(Home Of The Lame)
Es ist der 07.Dezember und so gegen viertel vor drei mache ich mich von meiner Wohnung aus, auf in Richtung Brause, dem kleinen Clublokal des Kleinkunstvereins Metzgerei Schnitzel e.V. in Düsseldorf. Ich bin noch etwas angeschlagen vom Vorabend. Die Diskothek ging gar nicht und so versackte man irgendwann an der Theke. Pünktlich um 15 Uhr treffe ich dann in der Brause ein und sehe schon Felix Gebhard alias Home of the lame, wie er grade damit beschäftigt ist seine Farbfotographien aufzuhängen. Deshalb ist der momentan in Hamburg lebende Musiker auch hier: Zur Vernissage seiner Fotoausstellung. Er ist nicht nur Musiker, sondern auch Fotografund präsentiert noch bis zum 07. Januar in der Brause eine Auswahl seiner Bilder. Ich warte noch circa eine halbe Stunde, schaue dem Künstler zu, wie er mit einer Ausgeglichenheit die seines Gleichen sucht, die Bilder aufhängt. Dann setzen wir uns auf die grüne Couch und legen los.
Hi Felix
Felix: Ja, hallo.
Heute Abend findet hier in der Brause die Vernissage zu deiner Fotoausstellung statt. Was erwartet uns da?
Felix: Ja, einmal die Bilder und dann ist ja noch ein buntes Abendprogramm angekündigt worden. Eigentlich wollte ich mich da raus halten und andere Musiker engagieren. Die konnten aber alle nicht, deswegen mache ich das halt dann doch selber. Ich kam mir erst komisch vor, auf meiner eigenen Ausstellung zu spielen, aber... naja, ist ja nicht so schlimm.
Du hast vor einigen Wochen die gleiche Ausstellung auch in Hamburg gehabt.
Felix: Genau. Die war aber nur eine Woche, weil die in einem Raum war, der eigentlich gar keine Galerie ist.
War die Ausstellung ganz gut?
Felix: Ja, ist ganz gut gelaufen. Gut, war jetzt nicht so etabliert, weil es ja keine richtige Galerie war. Und alle Leute die da waren, kamen halt über meine Verbindungen. Leute aus der Fotobranche und einige Musiker. Es war halt ein wenig schwierig, dass dann auch selber zu promoten.
Wie bist du denn eigentlich zum fotografieren gekommen? Ein Hobby das sich dann immer weiterentwickelt hat?
Felix: Ja, mein Vater ist engagierter Amateurfotograf und der hat mir als ich 15 war meine erste Spiegelreflex geschenkt und dann hat das so irgendwie seinen Lauf genommen. Habe dann mal 1998 angefangen als Fotoassistent zu arbeiten und dann auch angefangen eigene Sachen zu machen.
Schaffst du dir irgendwelche Kriterien, wie du deine Motive aussuchst oder passiert das aus einer Laune heraus welches Motiv gewählt wird?
Felix: Ach, das sind einfach teilweise Jobs. Von daher sind das schon Möglichkeiten die einfach mir gegeben werden, die Person dann abzulichten. Ansonsten habe ich natürlich immer Kameras dabei und so entstehen halt auch Sachen die sich als tauglich erweisen. Die Bilder hier sind jetzt so ne zusammengestauchte Version. In Hamburg waren noch 10 mehr. Hier ist das so was wie eine Best of-Auswahl.
Fotografierst du eigentlich immer noch die Hotelbetten in denen du nächtigst?
Felix: Ja, das mache ich noch.
Wie bist du darauf gekommen?
Felix: Weiß ich nicht. Das war auf meiner ersten richtigen Tour mit Tomte damals. Da habe ich einfach am ersten Abend damit angefangen. Ich weiß nicht genau wie ich darauf kam. Es kam mir irgendwie sinnvoll vor. Aber seit Februar.... so 40 Bilder muss ich bestimmt noch einscannen.
Da fällt mir ein, dass Thees Uhlmann mal in dem Text über Home of the lame auf der Grand Hotel van Cleef Seite geschrieben hat, dass du in deiner Geldbörse ein Foto von deinem Sofa hast. Ist das wahr?
Felix: Ja, das stimmt. Das war jetzt aber nicht, weil ich mein Sofa so toll finde, sondern ich hatte mal zwei Sofas die ich verkaufen wollte. Deshalb hatte ich ein Foto davon in der Tasche. Aber mittlerweile will ich das gar nicht mehr verkaufen.
Kommen wir zur Musik. Wie ist eigentlich das Projekt Home of the lame entstanden?
