(Johnossi)
Das Duo Johnossi, bestehend aus John Engelbert (Gesang, Gitarre) und Oskar Bonde (Schlagzeug), aus Stockholm begann 2004 gemeinsam Musik zu machen und veröffentlichte sein erstes gleichnamiges Album bereits ein Jahr später auf einem kleinen Indie Record Label. Nachdem sie bereits mit Bands wie The Soundtrack Of Our Lives, Mando Diao und Razorlight auf Tour waren und auch eine eigene Tour abgeschlossen hatten, wurde schließlich im März 2008 ihr zweites Album "All They Ever Wanted" veröffentlicht, welches von niemand geringerem als Jari Haapalainen produziert wurde (bekannt durch seine Arbeiten mit The Concretes, Ed Harcourt und Camera Obscura, um nur einige Namen zu nennen). Abgesehen von den Publikumslieblingen, die auf den ersten beiden Alben zu finden sind, erreichte die Band durch ihren "Execution Song", den sie für den Film "Die Welle" zur Verfügung stellten, einen zusätzlichen Bekanntheitsgrad. Ihr drittes und, in Übereinstimmung mit ihrer Homepage, anspruchsvollstes Album "Mavericks" erschien schließlich Ende April 2010. Das Duo ist bekannt für seine herausragenden Liveauftritte. Einen Bericht über das Konzert im Hamburger Logo könnt ihr hier nachlesen. Es war mir eine große Ehre, Johnossi-Schlagzeuger Oskar "Ossi" Bonde vor der Show für ein Interview zu treffen und ihn über das neue Album, das Touren und seine Liebe zu Stockholm zu befragen.

Musicheadquarter-Redakteurin Jessica Franke traf sich mit Oskar Bonde in Hamburg zum Interview.
Habt ihr den Tag in Hamburg genossen?
Ossi: Ja, soweit schon. Den meisten Tag über waren wir bei diesem Storegig, und wir haben lange geschlafen.
Hattet ihr ein wenig Zeit, euch die Stadt anzugucken?
Ossi: Nicht wirklich. Wir haben schon darüber gesprochen. Immer wenn wir bisher in Hamburg waren, haben wir uns um die Reeperbahn herum aufgehalten, einfach weil dort die ganzen Clubs sind. Von dem Rest, ich würde es das wahre Hamburg nennen, haben wir noch nicht viel gesehen. Aber ich würde die Stadt sehr gerne besichtigen. Immer wenn wir in den Städten sind, in denen wir spielen, sollten wir uns eher auf die Show konzentrieren und so viel Energie sammeln, wie es nur geht und manchmal ist Sightseeing dann keine gute Idee, da du dabei sehr müde wirst, besonders in der Sommersonne.
Ihr habt aber wirklich wundervolles Wetter mitgebracht...
Ossi: Ja, ich weiß, es ist fantastisch. Wir kommen gerade aus Schweden, wo das Wetter nicht so gut ist, deshalb ist das wunderbar.
Euer neues Album "Mavericks" wurde am 30. April in Deutschland veröffentlicht. Auf eurer Homepage heißt es, dass Disziplin, harte Arbeit, Schlaflosigkeit, Verwirrung am Rande des Wahnsinns und ein starker Einblick in diese Entwicklung euer anspruchvollstes Album charakterisiert. Kannst du uns das erklären?
Ossi: Ich denke, als wir die Hilfsmittel bekommen und darüber gesprochen hatten, ein drittes Album zu machen, haben wir uns sofort damit beschäftigt, was für eine Art von Album und wie wir es machen wollten. Wir können so was sehr schnell durchziehen, aber wir wollten es eben nicht innerhalb von wenigen Wochen machen, nur weil wir es könnten, wir hätten es wie das letzte Album machen können, welches wir sehr schnell aufgenommen haben. Dieses Mal hatten wir sehr viel Zeit für´s Entwerfen und Schreiben der Musik und als wir dann ins Studio gegangen sind, hatten wir zwei Monate, was für uns eine sehr lange Zeit ist. Wir wollten nichts unversucht lassen. Wir wollten mit jedem Song alles ausprobieren, damit jeder Song seinen richtigen Platz findet. Es war zeitraubend und auch wirklich hart für uns, psychologisch, da wir das Album für ein halbes bis ein Jahr nicht alleine lassen konnten. Das Resultat ist fantastisch, aber es ist immer noch hart für uns, das Album fertig zu stellen.
