Interview mit Jonsu

(Indica)

20.04.2009 von Ron Moger

Indica ist eine finnische Pop-Rock-Band, die bis heute vier Studioalben veröffentlicht hat. Die Gruppe selbst bezeichnet ihren Stil als Mystik-Romanik Pop. Gegründet wurde Indica 2001 von den beiden Klassenkameraden Jonsu (Violine) und Heini (Kontrabass), welche sich in einem Streicher-Orchester für Kinder kennengelernt hatten. Kurz nach der Gründung traten Sirkku (Keyboard) sowie Jenny (Gitarre) und Laura (Schlagzeug) in die Band mit ein. Unser Redakteur Ron Moger traf Jonsu zum Interview.

Bei eurem neuen Album hat Tuomas als Producer fungiert. Inwieweit hat sich das auf eure Musik ausgewirkt? Was hat sich zu früheren Alben am Stil geändert?

Jonsu: Um ehrlich zu sein hatte Tuomas einen grundlegenden Einfluss. Aber nicht in der Hinsicht, wie man vielleicht annehmen würde. Tuomas hat den Produktionsprozess an sich beeinflusst. Im Gegensatz zu anderen Produzenten war er nicht sosehr daran interessiert, seine eigene Ideen oder seinen Stil aufzudrängen. Sein Konzept bestand mehr darin kraftvolle Arrangements zu erzeugen und er zeigte uns einige Ideen, die sehr gut zu unserem Musikstil passten. In gewisser Hinsicht war er wie ein Bandmitglied für uns. Er brachte die Band dazu jeden Aspekt eines Songs auszuarbeiten und trieb uns somit bis an die Grenzen unserer Vision. Er zeigte uns wie man den Prozess lebt.

Auf eurer letztjährigen Skandinavientour habt ihr einige Songs in Englisch gesungen. Möchtet ihr damit fortfahren oder wird Finnisch die primäre Sprache für euch bleiben?

Jonsu: Das klingt vielleicht lustig, aber die Idee in Englisch zu singen kam nicht von uns, sondern von unseren Fans. Unsere Musik hat sich ein wenig rumgesprochen und unsere Fangemeinde wuchs. Plötzlich waren all die Leute aus anderen Ländern, die uns danach fragten, was unsere Songs bedeuten. Ich muss oft an einen Brief denken, den wir aus Frankreich bekommen haben. Der Schreiber liebte einen bestimmten Song von uns, konnte ihn aber nicht übersetzen. Ich saß vor meinem Computer für - naja es war eine peinlich lange Zeit – und versuchte zu übersetzen. Doch jedesmal wenn ich es versuchte, hatte ich das Gefühl es würde etwas fehlen. Zu dem Zeitpunkt verstand ich, dass man Lyrics nicht wirklich übersetzen kann. Man muss sie neu erfinden.

Was meinst du mit neu erfinden…?

Jonsu: …man muss die gesamten Emotionen in einen komplett neuen kulturellen Kontext transponieren. Die Worte müssen ihre natürliche Assoziation ausdrücken, sowie ihre Komplexität in Sound und Rhythmus behalten. In finnisch sind die Songs mit Reimen, Stabreimen und Soundmustern gefüllte… man kann also sehen, dass die Übersetzung in eine andere Sprache mehr beinhaltet als lediglich die wörtliche Übersetzung. Ich konnte mich glücklich schätzen, dass ich Hilfe bei einem kanadischen Poeten gefunden habe. Er versteht meine Arbeit und weiß wonach ich suche.

Das hat also den Prozess um einiges vereinfacht…

Jonsu: Leider nicht im Geringsten. Der Prozess war sehr lange und schwer. Es bedeutete stundenlang jemandem all meine Wortspiele, die ich finnisch einbaue, zu erklären. Stunden voller Frustration auf beiden Seiten. Stunden verbrachten wir damit die Papierkörbe mit A4 Blättern voll verworfener Texte. Es war echt hart, aber es hat sich gelohnt. Es gibt keine perfekte Sprache um sich auszudrücken… jede Sprache hat seine Vor- und Nachteile.

Mal angenommen du würdest den Sound einer Band lieben, die etwas komplett anders als ihr macht… kämst du auf die Idee euren eigenen Sound zu ändern?

