gegangen und er landete auf dem Boden.

Oh, hat er sich verletzt?

Jared: Nein, er ist eine Maschine!

Gelächter

Was war das Merkwürdigste, das man euch jemals in einem Interview gefragt hat?

Jared: Diese Frage eben.

Sameer: Ja ich glaube es war deine Fragen. Vielleicht gab es mal welche in der Vergangenheit, aber ich kann mich gerade nicht erinnern.

Gibt es etwas, das ihr mit Deutschland in Verbindung bringt?

Sameer: Essen.

Jared: Das Essen ist wirklich gut.

Und was ist das Erste, das ihr tun werdet, wenn ihr nach Hause kommt?

Jared: Ich werde meinen Hund abholen und mit ihm Gassi gehen.

Dann ist es an der Zeit das Interview zu beenden, damit sich die Band auf das bevorstehende Konzert vorbereiten kann.
Wir möchten ganz herzlich Jared und Sameer für das sympathische Interview danken. Ebenso gebührt unser Dank Universal Music, die uns dieses Interview ermöglicht haben.

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