Wo seht ihr die größten Unterschiede zu den ersten beiden Alben?
Ossi: Das ist ziemlich schwer zu sagen. Ich würde sagen, dass jedes Album, und dies ist unser drittes Album, jedes Album ist stark von der Zeit geprägt, in der wir gespielt haben, in der wir das Album und die Songs aufgenommen haben. Und natürlich ist in den letzten Jahren, in denen wir zusammen gespielt haben, sehr viel passiert. Dieses Album ist sehr 2009 für uns. Das letzte Album ist 2006 oder 2007 für uns. Ja, ich denke, das sind die großen Unterschiede, die Art, wie uns ein Album in unserem Leben verfolgt hat. Es ist nicht wichtig, dass andere Leute es wissen, für uns ist es eine große Sache, wenn es darum geht, Musik zu entwerfen und es sollte wirklich ehrlich demgegenüber sein, was du in diesem Augenblick tust. Ich meine, das erste Album ist sehr naiv, wir dachten nur: "Oh, wir machen ein Album..." und wir hatten keine Ahnung über die Studioarbeit und wie wir die Songs am besten arrangieren und solche Sachen eben. Deswegen ist dieses Album, denke ich, sehr naiv und hübsch und Spaß. Du kannst die Energie fühlen und wir haben etwas gemacht, was wir so vorher noch nie versucht haben. Das zweite Album ist bedingt durch das ganze Touren in einer Art und Weise der Versuch von uns, den Livesound auf ein Album zu bekommen. Die Energie ist sehr groß und ich denke, dass dieses den Erfolg des Albums ausgemacht hat. Dieses Album jetzt ist mehr eine Reflektion über das Nachdenken über das Leben und an welchem Punkt wir uns gerade befinden. Wir sind mittlerweile eine mehr oder weniger etablierte Band und du beginnst dann darüber nachzudenken, wo du herkommst und was du in deinem Leben erreichen möchtest. Natürlich ist es für uns eine große Sache, für die Menschen, die unsere Musik lieben, diese auch zu spielen. Aber dennoch entwickeln sich auch andere Dinge in unserem Leben, so wie die Gründung einer Familie und solche Sachen eben und dabei ist es wichtig einen guten Blick dafür zu haben, was du wirklich über dein Leben denkst. Es ist wichtig, dass du dich selbst kennst und aus diesem Grund haben wir damit begonnen, über den Begriff "Maverick" (zu Deutsch: Außenseiter/Einzelgänger, d.Red.) nachzudenken. Es handelt sich um eine Person, die ihr eigenes Leben reflektiert und ihren Versuch, den eigenen Weg zu finden und nicht mit dem Fluss mit zu gehen, sondern der richtige Versuch den richtigen Weg zu finden. Ich denke, das ist es, was wir versucht haben auf das Album zu bekommen. Wir sind nicht perfekt, in keiner Weise, aber wir versuchen es.
Ihr habt euch dazu entschieden, euer Album selbst zu produzieren. Wie kam es zu dieser Entscheidung?
Ossi: Ich denke, der Grund war, dass wir die volle Kontrolle über die Musik dieses Albums haben wollten. Wir haben vorher schon mit Produzenten zusammengearbeitet und das hat auch wirklich gut funktioniert, aber die Tatsache, dass wir an einem Punkt angekommen waren, an dem wir auch mal etwas Neues ausprobieren und einen neuen Blick für unsere Musik bekommen wollten und wir so viele Ideen vom Anfang bis zur Fertigstellung der Songs hatten, was wir im Studio alles machen wollten, wenn wir die Songs einspielen, all das hat uns das natürliche Gefühl vermittelt, selbst Produzent zu sein. Da wir von dem ganzen technischen Zeug keine Ahnung haben, war es für uns selbstverständlich eine dritte Person mit heranzuziehen, Lasse Mårtén, der Besitzer dieses Studios, sodass er eine Art Co-Produzent wurde und genau diese Zusammenarbeit ist fantastisch.