Felix: Mein Freund Jochen Gutsch (Ex-Buckthead, Hinterlandt) und ich haben zusammen in Hannover gewohnt, in unterschiedlichen Bands laute bis anstrengende Musik gemacht und dann unsere Liebe zu Country und Singer-/Songwriter Musik entdeckt. Dann hatten wir halt Bock so leisere Musik zu machen. Und dann hat jeder so seine Sachen aufgenommen. Wir haben Tapes gemacht, auf der eine Seite Jochen, auf der anderen ich. Es gab ja damals noch Labels die Tapes rausgebracht haben. Ja, so ist das entstanden. Wir waren halt auch unterwegs dann und haben immer abwechselnd auf der Bühne gespielt, manchmal auch zusammen. Und zu der Zeit damals ist auch der Name Home of the lame schon entstanden. Das ist der Titel eines Songs von einer Band namens Nuisance aus der San Francisco Bay Area. Die hatten halt einen Country Song, den ich dann als Name genommen hatte. Irgendwie hatten wir Lust auf einen Namen der so träge wie möglich klingt. Das Konzept passte halt.
Viele Musikkritiker greifen ja auch auf den Namen dann zurück bei deiner Musik. Bezeichnen das auch oft als "lame" dann.
Felix: Ja, aber das ist mir ja egal.
Wie bist du denn dann nach Schweden gekommen?
Felix: Ich war in Hannover, dann in Bremen, Hamburg und dann hatte ich ne Freundin in Stockholm und später ging es dann nach Malmö. Zweieinhalb Jahre lebte ich da. Viele Leute kennen gelernt. Alle haben in Bands gespielt, viele fantastische Musiker. Mats Bengtsson kommt auch da her, der ja mit mir jetzt auf Tour war und auch bei der Platte "Here of all places" mitgewirkt hat. Sowie auch die anderen Musiker, die ich in Malmö kennen gelernt habe.
Die erste EP hast du ja mit Max Schröder alias der Hund Marie aufgenommen. Ist dadurch auch die Verbindung zu den Leuten nach Hamburg entstanden?
Felix: Ja, da bin ich dann so nach und nach reingerutscht. Hansen Band kam ja dann auch schon bald. Und ich hatte genug Material um auch ein Album zu machen. Die haben dann erst überlegt, ob sich das lohnt, ob sie da Bock drauf haben und so kam das dann. Mit Max habe ich vorher aber auch schon Musik gemacht, schon in Bremen. Der ist ja auch ein wahnsinnig guter Schlagzeuger.
Am 03.11.2006 ist deine EP Habitat erschienen? War das geplant die EP zu veröffentlichen? Mussten die Songs einfach raus?
Felix: Klar war das geplant.Es gab diese Songs und es war klar dass meine Live Band im Herbst ne Pause macht und da war logisch das mit denen nichts passiert. Hatte aber Lust irgendwas zu machen. So kam der Gedanke einer Akustik Tour. Dann habe ich Mats gefragt ob er mitkommt...
Hat Mats dich auch bei den Aufnahmen unterstützt?
Felix: Nein, die habe ich ganz alleine aufgenommen. War halt dann auch sinnvoll diese Tour zur EP zu machen. Erst sollte es ein ganzes Album werden. Aber da wäre der Fokus zu groß drauf geworden.
Auch weil es noch zu nah dran ist an dem alten Album?
Felix: Ja, das kann sein. Auch wegen der Songs. Nicht das die Leute dann denken, ah das ist ja noch langsamer als das erste Album, noch leiser. Ich habe das ja alleine gemacht, ohne Schlagzeug und so. Ein Album wäre schon für mich wichtiger gewesen, dass das dann auch größer erscheint. Das nächste Album soll ja auch ein wenig mehr nach Vorne gehen.
Wann soll das kommen?
Felix: Es gibt noch keinen zeitlichen Plan, aber in meinem persönlichen Kalender habe ich so an September 2007 gedacht.
Die Tour im November war ja ganz schön voll gepackt? Hat denn alles geklappt?
Felix: Ja, die Tour war super. Sehr entspannt. Wenig Equipment. Kurze Strecken zwischen den Konzerten, man hatte immer noch mal Zeit für Sightseeing in den Städten. Ich hatte ja Mats dabei, der als Schwede schon Interesse daran hatte. Nach der Tour habe ich erstmal ne Woche gepennt. Da hat man dann doch die Anstrengung bemerkt. Aber es war gut alles in allem.
Der Auftritt in der Pauluskirche in Dortmund war der Abschluss. Passend dann oder?
Felix: Ja, das war perfekt. Wirklich eine gute Location.
Du hast in deinen Songs immer eine sehr persönliche Note eingebracht. Die Lieder gehen einem ja echt nahe. Oft findet man sich selber darin wieder. Sind das alles persönliche Erfahrungen, was du erlebt hast?
Felix: Teilweise. Nicht alles. Es gibt auch Sachen die ich eins zu eins so erlebt habe, aber auch Sachen die sage ich mal weitergesponnen sind. Schilderungen von Situationen wie sie sein könnten. Klar, der größte Teil ist erlebtes Zeug, was ich eigentlich aber immer versuche so ein wenig zu verschlüsseln.
Das der Hörer also nicht ganz an dich rankommt, sondern dass du immer noch was für dich bewahrst?
Felix: Ja, vor allem auch wenn es um andere Personen geht.
Leave and shine....
Felix: Ja, der ist wirklich einer der, der sehr persönlich ist.
Das merkt man auch. Einer Freundin von mir habe ich den Song auf einer Mix-CD gepackt. Die war auch sofort gefesselt davon.
