Interview mit Larry in Mannheim

(Negative)

11.02.2006 von Diana Hartmann

In Finnland sind sie schon lange ganz große Stars und nun folgt nach Japan und Russland auch Deutschland. Bereits im letzten Herbst waren sie bei uns auf Club Tour und zur Zeit touren sie, begleitet von ihren Landsmännern von HIM and The Rasmus, durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Die Rede ist vom neuesten Finnland-Export in Sachen Rockmusik: Negative. Zusammen mit Melanie hatte ich vor der ausverkauften Show in Mannheim die Gelegenheit, den Gitarristen Larry im Negative Tourbus zu besuchen und ihn ein paar Löcher in den Bauch zu fragen.

Okay, wer hatte die Idee, dass HIM, The Rasmus und Negative diese Tour zusammen machen und wie ist das ganze eigentlich zustande gekommen?

Larry: Ich glaube es war während unserer letzten Tour in Deutschland, Österreich und in der Schweiz. Wir hatten die Idee für HIM als Vorband zu spielen. Jonne hat dann Ville angerufen und nachgefragt und Ville kam dann mit der Idee, dass wir das zu dritt machen könnten. Und nun ist es soweit.

Das ist coolÂ… also war es dann sozusagen Jonne, der den Stein ins rollen gebracht hatÂ…

Larry: Yeah, und Ville war der Mann hinter der Idee mit diesen drei Bands zu touren.

Und wie ist es so? Ihr hattet ja nun schon zwei GigsÂ…

Larry: Nun, es ist fantastisch, muss ich sagen. Nichts über was man sich beschweren könnte, oder soÂ…

Und im Vergleich zu den Gigs die ihr im letzten Jahr in Deutschland hattet, bei der ihr Headliner wart, wie werdet ihr vom Publikum aufgenommen?

Larry: Hmm, ich weiß nichtÂ… Das Publikum ist ganz schön lautÂ… jetzt. Und weißt du, jedes mal wenn wir anfangen zu spielen, schauen alle und fragen sich: ‘Wer ist diese Band?’ Aber nach zwei oder drei Songs sind sie dann immer ‘yeah, yeah’Â… Und bei unserer eigenen Tour war es genau soÂ…

Und habt ihr viele eurer Fans gesehen, irgendwelche bekannte Gesichter?

Larry: Yeah, yeah, aus Japan, aus FinnlandÂ…

Aus Japan? Wow, das ist cool!

Larry: Yeah!

Glaubst du, dass es einen Unterschied zwischen dem deutschen und finnischen Publikum gibt? Wie ist das zum Beispiel bei finnischen Gigs?

Larry: Hmmm. (überlegt eine Weile) Die Leute sind nicht so betrunken! (Gelächter) In Finnland sind sie wirklich sehr betrunken. Nicht alle, aber weißt duÂ… es ist eher die Normalität dort. Und das männliche Publikum hier, die sind mehr relaxt, die mögen es ihre Gefühle zu zeigen, wie ‘Ich mag deine Band, danke für die Show’. In Finnland sind die Männer mehr wieÂ… die reden nicht mit uns, sie schauen nur zu, weißt du, wie ‘verdammte Schwuchteln’Â… oder so. Und dann gehen sie nach Hause und hören sich unsere CD anÂ… (Gelächter)

Wieviel Schlaf bekommt ihr eigentlich wenn ihr auf Tour seid?

Larry: Schlaf?

Schlaf, yeah. Könnt ihr morgens lange schlafen oder macht ihr die ganze Nacht lang PartyÂ…?

Larry: Yeah. Heute bin ich um 15 Uhr aufgestanden, weil ich dieses eine Interview um 16 Uhr hatte, alsoÂ… Yeah, du kannst bis 4 Uhr oder so aufbleiben. Es hängt davon ab, wieviel du schlafen willst, du kannst das für dich selber entscheiden.

Also schmeißt euch euer Manager nicht früh um 9 Uhr aus dem Bett oder so?

Larry: Nein, nein, neinÂ…

Wie, eine Runde um den Bus joggen, oder so...

Larry: Neeeeeein, nein, nein!

Das ist nett von ihmÂ…

Habt ihr Lieblingssongs die ihr gerne live spielt?

Larry: Es gibt ein paar. L.A. Feeding Fire ist richtig schnell und es fühlt sich gut an auf der Bühne. Dann sind da noch ein paar langsamere Songs, wie Neverending Parade, den mag ichÂ… und Angels Won’t LieÂ… Misery. Und ich spiele immer gern Last Hero von unserem ersten Album. Wir spielen das nicht so oft, also ist es was Besonderes.

