(Kill Hannah)
Rock am Ring, Sonne, Musik - was für viele ein Vergnügen ist stellt für andere harte Arbeit dar. Das konnte man im geschäftigen Backstage Bereich der Alterna Stage erkennen. Nach ihrem gelungenen Auftritt, als erste Band auf der Alterna Stage am letzten Tag des Festival stand uns Bassist Greg von Kill Hannah freundlich, aufgeschlossen und sichtlich begeistert für ein Interview zur Verfügung.
Ihr habt heute bei Rock am Ring gespielt. Seid ihr in der Vergangenheit schonmal auf so großen Festivals wie Rock am Ring aufgetreten?
Greg: Wir haben in den Staaten an ein paar großen Festivals gespielt. Da waren so an die 35.000 Leute. Aber wir haben noch auf keinem Festival mit 80.000 Besucher. Das ist Wahnsinn wie groß das hier ist!
Und wie war es für euch?
Greg: Es war unglaublich. Das Line Up ist sehr abwechslungsreich. Es ist cool auf demselben Programm mit Bands wie Rage Against The Machine, The Prodigy und HIM zu stehen. Das ist wirklich cool. Wir waren bis jetzt auch nur einmal in Deutschland auf Tour und somit ist es auch sehr hilfreich den Leuten durch dieses Festival einen Eindruck unserer Band und unserer Musik zu vermitteln.
Für Leute, die bereits euer Album gehört haben, euch jedoch noch nicht live gesehen haben: wie würdest du diese beiden Faktoren vergleichen?
Greg: Auf jeden Fall ist unsere Liveshow energiegeladener und aggressiver. Man muss es einfach gesehen haben. Du bekommst das Gefühl für den Sound wenn live alles zusammen kommt… man muss uns live erleben.
Auf eurer letzten Tour duch Deutschland wart ihr als Support für Aiden unterwegs. Habt ihr vielleicht ein paar bekannte Gesichter wiedererkannt?
Greg: Ich habe tatsächlich ein paar Fans gesehen, die auch an der Show mit Aiden waren. Da waren ein paar mit Kill Hannah T-Shirts. Ja wir konnten feststellen, dass ein paar wiederkommen und hoffentlich werden sie auch alle kommen, wenn wir im September / Oktober erneut in Deutschland spielen werden.
Ist das dann eure eigene Headliner-Tour?
Greg: Ja das wird unsere eigene Tour sein. Die Daten sind noch nicht draußen, aber wir kommen auf jeden Fall.
Hat sich denn etwas für euch geändert seit der letzten Tour?
Greg: Nun, wir waren in Ländern in denen wir noch nie zuvor gewesen sind. Unsere Songs wurden zum Teil im Radio gespielt und die Reaktionen… das ist echt irre! Manchmal ist es sogar besser als in den Staaten. Man kann eine Veränderung am Horizont erkennen. Jedes Mal wenn wir wieder kommen haben wir mehr Fans und Leute, die uns kennen.
Das ist wirklich schön zu hören, denn normalerweise sagen die Leute, Deutschland sei hart zu knacken.
Greg: Ja es ist auch hart. Aber… wir hatten einen tollen Auftritt in Köln und dies war unser erstes Mal in Deutschland. Das ist super. Auf jeden Fall scheint das Publikum in Deutschland reservierter zu sein, als in anderen europäischen Ländern. Aber das hat nicht zu bedeuten, dass sie den Sinn unserer Musik nicht erfassen. Sie sind einfach etwas zurückhaltend und das ist vollkommen in Ordnung, wenn man das weiß und damit umzugehen weiß.
Was bevorzugst du: Ein großes passives Publikum oder ein kleines energievolles?
Greg: Ein kleines, energievolles. Natürlich liebe ich es vor einem großen Publikum zu spielen, das ist super. Aber wir haben schon so manche kleinere Club-Show gespielt, zum Beispiel in Finnland. Wir waren ja bereits mit HIM und The Rasmus auf Tour und wir haben auch in Finnland gespielt. Wir hatten Auftritte in Clubs mit vielleicht 1.000 Leuten und jedermann im Raum ist auf und abgesprungen, das war Wahnsinn.
Viele große Bands sprechen sehr positiv über Kill Hannah. Wie fühlt ihr euch dabei und gibt es eine dieser Bands mit denen ihr gern touren würdet?
Greg: Oh echt, sprechen sie über uns?
Ja das hab ich gehört…
Greg (lacht): Oh je. Es gibt so viele Bands mit denen wir gerne mal touren würden. Aber es ist toll zu hören, dass wir positives Feedback bekommen. Wir machen nun schon so lange Musik. Ich bin nun seit 10 Jahren in dieser Band. Angefangen haben Kill Hannah 1996. Also geht das nun schon 12, fast 13 Jahre… ja mit Liveauftritten begann es 1995. Ich kam 1997 dazu und es ist cool, dass es nun schon so lange funktioniert. Denn wir waren nicht immer beliebt und es wurde darüber gelästert wie wir aussahen, wie wir uns anhörten, dass wir zeitweise mit Keyboards experimentierten und all das. Und nun zu hören, dass große Bands schätzen was wir machen, scheint als würden endlich mal etwas Aufmerksamkeit bekommen. Das ist toll.
