(Mojo Fury)
Mojo Fury ist eine junge aufstrebende Band aus Nord-Irland, der ich zufällig auf der Amplifier UK-Tour 2011 begegnete, und die mich mit ihrer ausgefallenen Mischung aus Industrial, Rock und Punk schon vom ersten Augenblick umgehauen hat. Da ich sofort von der kreativen Energie und der Wucht der Viererbande überzeugt war, bat ich Frontmann Michael Mormecha vor ihrem Auftritt in Bristol, mir ein wenig über die Geschichte und die Zukunftspläne von Mojo Fury zu erzählen.

Michael Mormecha von Mojo Fury in einem Plattenladen in Bristol (Foto: Shirin Kasraeian).
Erzähl mal ein bisschen darüber, seit wann es euch gibt und wie es zur Bandgründung kam.
Michael Mormecha: Das war im Jahr 2004 in einer nordirischen Stadt namens Bangor. Wir haben uns an der Musikhochschule getroffen, wo wir Musiktechnologie studiert haben. Unser Bassist Ciaran und ich waren zusammen in einer Band, um Songs für unser Seminar zu schreiben, James, der jetzt Keyboards und Gitarre spielt, kannte ich seit Anfang des Studiums. Es war der 2. Februar 2004, als wir die Band gegründet haben, daran kann ich mich genau erinnern. Die ersten vier Jahre waren wir zu dritt. Ich hab Schlagzeug gespielt und gesungen wie Phil Collins (grinst). Den Namen Mojo Fury hatte Ciaran schon vorher und ich sagte, dass ich gerne in einer Band spielen würde, die Mojo Fury heißt. Aber ursprünglich wollte ich gar nicht in einer Band spielen, sondern Musik produzieren und im Studio arbeiten, aber die erste Probe hat Spaß gemacht, und jetzt sind wir hier.
Wie kommt es, dass euer Debüt "Visting Hours Of A Travelling Circus" erst dieses Jahr veröffentlicht wurde?
Michael Mormecha: Wir haben ein paar Demos gemacht und eine EP veröffentlicht. Wir haben eigentlich nicht so richtig daran gedacht, ein Album zu veröffentlichen. Es war letztendlich jemand anderes dafür verantwortlich. Er ist Produzent und hat uns gesagt, wir hätten genug Songs für ein Album und sollten es endlich aufnehmen. Er hat uns auch bei der Produktion geholfen. Wir brauchten diesen Tritt in den Hintern, und als wir erst damit losgelegt hatten, haben wir auch angefangen, uns wie eine richtige Band zu fühlen. Wenn ich zurückschaue auf die letzten Jahre, weiß ich gar nicht, wie die Zeit vergangen ist Â… die Produktion des Albums hat zwei Jahre gedauert und dann mussten wir das Label finden und so weiter. Der Titel des Albums "Visting Hours Of A Travelling Circus" fasst ganz gut diese Zeit zusammen, die wir miteinander verbracht haben. Wir sind musikalisch gewachsen. Wir haben auch sehr unterschiedliche Musik gehört.
Wo sind denn deine musikalischen Wurzeln?
Michael Mormecha: Beethoven, Beatles und Nine Inch Nails. Die letzten beiden haben definitiv einen großen Einfluss auf meine Musik gehabt, Beethoven vielleicht nicht so (lacht).
Nervt es dich, wenn die Leute eure Musik mit Nine Inch Nails vergleichen? Und wie würdest du eure Stilrichtung beschreiben?
Michael Mormecha: Es kommt auf den Kontext an, in dem das passiert. Manchmal kann es schon nerven, aber letztendlich sind alle Bands irgendwie von anderen Bands inspiriert worden. Ich möchte lieber mit Nine Inch Nails verglichen werden als mit den Spice Girls. Ansonsten kommt immer wieder das Wort "energiereich" zum Einsatz, wenn Leute unsere Musikrichtung beschreiben. Sie hat auf jeden Fall Kanten und Ecken und regt zum Nachdenken an.
Und wo siehst du euch in fünf Jahren?
