Telefoninterview mit New Model Army-Frontmann Justin Sullivan

(New Model Army)

18.08.2009 von Thomas Kröll

New Model Army sind längst Kult. Ihr Einfluss auf die Post-Punk-, Folk-Rock-, Gothic-, Wave- oder Metal-Szene sowie auf alle Arten musikalischer Subkultur ist bis heute ungebrochen. Dabei ließ sich die Band selbst nie in irgendwelche Kategorien pressen, sondern hat sich ihre Eigenständigkeit und vor allem kritische Haltung stets bewahrt. Im nächsten Jahr feiern New Model Army ihr 30jähriges Bestehen und veröffentlichen am 18. September ihr elftes Studioalbum "Today Is A Good Day".

Wir verabredeten uns mit Frontmann Justin Sullivan zu einem Telefoninterview, das jedoch zwei Anläufe brauchte. Beim ersten Versuch erwischten wir ihn gerade auf der Autobahn irgendwo in England. Da Telefonieren am Steuer bekanntlich strafbar ist, vertagten wir uns auf eine Stunde später. "Du kannst dir ja bis dahin das neue Album anhören", war sein Rat, um die Wartezeit zu verkürzen. An seinem Ziel angekommen, klappte es dann schließlich doch noch und wir unterhielten uns ganz entspannt über Musik im allgemeinen, New Model Army im speziellen, Gott, die Welt und viele andere Dinge mehr. Das Gespräch führte Thomas Kröll.

Die aktuelle New Model Army-Besetzung (v.l.n.r.): Marshall Gill (Gitarre), Michael Dean (Schlagzeug), Dean White (Keyboard), Peter "Nelson" Nice (Bass) und Justin Sullivan (Gitarre, Gesang)

Das neue New Model Army-Album erscheint im September. Bist du zufrieden mit dem Ergebnis?

Justin Sullivan: Es klingt nach einer Band, die weiß was sie tut. Es klingt sehr live, sehr lebendig, sehr echt. Jemand sagte mir zuletzt, dass es sich wie ein Album alter Schule anhört, weil es so echt klingt.

Da ist was dran. Ich finde, dass zum Beispiel "Mambo Queen Of The Sandstone City" zurück zu euren Punk-Wurzeln führt. Auf der einen Seite ist es ein wütendes Album, auf der anderen Seite hat es auch seine melancholischen Momente.

Justin Sullivan: Ich glaube, es sind viele verschiedene Stile auf dem Album zu finden. Aber wir denken nie über bestimmte Stile nach. Wir machen einfach das, von dem wir glauben, dass es gut klingt. Die Journalisten fragen uns immer nach unserer eigenen Einschätzung des Albums. Dabei soll sich doch jeder selbst ein Bild davon machen.

Im Titeltrack geht es um die Finanzkrise und den Kollaps an der Wall Street...

Justin Sullivan: Eigentlich geht es in den beiden ersten Tracks um den Wall Street Kollaps. Der erste feiert diesen Zusammenbruch aber richtig ab, da hast du Recht. Der zweite feiert ihn in gewissem Sinne auch, aber auf andere Art und Weise. Es ist eine Art schwarzer Humor. Besonders an der Stelle, wenn der Chor einsetzt. Die Leute singen, während gleichzeitig etwas zusammenbricht. Nenn es den speziellen New Model Army-Humor.

Hast du den Zusammenbruch der Finanzmärkte vorausgesehen?

Justin Sullivan: Ja, jeder hat das kommen sehen. Die Reaktion der "normalen" Leute auf die Rezession und die Arbeitslosigkeit und all das ist interessant zu beobachten. Die gute Ernte konnte nicht ewig so weitergehen. Manchmal gibt es auch schlechte Ernten.

Hast du deswegen Genugtuung verspürt?

Justin Sullivan: Ja, es ist gut zu sehen, dass dieses Lügengebilde zusammengekracht ist. Es war eine einzige Lüge. Sie nannten es Profit und was mich wirklich wütend macht ist, dass sie uns die letzten zwanzig Jahre versucht haben weiszumachen, wie clever sie sind. Jetzt erzählen sie keine Lügen mehr.

Ich habe gelesen, dass ihr sehr enttäuscht darüber wart, dass nur wenige Stunden nachdem die ersten Promoexemplare von "Today Is A Good Day" verschickt waren, das Album bereits im Internet kursierte.