Jonsu: Falls du wissen möchtest, ob wir Einflüsse haben…? Ja die haben wir. Wer hat die nicht? Wir sind sehr überzeugt von unserer eigenen Vision, doch gewiss können wir nicht behaupten vollkommen unbeinflusst von anderen zu sein. Es gibt soviel Musik da draußen und ich liebe es Neues für mich zu entdecken. Die eigentliche Frage die sich mir stellt wäre “Wie wende ich etwas, das mir gefällt an, ohne dass es mein eigenes Wesen verfremdet?”

Also flirtest du mit neuen Ansätzen?

Jonsu: Nein, es ist besser als flirten. Ich date sie oder gebe ihnen einen Korb. Neulich war ich an einem Konzert einer Band namens Devotchka und der Sänger spielte Theremin. Ich liebte diesen Sound. Es brauchte nicht lange und ich war mir sicher, dass ich mir auch eines aus Florida besorgen würde. Ich hoffe es während der Tour erlernen zu können.

Wie habt ihr die Aufteilung der Instrumente in der Band geregelt?

Jonsu: Die meisten Bandmitglieder spielen mehrere Instrumente. Jenny spielt Akustikgitarre und klassisches Piano seit sie klein ist. Sie wollte gerne die Gitarre übernehmen. Sirkku spielt Piaono… ich glaube von Geburt an. Ich habe einige ihrer Klassikkonzerte gesehen und fand sie unglaublich gut. Darum übernahm sie den Keyboardpart. Laura spielte bereits Drums in einigen anderen Bands. Meine längste Freundin und Bandkollegin ist Heini… sie spielte klassisches Cello bevor sie zum Bass griff. Sie und ich starteten diese Band. Heini und ich waren 13 Jahre alt, als wir uns musikalisch zusammentaten.

Und wie sahen deine Anfänge aus?

Jonsu: Es war selbstverständlich für mich, das ich singen würde, da ich die Songs schreibe. Aber um ehrlich sein fühlte ich mich immer weniger als Sängerin, denn als Komposistin. Ich habe mein gesamtes Leben lang Kompositionen geschrieben. Natürlich liebe ich es zu singen. Ich habe mit 13 Jahren damit angefangen… klassischer Chor, Bands… doch ich spiele seit ich 4 Jahre alt bin Violine. Kurz darauf begann ich mit Piano…

Verfolgst du ein bestimmtes Ziel? Gibt es etwas, das du mit deiner Musik erreichen möchtest?

Jonsu: Nein ich würde es nicht direkt Ziele nennen. Falls du aber wissen möchtest, ob ich ehrgeizig bin…? Ja. Aber nicht hinsichtlich der Anzahl der Coverbilder eines Magzines oder Verkaufszahlen. Ich strebe mehr danach die Musik, die ich mache interessant zu halten und dass sie mit mir wächst. Musik ist meine Art die Welt zu verstehen und ich hoffe somit, dass sie mir neue Einsichten einbringt. Ich denke man könnte sagen, das ist mein Ziel… weiterhin in Erstaunen versetzen zu können, neue Wege suchen sich auszudrücken und neue Dinge finden mit denen man sich ausdrücken kann.

Wie fühlt es sich an mit Nightwish auf Tour zu sein?

Jonsu: Wir waren aufgeregt, da wir noch nie zuvor etwas im Ausland veröffentlicht hatten und plötzlich tourten wir durch Skandinavien. Das Publikum war fantastisch. Doch was uns noch viel mehr gab war, dass wir etwas Tiefes mit Tuomas teilten. Kurz danach entschlossen wir mit ihm das nächste Album zu produzieren. Und nun ist dieses bereits fertig. 

Gab es irgendwelche merkwürdigen Erfahrungen auf der Tour? 

Jonsu: Letzte Woche rannte der erste Nackte rum. Aber ich denke das ist nicht merkwürdig. Naja vielleicht war es schon merkwürdig, doch die Erfahrung war sehr normal.

So normal wie das Touren mit Nightwish…?

Jonsu: Nein… so außergewöhnlich wie ein Interview mit einem Journalist, der dich ausreden lässt bevor er mit der nächsten Frage beginnt

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