Und ihr habt es in Stockholm produziert?
Ossi: Ja, in Stockholm. Ganz in der Nähe unserer Wohnungen, es war wirklich schön. Wir haben darüber nachgedacht, es woanders aufzunehmen. Aber es gab keinen wirklichen Grund dafür, da das Studio, in dem wir arbeiten wollten, sich eben in Stockholm befindet. Es gab also keinen wirklichen Grund für uns woanders hinzugehen.
Wie haben eure Fans auf die neuen Songs reagiert?
Ossi: Ich denke fantastisch. Ich meine, wir haben die Songs bisher noch nicht auf so vielen Auftritten vorgestellt, lediglich vier Shows in Schweden, denke ich, aber wir haben eine Menge der neuen Songs gespielt und die Resonanz war fantastisch. Manchmal mag das Publikum es nicht, wenn wir zu viele neue Songs spielen, aber ich denke, die Reaktionen waren fantastisch Und auch wie die Single "What’s The Point" vom Publikum angenommen wurde, hat unsere Erwartungen mehr als übertroffen.

Das sind Johnossi: Oskar Bonde (Schlagzeug) und John Engelbert (Gitarre, Gesang)
Mögt ihr es immer noch, die alten Songs zu spielen?
Ossi: Ja, sicher. Wir werden immer auch die älteren Songs spielen, aber wir haben jetzt drei Alben zur Auswahl. Beim letzten Album hatten wir zwei und beim ersten lediglich eins, es ist jetzt also eine absolut andere Geschichte aus so vielen unterschiedlichen auszuwählen, aber natürlich spielen wir auch die älteren Songs. Nicht nur, weil die Leute diese Songs hören wollen, sondern auch weil wir diese am Leben erhalten wollen.
Ich habe gesehen, dass ihr die Hives letztes Jahr in Japan begleitet habt. Wie war das?
Ossi: Oh, wir hatten sehr viel Spaß. Ich meine, wir haben lediglich vier Shows oder so gespielt, aber wir hatten eine fantastische Zeit. Wir waren schon immer sehr große Fans der Hives, sodass es wundervoll für uns war, mit ihnen auf Tour zu gehen. Sie haben lauter verrückte Sachen gemacht, wir hatten fantastische Shows, es sind einfach fantastische Jungs und wir hatten so viel Spaß zusammen.
Wo siehst du die meisten Unterschiede zwischen den Konzerten in Europa und Japan?
Ossi: Es gibt große Unterschiede besonders in Japan. Auf den meisten Konzerten innerhalb von Europa siehst du nahezu die gleichen Sachen, es gibt schon Unterschiede, aber eben nicht so große. Wenn du nach Japan kommst, siehst du enorme Unterschiede. Das Publikum ist während der Show sehr still und sie klatschen ungefähr so (Ossi zeigt mir, wie die Japaner applaudieren, woraufhin wir beide lachen müssen). Sie sind wirklich ruhig, auch während der Songs. So lange du das weißt, ist es okay, aber als wir das erste Mal dort gespielt haben, waren wir wirklich geschockt. Und es ist bei wirklich jeder Band so. Sie sind wirklich, weißt du, extrem. Ich meine, wir waren vorher noch nie in Japan, haben dort nie eine CD veröffentlicht und sie waren wirklich immer um uns herum, haben auf uns gewartet als wir mit dem Zug angekommen sind, wirklich verrückt. Es ist wirklich sehr nett, aber auch wirklich sehr unterschiedlich. Es ist eine vollkommen andere Kultur. Es ist dir zum Beispiel nicht erlaubt, die eigenen Sachen zu tragen. Ich meine, wir hatten ständig eine Menge Leute um uns herum, die uns die Sachen getragen und die Türen aufgemacht haben, sie sind wirklich so höflich. Solange du dich darauf vorbereitest, wirst du eine tolle Zeit habe, aber es klingt schon für die meisten Leute zunächst wie ein Schock. Aber die Jungs, The Hives, haben uns darauf ein wenig vorbereitet und uns gesagt: Geht mit dem Fluss, seid dankbar und höflich, dann ist alles okay.
