Interview mit Nico, Tarek, Maxim und DJ Craft

(K.I.Z.)

15.10.2011 von Marc Brüser

Kannibalen in Zivil? Künstler in Zwangsjacken? Von "Schlimmen Proleten, die man direkt verbieten sollte" über "Von Lyrik und Wortwitz kaum zu überbieten" bis zu "Öööööööh, geile Mucke" ist alles vertreten. Es gibt viele Bezeichnungen für K.I.Z. Aber der andauernde Erfolg kommt nicht von ungefähr. Wie will man es sich sonst erklären, dass es die Berliner ins Programm von ZDF Kultur schafften, welcher Mitschnitte von ihrem Konzert auf dem Splash-Festival 2011 zeigte? Ihr fünftes Album "Urlaub fürs Gehirn" ist trotz mittelmäßiger Kritiken ein ziemlicher Kassenschlager geworden. So ist es auch keine große Überraschung, dass Nico, Tarek, Maxim und DJ Craft ganze zwei Mal vor ausverkauftem Haus in der Kölner Live Music Hall spielen dürfen. Kurz vor dem ersten Konzert stattete MHQ-Redakteur Marc Brüser den Herren einen Besuch ab, um mit ihnen über das neue Album, ungewöhnliche Konzerte, Urlaubsgewohnheiten und den Wendler zu sprechen.

Backstage in der Live Music Hall in Köln: DJ Craft, Stefan Nick (MHQ-Videographer des Abends), Nico, Maxim und Tarek (v.r.n.l.).

Hey, bevor wir mit dem Interview anfangen, gibt es irgendwelche Fragen, die euch nur noch ankotzen und die ich erst gar nicht zu stellen brauche?

Maxim: Was bedeutet K.I.Z.? Die Frage kann man nicht mehr hören. Find ich aber gut, dass die Presse direkt Selbstzensur betreibt.

Wäre ja auch langweilig für uns immer dieselben Fragen zu stellen. Apropos: Wie war die Tour bis jetzt?

Nico: Sind irgendwie viel mehr Leute als sonst. Aber ansonsten ist nichts anders.

Ihr habt ja bereits einige Konzerte an wirklich ungewöhnlichen Locations gespielt. Ich erinnere mich an die Kofferraum Tour 2009, wo ihr in der Kölner Innenstadt ein Konzert auf eurem Van gegeben habt. Man hat bei Facebook auch von eurer "Bootstour" in Berlin mitbekommen. Was war denn bis jetzt die krankste Location, in der ihr je gespielt habt?

Maxim: Ich fand das Konzert im Innenministerium in Stuttgart ziemlich krank.

Habt ihr den Laden da gestürmt, oder wie?

Maxim: Nee, wir hatten da auch unsere Kofferraum Tour, sind da irgendwo auf ein Gelände gefahren und dachten: Hier ist ein ganz cooler Platz für den Gig, hier können sich die Leute auch zur Not unterstellen. Auf einmal kam die Polizei an, mit Hunden und so superschönen weißen Knüppeln. Wir wurden anscheinend für Nazis gehalten, wie man uns später mitteilte. Die sind dann auch sehr forsch vorgegangen. Später ist halt aufgefallen, dass die Location das Innenministerium war.

Zum neuen Album: Ihr habt bis jetzt zwei Singles herausgebracht, zum einen "Urlaub fürs Gehirn", zum anderen "Fremdgehen". Beide Videos sind ja teilweise sehr speziell und man merkt, dass da eine Menge Input hineingesteckt wurde. Sind die Ideen alleine von euch oder sprecht ihr euch mit den Regisseuren ab?

DJ Craft: Die Ideen sind alle eigentlich immer vom Tarek (alle lachen).

Tarek: Wie schön, dass das mal gesagt wurde.

Wird dann auch so hingeschrieben.

Nico: Ich glaube das "Fremdgehen" Video war mehr eine persönliche Fantasie von dem Typen, der das Video gedreht hat. Aber bei "Urlaub fürs Gehirn" waren die Ideen schon mehr von uns.

Tarek: Außerdem ist es manchmal schwer die Videos komplett so umzusetzen, wie wir sie uns vorstellen.

Weil sie sonst indiziert werden?

Tarek: Nein, weil sie einfach zu viel kosten. Die sind ja schon so sehr teuer. Zum Beispiel unser "Hölle" Remake – das erste war klasse – kam am Ende ganz anders heraus, als wir es gedacht hatten. Als wir dann das Endergebnis gesehen haben, war mein erster Gedanke: Karneval der Kulturen.

Ist eine neue Single bereits in Aussicht?

Nico: Ja, "Abteilungsleiter der Liebe". Da ist das Video schon abgedreht, kommt demnächst auch heraus.

Das neue K.I.Z.-Album "Urlaub fürs Gehirn" erschien Anfang Juni (HIER findet ihr unser Review).

Mein persönlicher Lieblingssong vom neuen Album ist der Bonustrack "Biergarten Eden". Ich fand es super, dass ihr diesen ganzen "Hurra-Patriotismus", der in Deutschland immer während der WM herrscht, auf die Schippe nehmt. Sofern es natürlich auch so gemeint ist...

Nico: Wer weiß, wer weiß.

Könnt ihr mir ein wenig zum Song erzählen?

