(Michael Weston King)
Michael Weston King wird weithin als einer der besten Singer/Songwriter in Grossbritannien bezeichnet. Sogar der legendäre Townes van Zandt hat bereits Songs von ihm gecovert. Zwischen 1994 und 2001 veröffentlichte Michael Weston King mit seiner Band "The Good Sons" vier von der Kritik gefeierte Alben. Im vergangenen Jahr erschien ihnen zu Ehren das Doppel-Album "Cosmic Fireworks - The Best Of The Good Sons". Seit sechs Jahren ist King nun solo unterwegs und hat in dieser Zeit vier weitere Alben veröffentlicht. Sein neuestes Werk "A New Kind Of Loneliness" erschien vor kurzem auch in Deutschland. Musicheadquarter hatte anlässlich des Release die Gelegenheit zu einem Interview. Michael Weston King spricht darin ausführlich über seine jetzige Arbeit, seine Vergangenheit, seine persönlichen musikalischen Vorlieben und über seine Zukunftspläne. Die Fragen stellte Thomas Kröll.

Neben deinem eher in Richtung `Americana´ orientierten musikalischen Background, gibt es sehr viele soulige Momente auf `A New Kind Of Loneliness´. Gibt es einen speziellen Grund für diese Veränderung oder sagen wir, für diese stilistischen Variationen?
Michael Weston King: Nun, ich habe diese souligere Richtung schon auf meinem Album `A Decent Man´ von 2003 angedeutet. Mit Songs wie `When You Leave The Spotlight´, der eine Art von Tribute für Bobby `Blue´ Bland war. Und ich habe mich jetzt schon seit geraumer Zeit von dem entfernt, was die Leute Americana oder Alt Country nennen. Ich habe das mit The Good Sons gemacht, als wir uns 1993 wiedervereinigten, aber ich fühle, dass ich dem nun entwachsen bin. Sogar das letzte Good Sons-Album ("Happiness" von 1999, d.Red.) war viel weniger Americana als frühere Alben. Ich habe mir eine Menge Soulmusik angehört und auch Country Soul. Jim Ford oder Eddie Hinton zum Beispiel. Und das hat mein Schreiben beeinflusst.
Es sind verschiedene Gaststars auf deinem Album zu finden, etwa Chris Hillman oder auch Ron Sexsmith. Ist das etwas, das du von Anfang an so beabsichtigt hattest? Oder ist es eine Art Zufall, dass all diese Leute Teil des Albums geworden sind?
King: Es war nicht geplant, es passierte einfach. Zu der Zeit, als ich an dem neuen Album arbeitete, war ich mit Chris Hillman und Herb Pedersen auf Tour in Grossbritannien. Ich spielte ihnen den Song `My Heart Stopped Today´ vor und fragte sie, ob sie kommen könnten, um dabei mitzuspielen und zu singen. Der Song war bis dahin ein simpler Country-Folk-Song und ich wünschte mir eine Mandoline, ein Banjo und viele Harmonien dazu. Chris und Herb sind wahre Meister was das angeht. Der Song passte wirklich zu ihrem Stil und anders herum, wurde er durch ihren Beitrag wiederum ungemein verbessert. In Bezug auf `From Out Of The Blue´, wo Ron Sexsmith singt, so habe ich den Song schon vor einigen Jahren mit dem dänischen Songwriter Michael Hamilton geschrieben. Als wir den Song damals schrieben, haben wir tatsächlich absichtlich versucht, einen Song zu schreiben, der zu Ron`s Stil passen könnte. Ich kenne Ron nun schon einige Jahre und wir waren bereits zwei oder drei Mal zusammen auf Tournee. Also habe ich ihm den Song geschickt, er mochte ihn und wir ergänzten ihn um eine schöne Harmonie.
Ich mag besonders den Text von `Saturday`s Child´ auf `A New Kind Of Loneliness´. Ist es richtig, dass dieser Song von der Situation der Kinder nach der Scheidung ihrer Eltern handelt? Die meiste Zeit verbringen sie bei der Mutter und nur die Wochenenden mit dem Vater. Ich denke, dass der Song aus dem Blickwinkel des Vaters geschrieben ist. Hast du persönliche Erfahrungen mit einer solchen Situation?