Und was ist mit den anderen? Haben die irgendwelche Lieblingssongs, bei denen sie drauf bestehen, dass die auf der Setlist sind?

Larry: Ich weiß nicht. Vielleicht so ziemlich dieselben. Jeder hat seine Favoriten, aber wir einigen uns normalerweise auf die Setlist.

Was ist das peinlichste, das euch je auf der Bühne passiert ist?

Larry: Ich weiß nicht, das kommt auf deine Einstellung drauf anÂ… (Gelächter) WeilÂ… weißt du, wir sind so oft runtergefallen! (von der Bühne, Anm. d. Red.) (mehr Gelächter)

Aber das macht ihr heute Abend nicht, oder?

Larry: Ich weiß nicht! (Gelächter) Nun, alles kann passieren, und es ist normal wenn man so rumrennt. Es ist einfach nur lustig. (lacht)

Was bevorzugt ihr und warum – die Arbeit im Studio oder das Touren? Oder ist beides so ungefähr das gleiche für euch?

Larry: Das ist der Grund warum dieser Job so interessant ist. Denn manchmal bist du auf Tour und manchmal konzentrierst du dich im Studio wenn du an neuen Songs arbeitest. Es ist also immer sehr unterschiedlich, aber ich mag es auf Tour zu sein, weil live zu spielen ist einfach eine Abwechslung von diesem Leben.

Ihr seid im Moment im Studio um am neuen Album zu arbeiten. Ich habe auf der Website nachgesehen, dass es zu 60% fertig ist. Was können wir vom Album erwarten? Wie wird es sein?

Larry: Es ist Negative. Aber mehr schizophren, mehr verrückt. Es ist etwas düsterer, rockiger und härter.

Wir haben Glory Of The Shame (neuer Song, Anm. d. Red.) im Tavastia zu Silvester gehört. Ist dieser Song so etwas wie eine Richtlinie, wie das Album sein wird?

Larry: Es hat viele Arten von Songs. Das ist einer davon. Es gibt ein paar die so circa 6 Minuten lang sind oder so. Jede Menge verschiedene Sachen. Wir versuchen zuÂ… oder nicht versuchen, wir spielen einfach nur, und probieren verschiedene Dinge aus. Wir setzen keine Grenzen, weißt du, dass Negative sich so und so anhören müssen. Wir probieren einfach alle Ideen aus, die uns gerade kommen. Der Produzent ist dann der, der alles zusammensetzt.

Und wann können wir das Album erwarten? Weißt du da schon was?

Larry: Nächstes Jahr im September, oder August.

Nächstes Jahr?

Larry: Yeah.

2007?!

Larry: Nein, sorry, sorry, (Gelächter) Dieses Jahr September. August, September, oder soÂ…

Ist es in Ordnung, wenn ich ein paar Bilder mache?

Larry: Yeah, yeah!

Until You ’ re Mine wurde mit Ville von Sentenced als Gastsänger aufgenommen. Könntet ihr euch vorstellen, wieder etwas Ähnliches zu machen, und wenn ja, mit wem würdet ihr gerne zusammenarbeiten?

Larry: Wir haben einen Gastmusiker, aber wir möchten noch nicht darüber sprechenÂ…

Also ist das noch streng geheimÂ…

Larry: Yeah!

Okay, dann werden wir auf die Überraschung warten.

Larry: Aber es ist nicht soÂ… Es ist kein Duett, es ist mehr Hintergrundgesang.

Das ist cool!

Larry: Yeah!

Ihr seid schon eine ganze Weile zusammen. Hast du jemals den Punkt erreicht, wo du gedacht hast ‘Oh, ich halt das nicht länger aus! Ich will aufhören!’? Jeder von euch, nicht nur du?

Larry: Nicht wirklich, nicht wirklich. Aber manchmal, wenn du was versaut hast, wenn du zu betrunken bist und alle anderen sind sauer... am nächsten Tag denkst du: ’Oh fuck, wie wird das jetzt?’ (Gelächter) Und du fühlst dich wie der totale Verlierer. Aber nicht wirklich, weißt du, nicht wirklich. Es sind nur momentane Gedanken am ‘Tag danach’, weißt du.

Gesetzt dem Fall deine Karriere als Musiker wäre eines Tages vorbei, gibt es etwas anderes was du dir vorstellen könntest zu tun?

