Interview mit Brami und Dennis in Hannover

(Muff Potter)

07.05.2009 von Maren Röcker

Im Zuge ihrer Tour zum aktuellen Album "Gute Aussicht" machen die vier Münsteraner Halt in Niedersachsens Hauptstadt Hannover, genauer gesagt im Musikzentrum. Nach mittlerweile 15 Jahren sind Muff Potter regelrecht alte Hasen im Geschäft und stehen unserer Redakteurin Maren Röcker in Person von Brami (Schlagzeug) und Dennis (Gitarre) Rede und Antwort zu ihrem neuen Album, welches live und in kompletter Eigenregie aufgenommen wurde.

Muff Potter im Uhrzeigersinn: Dennis Scheider, Thorsten "Brami" Brameier, Thorsten "Nagel" Nagelschmidt und Dominic "Shredder" Laurenz (Foto: Sarah Bernhard)

Hallo erstmal ihr Zwei! Ihr habt euer aktuelles Album in eigener Sache produziert. Gab es eine Zeit wo euch Plattenfirmen vorschreiben wollten was für Lieder ihr zu spielen habt oder habt ihr immer sehr viel Wert auf Eigenregie gelegt?

Brami: Also grundsätzlich nicht. Außer wenn es zum Beispiel um die Singleauskopplungen ging, aber das haben wir denen auch freiwillig überlassen.

Dennis: Wir haben das mal versucht und uns auf einen Änderungsvorschlag zu einem Song eingelassen und haben den neu abgemischt, aber das gefiel uns selbst überhaupt nicht, was am Ende aber auch kein Problem war und wir dann unsere Version veröffentlicht haben.

Habt ihr ein persönliches Lieblingslied?

Brami: Also meins ist gerade “Einskunstlauf ohne Ton“ weil das so ein bisschen "anders" ist, aber eigentlich wechselt das ständig bei mir.

Dennis: Ich finde “Keiner will den Hund begraben“ super, aber auch “Gute Aussicht“.

Beim Hören eurer Musik fällt auf, dass ihr euch beim Texten sehr viel Mühe gebt. Nervt es euch, wenn man den Eindruck hat, dass Leute nicht auf die Texte achten sondern einfach nur gern Musik hören? Auch wenn sie eigentlich der Aussage gar nicht zustimmen würden?

Brami: Nee, mich zumindest nicht. Ich weiß nicht ob es Nagel nervt, da die Texte zu 90 Prozent von ihm sind. Das Lustige daran ist nur, dass manche Leute da die verschiedensten Dinge hineininterpretieren.

Dennis: Also wenn die Texte nicht gut sind, dann finde ich auch die Musik nicht gut. Ich finde die Texte sehr wichtig!

Was macht euer neues Album zu etwas Besonderem?

Dennis: Dass es aus einem Guss ist.

Brami: Und dass wir es live eingespielt haben, und genauso ist es halt auf der Platte gelandet!

Interessiert euch was man über euch und eure Musik im Internet schreibt?

Brami: Ich suche nicht gezielt danach, aber wenn ich was sehe dann lese ich es auch, aber es stört mich, wenn ich was Negatives lese.

Dennis: Aber es beeinflusst einen schon was man liest, man versucht sich immer zu informieren wie man beim Publikum ankommt.

Brami: Manchmal ließt man auch irgendeinen Scheiß, der nur halb recherchiert wurde und jeder Grundlage entbehrt, das stört mich schon ziemlich. Man liest außerdem wenig konstruktives.

Warum habt ihr "Blitzkredit Bop" als Single ausgewählt?

Brami: Weil uns das einfach am singletauglichsten erschien und weil es ins Ohr geht.

Hat es einen bestimmten Grund, dass ihr auf Deutsch singt?

Brami: Nagel kann kein "th" (lacht)! Wir haben das eigentlich immer schon so gemacht und haben damals, als wir angefangen haben, selbst auch eher deutschsprachige Bands gehört. Nagel hat auch immer auf Deutsch geschrieben.

Nagel hat ja auch vor zwei Jahren das Buch “Wo die wilden Maden graben“ geschrieben. Habt ihr auch mal vor eine Bandbiographie oder ein Tourtagebuch herauszubringen?

Brami: In Buchform eigentlich nicht. Wir überlegen schon länger, eine DVD zu machen, aber zu mehr als zu den Überlegungen hat es bisher noch nicht gereicht.

Dennis: Wir hatten jemanden dabei, der uns im Studio gefilmt hat, deswegen ist die Idee schon konkreter, aber wann wir das veröffentlichen wissen wir auch noch nicht.

Was mögt ihr lieber, Studioarbeit oder Konzerte?

Brami: Ich mag Konzerte auf jeden Fall lieber. Dennis ist eher der Studio-Typ, der produziert ja auch Bands. Ich finde Studio ziemlich anstrengend wegen des Zeitdrucks, aber es gibt natürlich auch tolle Momente.

Dennis: Man muss einfach beides können und mögen, ich denke es ist wichtig viel Verschiedenes zu machen.

Brami: Als wir zum Beispiel in Afrika mal auf Tour waren, da kannte uns zwar keiner, aber das hat trotzdem total Spaß gemacht und es war echt mal eine Abwechslung.

Gibt es Bands mit denen ihr gerne mal auf Tour gehen würdet?

Brami: Da gibt es tausende Bands. Wir haben schon viele gute Bands mitgenommen die wir auch selbst gerne hören.

Dennis: Aber wenn eine Band richtig gut ist, dann würde ich lieber so auf ein Konzert fahren als danach noch zu spielen, das ist entspannter.

Brami: Toll war auf jeden Fall als wir vor zwei Jahren mal mit Hot Water Musik auf Tour waren, das war ein gutes Erlebnis, sowohl musikalisch als auch menschlich. Das war eine der besten Touren für uns.

Wie betrachtet ihr die aktuelle Neigung zum Internetdownload, also auch legal bei iTunes oder Musicload?

Brami: Wirtschaftlich ist es natürlich egal ob die Leute eine Platte kaufen oder digitale Musik kaufen. Für mich persönlich ist das allerdings uninteressant, wenn ich etwas gut finde, dann möchte ich auch eine CD kaufen.

Dennis: Ich würde mir wünschen, dass es nochmal eine richtig große Vinyl-Renaissance gibt, aber das glaube ich nicht. Hauptsache die Leute kaufen es dann auch digital und laden nicht illegal.

Brami: Da bleibt natürlich das Gesamtkunstwerk auf der Strecke, also mit Cover und Booklet und allem Drum und Dran.

Was wünscht ihr euch für die Band für die Zukunft?

Brami: Wir machen erstmal so weiter wie immer, wir können ja auch nichts anderes!

Dennis: Jetzt kommen noch die Festivals und dann im Herbst eine Tour. Das ist der Plan!

Vielen Dank für das sehr nette Gespräch! 

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