Nico: Wir waren während der WM unten in Südafrika. Da lagen wir am Strand rum, haben Schlangen und so Zeugs gegrillt und haben uns dann ein wenig vom südafrikanischen Flair packen lassen.

Maxim: Es gab während der ganzen Vor-WM-Zeit von fast jedem Musiker ein ganz grausames Lied über Deutschland. Da dachte ich: Wenn die anderen erfolgreichen Leute das machen, dann können wir das auch.

DJ Craft: Das ist ja auch meistens so: Wenn man im Ausland auf Reisen ist, bekommt man nun mal schnell Heimweh, dann sehnt man sich halt wieder nach dem schönen, schönen Deutschland.

Und dem "Spargel aus Beelitz", richtig? (Zitat aus dem Song, d. Red.)

DJ Craft: Genau.

Maxim: Man weiß halt erst was man hat, wenn man’s nicht mehr hat.

Ihr habt ja auch eine ganze Menge Kollaborationen mit Musikern gemacht, unter anderem Tony D, Bela B, Sido usw. Welche Künstler gibt es noch, mit denen ihr euch eine Zusammenarbeit vorstellen könnt?

Nico: Ich glaube Wolfgang Wendlandt hat uns alle Träume erfüllt.

Bitte was? Mit dem Wendler?

(Lachen wegen des Verhörers)

Maxim: Haha, nein. Obwohl das auch bestimmt mal interessant wäre.

Nico: Das wäre das i-Tüpfelchen.

Tarek: Es gibt auf jeden Fall einige nationale und internationale Künstler, mit denen man gerne zusammenarbeiten würde beziehungsweise sich das vorstellen könnte.

DJ Craft: Genau. Die Hurensöhne Mannheims zum Beispiel.

Eine Frage an dich Maxim: Ich habe gehört, du bist vor einiger Zeit mit Olli Schulz mal aneinander geraten. Was ist da genau vorgefallen?

Maxim: Olli Schulz? Wer ist nochmal Olli Schulz? (nach einer kurzen Denkpause) Ach der. Nee, den finde ich eigentlich nur doof, wir sind nicht aneinander geraten. Aber lustig würde es schon aussehen, wenn es passieren würde. Sein Gesicht ist ja ganz schwabbelig, in Zeitlupe sähe das bestimmt lustig aus.

DJ Craft: Es stimmt aber schon, dass Maxim mehr so der aggressive Typ von uns ist. Das sieht man vor allem an den roten Signalfarben, wie man an seiner Jacke erkennt.

Maxim: Rot, schwarz, weiß, genau.

Noch etwas zu eurer Heimat: Ich fahre in den nächsten Wochen für ein paar Tage nach Berlin. Könnt ihr ein paar gute Läden empfehlen?

Nico: Warum fährst du denn nicht an den Strand, Alter?

Ist ziemlich teuer.

Maxim: Mallorca?

Ballermann etwa?

Maxim: Nee, nicht Ballermann. Aber es gibt ja einige Hotels, die nicht ganz so weit außerhalb liegen und trotzdem ruhig sind.

Tarek: Nee, fahr mal lieber an die Nordsee.

Maxim: Stimmt. Ist bestimmt warm da jetzt.

Ich dachte, ihr könntet einem direkt mal ein paar Berliner Nachwuchskünstler empfehlen, die man sich dann da für lau angucken kann.

Maxim: Boah, keine Ahnung. Also ich höre nur Kiss.FM. Da läuft mehr so Taio Cruz, Jason Derulo...

Du hast David Guetta vergessen.

Maxim: Ja, David Guetta ist auch gut.

Nico: Ist auf jeden Fall ein großer Nachwuchskünstler.

Könntet ihr euch vorstellen auch international mal zu touren? Also jetzt abgesehen von der Schweiz und Österreich.

Tarek: Ja, wir waren schon in Lloret de Mar.

Das zählt nicht, das ist ja Deutschland.

Tarek: Stimmt (lacht). Dann waren wir noch in Tschechien, in Polen – das war auch fast nur Deutschland - und in Ungarn waren wir auch. Von daher sind wir schon ziemlich gut rumgekommen.

DJ Craft: Der Rest interessiert uns eigentlich auch nicht so sehr.

Maxim: Wir hoffen, dass infolge von diesem EU-Rettungsschirm jetzt vielleicht die deutsche Sprache allen europäischen Ländern aufgezwungen wird.

Wäre ja zumindest mal eine Maßnahme. Könnte man ja mit Griechenland anfangen.

Maxim: Das wäre ja auch nur fair, so wie wir die durchfüttern.

Unsere Zeit ist leider um. Vielleicht noch ein paar letzte Wort an die Fans oder wen auch immer?

Nico: ÖhÂ… jo Fans...

DJ Craft: Ey, Fans...

Nico: Ey, ich liebe jeden Einzelnen von euch so abgöttisch.

Maxim: Ihr seid etwas ganz Besonderes, egal was die anderen sagen.

Nico: Egal, wie hässlich ihr seid.

Tarek: Ohne euch wären wir absolut nichts!

Nico: Nein, ohne uns wärt ihr nichts!

Ich glaube das genügt. Vielen Dank fürs Interview und viel Spaß heute Abend.

Ein ebenso dickes Dankeschön an Vanessa von Landstreicher Booking, die uns dieses Interview ermöglicht hat!

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