Der weibliche Johnny Cash: Lindi Ortega verzaubert die Musikwelt!

(Lindi Ortega)

18.10.2011 von Daniel Kunkel

Wäre der legendäre Johnny Cash als Frau geboren worden, dann wohl im schönen Toronto in Kanada und sein Name wäre Lindi Ortega. Und ohne dem Altmeister zunahe treten zu wollen, er wäre deutlich hübscher. Manchmal will es das Schicksal einfach so: Als ich kürzlich durch Zufall bei einer Recherche zu den Red Hot Chilli Peppers über die Tour der schönen Lindi Ortega gestolpert bin, war es unvermeidbar, dass ich mich sofort mit dem Thema beschäftige. Ich gebe unweigerlich zu, dass es am Cover lag, den roten Cowboystiefeln und an einer unglaublichen Kanadierin, die mit ihrem Aussehen einfach sofort aus der Masse heraussticht. Jemand wie Lindi fällt direkt ins Auge. So zu sehen auf ihrem in Kürze erscheinenden Album "Little Red Boots". Mit ihrer glasklaren Stimme, die "in absolutem Glanz wogt", wie ein US-Magazin titelte, zieht sie einen unmissverständlich in ihren Bann. Songs wie "Little Lie" haben das Zeug zur Dauerrotation auf einschlägigen Radiosendern und gefallen sofort. Oder man träumt sich davon zu "Fall Down Or Fly". Hier stimmt das Gesamtpaket, ihre moderne Interpretation des alternativen Country bleibt im Ohr hängen.

Live ist Lindi durchaus auch kein unbeschriebenes Blatt: Sie kann sich vielmehr eine Tour durch den Mittleren Westen der USA mit Kevin Costner And The Modern West, einen Slot im Vorprogramm der englischen Gruppe Keane sowie die Zusammenarbeit mit The Killers-Frontmann Brandon Flowers auf die Fahne schreiben. Aber genug der Vorgeschichte, wir befinden uns auf Lindi’s aktueller Europatour durch kleine gemütliche Clubs und ich bahne mir meinen Weg durch das leicht verregnete Köln, um mich kurz vor der anstehenden Show im Kölner Underground mit Lindi im Hotel über ihr anstehendes Album und ihre Zukunft zu unterhalten, die wie ich finde eine große werden wird, auch wenn sie immer recht bescheiden wiederholt: "I’m just a girl who wants to play her songs...!". Ehrliche und greifbare Songs.

Musicheadquarter-Redakteur Daniel Kunkel traf sich mit Lindi Ortega vor ihrem Konzert im Kölner Underground (alle Fotos: Rainer Keuenhof).

Lindi, erzähl uns ein bisschen was über dich. Ich weiss nur, dass du dich sehr für Country Musik begeisterst. Was gibt es Interessantes über Lindi Ortega zu erfahren? Was sind deine Träume?

Lindi: (lacht) Okay. Also ich spiele Gitarre und ich singe. Ich bin sehr inspiriert von Old-School Country oder Outlaw-Country wie man auch sagt. Aber ich höre auch gerne alten traditionellen Country. Es gibt sicher auch einige neue Bands dich ich gerne mal höre aber eigentlich sind es überwiegend sehr alte Platten die mich beeinflussen. Rot ist meine Lieblingsfarbe, wie man unweigerlich sieht (lacht und zeigt auf ihren roten Koffer in dem sich rote Cowboystiefel befinden). Ich habe einen roten Koffer und rote Stiefel. Ich mache Musik seit über zehn Jahren. Ich habe bereits zwei unabhängige Releases veröffentlicht, die ich aber mehr während meiner Konzerte verkauft habe. Im Anschluss habe ich eine EP aufgenommen, die bei Interscope herauskam. Da war ich dann etwas über ein Jahr. Da hat sich die musikalische Ausrichtung des Labels etwas verändert und ich musste mir überlegen, ob ich weitermache oder nicht. Also habe ich entschieden, vier Songs, die mehr in die Country Richtung gehen, zusammen mit acht zusätzlichen Songs, einem Mix aus altem Country, Rockabilly und Folk, zusammenzustellen und das alles auf ein Album zu packen. Das meiste davon habe ich ziemlich zügig innerhalb von drei Tagen aufgenommen. Da waren ziemlich viele "one-take" Aufnahmen dabei! Es ging dabei mehr darum den Moment einzufangen, als aus zig Takes den "perfekten" auszuwählen. Es sollte einfach authentisch und nach mir klingen. Dann habe ich mit Brandon von den Killers zusammengearbeitet und auch meine eigenen Touren gefahren. Mit Kevin Costner, mit Keane in den USA und gerade habe ich erst eine Tour beendet mit einem irischen Musiker, der sich James Vincent McMorrow nennt. Da haben wir in England gespielt. Ich habe sehr lange gespielt. In Kanada und in Amerika ist mein Album jetzt schon veröffentlicht worden im Juni diesen Jahres, und wird auch hier in Kürze herauskommen im November. Deswegen bin ich hier um es zu supporten mit den ganzen Shows.

