(Itchy Poopzkid)
Bevor Itchy Poopzkid heute Abend in der Faust die Partyrakete in den hannoverschen Nachthimmel steigen lassen, sprechen Sebastian Hafner (alias Sibbi) und Daniel Friedl (alias Panzer) mit uns über das neue Album, neue Aufgaben, philosophische sowie musikalische Grundsätze und ihre Frühstücksgewohnheiten.

Musicheadquarter-Redakteurin Maren Röcker mit Sibbi und Panzer im Backstagebereich der Faust in Hannover...
Schön, dass ihr wieder ein Konzert in Hannover gebt. Habt ihr sonst noch was von der Stadt gesehen?
Sibbi: Stimmt, vor zwei Jahren waren wir das letzte Mal hier. Gesehen haben wir bisher leider nur Straßen, aber noch nichts von der Stadt.
Panzer: Ich habe gar nichts gesehen. In unserem Bus gib es eine X-Box, auf der habe ich Fifa 2010 gespielt und erstmal 4:1 verloren.
Freut ihr euch, gerade nach der längeren Pause, endlich wieder auf Tour zu sein?
Sibbi: Und wie. Wir hatten fast ein halbes Jahr gar keine Konzerte gespielt und das ist für uns so ziemlich das schlimmste was es gibt. Deswegen freuen wir uns auch total auf Tour zu sein. Die Shows liefen bisher auch alle super. Teilweise waren die Konzerte sogar ausverkauft und viele Leute kamen um uns zu sehen. Was uns natürlich sehr freut. Das ist jetzt unser sechster Tourtag und wir sind mittlerweile zu Vitamintabletten-Drinks übergegangen, so gut sind wir in der Tour schon drin (alle lachen).
Nagel beschreibt in seinem Buch "Wo die wilden Maden graben" die Schwierigkeit mit dem Unterschied vom "normalen Alltag" und "Touralltag" klar zu kommen. Kennt ihr dieses Problem auch?
Sibbi: Die größte Schwierigkeit besteht darin, wenn man nach der Tour nach Hause kommt. Da kommt man gar nicht klar, weil dort kein Catering auf dem Tisch steht.
Panzer: Und noch viel schlimmer, kein Bier steht im Kühlschrank (alle lachen).
Sibbi: Man muss sich um alles selber kümmern und das ist natürlich erstmal ein kurzer Schock.
Panzer: Das ist übrigens ein super Buch für alle Leute die wissen wollen, wie es Bands, so in unserer Größenordnung, auf Tour geht. Ich habe die ganze Zeit beim Lesen gedacht, der schreibt über uns, weil es so viele Parallelen gibt.
Wie geht es dem Hund von Max? Ist er auch mit auf Tour?
Panzer: Der Bruno ist leider nicht mit am Start. Das ist ihm wohl zu laut. Und Ohrenstöpsel für einen Hund ist auf Dauer auch nichts.
Die nächste Veränderung ist das neue, eigene Plattenlabel. Wie kamt ihr auf die Idee?
Panzer: Die Idee hatten wir schon sehr lange. Das kommt einfach daher, dass wir schon immer eine Band waren, die am liebsten immer alles selber unter Kontrolle hat. Bei unserem alten Plattenlabel Universal gab es einige Probleme, es ist viel unpersönlicher und es gibt nicht diesen engen Kontakt, den wir uns eigentlich wünschten.
Sibbi: Für das neue Album haben wir uns dann überlegt, was wir verändern können und dann war uns relativ schnell klar, dass der beste Weg ein eigenes Label ist. Was wir dann sehr schnell in die Tat umgesetzt haben. Auch wenn das viel Arbeit für uns bedeutet.
Panzer: Das war schon sehr schwierig. Wir saßen teilweise monatelang nur am PC und haben gearbeitet.
Sibbi: Vor allem war es sehr viel neue und für uns ungewohnte Arbeit, aber wir wollen uns nicht beklagen, denn im Endeffekt ist es immer noch alles für die Band und besonders wenn es dann um die Tourvorbereitung geht, haben wir darauf geachtet, dass die Musik nicht zu kurz kommt.