Justin Sullivan: Im Grunde hat mich das nicht überrascht. Ein wenig enttäuschend war es trotzdem. Aber so ist das heutzutage nun mal.

Wie denkst du im allgemeinen über die Möglichkeiten, die das Internet sowohl den Fans als auch der Band bietet?

Justin Sullivan: Allgemein ist das ein sehr positives Ding. Es ist wie beim Telefon. Es ist ein erstaunliches Stück Technologie. Das Internet verändert die Art Geschäfte zu machen, aber es verändert nicht die Natur des Geschäfts. Die Leute versuchen damit Schritt zu halten. Es hat sich viel getan in Sachen Technik in den letzten 30.000 Jahren. Aber wir haben uns nicht verändert. Wir sind immer noch dieselben Tiere. Doch auch wir nutzen natürlich iTunes und ähnliche Geschichten, um das neue Album zu promoten. Gerade jetzt gibt es auf unserer Webseite (www.newmodelarmy.org, d.Red.) einen Free-Download des Titeltracks "Today Is A Good Day".

Die Promotion des neuen Albums und all die anderen Dinge, die damit zusammenhängen, musstet ihr diesmal in eure eigenen Hände nehmen. Das war eine neue Erfahrung für euch, richtig?

Justin Sullivan: Unser Manager Tommy Tee ist im vergangenen Jahr gestorben. Das war sehr hart. Sehr hart. Für uns alle, nicht nur für mich. Er war ein Freund. Deshalb war das in der Tat eine sehr neue Erfahrung für uns. Aber es ist interessant. Trotzdem möchte ich das nicht für sehr lange machen.

Gibst du bei der Aufgabenverteilung innerhalb der Band die Richtung vor oder ist das ein gemeinsamer Prozess zusammen mit Michael, Nelson, Dean und Marshall?

Justin Sullivan: Ich denke, es ist ein natürlicher Prozess. Nelson und Marshall, insbesondere Nelson, leben ein gutes Stück entfernt. Und er hat seine eigenen Dinge am Laufen. Also, wenn wir über New Model Army reden, dann sind das meistens Michael, Dean und ich. Und wir sind sehr vertraut mit dieser Art von Zusammenarbeit. Wir haben schon viele Touren zusammen gemacht. Ich glaube, dass wir das bisher auch immer gut hingekriegt haben.

"Es gab schon viele verschiedene Versionen von New Model Army, aber wir Fünf sind jetzt seit vier Jahren zusammen und sehr gut eingespielt".

2010 feiert New Model Army sein 30-jähriges Bestehen.

Justin Sullivan: Ja, das werden wir (lacht). Aber wir wissen noch nicht wie. Wir werden darüber nächstes Jahr nachdenken. Was macht man an einem 30. Geburtstag? Das exakte Datum ist der 23. Oktober im nächsten Jahr. Ich bin sicher, dass wir da etwas machen werden. Aber wir haben bisher noch nicht entschieden was das sein wird.

Diese 30 Jahre waren eine lange, kreative und sehr ereignisreiche Zeit. Wenn du zurückdenkst, welche speziellen Dinge aus diesen 30 Jahren kommen dir in den Kopf?

Justin Sullivan: Das musst du mich nächstes Jahr fragen. Lass uns dasselbe Interview einfach im nächsten Jahr noch einmal machen. Dann kann ich zurückblicken. Im Moment schaue ich lieber voraus. Weißt du, die Wahrheit ist, dass ich mich an die Hälfte der Zeit gar nicht mehr erinnern kann. Ich bin immer mehr an den Dingen interessiert, die im Moment passieren und nicht an dem, was wir schon getan haben.

Ihr habt euer eigenes Label Attack Attack, ihr kümmert euch selbst um das Merchandising... Wie wichtig ist dir deine künstlerische Freiheit?

