(Jennifer Paige )
Mit ihrem Song "Crush" eroberte Jennifer Paige Ende der 90er Jahre die Welt. Dann kam der Absturz: Kurz vor Erscheinen ihres zweiten Albums "Positively Somewhere" wird am 11. September 2001 die Welt erschüttert. Alle Promotion-Aktivitäten werden sofort eingestellt, das Album floppt und die Plattenfirma lässt Jennifer Paige fallen. Der anschließende Rückzug ins Private legt ihre Karriere vorerst auf Eis. Nun kehrt die 34jährige mit neuer Single ("Wasted") und einem neuen Album ("Best Kept Secret") zurück.
Vor der Veröffentlichung (25.04.) präsentierte Jennifer Paige "Best Kept Secret" Anfang April bei drei exklusiven Showcases in den Hard Rock Cafés in München, Berlin und Köln (ein ausführliches Review findet ihr hier). Unmittelbar vor ihrem Auftritt im Kölner Hard Rock Café hatten wir die Gelegenheit zu einem kurzen Interview. Wir trafen auf eine äußerst symphatische Künstlerin, die uns trotz des Zeitdrucks entspannt Rede und Antwort stand, wobei sie zwischendurch auch gerne mal die Rollen vertauschte. Das Gespräch mit Jennifer Paige führte Thomas Kröll.
Hast du außer dem Hard Rock Café schon etwas von Köln gesehen seit du angekommen bist?
Jennifer Paige: Dieses Mal nicht. Aber ich war vor einiger Zeit schon mal hier und habe ein paar Promotion-Termine, Fotos und all sowas gemacht. Ich war in der Kirche, im Dom. Dom?
Ja, im Dom.
Jennifer Paige: Das hat mich sehr beeindruckt. Außerdem war ich noch auf einem kleinen Markt damals und ich war einkaufen (lacht). Das war nett. Es war ein richtig schöner Tag. Ich erinnere mich gerne daran.
Wann wirst du wieder zurück in die Staaten fliegen?
Jennifer Paige: Es ist noch nicht ganz sicher. Eigentlich soll ich noch ein paar Tage in Köln bleiben. Am Sonntag findet so eine Art Autorennen statt. Ich kenne den deutschen Namen nicht. DTM? (Deutsche Tourenwagen Meisterschaft, d.Red.) Dort werde ich hingehen und sogar mit einem der Rennwagen fahren. Mit Fahrer natürlich. Ich habe das vor einigen Tagen schon mal gemacht (Jennifer Paige trat am 06.04. bei der DTM-Präsentation in Düsseldorf auf, d.Red.) und es war verrückt. Ich habe ein wenig Angst davor, denn es war so schnell, fast wie eine übersinnliche Erfahrung. Also, warten wir es ab. Hoffentlich ist es nicht mein Ende diesmal (lacht).
Lass uns über dein neues Album "Best Kept Secret" sprechen (ein Roadie unterbricht uns und bringt Jennifer Paige eine grosse Tasse Tee und eine Schale mit einer undefinierbaren glibberigen Substanz)... Was ist das?
Jennifer Paige: Riecht wie Honig. Eine Menge Honig. Man könnte darin schwimmen.
Also, "Best Kept Secret" ist dein erstes Album nach sieben Jahren Pause. Eine lange Zeit. Ich kann mir vorstellen, dass dies eine sehr harte Zeit für dich gewesen sein muss.
Jennifer Paige: Nun ja, ich habe ja nicht sieben Jahre nur herumgesessen. Ich war auf Tour, ich habe einen Film gedreht, Filmmusiken geschrieben, Songs fürs Fernsehen, doch ich war mir auch sehr unsicher, ob ich nochmal ein neues Album machen sollte. Also habe ich immer weiter Songs geschrieben und gehofft, dass es irgendwann Klick macht. Es war eine sehr seltsame Zeit. Ich war an einem erfolgreichen Punkt angelangt damals in den Neunzigern und alles lief wie geschmiert. Die zweite Platte war veröffentlicht und dann erlebst du einen solchen Einbruch. Das Label gab mich auf. Eine schreckliche Zeit, natürlich auch wegen der Ereignisse in New York am 11. September. Ich zweifelte, ob ich jemals wieder die Chance bekommen würde, als Musikerin arbeiten zu können. Es war hart. Aber es bewies mir auch, dass ich genau das und nichts anderes machen wollte. Ich weiß nicht, was ich sonst mit mir angefangen hätte. Ohne Musik bin ich wirklich verloren. Ich habe damals viele Briefe von Fans bekommen und das hat mir sehr geholfen. Es hat mir gezeigt, dass es immer noch Leute gibt, die auf mich warten. Und ich hoffe, sie warten nach wie vor.

Jennifer Paige live im Hard Rock Café in Köln (Foto: Kellys Grammatikou)
Da bin ich sicher. "Crush" war ein Riesenhit, sogar ich habe dazu vor neun Jahren getanzt. Die Leute warten mit Sicherheit auf etwas Neues.
Jennifer Paige (lacht): Das ist gut. Entschuldige, ich muss etwas trinken. Ich habe nie, nie, nie Probleme mit meiner Stimme, aber ausgerechnet heute ist es so. Weißt du, wir waren jetzt eine Woche im Bus unterwegs... (sie trinkt einen grossen Schluck Tee)
Wenn du auf Tour bist, was machst du da eigentlich den ganzen Tag? Ich meine, du siehst ein Hotelzimmer, eine Konzerthalle, ein Hotelzimmer, eine Konzerthalle.