...und später im angeregten Gespräch.
Ihr habt auch ein Projekt mit der WDCS in die Wege geleitet. War das eure Idee oder die der Organisation? Habt ihr vor, mehr politische Songs zu schreiben?
Panzer: Es war so, dass die uns gefragt haben ob wir Lust hätten, bei der Kampagne mitzumachen. Wir haben die Organisation kennen gelernt auf der Filmpremiere von "The Cove – Die Bucht" in München. Es ist ein Film über die Massenschlachtung von Delfinen, ein ganz schrecklicher Film, aber sehr gut gemacht und absolut sehenswert. Dort sind wir mit denen ins Gespräch gekommen. Da wir in der Vergangenheit immer unterschiedliche Projekte unterstützt haben, wurde uns mit der Zeit auch klar, dass es mehr bringt, wenn man sich auf eine Sache konzentriert. Uns so kam es dann zu der Zusammenarbeit mit der WDCS. Wenn man viel Energie in ein Projekt steckt bringt es im Endeffekt mehr, als viele kleine Projekte zu starten. Im übrigen, am 19. April gibt es ein Protestkonzert am Brandenburger Tor, wo wir auch hoffen etwas bewegen zu können.
Ihr habt ja mit relativ vielen Bands zu tun, die bereits in Asien oder Amerika ihre Platten veröffentlichen. Habt ihr selbst schon mal darüber nachgedacht auch in solchen Länder zum Beispiel Konzerte zu geben?
Sibbi: Klar haben wir darüber nachgedacht, es ist jedoch nicht ganz einfach, weil eben sehr viel drumherum passieren muss, damit überhaupt jemand auf diese Konzerte kommt. Aber diese Länder stehen selbstverständlich schon auf unserer Wunschliste.
Wo seht ihr euch in der Zukunft bzw. wollt ihr immer nur Musik selber machen oder könnt ihr euch auch vorstellen, gerade durch die Gründung eures eigenen Labels, rein im Managementbereich zu arbeiten?
Sibbi: In erster Linie wollen wir immer Musik machen. Was mit dem Label geschieht, ob wir mal andere Bands mit rein nehmen, wissen wir noch nicht. Wir schließen es zwar nicht aus, aber im Moment gibt es genug für Itchy Poopzkid zu tun.
Panzer: Bei der ganzen Arbeit am Computer gibt es auch viel, was eigentlich keinen Spaß macht, aber dadurch, dass wir es für uns tun und dadurch alle Freiheiten haben, machen wir es natürlich auch gerne. Es ist eine Art innerer Antrieb.
Würdet ihr gerne ein anderes Instrument spielen können?
Panzer: Ich würde gerne Bass lernen (alle lachen).
Sibbi: Ich will mal Harfe spielen.
Panzer: Meinst du das gerade ernst?
Sibbi: Nee.
Panzer: Ich würde aber ernsthaft gerne Klavier spielen können. Ich glaube aber dafür ist es mittlerweile zu spät. Mit fast 30 braucht man da auch nicht mehr mit anfangen.
Sibbi: Ich habe mir ein Klavier gekauft...
Panzer: Ja, welches ich in deine Wohnung getragen hab, das weiß ich noch genau, es war das Schwerste was ich jemals geschleppt habe.
Sibbi: Ich habe auch schon Songs darauf geschrieben, hochtalentiert dieser Mann.
Panzer: Ich bin ja schon froh, dass das mit dem Bass spielen so halbwegs funktioniert.
Hat das etwas ungewöhnliche Layout eures neuen Albums eine besondere Bedeutung für euch?
Sibbi: Es hat durchaus eine philosophische Bedeutung, die muss aber jeder selbst für sich selbst suchen.
Panzer: Wir haben das Layout dieses Mal nicht selbst gemacht, da wir grafisch nicht so die Asse sind. Wir haben uns dann einfach eine Person ausgesucht, von der wir denken, dass sie gute Covers macht, die Antje von Grace Helly Graphics. Dann hatten wir eine Auswahl von 20 Vorschlägen gehabt, von denen wir einige gut fanden und dieses haben wir dann ausgesucht. Ich finde es gut, dass jeder selbst etwas in das Bild hineininterpretieren kann, warum der Junge dort steht, der Typ unter dem Mond liegt und so weiter. Man kann es aber auch einfach nur schön finden.

Itchy Poopzkid beim Konzert in der Faust: Lights Out Hannover!
Was sind eure persönlichen Lieblingssongs auf dem Album?
Panzer: Ich finde die ersten zwölf Lieder sehr gut, danach wird es langweilig (alle lachen).
Sibbi: Wir haben unterschiedliche Lieblingssongs, die wechseln immer. Das ist auch ganz gut so, wir wollen nicht einen Song der heraus sticht und das Album trägt, sondern ein Album was in sich stimmig ist. Damit man es auch von Anfang bis Ende durchhören kann, ohne dass es langweilig wird. Das haben wir uns dieses Mal auf die Fahne geschrieben. Und ich glaube, wir haben es diesmal geschafft, denn es kam oft das Lob, dass es ein sehr kurzweiliges Album ist und das finde ich persönlich auch sehr wichtig.
Was sind eure Top 3 Alben von anderen Künstlern?
Sibbi: Eines, welches ich im Moment ständig höre ist von den Avett Brothers das Album "I And Love And You". Und natürlich alle Alben der Beatles.
Panzer: Ich fange an mit Social Distortion – "White Light, White Heat, White Trash". Mit Social D. spielen wir auch auf dem Greenfield Festival zusammen. Dann sage ich noch "Combat Rock" von The Clash und alle Alben der Ramones.
Wenn ihr die Möglichkeit hättet, nochmal eine dieser Bands live zu sehen, für wen würdet ihr euch entscheiden? Nirvana oder Guns n’ Roses zu Zeiten von "Appetite For Destruction"?
Panzer: Ich würde auf jeden Fall zu Nirvana gehen.
Sibbi: Ich auch. Ich bin zwar ein riesiger Guns n’ Roses-Fan, auch gerade zu dieser Zeit, aber ich denke Nirvana zu sehen wäre echt geil gewesen.
Panzer: Eine Freundin von mir hatte Karten für das letzte Konzert in München. Sie ist nicht hingegangen weil sie dachte, es gibt sicher bald wieder ein Konzert. Das verzeiht sie sich nie wieder. Die werden nämlich nicht nochmal wiederkommen.
So, nun zu der letzten Frage. Habt ihr Lieblingscornflakes?
Sibbi: Ja, ich mag Frosties.
Panzer: Ich hab früher immer Cornpops gegessen. Da war aber das Problem, dass sie sich sehr schnell aufweichen und dann schmecken die gar nicht mehr so lecker.
Vielen Dank für das lustige Interview und wir sehen uns dann heute Abend auf dem Konzert.
Panzer: Klasse Idee, wir haben sogar vor, ein paar Lieder für euch zu singen (alle lachen).
Danke auch an Biggi Dinter von One.Louder in München, die uns dieses Interview vermittelt hat!