Justin Sullivan: Es ist wirklich gut so. Das Problem mit Major-Labels ist, dass sie international sind. Als wir damals bei EMI in London unterschrieben haben, haben wir das getan, weil EMI uns wollte. Und wir waren sehr froh darüber. Wir haben nach wie vor eine gute Verbindung zu EMI in London, auch zu EMI in Köln. Aber EMI in Paris oder EMI in Rom wollten uns niemals. Das ist die Wahrheit. Das Problem bei diesen grossen Labels ist also, dass sie dich an einigen Orten wollen, dich mögen, dich verstehen und an deine Musik glauben. Aber an anderen Orten ist das nicht so. Trotzdem müssen sie dich unterstützen, weil es ihnen so gesagt wird. Das ist kein gutes Gefühl. Du arbeitest mit Leuten, die sich im Grunde nicht für dich interessieren. Wenn du dein eigenes Label hast, ist das sehr viel einfacher. Es ist zwar nicht die gleiche Sorte Geld, aber wir bestimmen, was und wen wir wollen. Zum Beispiel in Deutschland. In Deutschland arbeiten wir jetzt mit Alive zusammen. Genauso ist es in Frankreich oder Amerika. Du arbeitest nur noch mit Leuten, die es sich selbst ausgesucht haben, mit dir zu arbeiten. Das ist ein sehr grosser Unterschied.

Ich habe euch über die Jahre einige Male live gesehen. Was mir dabei immer wieder auffällt ist, dass New Model Army-Konzerte jedes Mal so eine Art Familientreffen sind. Wie würdest du die Verbindung zwischen Fans und Band beschreiben?

Justin Sullivan: Ich glaube, das ist etwas Besonderes. Aber das interessante ist, dass sich die Fans tatsächlich wie eine Art Familie fühlen, diese Sache aber nicht festgelegt ist. Das ist schon eine seltsame Geschichte. Wir kannten jemanden, der ist uns seit 1993 zu jedem Konzert gefolgt. Und er macht das immer noch. Aber es sind nicht mehr dieselben Leute. Du siehst, wie sich das Publikum verändert. Das Publikum erzeugt sich immer wieder neu. Wenn man beim Konzert in die ersten Reihen schaut, sieht man Leute, die noch nicht einmal auf der Welt waren, als wir angefangen haben. Die Familie gibt es nach wie vor, aber die Mitglieder dieser Familie haben gewechselt. In der Band und im Publikum. Das Gefühl aber lebt weiter. Das ist wirklich interessant.

Seit 1998 spielt ihr jedes Jahr ein spezielles Weihnachts-Konzert in Köln. Wir sind aus Köln. Warum habt ihr gerade unsere Stadt für diese Tradition ausgesucht?

Justin Sullivan: Ich denke, die Gegend ist so etwas wie eine zweite Heimat für uns geworden. Ich weiß auch nicht genau warum. Vielleicht weil wir aus dem industriell geprägten Teil von England kommen. Uns gefällt das Ruhrgebiet. Und Köln gehört für uns irgendwie dazu. Also war es für uns logisch, dass die Stadt zu so etwas wie einem "Regular Christmas Thing" wurde. Und dann wurde es zur Tradition. Vielleicht hören wir ja auch wieder auf damit. Ernsthaft, in diesem Teil von Deutschland fühlen wir uns wirklich wohl und fast wie zu Hause. Eine wirklich schöne Gegend. Und sehr nette Leute. Verstehst du?

Ich verstehe.

Justin Sullivan: (auf Deutsch) Sehr schön.

Ich hoffe, du verstehst mein Englisch auch.

Justin Sullivan: (auf Deutsch) Es ist besser als mein Deutsch.

Das neue New Model Army-Album "Today Is A Good Day" erscheint in Deutschland am 18. September!

Sehr gut. Lass uns nochmal kurz auf das neue Album zurückkommen. In den Texten dreht sich vieles um Gott und den Tod. Gibt es dafür einen speziellen Grund?

Justin Sullivan: Nein, die Idee von Gott interessiert mich einfach. Ich bin kein Christ. Vieles am Christentum erscheint mir lächerlich. Aber die Vorstellung, dass es einen Gott gibt, ist faszinierend. Diese Idee, dass es da noch etwas außerhalb der materiellen Welt gibt. Das ist offensichtlich so und es ist auch ein Teil meines Lebens. Wir gehen irgendwo hin und "es" ist schon da. Und der Tod ist ein Teil des Lebens. Es gab Zeiten, da war ich auf mehr Beerdigungen als Hochzeiten. Man muss akzeptieren, dass dich Menschen verlassen, die dir nahestehen. Es passiert eben. Ich möchte nicht gerne über so etwas reden, aber es ist eben auch ein Teil meines Lebens. Wie gesagt, ich bin wirklich kein Christ, ich bin ein Heide. Trotzdem interessiert mich diese Idee von Gott.