Bands mit denen wir gerne mal spielen würden… es gibt da einige Bands mit denen wir befreundet sind. Wir haben mit 30 Seconds To Mars gepielt. Wir waren auf Tour mit HIM, das war super. My Chemical Romance wäre auch toll. Aber natürlich wäre es ein Traum vor Bands wie Depeche Mode, New Order oder U2 zu spielen.
Also eine große Auswahl…
Greg: Ja. Wer soll eigentlich Positives über uns gesagt haben?
Ich bin mir nicht mehr sicher, aber ich glaube es könnten The Smashing Pumpkins gewesen sein…
Greg: Oh ja, das ist noch eine Band, für die wir gerne mal Supportact sein würden.
Ihr habt heute als erstes gespielt auf der Alterna Stage…
Greg: Ja genau.
Also wart ihr quasi der Support Act für all die anderen Bands des heutigen Tages!
Greg (lacht): Ja. Wie ergreifend!!
Zu eurem aktuellen Album: Wie lange dauerten die Aufnahmen und ist währenddessen etwas Außergewöhnliches passiert?
Greg: Wir sind im Juli 2005 ins Studio gegangen und waren im März 2006 fertig, inklusive Mischen und alles drum herum.
Gibt es ein paar Songs, die nicht auf das Album kamen?
Greg: Ja da gibt es ein paar. Wir haben ungefähr 15 Songs aufgenommen und nicht alle sind auf dem Album. Dieses Mal haben wir “The Chase” in England auf das Album gemacht. Dieser Song ist nicht auf dem US Release. “Nerve Gas” war auf “Stund Pilots”. Wir haben in den USA zwei Alben rausgebracht und eine Compilation dieser beiden Alben in Europa und England veröffentlicht.
Der “Kennedy” wurde durch die Kennedy’s, ihr Leben und ihre Tragödie inspiriert. Gibt es eine bekannte Persönlichkeit, die euch heutzutage zu einem Song inspiriern könnte?
Greg: Wer ich gerne wäre?
Nein, über wen du gerne mal einen Song schreiben würdest…
Greg: Nun…. Aaahm… ich weiß nicht… Hugh Hefner vielleicht!
Gelächter
Ja! DAS wäre cool.
Ihr habt ja schon einige Alben in Amerika veröffentlicht. In Europa gibt es noch nicht so viele Releases. Plant ihr ein paar eurer älteren Alben in Europa zu re-releasen, jetzt nachdem ihr ein wenig an Bekanntheit gewinnt?
Greg: Unsere Alben der 90er sind auf unserer Website erhältlich. Wir haben nicht geplant sie in Europa zu releasen, sondern konzentrieren uns da auf die neuen Sachen. Das neue Album und kommende Outputs.
Du bist zu Kill Hannah gestoßen, als dein Vorgänger am Bass – Allen Morgenstern – die Band verließ. Wie kam das Zustande? Kanntest du die Band zuvor oder hast du dich auf eine Annonce gemeldet…?
Greg: Ich kannte die Band vorher nicht. Ich sah sie einmal in Chicago bei einem Auftritt. Zwei Wochen später arbeitete ich in diesem House-Music-Club in Chicago und Allen kam rein. Ich meinte zu ihm “Ich hab eure Show gesehen. Es war super!” Allen bedankte sich bei mir und wir redeten eine Weile. Als ich mich dann wieder an die Arbeit machte, kam er plötzlich zurück und meinte “Hey, hast du nicht schon in Bands mitgespielt? Du spielst Bass, oder?!”. Ich war verwundert, woher er das wusste. Er meinte weiter, dass Kill Hannah einen neuen Bassisten bräuchten und ob ich nicht vorbeischauen wolle. 5 Tage später bin ich also vorbei gegangen. Wir haben uns unterhalten und stellten fest, dass wir dieselben Filme mochten, die gleiche Musik bevorzugten und die gleichen Einflüsse hatten. Also fragten sie mich “Möchtest du ab nächster Woche bei uns einsteigen?”
Also hat es in dem Fall vom ersten Moment an ohne Probleme geklappt?
Greg: Ja, es war klasse.
Wie bekannt seid ihr in eurer Heimat?
Greg: Es kommt darauf an. Amerika ist so groß und es ist ein wenig bizarr. Wenn du in hier in Deutschland in einer Stadt groß rauskommst, bist du im gesamten Land groß raus. In Amerika spielt das Radio eine wichtige Rolle. Es gibt so viele unterschiedliche Radiostationen und es hängt von denen ab, ob sie die Songs spielen oder nicht. In einer Nacht kann es also sein, dass wir vor 1.000 Leuten spielen und die nächste nur vor 100.
Wo habt ihr euer größtes Publikum momentan?