King: Ja, habe ich und zwar eine sehr schmerzvolle. Der Song ist tatsächlich aus dem Blickwinkel des Vaters geschrieben und ich habe versucht deutlich zu machen, wie man sich als Vater fühlt, wenn man sein Kind oder seine Kinder zurück zu ihrer Mutter bringt und sie dann für ein oder zwei Wochen nicht mehr sehen kann. Ich bin leider in einer kompetenten Lage, um einen solchen Song zu schreiben, denn das habe ich selbst sieben Jahre lang mitgemacht. Ich habe den Song auch an die britische Organisiation `Fathers For Justice´ geschickt. Eine Kampagne, die mit dem Ziel gegründet wurde Vätern zu helfen, nach einer Scheidung oder Trennung mehr Umgang mit ihren Kindern zu bekommen. In Grossbritannien ist das Gesetz in dieser Beziehung noch sehr auf Seiten der Mütter, manchmal mit gutem Grund. Aber viel von der Zeit, in der Väter ihre Kinder überhaupt nicht sehen können, ist sehr schädlich für beide, den Mann und die Kinder. Du erinnerst dich vielleicht daran, dass `Fathers For Justice´ einige medienwirksame Aktionen gestartet haben, um ihre Situation in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen und die Aufmerksamkeit der Regierung zu wecken. So haben sie sich zum Beispiel als Superhelden verkleidet und sind den Buckingham Palast hochgeklettert. Zum Glück hat es schließlich funktioniert und das Gesetz wurde geändert. Ich habe gehört, dass die Geschichte von `Fathers For Justice´ verfilmt werden soll und ich hoffe, dass dieser Song dabei in irgendeiner Weise Verwendung findet.
Du hast viele Jahre zusammen mit The Good Sons gespielt. Hast du das Bandgefühl in den vergangenen Jahren vermisst oder weisst du es zu schätzen, als Solokünstler aufzutreten und Alben aufzunehmen?
King: Ich vermisse es schon, live mit einer kompletten Band aufzutreten. Und auch den grossen Spass und die Kameradschaft, die es bedeutet, wenn man in einer Band ist. Aber da gibt es auch negative Seiten, wenn man mit einer Gruppe von Leuten unterwegs ist und die vermisse ich nicht. Außerdem ist es schwer auf Tour mit sechs oder sieben Leuten zu überleben. Mein Gott, es ist schon schwer genug, wenn man alleine ist! Heutzutage ist der eigentliche Grund, warum ich solo oder als Duo auftrete, ganz einfach der wirtschaftliche Faktor. Ich komme nach Hause von einer Tour und habe zumindest etwas Geld damit verdient. In den vergangenen drei Jahren war ich ja zumeist im Duett mit Alan Cook unterwegs, der nicht nur ein grossartiger Musiker ist, sondern auch einer der nettesten und geduldigsten Männer dieser Welt. Das macht es so angenehm, mit ihm zu touren.

"Einige meiner besten Shows fanden an den unwahrscheinlichsten Orten statt. Das waren oft genug Orte, an denen ich nicht hätte leben wollen."
Auf deiner Homepage (www.michaelwestonking.com, d.Red.) habe ich gelesen, dass in diesem Jahr eine Art Tribute-Album für dich geplant ist. Kannst du uns darüber mehr erzählen und wie dieses Projekt zustande kam?
King: Es ist eine Zusammenstellung von 19 meiner Songs, die von anderen Künstlern gespielt werden. Während der letzten Jahre haben einige Leute Songs von mir aufgenommen und so hatten wir die Idee, diese auf einem Album zusammen zu fassen. Wir brauchten dazu noch einige Stücke mehr, also haben wir ein paar Künstler eingeladen daran teilzunehmen. Und ich habe noch befreundete Musiker gefragt, ob sie ebenfalls mitmachen möchten. Jetzt haben wir eine wirklich schöne Sammlung. Es gab dann noch zahlreiche andere Künstler, die gerne dazu gestossen wären, es aber nicht mehr geschafft haben, ihre Songs rechtzeitig fertig zu stellen. Ich glaube, wir sollten eine zweite Ausgabe davon machen, was sehr aufregend und eine wirklich grosse Ehre für mich ist.
Im November sind drei Auftritte in den Niederlanden geplant. Wird es in diesem Jahr auch noch weitere Konzerte von dir in Deutschland geben?
King: Ja, es wird weitere Deutschland-Termine geben. Auf der letzten Deutschland-Tour habe ich einige grosse Städte ausgelassen, in denen ich normalerweise spiele. Hamburg, Kiel, München oder Köln. Also denke ich, dass ich dort und in ein paar weiteren Städten im November spielen werde.
In all den Jahren bist du in vielen verschiedenen Ländern und Städten aufgetreten. Was ist dein Lieblingsort zum Leben? Und um aufzutreten?
King: Einige meiner besten Shows fanden an den unwahrscheinlichsten Orten statt. Das waren oft genug Orte, an denen ich nicht hätte leben wollen. Ich liebe es, in Norwegen zu spielen, besonders in Trondheim und in Holland. Ich hatte auch schon einige grossartige Shows in Deutschland, besonders in Münster, Hamburg, Berlin und einige ebenso grossartige im Osten eures Landes. Ich liebe es in Austin und Toronto aufzutreten, aber nicht in Nashville. New York kann gleichzeitig fantastisch und schrecklich sein! Im Augenblick lebe ich in Moseley in Birmingham und ich fühle mich dort sehr wohl. Aber irgendwann möchte ich in den Lake District ziehen, mein Lieblingsort auf dieser Welt. Und vielleicht davor noch für einige Zeit in die Vereinigten Staaten.
Der Independent hat dich einmal als eine Kreuzung zwischen Nick Cave und Rodney Crowell beschrieben. Bist du genervt von solchen Vergleichen oder empfindest du sie eher als Kompliment?
