(Olli Schulz)
Halb vier. Köln Süd. In der Nähe des Prime Clubs. Leicht bewölkt. Man merkt, dass es langsam Herbst wird. Noch ist es aber angenhem sich draussen hinzusetzen. Also treffe ich Olli Schulz im Innenhof seiner Bleibe für den heutigen Tag in Köln. Am 17.11.2006 erscheint sein neues Album "Warten auf den Bumerang". Dafür ist der Hamburger, der letztes Jahr nach Berlin übergesiedelt ist, auf kleiner Promotion Tour. 4 Konzerte stehen im Programm. "Linernotes & anderer Quatsch" heißt es. Nach dem Wechsel der Plattenfirma, vom Grand Hotel van Cleef nach Labels, sind wohl viele gespannt, was uns auf der neuen Olli Schulz und der Hund Marie Platte erwartet.
Hallo Olli!
Olli: Hallo Simon!
Wie war die Fahrt?
Olli: Flug.
Wie war der Flug?
Olli: Flugente. Sehr schnell. Kurz. Müde war ich. Ich hasse fliegen. Es ging.
Schon ein Kölsch getrunken?
Olli: Nee, ich trink kein Bier.
Ach komm.
Olli: Is wahr.
Aufgehört oder...
Olli: Nee, noch nie so viel getrunken an Bier. Ich trink wenn eher so harte Sachen.
Oha, da kannste bei mir nicht mit kommen.
Olli: Ich find Bier scheisse, wenn dann Hartalkis.
Komm wir rauchen erstmal Eine.
Alles klar. Danke. Dein Programm für heute Abend heißt "Linernotes & anderer Quatsch". Was erwartet uns da? Ist das ausschließlich neues Material was du vorstellst?
Olli: Ich stelle nur die neue Platte vor. Alte Songs spiele ich nicht.
Auch keine B-Seiten oder Raritäten?
Olli: Ja, ein paar Raritäten könnten auftauchen. Schlafen spiel ich z.B., vielleicht auch den Ölmann, mal sehn.
Das neue Album fängt mit einem ja schon typischen Olli Schulz Spruch an. "Alle Menschen haben Geschichten und keiner holt sie ab. Doch einer holt sie ab!" Woher holst du die Geschichten?
Olli: Ich sag mal 50% Fiktion und 50% selbst Erlebtes. Oder halt so ganz komische Situationen. Das erste Lied zum Beispiel "In jede Richtung" mit der Textzeile "Nur ein Mensch, doch wie sehr er kämpft, gegen den Lärm der ihn betäubt", da bin ich mit dem Wagen gefahren und es hat geregnet. Neben mir fuhr so ein kleiner Typ auf dem Mofa, es hat in Strömen geregnet. Es war ne sehr lange Landstrasse und an jeder Ampel hat er mich eingeholt mit seinem Mofa. Mensch und da dachte ich, du kämpfst da gerade so und ich sitze hier bequem im Wagen und da dachte ich halt so "Nur ein Mensch, doch wie sehr er kämpft, gegen den Lärm der ihn betäubt". Mit dem Lärm, es hat so gedonnert und der Regen. Und so ist dann das Lied nach und nach entstanden. "Wenn das Leben dich beißt" habe ich geschrieben nachdem ich den Film Magnolia gesehen habe, der ja aus Kurzgeschichten besteht und in dem Lied sind auch eher Kurzgeschichten aneinander gereiht. So in drei Sätzen erklärt. Es passiert halt so immer durch Filme oder Sachen die man erlebt, persönliche Sachen halt. So ein Mix davon.
Was hast du bewusst anders gemacht, im Gegensatz zu deinen beiden Alben vorher?
Olli: Ich habe vielleicht ein bisschen Humor weggelassen auf der neuen Platte.
Du bist ja jetzt auch bei Labels und nicht mehr beim Grand Hotel, weil deine Vorstellungen eine Platte genau so zu verwirklichen nicht mehr so ganz gepasst haben.
Olli: Ja, die Sache is ja die, dass es vielleicht bald keine großen Plattenfirmen mehr geben wird. Weil ja momentan der ganze Markt irgendwie so einbricht. Das merkt das Grand Hotel genauso wie jede andere Firma. Und da hatte ich jetzt die letzte Chance wahrgenommen, noch einmal so eine Platte aufzunehmen mit einem gewissen Budget. Vielleicht gibt es das bald ja gar nicht mehr so in der Art. Das Grand Hotel hatte halt nur ne geringe finanzielle Möglichkeit. Die alten Platten mussten damals sehr schnell, in einem kleinen Zeitraum aufgenommen werden. Und diesmal wollte ich halt richtig ins Studio gehen, also live die Sachen mit Band einspielen.