Kommst du aus einer musikalischen Familie oder hast du irgendwann einfach selbst angefangen zu spielen?

Lindi: Ja, mein Vater hat in einer Latino Band Bass gespielt. Als ich noch jung war kann ich mich erinnern, dass er mich immer mal mit zu Soundchecks genommen hat. Natürlich habe ich ihn damals auch auf der Bühne spielen sehen. Die Band hatte jeden Abend verschiedene Latino-Sängerinnen die aufgetreten sind. Die waren alle sehr glamourös und wunderschön. Davon war ich als Kind immer sehr fasziniert. Genauso wie der Fakt, dass mein Papa auf dieser Bühne gestanden hat und gespielt hat. Es waren auch immer Instrumente zuhause. Ich war also die ganze Zeit umgeben von Instrumenten und Musikern. Es hat also nicht lange gedauert, bis ich auf die Idee kam, auch selbst spielen zu wollen. Das ist alles sehr meinem Vater zuzuschreiben.

Später begeisterte sie dann ihre Fans live auf der Bühne.

Mir kam zu Ohren, du bist ein Dauerschreiber was Songs angeht und hast sehr viel Material?

Lindi: Naja gut, wie jeder habe auch ich Momente, wo einfach nichts in meinen Kopf kommen will. Jeder ist mal blockiert, das ist ja auch normal. Aber meistens und gerade jetzt auf Tour, wenn ich viel erlebe und die Welt sehe und neue Erfahrungen sammele, inspiriert mich das doch sehr zum Songschreiben muss ich sagen. Ich habe gerade erst wieder zwei Monate in Nashville verbracht, wo es Tonnen von Songwritern gibt. Das hat mich auch wieder sehr zum Schreiben animiert. Ich habe immer wieder so kleine Ideen in meinem Kopf. Ich hoffe ich verliere nie mein I-Phone, auf dem nehme ich gerne meine Ideen auf. Ich summe dann was rein (summt vor sich hin und lacht) oder spreche ein paar Wörter rein. Kurze I-Phone Clips aus denen viel entstehen kann.

"Fall Down Or Fly" ist eine unglaublich schöne Nummer auf dem Album "Little Red Boots". Mein persönlicher Lieblingssong zur Zeit! Erzähl was darüber!

Lindi: Das ist eigentlich ein Song, den es schon länger gibt. Ich habe das Lied für die Menschen geschrieben, die immer an meiner Seite waren während meiner "langen Reise" die ich eingegangen bin, um ein Singer/Songwriter zu werden und mir hiermit eine Karriere aufzubauen. Es gibt immer diese Zeiten wo sich alles im Kreis dreht und man sich so fühlt, als geht es nirgendwohin. Man wird unsicher, ob man es weitermachen soll oder nicht. Da waren aber immer diese Menschen, die mich unterstützt haben und mich angetrieben haben. Auch zu Zeiten, in denen ich nicht mal wirklich an mich selbst geglaubt habe. Der Song ist ein Tribut an die Menschen, die für mich da waren und gleichzeitig ein Ansporn an jeden, seinen Traum zu leben und das muss nicht unbedingt Musik sein, einfach das zu tun was man liebt bis zum Äußersten, bis man sein Ziel erreicht.