King: Sie haben meine Stimme als eine Kreuzung zwischen Nick Cave und Rodney Crowell beschrieben, was ein sehr häufiger Vergleich ist. Tatsache ist, dass diese beiden mein Schreiben beeinflusst haben. Ich mache nun schon eine sehr lange Zeit Musik und wurde mit vielen Künstlern verglichen. Gott sei Dank überwiegend mit solchen, die ich selbst mag und bewundere, wie Tim Hardin, Townes van Zandt, Fred Neil, Phil Ochs, Roddy Frame oder Ron Sexsmith. Ich empfinde das als Kompliment und es nervt mich überhaupt nicht. Ich habe einige Besprechungen aktueller Künstler oder Bands gelesen, in denen diese mit mir verglichen wurden und das finde ich weit nerviger, aber auch irgendwo schmeichelhaft.
Hat dir eigentlich schon mal jemand gesagt, dass du ein wenig wie der junge Joe Cocker aussiehst? Wenn ja, würdest du dem zustimmen?
King: Nein, das hat bisher noch niemand gesagt und ich muss zugeben, dass ich diese Ähnlichkeit selbst auch nicht sehe. Wie auch immer, mir wird oft erzählt, ich sähe aus wie Kevin Spacey, worüber ich sehr froh bin. Und manchmal ein kleines bisschen wie Quentin Tarrantino. Darüber bin ich weniger froh.

"Mein Traum ist es, ein Album mit T Bone Burnett als Produzenten zu machen."
Deine Musik kommt ja mehr aus dem traditionellen Background. Bist du auch an moderner Musik interessiert oder gibt es aktuelle Künstler oder Bands, die du gerne magst?
King: Ich denke, einiges in meiner Musik hat einen traditionellen Background. Ich mochte Countrymusik schon immer und auch einige Aspekte des Folk. Aber ich mag genauso gute Popmusik, Soul und grossartigen Rock`n`Roll. Vieles von dem, was ich mir am meisten anhöre, entstand vor 20, 30 oder mehr Jahren aber ich kaufe mir genauso neue Alben. Ich mag das Cat Power-Album `The Greatest´ und ich bin ein grosser Fan der amerikanischen Band Rilo Kiley. Ihr Album `More Adventurous´ war eines der besten Alben, die ich in den letzten fünf Jahren gehört habe. Ich finde ebenfalls das neue Arctic Monkeys-Album gut oder The Hold Steady. Natürlich werde ich mir immer die neuen Alben meiner bevorzugten älteren Künstler kaufen, wie Bob Dylan, Elvis Costello, Tom Waits oder Nick Cave.
Wenn du deine fünf absoluten Lieblingsalben nennen müsstest, welche wären das?
King: Oh Junge, das ist schwer und wechselt fast täglich. Aber wenn ich jetzt fünf auswählen muss, wie wäre es dann mit `King Of America´ von Elvis Costello, `Blood On The Tracks´ von Bob Dylan, `London Calling´ von The Clash, `Dusty In Memphis´ von Dusty Springfield und `The Boatman`s Call´von Nick Cave!?
Was machst du in deiner Freizeit? Hast du irgendwelche spezielle Interessen außer der Musik?
King: Was ist das, Freizeit? Wenn ich mal welche habe, dann gehe ich für gewöhnlich ins Kino, denn ich bin ein grosser Filmfan. Oder ich bin unterwegs auf irgendeinem Berg im Lake District. Oder in Old Trafford oder einer Kneipe, um mein geliebtes Manchester United zu sehen.
Was sind deine Pläne, Hoffnungen und Träume für die Zukunft in Bezug auf die Musik?
King: Mein Ziel ist es das nächste Album fertigzustellen, das ich in diesem Jahr aufnehmen möchte. Und ich möchte noch ein Duett-Album aufnehmen, was ich schon seit Jahren plane. Ich habe einige Songs geschrieben, die von einem Mann und einer Frau gesungen werden sollen. So richtig herzzereißender Stoff. Ich habe mir eine Liste von Sängerinnen gemacht, mit denen ich das Album gerne aufnehmen würde. Jeder Song soll dabei von einer anderen Sängerin gesungen werden. Ich werde dieses Projekt wohl irgendwann später in diesem Jahr ans Rollen bringen. Meine Hoffnung ist, dass `A New Kind Of Loneliness´ die Aufmerksamkeit bekommt, die das Album meiner Meinung nach verdient hat und dass es sich gut verkaufen wird. Ich fühle, dass es mein bisher bestes Album ist und es wäre nur schwer zu verdauen, wenn es unter dem Radar hindurch schlüpft. Mein Traum ist es, ein Album mit T Bone Burnett als Produzenten zu machen. Im Juli werde ich in Los Angeles spielen und mein guter Freund Peter Case will versuchen, T Bone mit zu der Show zu bringen. Wir werden sehen. Vielleicht werden Träume wahr!
Vielen Dank für das Interview, Michael!
Mit freundlicher Unterstützung von Oliver Bergmann (Oktoberpromotion).