Interview mit Frank Turner in Köln

(Frank Turner)

21.05.2011 von Marc Brüser

Anfang April stand Frank Turner noch auf der Bühne des Kölner Blue Shell, heute sitzt er, mit Kaffee und Aspirin bewaffnet, am Tisch umgeben von "Horden" von Journalisten. Nun gut, "Horden" ist vielleicht ein wenig übertrieben. Trotzdem muss Frank Turner laut seiner Managerin Chantal Neeten heute gut und gerne 15 Interviews an einem Stück geben. Grund ist die Veröffentlichung seines neuen Albums "England Keep My Bones", das hierzulande am 03.06. auf Epitaph/Indigo erscheint. Als es dann Zeit für Nummer 11 wird, öffnen sich die Tore des Konferenzraumes des Kölner Christall Hotels in der Innenstadt für ein 15-minütiges Interview mit dem Mann, der im Blue Shell für einen der besten Konzertabende meines Lebens sorgte.

Ein bestens gelaunter Frank Turner im Kreise von MHQ-Redakteur Marc Brüser und dessen namenloser Begleitung.

Frank, nach dem Konzert im Blue Shell konnte man dich noch eine lange Zeit an der Bar sehen. Wie ist der Abend noch verlaufen?

Frank Turner: Oh Mann, so gut kann ich mir daran auch nicht mehr erinnern. Als ich morgens aufgewacht bin, hat mein Magen nur noch rebelliert. Weißt du, manchmal öffnest du die Augen und denkst dir nur "verdammt" (lacht).

"Pain can be killed with Aspirin Tablets and Vitamin pills", richtig (Zitat aus "Love, Ire & Song", d.Red)?

Frank Turner: (lacht) Ja, genau. Vielen Dank, dass ihr eine so große Auswahl in euren Apotheken davon habt.

Deine erste Show, die ich jemals live gesehen habe – ich glaube das war das erste Deutschland-Konzert überhaupt – war als Support von The Gaslight Anthem im Jahr 2009. Was sind die Dinge, die sich am stärksten in diesen zwei Jahren verändert haben?

Frank Turner: Hmm, das ist schwer zu sagen. Ich glaube ich bin viel, viel besser in dem geworden, was ich mache. Ich hatte ein wenig Zeit zum Üben, weißt du.

Die einen oder anderen hundert Konzerte.

Frank Turner: Ja, richtig. Ich kann mich noch an das Konzert erinnern. Ich war damals ziemlich nervös, weil ich nicht genau wusste, wie die Leute reagieren würden und ob die Leute überhaupt eine Verbindung zu den Texten herstellen können. Aber sie haben mich direkt gut aufgenommen und seit diesem Konzert bin ich mir immer sicher, dass Deutschland mich da in keiner Weise enttäuschen wird. Ich weiß, das klingt jetzt komisch, weil ich mit einem Deutschen darüber rede, aber es ist wirklich die Wahrheit. Ich liebe es einfach nach Deutschland zu kommen. Meine Band ist da derselben Meinung.

Was denkst du, warum deine Popularität innerhalb Deutschlands, aber auch rund um den Globus so enorm ist? Du warst vor einiger Zeit auch in China, wie ich gehört habe.

Frank Turner: Die Tour war wirklich sehr interessant. Aber es war trotzdem auch merkwürdig in einem Land zu sein, wo manche Konzerte immer noch am Rande der Legalität sind. Ich musste mich sogar als Tourist ausgeben, weil es sonst viel, viel schwieriger gewesen wäre ein Visum zu bekommen. Zu deiner anderen Frage: Ich habe keine Ahnung warum die Leute mich so mögen und ich will da auch eigentlich gar nicht zu viel hinein interpretieren. Ich bin einfach froh, dass es so ist. Eine Sache ist natürlich, dass ich mit Epitaph ein starkes Label im Rücken habe.

"Ich möchte die Leute daran erinnern, dass man verdammt froh sein muss, dass man Rock`n Roll Tag für Tag um sich hat".

Gut, das stimmt schon, aber gerade in Deutschland hat es so gut wie gar keine Werbung für deine Alben gegeben. Vielleicht ein paar positive Reviews, das war es aber auch.

Frank Turner: Ich glaube, vieles ging auch durch Mundpropaganda. Ich denke, das ist wirklich gut, weil ich nicht durch die Medien hochgepusht wurde. Entscheidend sind hierbei ausschließlich meine Musik und meine Live-Shows. Ich denke, das ist ein weitaus besserer Weg sich zu vermarkten.

Wo du gerade von Epitaph sprichst: Du warst mit einer Menge Bands auf Tour, wie beispielsweise Social Distortion oder wie schon erwähnt mit The Gaslight Anthem. Wie hast du die Bands kennengelernt?