Greg: Ahm. Ich würde sagen, vielleicht in England. Und natürlich Chicago. Das ist großartig, denn Chicago ist eine der größten Städte Amerikas!
Was ist das Peinlichste, das euch jemals auf der Bühne passiert ist?
Greg: Ich kann dir eine Geschichte von Mat erzählen. Einmal schmiss er eine Wasserflasche an die Decke und sie kam zurück und flog ihm direkt auf die Stirn. Ein Fan hat ein Bild davon gemacht, genau in dem Moment als die Flasche die Stirn traf. Das sah so lustig aus!
Ändert ihr eure Setlist von Show zu Show?
Greg: Ja vor allem auf einer Headlinertour machen wir das. Wir haben einige fixe Songs und ein paar die wir nur ab und zu spielen. Für Fans, die von Stadt zu Stadt fahren und sich mehrere Shows ansehen. Somit können sie verschiedene Songs hören.
Ihr seid bereits mit einigen größeren Bands getourt. Gibt es da eine, die ihr nun gerne mal als Support für eure Headlinertour hättet?
Greg: Oh das kann ich so nicht sagen… alle waren toll. Ich würde eher sagen eine Band mit der ich gerne wieder auf Tour gehen würde, sind The Rasmus. Wir waren mit ihnen in den Staaten auf tour und die Jungs sind supernett.
The Rasmus… ich habe schon lange nichts mehr von denen gehört. Bringen die was Neues raus…?
Greg: Ja sie arbeiten gerade an einem neuen Album.
Arbeitest du nach wie vor in Chicago’s Dark Wave Disco wenn du zu Hause bist?
Greg: Ja, jedes Mal wenn ich zu Hause bin arbeite ich dort. Ich hoffe ich kann das DJ Set mal hierher bringen und damit touren.
Naja Dark Wave ist hierzulande ja ziemlich verbreitet. Wir haben auch interessante große Dark Wave und Gothic Festivals in Deutschland wie z.B. das Mera Luna oder WGT.
Greg: Okay. Ja es wäre echt toll, wenn das mal klappen würde.
Diese Festivals sind auch relaxter. Rock am Ring ist etwas stressig zeitweise.
Greg: Ja, es ist so riesig hier. So viele Leute… !
Und all die Besucher bei den Gothic Festivals stylen sich so mühevoll.
Greg: Ja, da ist eine größere Grundbasis, da jeder wegen der Musik und vor allem der Szene hingeht. Hier sind zum Beispiel Metallica und früher am Tag spielen CSS – das ist ein großer Unterschied.
Ja hier treffen viele verschiedene Musikstile und somit auch Besucher aufeinander.
Was war das erste, das du tatest, nachdem ihr den Plattenvertrag unterschrieben hattet?
Greg: Ich habe all meine Kreditkartenrechnungen gezahlt. Ich habe sofort die Gelegenheit wahrgenommen. Das war der Hammer. Ein tolles Gefühl!
Gelächter
Was war die merkwürdigste Frage, die dir jemals in einem Interview gestellt wurde?
Greg: Vielleicht. Manchmal werde ich gefragt, wo ich meine Klamotten kaufe.
Ist euch schonmal was Lustiges oder Außergewöhnliches auf Tour passiert?
Greg: Einmal hielt unser Tourbus in England an einer Tankstelle. Das war mitten in der Nacht. Mat ging aus dem Bus, hatte aber niemandem Bescheid gesagt und niemand sah ihn, wie er den Bus verließ. Wir fuhren also weiter und um 9 Uhr lief unser Tourmanager durch den Bus “Wo ist Mat? Wo ist Mat?”. Wir versuchten ihn anzurufen, doch er hatte sein Handy im Bus liegen lassen. Mat fand derweil jemanden an der Tankstelle, der ihn zum nächsten Bahnhof mitnahm. Er fuhr dann mit dem Zug zur Konzertlocation.
Gibt es irgendwelche Fragen, die ihr nicht mehr hören könnt in Interviews?
Greg: Oh ja da gibt es etwas. Wer ist Hannah und warum wollt ihr sie umbringen? Das ist… man kann das alles auf unserer Website oder wikipedia nachlesen.
Was ist das Erste, das du tun wirst, sobald du zu Hause bist?
Greg: DJ-ing
Was verbindest du mit Deutschland?
Greg: Ich weiß nicht so recht… vielleicht die geschichtliche Vergangenheit, aber da sollte man vielleicht besser nicht sagen. Also warte ich, bis wir wieder hierher kommen, vielleicht weiß ich dann etwas besseres.
Dann sollte sich Greg lieber beeilen, denn die Tour im Herbst ist nicht mehr lange hin. Wir freuen uns jetzt schon darauf und sind gespannt, was er uns dann sagen wir auf unsere letzte Interviewfrage. Wir möchten uns recht herzlich bei Greg bedanken, der sehr freundlich und aufgeschlossen uns gegenüber war. Ebenso danken wir Anna und Roadrunner Records, die uns dieses Interview ermöglicht haben.