Interview mit Nicholas Müller und Sascha Eigner von Jupiter Jones

(Jupiter Jones)

18.03.2011 von Maren Röcker

Pünktlich zum Release ihres neuen selbstbetitelten Albums geht es für die vier Jungs von Jupiter Jones auf eine Konzerttour durch ganz Deutschland. Dabei fällt auf besondere Art und Weise auf, dass sich die Band, mittlerweile zum absoluten Geheimtipp der Szene etabliert, hin und wieder auch selbst im Radio anhören darf. Heute, vor dem Konzert Bei Chez Heinz in Hannover sprechen wir mit Sänger Nicholas Müller und Gitarrist Sascha Eigner über solche Sachen, andere Sachen und alles was dazugehört. Mit den beiden unterhielt sich unsere Redakteurin Maren Röcker.

Musicheadquarter-Redakteurin Maren Röcker eingerahmt von Nicholas Müller und Sascha Eigner (sowie ihrer Begleitung mit grüner Mütze).

Erstmal herzlich willkommen. Schön, dass ihr euch Zeit genommen habt. Wie gefällt euch Hannover denn so oder hattet ihr keine Zeit euch die Stadt mal anzuschauen?

Nicholas: Leider haben wir wie immer bisher nur den Weg von der Autobahn bis zum Club gesehen und heute Abend noch den Weg zum Hotel. Aber dafür kamen wir an Rudis Locken-Puff vorbei. Grandios!

Kriegt ihr öfter lokale Spezialitäten auf Tour angeboten?

Sascha: Also das läuft so ab, wir bekommen vom Veranstalter einen Rider bei dem wir angeben können, was wir gerne essen und trinken wollen und wir schreiben jedes Mal drauf, dass wir gerne lokales, gutes Bier hätten. Aber es hat noch nie ein Veranstalter geschafft diesem Wunsch nachzukommen.

Dann können wir ja jetzt diese Tradition mal brechen. Hier ist für jeden eine Flasche von Hannovers Lieblingsbier Herrenhäuser Pils, sogar eisgekühlt. Prost!

Sascha & Nicholas: Vielen Dank!

Jupiter Jones steht nun bei Columbia/Sony unter Vertrag. Wie kam es dazu? Erzählt doch mal!

Nicholas: Wir waren früher bei unserem eigenen Label. Es ist eigentlich eine kleine Odyssee, die schon ein paar Jahre andauert, wir haben uns schon länger darum bemüht. Es ist nicht unbedingt die komfortabelste Lösung alles selber zu machen. Es lässt einem zwar viele Freiheiten, kostet aber natürlich auch unfassbar viel Geld, Zeit und Arbeit. Beharrlichkeit zahlt sich nun mal aus, genau wie Glück und gute Songs.

Sascha: Die Argumente waren auf unserer Seite (lacht).

Ein Song auf eurem Album heißt "Berlin". Warum ausgerechnet Berlin und nicht beispielsweise Karlsruhe?

Nicholas: Weil Karlsruhe drei Silben hat und Berlin zwei (lacht). Es geht in dem Song um Berlin, weil er auch persönliche Erfahrungen widerspiegelt, aber es könnte auch London, Paris oder Hamburg sein. Eigentlich könnte jede dieser Metropolen Namensgeber des Songs sein. Es geht eher darum, dass Menschen der Meinung sind, in dem Moment wo sie von zuhause flüchten, was ich sehr gut nachvollziehen kann, um dann in eine möglichst große und angesagte Stadt zu ziehen, auch das Glück mit in den Umzugskarton gepackt haben, und das sehe ich überhaupt nicht so.

Ihr wohnt alle quer verteilt in Deutschland. Wie regelt ihr das mit dem Proben und noch viel wichtiger, müsst ihr nebenbei noch arbeiten und was ist mit dem Bandhund Edda?

Sascha: Es ist natürlich ein kleines logistisches Meisterwerk uns irgendwie zusammenzubringen. Also unser Proberaum ist in unserer Heimat in der Eifel, deshalb gibt es immer Block-Proben. Wir fahren dann für eine oder zwei Wochen nach Hause und versuchen dann das zu machen was so zu tun ist. Entweder proben für eine Tour oder neue Songs schreiben und danach sind wir wieder in alle Winde verstreut. Und zu deiner zweiten Frage, ich bin alleinerziehender Hausmann!

Nicholas: Alleinerziehender Vater eines Hundes (lacht).

Sascha: Unser Schlagzeuger hat gerade seinen Job gekündigt. Unser Bassist ist noch am studieren und wir beiden machen das schon etwas länger.

Nicholas Müller und Sascha Eigner beim Ausfüllen des Stresstests. Dazu gibt es Herrenhäuser Pils...

Findet ihr persönlich, dass ihr euch musikalisch verändert habt?