Larry: Ich weiß nicht. Irgendwas mit Musik, oder etwas Kreatives. Ich habe das noch nicht so lang gemacht, aber lang genug, so dass es wirklich schwierig wäre, einem normalen Job nachzugehen. Weißt du, 7 Uhr morgens aufzustehen und immer das gleiche. Yeah, ich glaube nicht, dass ich sowas machen könnte (lacht)

Zurück zu den Gigs. Habt ihr viele Gigs für diesen Sommer auf dem Programm? Was ist mit Sommerfestivals, oder anderen Tourplänen?

Larry: Yeah, yeah. Natürlich Sommerfestivals! Ich habe von 5 bis 10 Festivals gehört.

In Finnland?

Larry: Nein, nein, auch in Deutschland. Wir planen tatsächlich nur auf ein paar Festivals in Finnland zu spielen, und der Rest der Festivals sollten dann in Deutschland oder Österreich sein.

Aber es ist noch nichts Definitives bestätigt, oder?

AmphifestivalÂ…

Yeah, das.

Larry: Etwas ist fast bestätigt aber ich darf das nicht sagen (lacht) Aber wir haben viele Pläne. Und nachdem das dritte Album veröffentlicht ist, wird es eine große Tour geben. Ich glaube zuerst in Finnland, dann vielleicht Deutschland, vielleicht Skandinavien, Japan, Russland. Und dannÂ… ich weiß nicht, es kommt auf die Situation drauf an.

Aber bis zur Veröffenlichung werden es nur die Festivals?

Larry: Yeah.

Wo wir gerade über Gigs sprechen; es gibt die zwei Extreme: Clubs oder Stadien – welche Art oder Größe der Konzerthallen bevorzugt ihr?

Larry: Weißt du, beides ist großartig. Es ist ein erstaunliches Gefühl all diese Leute zu sehen, es ist so unwirklich. Aber in Clubs ist es verschwitzter undÂ…du fühlst das Publikum, die Hitze. Ich mag beides. Ich will einfach nur spielen, also ist es egal. Aber ein großes Publikum ist besser weil die Bühnen dann größer sind und du dich mehr bewegen kannstÂ…

Und du fällst nicht runterÂ…

Larry: Yeah! (Gelächter)

Wenn man Negative auf der Bühne sieht, dann seid ihr alle Glam-Rocker, aber wie seid ihr so im wirklichen LebenÂ… ist das alles nur Teil der Bühnenshow oder ist das mehr eure Lebenseinstellung?

Larry: Hmm. Ich glaube das ändert sich, weißt du. Während des ersten Albums, mochten wir es mehr, diese glänzenden Klamotten anzuhaben, aber jetztÂ….wie soll ich das sagen? Errm, wir sind einfachÂ…es sind 6 Persönlichkeiten und jeder zieht an was er will. Niemand sagt, zieh dies oder das an, oder soÂ… Du kannst einfach nur tun, was du willst, keiner sagt was. Vielleicht, wenn ich etwas wirklich schreckliches anziehe, dann sagen sie ‘Bist du sicher?!’ (Gelächter)

Aber ihr lauft zu Hause auch so rumÂ…

Larry: Yeah, yeahÂ… ich habe keine anderen Klamotten! (Gelächter) Oder, ich hab nicht genug Platz zu Hause, so die sind auf dem Dachboden.

Es wird immer unterschiedliche Meinungen geben, die die Presse über Bands, deren Alben und Konzerte produziert. Lest ihr eigentlich eine Menge Berichte und so was, und wie fühlt ihr euch wenn ihr etwas kritisches lest?

Larry: Das bringt mich zum Lachen! (Gelächter) In einem Magazin sprachen sie über unsere Klamotten. Nicht über die Musik. Klamotten und Typen die sich schminken, und eigentlich sollte es über unser erstes Album sein, weißt du. Da musste ich irgendwie lachen.

Und was wennÂ… mal angenommen ihr habt eine Konzertbeurteilung und da ist Kritik drin, die vielleicht nicht stimmt, etwas über eure Musik. Wie fühlt ihr euch da, wenn ihr zum Beispiel denkt ihr hattet einen großartiges Konzert, die Fans sind auch dieser Meinung und dann schreibt die Presse: ‘Oh, es war Scheiße’. Ignoriert ihr das einfach weil ihr selbst wisst, dass der Gig gut war, oderÂ…?

Larry: Yeah, größtenteils ignorieren wir das. Natürlich lese ich eine Beurteilung wenn ich eine sehe und dann denke ich darüber nach. Aber ich jage nicht nach Beurteilungen und lese alle. Oder so etwas. Wenn ich etwas sehe dann lese ich es und denke drüber nach. Aber es macht mir nicht so viel aus, weißt du.