Frank Turner: Gute Frage... die amerikanische Punk-Szene ist wie eine große Familie. Alle kennen sich, gehen gemeinsam auf Tour, da gibt es eigentlich nie großartige Missverständnisse oder Streitereien untereinander. Im UK ist das ein wenig anders. Ich weiß noch, dass ich als erstes Chuck Reagan von Hot Water Music kennengelernt habe und mit ihm auch einige Shows spielte. Danach gab es eine Tour mit The Offspring, anschließend haben irgendwann The Gaslight Anthem angeklopft und im Juni bin ich wieder mit Social Distortion unterwegs, unter anderem auch in Deutschland. Mich freut es einfach, dass diese Bands meine Musik mögen, zumal ich viele schon vor etlichen Jahren rauf und runter gehört habe.

Im Blue Shell hast du uns auch einige von den neuen Songs präsentiert, welche im Juni auf dem Album "England Keep My Bones" veröffentlicht werden. Viele der Lieder vom neuen Album beziehen sich auf England und hören sich sehr heimatverbunden an. Bist du ein sehr heimatverbundener Mensch?

Frank Turner: Normalerweise eigentlich nicht. Ab und an habe ich Heimatgefühle, wenn ich eine lange Zeit auf Tour bin. Auf dem Album habe ich auch die Gedanken einfließen lassen, was England genau für mich bedeutet, vor allem wenn ich lange Zeit unterwegs bin. Andererseits ist es so, wenn ich drei Tage lang in meiner Wohnung in London herumsitze und nichts zu tun habe, will ich nichts lieber tun, als wieder auf Tour zu gehen.

Ich meine, in England bist du ja wirklich mehr als bekannt. Da müsste es für dich doch kein Problem sein in irgendeinen Pub zu gehen und da deine Songs zu spielen?

Frank Turner: Genau das habe ich vor einiger Zeit gemacht, als wir das Album gemixt haben. Ich wurde irgendwann echt nervös und wollte unbedingt wieder Konzerte geben. Ich habe dann ein paar Shows in Bars gegeben. An Manchester kann ich mich noch gut erinnern: Ich habe auf Twitter um circa 17 Uhr verkündet, wann und wo ich auftreten werde und innerhalb von einer Stunde war die Bar bis zum Eingang hin gefüllt. So etwas habe ich auch noch nicht erlebt. Am Ende musste ich dann zwei Sets spielen, weil genau so viele Leute draußen standen, wie in der Bar. Auf jeden Fall geht es im UK momentan ziemlich ab. Ich habe dort schon Konzerte vor circa 5.000 Leuten gespielt.

Das neue Frank Turner-Album "England Keep My Bones" erscheint am 3. Juni!

Deshalb habe ich mich auch so gewundert, warum du das Blue Shell für ein Konzert gemietet hast. Das Teil ist so groß wie mein Wohnzimmer.

Frank Turner: Eigentlich ist mir ziemlich egal wo ich spiele. Ich nehme alles mit, was ich kriegen kann.

Der beste Song auf deinem neuen Album ist für mich persönlich deine neue Single "I Still Believe". Kannst du ein wenig über den Song erzählen?

Frank Turner: Das ist eine verdammt gute Geschichte. Ich hatte die Idee dazu in China und wie gesagt, alles war da am Rande der Legalität. Die Bands die für mich da eröffnet haben, waren Punkbands im Stil der Ramones. Du verstehst, Drei-Akkorde-Geschredder. Wenn du so eine Band in England hörst, denkt man sich normalerweise "Alles schon gehört, alles schon gesehen, next please!". Aber bei diesen chinesischen Bands sah es so aus, als ob sie den Rock`n Roll gerade erst für sich entdeckt hätten. Sozusagen den Ursprung. Diese Leute haben einfach so viel Feuer, Energie und Leidenschaft an den Tag gelegt. Mich hat es persönlich beschämt, dass ich Rock für selbstverständlich gehalten habe, obwohl ich gerade in einem Land bin, wo das alles nur am Rande der Legalität stattfinden kann. Letztendlich wollte ich mit dem Song die Leute einfach daran erinnern, dass man verdammt froh sein muss, dass man Rock`n Roll Tag für Tag um sich hat.

Wie man bei dir feststellen kann. Denkst du, dass der Rock`n Roll dein weiteres Leben auch als Musiker finanzieren kann oder wo siehst du dich in der Zukunft?

Frank Turner: Oh Mann, das kann man wirklich nicht sagen. Wenn du mir vor einigen Jahren erzählt hättest, dass ich dir heute hier ein Interview gebe, nach einer Show in Deutschland, die innerhalb von zwei Stunden ausverkauft war, hätte ich dich ausgelacht. Man weiß nie wohin das Leben einen führt, aber ich will auf jeden Fall so lange weitermachen wie möglich beziehungsweise solange die Fans es mir erlauben meinen Unterhalt durch Musik zu finanzieren.

Und unsere Zeit ist leider auch schon um. Ein paar letzte Worte an die Fans?

Frank Turner: Ehm, hm... Hello people of Deutschland, I love drinking Jägermeister (beide Daumen nach oben gestreckt).

Vielen Dank für das Interview, Frank!

Ein Dankeschön geht auch nach Düsseldorf an Dennis Saia von Starkult Promotion, der dieses Interview für uns vermittelt hat!

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