Nicholas: Ganz bestimmt sogar. Wobei ich sagen würde verändert im Sinne von erweitert. Wer genau hingehört hat, dem ist beim ersten Album schon aufgefallen, dass wir auch gerne Popmusik mögen und dass wir uns auch gerne in andere Richtungen öffnen. Ich finde es total normal für eine Band sich mit der Zeit zu verändern und bei einem Sound anzukommen. Und genau das haben wir mit dem letzten Album erreicht. Wir haben schon immer Popmusik und Punkrock gemacht und auch noch nie dafür geschämt, uns einzugestehen, andere Richtungen zu mögen und das auch in unser Album einfließen zu lassen. Es wäre schade, wenn man sich nicht mehr verändern kann, auch wenn es nur Kleinigkeiten sind.

Sascha: Das ist ganz natürlich, denn der eigene Musikgeschmack verändert sich ebenfalls mit der Zeit. Gerade was man privat hört beeinflusst einen enorm in der Kreativität. Vor acht Jahren hat man zum Teil ganz andere Bands gehört die man jetzt zum Beispiel gar nicht mehr mag. Je älter man wird, desto mehr verändert man sich.

Das bringt mich auch direkt zur nächsten Frage: Wenn ich damals meiner Mutter Songs von Rise Against oder eben auch Jupiter Jones vorgespielt habe, war sie eher weniger begeistert, weil bei ihr dauernd irgendein Dudel-Sender im Radio läuft, mit Songs von Lena oder Unheilig. Als ich kürzlich bei ihr war, wollte meine Mutter mir einen Song von euch vorspielen und so kam es dazu, dass ihr mit euren Songs mittlerweile auch eine ganz andere Klientel bedient. Wollt ihr dazu Stellung nehmen?

Nicholas: (lacht) Nee, das ist schon in Ordnung so, außerdem glaube ich mit einer relativ hohen Sicherheit sagen zu können, dass sich deine Mutter trotzdem etwas erschrecken wird, wenn sie das komplette Album anhört. Das ist eben so wenn man sich dazu entschließt, auch etwas Popmusik zu machen, wobei es auch nichts ist, wovor man sich sträuben sollte und ich sehe es als positiv, dass wir es dadurch ins Radio geschafft haben.

Okay, jetzt mal etwas ganz anderes: Habt ihr Lieblingscornflakes?

Nicholas: Ich esse so etwas gar nicht, ich brauche etwas Handfestes zum Frühstück.

Ihr habt nächstes Jahr 10jähriges Jubiläum. Habt ihr irgendetwas geplant?

Nicholas: Wir haben das selber gar nicht auf dem Schirm gehabt. Es ist uns erst bewusst, seitdem das neulich jemand zu uns meinte.

Sascha: Ganz grob ist die Band im August 2002 gegründet worden und so etwas feiern wir generell immer in der Heimat. In Trier haben wir ein eigenes Festival und das ist im August. Das würde sich dann super anbieten dort zu feiern. Aber generell haben wir noch nichts geplant.

Und wo seht ihr euch selbst in 10 Jahren?

Nicholas: Auf unserem 20jährigen Jubiläum in Trier (alle lachen). Ich finde es schwer die Zukunft einer Band vorher zu sagen. Gerade weil die Musikindustrie einem einen Strich durch die Rechnung macht. Grundsätzlich wünsche ich mir, dass die Band auch noch in zehn Jahren besteht und erfolgreich ist. Allerdings ist dieses Ziel auch sehr schwierig einzuhalten in Zeiten wie diesen. Unser Schlagzeuger ist dann auch schon 50 und wir wissen nicht, ob es dann noch so schön ist. Ich werde definitiv etwas mit Musik machen. Auch weil ich nichts anderes gelernt habe. Es gibt viele Möglichkeiten nicht nur selber Musik zu machen.

Was war das schlechteste Konzert was ihr je gespielt habt?

Nicholas: Oh, da waren so einige dabei (lacht). Ich erinnere mich an ein Konzert auf einer Burg. Das war furchtbar. Da habe ich auch noch Alkohol getrunken und die Show war perfekt, wenn ich vorher vier Jägermeister getrunken habe. Später habe ich dann gemerkt, dass es vier große Jägermeister waren, also acht und das könnte dabei dem Teufel etwas in die Hände gespielt haben, dass es nicht ganz so geil war.

Sascha: Dann gab es noch ein Einzelkonzert in München, wo wir von überall her angereist sind. Das war ein enormer Aufwand dorthin zu kommen. Schließlich war es ein kleiner Club wo am Ende circa sieben zahlende Menschen drin waren. Schade!

Nicholas: Das war so scheiße, dass ich es verdrängt habe.

Wir haben uns ja eben schon mal Gedanken darüber gemacht, wie es in zehn Jahren mit euch aussieht, deswegen gibt es jetzt einen kleinen Stresstest um eure Belastbarkeit zu analysieren...

Auswertung: Nicholas: 84 Punkte und Sascha: 92 Punkte (Anmerkung der Redaktion: ab 60 Punkten ist laut Vorgabe der Stressfaktor erhöht, ab 90 ist es ratsam, ärztliche Hilfe aufzusuchen).

Vielen Dank euch beiden!

Musicheadquarter bedankt sich ebenfalls bei Tom Küppers von Netinfect, der uns dieses Interview vermittelt hat!

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