Felix: Das freut mich. Also, das ist auf jeden Fall ein Song der wirklich sehr sehr persönlich ist.
Es gibt den Song The Camper Part 2. Den spielst du live eher selten, oder?
Felix: Ja, da habe ich nie so Bock drauf irgendwie. Aber ich muss wohl akzeptieren, dass der Song beim Publikum ganz gut ankommt.
Gibt es auch einen Part 1?
Felix: Ja, den gibt es, ein älterer Song heißt so, die auch die gleiche Person beschreibt wie in Part 2. Nur aus einem anderen Blickwinkel, ein anderes Detail was da erzählt wird. Das ist aber ein komplett anderer Song. Auf einem Demo war der vor Jahren mal drauf.
Nightshift wird auch nicht mehr so häufig gespielt.
Felix: Ja, hmÂ… den haben wir rausgeschmissen. Der hat diesen nicht so überzeugenden Mittelpart ohne Band halt. Vielleicht spiele ich ihn ja heute Abend.
Gibt es irgendwann auch vielleicht eine „feste" Band die Home of the lame heisst?
Felix: Im Prinzip sind wir das ja. Wobei ich wahrscheinlich mehr mit dem Herzen dabei bin. So als Organisator. Wobei es aber auch davon abhängt in wie weit die anderen Jungs Zeit haben. Wir haben nächste Woche noch ein Konzert in Bremen und dann werden wir uns mal unterhalten, wie das nächste Jahr dann so weitergeht. Und es wird auch wieder lauter sein. Ich freue mich auch schon drauf, da ich mir einen neuen Verzerrer gekauft habe.
Der wird dann sicher erstmal getestet, oder?
Felix: Ja sicher. Das wird total super. Endlich auch wieder mit Schlagzeug. Da freue ich mich sehr drauf. Aber klar, es gibt halt die Band und dann zwischendurch immer mal wieder Sachen, die ich dann auch alleine mache.
Spielst du die Songs der neuen EP dann auch mit Band?
Felix: Mal gucken. Haben wir noch nicht ausprobiert. Kai, der in der Band Gitarre und Keyboard spielt hat auf jeden Fall Lust drauf. Wir spielen auch alleine an dem Abend und müssen sowieso ein bisschen umbauen am Programm, so dass wir das gut füllen können.
Live singst du mittlerweile bei dem Stück Mirror Mirror nicht mehr „Bullshit", sondern „Bullcrap".
Felix: Was dir auffälltÂ… ja, hmÂ… ich ärgere mich eigentlich im Nachhinein, dass ich auf der Platte „Bullshit" sage. Aber es war halt doch schon irgendwie so gemeint. Aber wenn ich mir überlege, du machst halt ne Platte und in 20 Jahren gibt es die immer noch. Naja, ist eigentlich unnötig. Egal.
Dir ist letztens ein Liedtext geklaut worden. Stimmt das?
Felix: Ja, ich hatte so einen Zettel mit einem neuen Song drauf. Wir waren in Hamburg und ich habe so meine Sache eingepackt und plötzlich war der Zettel weg. Hat mich natürlich erstmal genervt. Aber ist ja noch alles im Kopf. In Köln zum Beispiel wurde die Setlist vom Mats geklaut. Und da standen auch noch alle Akkorde für die Songs drauf und all so was, Abläufe, Instrumentalisierung. Auch weg. Ich weiß nicht genau warum die Leute da diese Dinge klauen.
Vielleicht ist es ja irgendwann mal was wert.
Felix: Ja, bei dem Liedtext hat mich das einfach nur gestört. Grade weil der nicht fertig war. Und Hilmar Bender hat das dann damals in den Tomte Blog geschrieben. Und der Typ hat dann wohl aus dem Zettel ein pdf File gemacht und zum Grand Hotel geschickt und sich entschuldigt.
Zum Abschluss würde ich noch gerne wissen was du zurzeit liest und hörst?
Felix: Ich habe letztens viel Bach gehört. Also Johann Sebastian. Kann man das überhaupt sagen?
Klar. Den anderen Bach von Skid Row hätte ich schlimmer gefunden.
Felix: Ansonsten habe ich mir ein etwas älteres Album von Brokeback gekauft. Ich komme aber nicht auf den Albumtitel.
Was gelesen?
Felix: Den Steppenwolf von Hesse. Den habe ich mit 13 schon gelesen. Aber den finde ich jetzt nicht mehr so gut wie damals.
Ja, ok super. Vielen Dank Felix. Das wars.
Felix: Ich habe zu danken.
Am Abend dann erwartete uns eine mehr als lockere Atmosphäre. Der Künstler hatte für seine Gäste sogar ein kleines Pfefferkuchenhaus gebacken und nachdem die kleine Brause gut gefüllt war präsentierte Felix Gebhard uns noch mehrere Songs auf seiner Akustikgitarre. Eigene Stücke und Covers. Ein sehr entspannter und schöner Abend mit einem kontaktfreudigen Künstler. Es war eine richtig nette Party.