Michael Mormecha: Wir werden hoffentlich drei oder vier neue Alben herausgebracht haben. Dadurch, dass wir so lange gebraucht haben, haben wir sehr viel Material angesammelt. Außerdem wollen wir viel auf Tour gehen, noch mehr als jetzt, denn bisher haben wir nur in Großbritannien und Irland gespielt. Unsere erste Tour im letzten Jahr war mit Oceansize, mit denen sind wir zum ersten Mal nach Großbritannien gekommen. Und das war ein Glücksfall für uns, denn oft kommen die Bands rüber und spielen vor leeren Clubs, aber wir hatten so die Gelegenheit vor richtigem Publikum zu spielen. Wir waren außerdem mit And So I Watched You From Afar unterwegs, denn das sind Freunde von uns. Sie kommen zwar aus Portrush im Norden des Landes, aber Nordirland ist so klein, dass man sich als Musiker da kennt. Jetzt sind wir mit Amplifier unterwegs und im kommenden Frühjahr werden wir mit InMe für fünf Wochen auf Tour gehen. InMe und wir haben den gleichen Manager, so ist es dazu gekommen, dass wir zusammen auf Tour gehen. Das wird eine prüfungsreiche Zeit werden, denn wir waren noch nie für eine so lange Zeit und für so viele Shows unterwegs. Zwei oder drei Wochen können ja schon sehr intensiv werden, aber fünf Wochen in einem Tourbus auf engstem Raum Â… aber ich freue mich drauf.

Michael Mormecha live (Foto: Shirin Kasraeian).
Wie ist denn die Tour mit Amplifier für euch?
Michael Mormecha: Die Tour mit Amplifier ist eine der besten Erfahrungen, die wir bisher gemacht haben. Wir hatten überwältigende Reaktionen seitens des Publikums und ich finde auch, dass wir vom Sound her gut zueinander passen. Manchmal passt man musikalisch nicht so gut zusammen und dann wird es vielleicht ein wenig schwierig. Die Fans von InMe zum Beispiel werden vielleicht nicht so offen sein für das Genre, das wir bedienen, aber es wird trotzdem großartig werden.
Ihr werdet im Januar zum ersten Mal auch auf dem Kontinent spielen. Freut ihr euch drauf?
Michael Mormecha: Oh, sehr. Damit wird für uns ein Traum wahr werden. Wir wollten schon immer mit unserer Musik auf Reisen gehen, das haben wir jetzt schon gemacht. Aber richtig rauszukommen, darauf freuen wir uns sehr, auch wenn es erst mal nur für eine Woche ist. Und hoffentlich werden wir im Sommer dann auch auf einigen großen Festivals spielen, eventuell zum Beispiel auf Pukkelpop in Belgien. Wir haben zwar schon auf einigen Independent Festivals gespielt und auch auf dem Sonisphere Festival in Großbritannien, aber wie gesagt nie auf dem Kontinent.
Ihr habt allein zum ersten Album vier Musikvideos gedreht, die ziemlich cool sind. Kennt ihr den Regisseur Darren Lee gut?
Michael Mormecha: Ja, Darren fängt gerade erst an, als Regisseur zu arbeiten und er hat eine gute Kamera, mit der er sehr schöne Videos dreht. Wir haben ihn zu Hause kennengelernt, und es hat sich gut getroffen, dass wir beide gerade erst anfangen. Er hat quasi seine ersten Videos mit uns gemacht. Und das war ein Glücksfall. Überhaupt ist die Tatsache, dass wir Leute um uns herum haben, die bereit sind, zu helfen und zu unterstützen, sehr schön. Wir haben uns dann jeweils mit Darren zusammengesetzt und Brainstorming gemacht. Und wir haben das Glück, dass James und ich auf einer Farm bei Belfast leben, da gibt es einige gute Locations, an denen man drehen kann. Uns hat das nichts gekostet außer vielleicht ein paar Requisiten und Klamotten, die wir kaufen mussten, und das Ergebnis ist richtig gut geworden.
Du spielst auch noch zusätzlich in der Band Clownparlour...
Michael Mormecha: Clownparlour ist für mich definitiv ein Sideproject. Wenn zwischen den Touren ein wenig Zeit bleibt, gehe ich ins Studio und spiele was ein, der Sound ist da ein bisschen anders. Es gibt da auch schon ein Album, aber es wird erst nächstes Jahr richtig veröffentlicht werden.
Dann können wir ja richtig gespannt sein! Danke für das Gespräch!