Hast du Pläne für ein zweites Soloalbum?

Justin Sullivan: Ja, letztlich schon. Ich weiß, dass viele Leute das erste Album lieben. Aber im Moment fühle ich mich mit der Band, so wie sie ist, sehr wohl. Es gab schon viele verschiedene Versionen von New Model Army, aber wir Fünf sind jetzt seit vier Jahren zusammen und sehr gut eingespielt. Marschall stieß 2005 zur Band, glaube ich, die anderen sind schon eine längere Zeit dabei. Er war so etwas wie das noch fehlende Stück. Das hört man auch auf dem neuen Album. Es steckt sehr viel Freiheit in diesem Album. Und diese Freiheit herrscht auch zwischen uns auf der Bühne. Wir halten zusammen und ich möchte das gerne so weitermachen. Auch wenn es mal schwierige Phasen gibt. Deshalb werde ich jetzt nicht gleich morgen ein neues Soloalbum machen.

Du bist ein vielbeschäftigter Mann. Bei unserem ersten Telefonversuch heute warst du noch im Auto unterwegs. Die nächste Tour steht auch schon wieder vor der Tür. Bleibt dir bei all dem überhaupt noch Zeit für ein Privatleben?

Justin Sullivan: (lacht)... Ja... (Pause)... Ja, ja... Du weisst schon.

Okay, ich verstehe. Andere Frage: Du warst schon immer sehr kritisch in Sachen Politik. Amerika hat einen neuen Präsidenten. Was denkst du über Barack Obama?

Justin Sullivan: Nun, ich kenne Barack Obama ja nicht wirklich. Aber ich finde, es ist fantastisch, dass sich die amerikanischen Wähler einen Intellektuellen ausgesucht haben. Das ist sehr selten und hat es seit vielen, vielen Jahren nicht mehr gegeben. Sie haben einen Mann gewählt, der sich sehr, sehr viele Gedanken macht. Er ist ein Intellektueller, ein Professor, Himmelherrgott. Sehr ungewöhnlich für Amerika. Ein intelligenter Kerl. Das ist das Bemerkenswerte. Normalerweise laufen die Dinge in Amerika anders ab. Die Leute wurden so lange belogen und in Angst versetzt, bis sie fast paranoid waren. Diesmal haben diese Tricks nicht mehr funktioniert. Diesmal haben sie anders gewählt, sie haben intelligent gewählt. Und ich finde, das ist ein grossartiges Zeichen. Es ist ein wenig so, wie es Abraham Lincoln einmal ausgedrückt hat: Du kannst viele Leute viele Male täuschen, aber du kannst nicht alle Leute ständig täuschen. Und diese Wahl war für mich das beste Beispiel dafür. Natürlich kann Obama nicht die Welt retten, aber er ist zumindest ein intelligenter Mann und das ist gut. Alle sagen, er sei schwarz, aber er ist nicht schwarz, er ist halb Afrikaner. Daran stören sich einige Leute. In Europa ist das kein Thema. Der entscheidende Punkt ist, dass er Intelligenz besitzt.

Wenn ich mich mit Musikern unterhalte und sie frage, welche Musik sie privat hören, bekomme ich oft zur Antwort, dass sie privat gar keine Musik mehr hören können. Wie sieht das bei dir aus?

Justin Sullivan: Ich höre nie New Model Army. Ich mag eigentlich überhaupt keine Rockmusik. Ich bin kein grosser Fan von Rockmusik. Das einzige, was ich mir in den letzten Jahren angehört habe, waren Queens Of The Stone Age. Die meisten Sachen von Josh Homme finde ich interessant. Vieles an Rockmusik ist so künstlich. Verstehst du, was ich meine? Es folgt immer derselben Richtung. Ich mag lieber moderne klassische Musik. Nicht klassische Musik, sondern moderne Musik mit Orchester. Ich mag zum Beispiel Gideon Welch. Aber jeder bei New Model Army mag unterschiedliche Musik. Wir sind uns da überhaupt nicht einig. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum wir nicht nach irgendjemand anderem klingen. Wir sind alle verschieden.

Wenn du für den Rest deines Lebens auf einer einsamen Insel leben müsstest, welche fünf Platten würdest du dann mitnehmen?