Du hast jede Menge cooler Videos auf deiner Homepage! Führst du da selbst Regie?

Lindi: Ja, das eine ist ja ein I-Phone Video. Das Konzept und die Idee habe ich mir selbst ausgedacht. Das ist das Video zu "Angels". Ich bin an einem Friedhof vorbeigefahren und da war eine Statue mit Engeln drauf und so ist die Idee entstanden. Der Rest kam so während der Aufnahmen. Irgendwann um vier Uhr morgens war es fertig. Ich habe mir nicht viel dabei gedacht und das nächste was passierte: Die L.A. Times ruft an und will mit mir darüber sprechen, irgendwie verrückt. Es gibt doch tausende Videos da draußen, wieso gerade meins? Naja, ich kann nur empfehlen das mal auszuprobieren, es ist so einfach mit den heutigen technischen Möglichkeiten (lacht).

Es gibt noch ein anderes, das Video zu "Black Fly"!

Lindi: Das haben wir in New Orleans aufgenommen. Ursprünglich sollte es eigentlich in Mississippi aufgenommen werden, aber wir saßen irgendwie alle in einem Conference Call und haben das besprochen und ich habe vorgeschlagen es im Sumpf in New Orleans zu drehen. Der Produzent hat zugestimmt, da das die Kosten auch nicht wirklich wesentlich in die Höhe getrieben hat. Er war sehr offen was meine Ideen anging. Das mit diesem Kerl, der betrunken ist usw. Er hat die Szenen alle perfekt umgesetzt. Die Szenerie dort ist einfach nicht nachzuahmen. Irgendwie eine urzeitliche Stimmung. Man würde dort nur überleben wenn man so einer von diesen Surviver Typen ist. Die ganzen Schlangen und die ganzen Viecher. Nachts würde ich da nicht alleine sein wollen, während der Aufnahmen kam sogar so ein Riesen Alligator auf mich zu, das war schon recht gruselig. Aber er wurde wieder vertrieben (lacht). Ein schöner und ein gruseliger Ort zugleich.

Erzähl uns noch wie die Tour so läuft? Wie sind die Reaktionen bisher in Europa?

Lindi: Also bisher habe ich fünf Shows mit James Vincent McMurrow gespielt. Ich habe für ihn eröffnet und sein Publikum mochte mich sehr und war sehr offen. Wirklich nette Leute. Und auch die Solo-Shows. Die erste war in Dublin und ich hatte etwas Angst, weil meine Platte noch nicht draußen ist. Und dieses kleine Venue war wirklich gut gefüllt. Auch in Berlin wurde nach einer Zugabe verlangt, ich war echt begeistert.

Zuletzt würde ich gerne wissen, was du planst wenn diese Tour zuende ist?

Lindi: Ich werde erst einmal wieder nach Hause fliegen nach Toronto. Da bin ich dann für eine Woche. Und dann steht schon die nächste USA Tour an. Einmal quer durch Amerika. Von Kalifornien bis nach Seattle. Viele große Städte. An Weihnachten wird eine Art Christmas EP herauskommen, die wir ein bisschen in Toronto und Umgebung bespielen werden und anschließend möchte ich im Januar nach Nashville umziehen.

Eine unglaublich tolle Musiker-Stadt. Perfekt für eine Musikerin wie dich!

Lindi: Ja, es ist ganz toll da, ich freue mich schon sehr! Es ist einfach unglaublich, dass ich das alles machen kann. Ich komme nur aus Toronto, Kanada. Eigentlich aus einem kleinen Kaff in der Nähe, das von Grund auf nicht mal sonderlich musikalisch ist. Und jetzt spiele ich überall in der Welt und ziehe nach Nashville. It really blows my mind, because I’m just a girl who wants to play her songs!

Wir wünschen dir alles gute Lindi! Thank you for the music!

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