Was war die merkwürdigste Frage, die euch je in einem Interview gestellt wurde?

Larry: Wieviel Geld wollt ihr, wenn ihr das heute Abend beim Gig tragen sollt? Und es waren Badekappen. Weißt du, so Gummibadekappen, die du beim Schwimmen trägst... dann tust du deine Haare da drunter (Gelächter)

OkayÂ…?

Larry: So etwas in der ArtÂ…

Ich nehme mal an ihr habt das dann nicht getan?

Larry: Nein, hab ich nicht. (lacht)

Was können wir denn von der Show heute Abend erwarten? Sie wird wahrscheinlich etwas kürzer sein als normalerweiseÂ…

Larry: Wir haben ungefähr 35 Minuten, rocking like hell!

Okay, das ist gut!

Larry: Ich weiß nicht was passieren wird, wir gehen einfach auf die Bühne und dann sehen wir malÂ…

Okay, und wirÂ…

Wir freuen uns drauf!

So, nun die letzte FrageÂ…

Larry: Okay.

Dies ist ja DeutschlandÂ… Habt ihr etwas, was ihr besonders euren deutschen Fans sagen wollt?

Larry: Natürlich will ich erstmal allen danken. Dafür dass sie uns unterstützen, und wir hoffen euch alle auf den Sommerfestivals zu sehen. Und seid geduldig mit dem neuen Album, es wird rauskommenÂ…

LetztendlichÂ…

Larry: Yeah. Und es wird großartig sein, alsoÂ… Denn es ist fast fertig, und ich kann nicht erwarten wenn es alle hören werden!

Oh, die Fans können es auch nicht erwarten!

Larry: Ich lese sehr viel im Internet. Denn ich will wissen was die Fans über das Album denken.

Du liest also auch im Forum?

Larry: Yeah, wenn es etwas gibt, das ich lesen möchte. Aber ich lese nicht gern allesÂ… da ist so viel Chatting, weißt du. Sie unterhalten sich miteinander. Sachen, die ich nicht verstehe, und das verwirrt mich dann.

Yeah, ich weiß. Wenn man da nach Informationen sucht, ist es ziemlich schwierig, etwas zu finden.

Larry: Yeah, yeah, viele Seiten nur Unterhaltung über etwas komplett anderesÂ…

Yeah, aber es ist schön zu wissen dass du tatsächlich dort hin gehst und liest.

Larry: Yeah, yeah. Ich gehe dort hin, wennÂ… im Moment habe ich keinen Computer zu Hause, also kommt es nur ein- oder zweimal im Monat vor, dass ich dort lese und meine Emails und so checke.

Das ist gut!

Larry: Ich lese immer alle. Aber ich antworte nicht immer. Denn manchmal habe ich geantwortet und es ist nicht immer gut. Denn dann musst du wieder antworten und wenn du es nicht tust, bist du ein Arschloch. (Gelächter)

Nein, yeah, ich glaube es ist besser so. Denn du weißt ja wie die Fans sind, wenn sich sich dann miteinander unterhalten, dannÂ…

Larry: ‘Warum hast du meinem Freund geantwortet und mir nichtÂ…’ So was dannÂ… (Gelächter)

Okay, dann bedanken wir uns sehr, dass du dir für uns Zeit genommen hast.

Larry: Yeah, danke. Ich bin noch nicht fertig damitÂ… (zeigt auf den Shortcut)

Oh yeah, lass dir ZeitÂ…

Das Aufnahmegerät wird abgeschaltet und Larry bekommt etwas Zeit sich nun dem Ausfüllen des Shortcuts zu widmen. Wir erzählen noch ein bisschen weiter über Plüschtierchen, vergangene Shows die wir gesehen haben, und die, die heute Abend folgen wird. Er berichtet uns, dass er eigentlich nicht sehr nervös vor den Auftritten ist und sich das für die letzten fünf Minuten vor Showstart aufhebt. Weiterhin erfahren wir, dass es sich im schaukelnden Tourbus hervorragend schlafen lässt, und dass Larry, Sir Christus und der Lichttechniker wohl die Partytiere der Band sind, da sie immer die letzten sind, die ins Bettchen kommen.

Larry ist sehr unkompliziert und freundlich und hört aufmerksam zu. Er gab uns also gar keine Möglichkeit, nervös zu werden.

Wir bedanken uns bei Sylvie und Martin von Roadrunner Records, die uns dieses Interview ermöglicht haben, und ein dickes Dankeschön natürlich auch an Larry für seine geduldige Beantwortung aller unserer Fragen.

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