Justin Sullivan: (stöhnt) Oh, komm schon. Das ist unmöglich. Aber okay, ich werde es versuchen. Weil du es bist. Ich versuche es. (Pause) "Hounds Of Love" von Kate Bush. "Quadrophenia" von The Who (die restlichen drei Platten gehen leider in der schlechten Telefonverbindung unter... d.Red.). Es ist unmöglich zu sagen. Aber diese Platten liebe ich seit sehr langer Zeit. Ich versuche nicht zu oft Musik zu hören oder darüber nachzudenken. Ich habe auch nie Musik nur so im Hintergrund laufen. Ich höre Musik lieber laut im Studio oder in meinem Auto, wenn ich alleine bin. Musik ist eine wichtige spirituelle Angelegenheit und ich hasse es, wenn sie nur als Hintergrunduntermalung dient. Das zerstört nur die ganze Kraft, die in der Musik steckt.

Hast du ein Studio zuhause?

Justin Sullivan: Nein, wir haben ein Studio in der Stadt. In einer alten Fabrik. Es ist ein grossartiger Ort, um dort zu arbeiten. Das geht über mehrere Stockwerke und manchmal finden dort Dance-Partys statt. Paradise Lost haben dort auch einen Raum und noch einige andere alteingessene Bands. Das ist sehr nett. Es macht Spass zu arbeiten, wenn so viele Leute um dich herum das gleiche tun. Man spricht über Musik und plant seine Konzerte. Normalerweise steht man immer in Konkurrenz zu anderen Musikern. Da gibt es Eifersüchteleien und sowas. Aber hier herrscht zu 99% eine entspannte Atmosphäre. Es ist kein Wettstreit. Wir sind alles Musiker, die für ihre Musik leben. Es ist nicht wichtig, ob einer von ihnen erfolgreicher ist als wir. Nach so vielen Jahren als Musiker ist Erfolg für mich relativ. Du bist schon erfolgreich, weil du überhaupt Musiker geworden bist, verstehst du? Wenn wir andere Bands treffen, ist das immer sehr nett. Ich mag das. Musiker sind wie Schauspieler. Im Unterschied zum Beispiel zu Schriftstellern. Schriftsteller arbeiten alleine. Weil sie es so gewohnt sind. Und wenn sie dann andere Schriftsteller treffen, haben sie Probleme Gemeinsamkeiten zu finden. Musiker arbeiten für gewöhnlich mit anderen Musikern. So wie Schauspieler auch. Wir sind voneinander abhängig. Manchmal musst du dich mit der Idee anfreunden, dass du mit Leuten zusammenarbeitest, die du im Grunde nicht magst. Aber es geht trotzdem, denn man braucht sich gegenseitig. Das wiederum macht Musiker und Schauspieler so sozial. Bei New Model Army mögen wir uns auch nicht, aber wir arbeiten dennoch zusammen (lacht).

Welche Pläne haben New Model Army in nächster Zukunft?

Justin Sullivan: Zunächst kommt die Tour. Einige Monate in Amerika, dann Europa, Skandinavien und noch einiges mehr im nächsten Sommer. Das muss erstmal reichen.

Okay, letzte Frage: England gilt als das Mutterland des Fussballs. Interessierst du dich für Fussball?

Justin Sullivan: (lacht) Ja, aber mir ist egal wer gewinnt. Ich liebe das Spiel. Ich liebe es, ich habe es selbst gespielt und ich schaue es mir immer noch an. Die Vereine, die ich unterstütze sind kleine Vereine, für die sich niemand interessiert. Aus der vierten englischen Liga. Früher habe ich geheult, wenn meine Mannschaft verloren hat. Heute ist mir das egal. Ich bin älter geworden. Aber es ist für mich noch immer ein wunderschönes Spiel. Das schönste Spiel überhaupt. Gelegentlich gehe ich auch ins Stadion.

Also wenn du das nächste Mal in Köln bist, musst du unbedingt unser Stadion besuchen.

Justin Sullivan: Ihr habt doch zwei Mannschaften in Köln.

Eigentlich nicht. Ich meine die erste Liga. Geh einfach mal hin. Es ist grossartig. Ansonsten freuen wir uns schon auf das nächste Weihnachtskonzert im Dezember.

Justin Sullivan: Okay, wir werden da sein.

Vielen Dank für das nette Gespräch!

Danke auch an Andrew Quarterman von Alive, der dieses Interview für uns möglich gemacht hat! 

 

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