Sind noch mehr Konzerte außerhalb von Europa geplant, zum Beispiel in Asien oder in den USA?
Ossi: Ja, wahrscheinlich schon. Ich meine, zur Zeit konzentrieren wir uns voll und ganz auf Europa und Skandinavien, aber vielleicht gehen wir nächsten Jahr dort nochmal auf Tour. Wir werden voraussichtlich zwei oder mehr als zwei Jahre mit diesem Album touren, daher denke ich, dass wir auf jeden Fall auch wieder in Japan und den USA spielen werden.
Ganz allgemein: Magst du es auf Tour zu gehen? Wieviel Zeit habt ihr während einer Tour, euch die Städte anzuschauen?
Ossi: Ich mag Touren in der Hinsicht, dass wir live spielen können. Auf der anderen Seite bedeutet es immer sehr viel warten und reisen und ich mag dieses Reisen nicht besonders. Ich meine, du vermisst deine Familie und Freunde und es gibt so viel schweigsame Momente, dann beginnst du darüber nachzudenken, dass du in dieser Zeit auch irgendwas anderes machen und mit deiner Familie oder deinen Freunden zusammen sein könntest als in dem Tourbus zu sitzen. Aber wenn dann der Auftritt beginnt, machen wir genau das, was wir so lieben und deshalb nimmt das Touren einen so großen Platz in unserem Leben ein.
Welche Stadt oder welches Land hat dir bisher am besten gefallen?
Ossi: Puh, ich weiß nicht. Wir lieben es immer wieder nach Deutschland zu kommen und wir hängen auch sehr an Hamburg, Berlin, München und jeder anderen Stadt, aber wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich sagen, dass Japan fantastisch war. Ich möchte unbedingt wieder dort hinreisen, dann allerdings als Tourist. Es gibt so viel zu sehen dort und die Landschaft ist wirklich fantastisch. Wir haben auch in ganz Amerika und Kanada getourt und das war auch wirklich toll. Ich denke, es ist wirklich wichtig für Menschen viel zu reisen, sonst beschränkst du dich zu sehr auf den Ort, in dem du lebst. Ich denke, es ist wirklich gesund, so viel wie möglich von der Welt zu sehen, zu entdecken, wie es aussieht auf der anderen Seite der Erde, was die Menschen so arbeiten und überhaupt, wie unterschiedlich die Menschen sein können. Es gibt dir viele gute Gedanken für das Leben.
Du hast eben gesagt, dass du während der Tour deine Familie und Freunde sehr vermisst. Kannst du mir sagen, was für dich das Besondere an Stockholm ist?
Ossi: Stockholm ist unser Zuhause. Wenn wir arbeiten, reisen wir so viel und wenn wir zurück in Stockholm sind, bedeutet das, dass wir frei sind. Wir müssen nicht arbeiten, wir müssen einfach gar nichts machen und können die Zeit mit unserer Familie und unseren Freunden verbringen. Darum ist es immer so fantastisch, zurück nach Stockholm zu kommen. Ich liebe generell Städte, die am Wasser gelegen sind. Aufgrund der Nähe zum Meer bin ich immer in der Lage Wasser zu sehen. Stockholm ist zwar eine sehr kleine Stadt, aber ich denke, sie hat fast alles, was ich brauche. Eines Tages werde ich vielleicht woanders hinziehen, früher oder später, irgendwohin, aber Stockholm wird definitiv immer mein Zuhause bleiben.
Ossi, hab vielen Dank für das wirklich nette Gespräch. Ich wünsche euch alles Gute für eure Tour und für euer Album und ja, bis heute Abend zum Konzert.
Ossi: Ja, bis heute Abend, es wird eine große Show, wir haben einiges an Energie angesammelt und es wird auf jeden Fall temperamentvoll und laut.
Ein herzliches Dankeschön auch an die Jungs und Mädels von Community Promotion in Dortmund, die uns dieses Interview vermittelt haben!