Jennifer Paige: Eigentlich bleibt mir nicht viel Zeit. Du stehst auf, hast vielleicht einen Fernsehauftritt, das Make Up und die Haare müssen gemacht werden und so weiter. Vielleicht bist du auch bei einem Radiosender, spielst dort ein paar akustische Songs. Du bist immer irgendwie beschäftigt. Sogar so sehr, dass du dich manchmal fragst, in welchem Land du gerade bist. Das ist dann richtig unheimlich, fast wie ein verschwommenes Bild.
Du spielst in dieser Woche drei Showcases. In München, Berlin und hier in Köln. Alle Einnahmen fließen komplett an die Nordoff/Robbins-Stiftung für Musiktherapie. Wie kam diese Zusammenarbeit zustande?
Jennifer Paige: Das kam durch einen der Radioleute zustande, der viel mit dem Hard Rock Café zusammenarbeitet. Die haben ihm von der Stiftung erzählt und er wusste sofort, dass es eine gute Sache ist, die ich sicher gerne unterstützen würde. Die Aktion heisst "Musik hilft" (www.musik-hilft.de/, d.Red.), eine Art Musiktherapie für Kinder. Eine tolle Sache! Also habe ich gerne zugesagt, dass ich dabei helfe.
Welche Musik können wir in deinem CD-Player finden?
Jennifer Paige: Das wechselt ständig. Ich habe einen enorm breitgefächerten Musikgeschmack. Manchmal höre ich gerne alte Platten wie The Weathers und solche Sachen. (sie deutet auf meinen Foo Fighters-Pulli) Die Foo Fighters gehören auch zu meinen Lieblingsbands. Ich liebe die Foo Fighters. Ich mag Maroon 5, Mary J. Blige... wirklich ein weites Feld. Es ist unmöglich für mich einen speziellen Favoriten herauszugreifen. Als ich 16 oder 17 Jahre alt war, war Mariah Carey meine Favoritin. Ihr erstes Album hatte einen grossen Einfluss auf mich. Außerdem höre ich sehr gerne Frou Frou...
Frou Frou?
Jennifer Paige: Hast du jemals von Imogen Heap gehört?
Nein.
Jennifer Paige: Das musst du dir anhören. Man schreibt es F-r-o-u F-r-o-u. Ein Sänger und ein wirklich grossartiger Produzent im Team. Richtig cool. Die Musik geht in Richtung Electronic, aber die Stimme ist einfach nur cool. Und die Texte auch. Die Produktion klingt total interessant, finde ich. Es wird dir gefallen. Was sind deine Lieblingsbands außer den Foo Fighters?
Vor allen Dingen Pearl Jam. Kennst du Pearl Jam?
Jennifer Paige: Natürlich. Auch eine sehr coole Band. Ich habe gehört, sie sollen hier sehr populär sein. Das hat mich schon überrascht.

"Ohne Musik bin ich wirklich verloren" (Foto: Kellys Grammatikou)
Welche Pläne hast du in nächster Zukunft?
Jennifer Paige: Erstmal werde ich nach Hause zurückkehren. Das neue Album wird in Deutschland am 25. April veröffentlicht. Ich kann es kaum erwarten. Danach gehen wir erstmal nach Italien und Frankreich. Im Mai komme ich dann zurück nach Deutschland um in einigen Fernsehshows aufzutreten. Anfang Mai wird das sein.
Wird es auch eine Deutschland-Tour geben?
Jennifer Paige: Nein, vorerst nicht. Aber es wird eine Tour geben, was aber noch von den genauen Terminen abhängt und davon, wie die Single im Radio ankommt. Diese Single oder die nächste Single. Ich hoffe, dass die Single einschlägt und wir im Sommer dann auf Tour kommen können. Das wäre ideal. "Wasted" läuft ja bereits seit ein paar Wochen bei euch.
Wie sind die bisherigen beiden Showcases gelaufen? Bist du zufrieden?
Jennifer Paige: Ja, es macht Spass die neuen Songs zum ersten Mal live zu spielen, zu sehen welche von ihnen gut funktionieren und wie das Publikum darauf reagiert. Alles ist noch neu. So ein lässiger Ort wie das Hard Rock Café ist perfekt um das auszuprobieren. Ein neues Set ist immer ein bißchen wie ein Sprung ins kalte Wasser. Man weiß nicht welche Reaktionen man bekommt. Und dafür ist es hier wirklich perfekt, an einem solchen Ort kann eigentlich nichts schiefgehen. Die Leute sind locker drauf, aber gleichzeitig will man selbst alles möglichst perfekt machen. Ich finde das sehr spannend. Ich hatte eine wirklich gute Woche hier in Deutschland. Ich habe die Band besser kennengelernt. Es ist übrigens eine deutsche Band, nur der Gitarrist ist mit mir aus Amerika gekommen. Alle anderen sind Deutsche. (lacht) Wir waren alle zusammen im Bus unterwegs, haben Poker gespielt und solche Sachen. Das war ein Riesenspass.
Wir bedanken uns für das sehr nette Gespräch!
Ein grosses Dankeschön auch an Winnie Viol von One.Louder - PR & Musikmanagement für die überaus freundliche Unterstützung!