Interview mit Rodrigo Amarante, Binki Shapiro und Fabrizio Moretti im Kölner Gebäude 9

(Little Joy)

12.01.2009 von Stephan Kämper

Fabrizio Moretti ist eigentlich hauptamtlich als Drummer bei den Strokes beschäftigt. Nun versucht auch er sich mit einem Soloprojekt: Little Joy, benannt nach einer Cocktailbar. Unterstützung bekommt Moretti dabei von Binki Shapiro und Rodrigo Amarante. Ihr erstes, selbstbetiteltes Album erschien im November letzten Jahres. Am 12. Januar spielten Little Joy im Gebäude 9 in Köln. Vor ihrem Konzert gab es für uns die Gelegenheit mit den sehr netten Mitgliedern dieser Band ein kleines, aber feines Interview im Backstagebereich zu führen.

Welche Eindrücke habt Ihr bereits von Köln gewinnen können?

Fabrizio: Ich denke an den Dom.

Binki: Ja. Wir und ein paar andere Jungs von uns standen heute morgen sehr früh auf... wir konnten nicht mehr schlafen... und holten uns ein Taxi... es war so unglaublich. Ich habe mich so klein gefühlt im Gegensatz zum Dom.

Was ist das besondere daran live zu spielen?

Fabrizio: Du bekommst einfach sofort die Reaktion des Publikums zu spüren. Du kannst sofort sehen, wie die Leute deine Songs finden.

Binki: ...und Leute mitsingen sehen. Das ist sehr interessant.

Fabrizio: ...Leute, die das Album kennen.

Binki: ...und zu sehen, dass die Leute eine gute Zeit haben. Das führt dazu, dass wir auch eine gute Zeit haben.

Fabrizio: ...insbesondere, dass du ein Album machst und jemand möchte es hören. Wir dachten, niemand will es hören. Wir wussten nicht, dass die Möglichkeit besteht nach Köln zu fahren, um ihnen das Album vorzuspielen. Das ist sehr interessant.

Viele Deutsche haben nicht die Vorstellung davon, wie groß die USA wirklich sind, besonders im Vergleich zu Deutschland. Ich kann mir persönlich nicht vorstellen, wie man ein Musiker werden kann, wenn man in einer der großen Städte in den USA lebt. Wann wusstet ihr, dass ihr von der Musik leben könnt?

Fabrizio: Das ist lange her. Ich persönlich dachte nie, dass es jemals passieren könnte mit der anderen Band (gemeint sind The Strokes, d.Red.). Wir spielten eigentlich nur so zum Spaß für uns selbst. Und ich denke, wenn du den Fokus zu sehr auf ein bestimmtes Ziel lenkst – einen Vertrag zu bekommen oder ein Album zu produzieren -, dann zerstörst du das Schöne daran, mit Freunden Musik zu machen. Ich denke zuerst sollte man befreundet sein und sich dann auf die Musikindustrie konzentrieren.

Ist es wichtig, mit Freunden in einer Band zu spielen?

Fabrizio: Ja, das glaube ich! Ich habe nie diese Zeitungsanzeigen verstanden, in denen Bandmitglieder gesucht werden. Einige davon waren: „Gitarren gesucht! Wir lieben Heavy Metal und ABBA“.

Rodrigo: Es hört sich so an wie: „Freunde gesucht!“.

Fabrizio: Genau!

Binki: „Freunde gebraucht! Wer kann Gitarre spielen?“.

Fabrizio: “Meine Lieblingsfarben sind rot... gelb“.

(Gelächter)

Was würdet ihr für Berufe ausüben, wenn ihr keine Musiker wäret?

Fabrizio: Ich würde Hot Dogs verkaufen.

Binki: (zu Fabrizio) Du würdest Schauspieler sein.

Fabrizio: Nein, ich würde Hot Dogs verkaufen!

Rodrigo: Ich würde Schreiner sein... mit Holz arbeiten.

Denkt ihr, Little Joy ist nur ein Projekt oder könnte es in Zukunft mehr Alben von der Gruppe geben?

Fabrizio: Ich denke, dass wir in Zukunft mehr Alben machen werden.

Binki: Wir hoffen! Das ist der Plan.

Fabrizio, auf dem ersten Album der Band klingt die Musik sehr eigenständig und gar nicht nach den Strokes. Wie lassen sich die unterschiedlichen Einflüsse erklären?

Fabrizio: Die unterschiedlichen Einflüsse? Rodrigo, Binki. (lacht)

Ich dachte eher an die Musik...

Fabrizio: Oh ja. Es ist wie sich zurückzulehnen. Die größten Unterschiede sind, dass wir alle Instrumente spielen können, zu denen wir Lust haben. Wenn wir eine bestimmte Linie im Song haben wollen, dann machen wir das. Bei den Strokes war es fest aufgeteilt: Zwei Gitarren, ein Bass, ein Schlagzeuger und ein Sänger. Weil das die Natur dieser Band war. Dieser Sound jetzt geht darüber hinaus.

Im Jahrespoll des deutschen Rolling Stone seid ihr leider nicht unter den besten 25 Alben vertreten. Habt ihr den Anspruch ähnlich erfolgreich zu sein wie mit euren anderen Bands?

Rodrigo: Darüber machen wir uns keine Sorgen. Das ist nicht etwas, was unbedingt unser Ziel ist. Es ist nicht das Ziel, kommerziell zu sein. Es ist das Ziel, emotional etwas zu erreichen. Es ist nicht so: „Wir wollen unbedingt so bedeutend wie die Strokes werden!“. Aber das ist nichts, worüber wir uns Sorgen machen.

Gibt es noch irgendetwas, was ihr dem deutschen Publikum sagen möchtet?

Rodrigo: Kommt bitte! (lacht)

Fabrizio: Genieße Little Joy! Wir freuen uns sehr, hier zu sein. Und wir sind sehr gespannt darauf, wie der Auftritt ablaufen wird.

...aber das ist der einzige Auftritt in Deutschland, oder?

Fabrizio: Ich denke schon, ja.

Binki: Das ist unser erster Auftritt.

Fabrizio: Das ist unser einziger Auftritt, den wir in Deutschland haben.

Binki: Ach so, ja richtig.

Fabrizio: Wir haben einen sehr engen Zeitplan. Und so versuchen wir so viel wie möglich zu schaffen, in der kurzen Zeit, die wir haben. Ich wünschte wir könnten nach Berlin. Ich wünschte wir könnten nach... Düsseldorf gehen.

Düsseldorf! Das ist eine sehr gute Idee!

(Fabrizio und Binki lachen)

Okay, das war’s. Vielen Dank für eure Zeit!

Fabrizio: Wirklich? Danke. Ein wirklich nettes Interview. Ich mag es. Schnell, aber effizient.

Vielen Dank auch an Melanie von Beggars, die dieses Interview möglich gemacht hat! Und an dieser Stelle noch einmal ein Dank an die Band für das nette Gespräch!

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