Du warst zum ersten Mal mit deiner Live Band also im Studio?
Olli: Ja, früher waren das ja immer nur Max Schröder und ich, die das gemacht haben.
Du hast ja zudem auch Streicher dabei und eine weibliche Background Sängerin.
Olli: Ja genau. Judith von Wir sind Helden singt bei "Armer Vater". Überall sind so Kleinigkeiten dazu gekommen. Das wollte ich halt einfach mal alles machen, den Luxus. Ich habe ja schon zwei Platten aufgenommen in so einem bestimmten Stil und das würde mich ja auch irgendwann Langweilen wenn ich jetzt noch mal so eine Aufnahme machen würde. Ich würde ja an einem Punkt bleiben, wenn ich witzige Alltagsgeschichten weiterhin mit der Akustik Gitarre erzählen würde.
Also so eine Art Weiterentwicklung?
Olli: Ja. Es kann auch sein, dass ich wieder ne lustigere Platte mache, ne Gag-Platte. So was wie Bibi McBenson.
Was macht der denn grad?
Olli: Der bringt nächstes Jahr ne Platte raus. "Ein Geschenk für alle Frauen" heisst die wahrscheinlich. Und vor allem die Leute, die sich die Sachen von mir im Netz ziehen, bekommen erstmal den ganzen Bibi Kram (lacht).
Ich nehme an, zu der neuen Platte kommte auch ne Tour?
Olli: Ja, im November und Dezember.
Bei der letzten Tour, hattest du ja bei den Auftritten im Vorprogramm den Film "No sleep `til Ellermann" gezeigt und ein richtigen Burner mit "Zwei reden, einer bangt" hingelegt. Sogar Rosen hast du am Ende verteilt. Was erwartet uns auf der kommenden Tour?
Olli: Es gibt ne komplett neue Show. Es gitb nen neuen Kurzfilm über Bibi McBenson, über seinen ersten Auftritt seit 10 Jahren in Wien.
Sein einziges Deutschland Konzert war das, oder? Stand auf seiner Homepage.
(kurzes grinsen)
Olli: Also, da gibt es den Film, ne neue Bühnendeko. Das is ja auch die Sache: Wir haben ein Budget bekommen, was allerdings nicht so groß ist wie viele das denken, obwohl wir bei einer neuen Plattenfirma sind. Wir planen noch ein wenig, wollen das Bühnenbild noch aufbauen und komische Sachen machen.
Verraten kannste noch nix?
Olli: Das wirst du schon sehen dann.
(Dennis Becker ruft an. Er ist grade mit Tomte unterwegs)
Deine Band, Andre Frahm am Schlagzeug, Dennis Becker am Bass und Max Schröder an der Gitarre sind ja auch noch in anderen Bands beschäftigt. Bei Marr und Tomte. Bzw. hat Max alias (der hund marie) ja auch sein Soloprojekt gestartet.
Olli: Max spielt ja nicht. Der hat nur die Platte aufgenommen und geht nicht auf Tour.
Auch nicht bei dir vielleicht im Vorprogramm?
Olli: Ich glaub nicht. Wir spielen vielleicht ein zwei Songs von seiner Platte.
Das wäre toll. "Hooligans & tiny hands" ist echt gut geworden.
Olli: Ja, die is super. Gute Platte.
Wie passt das denn zeitlich mit deiner Band alles zusammen, auf Grund der vielen anderen Beschäftigungen?
Olli: Das kriegen wir schon alles irgendwie geregelt. Man ist ja auch noch befreundet und dann redet man einfach wann wer auf Tour geht. Grad ist Tomte unterwegs, wir gehen im November, Dezember auf Tour, dann ein bisschen Pause, dann im Sommer wieder.
Das bedeutet aber auch viel unterwegs für einige, oder?
Olli: Naja, Musikerleben ist immer noch bequemer als teilweise von 9h bis 18h arbeiten. Wir kommen klar. Man sollte sich gar nicht zu sehr beschweren. Ich spiel aber auch immer noch gerne alleine. So wie jetzt, die Akustik Sachen.
Du bist seit längerem ja wieder alleine unterwegs.
Olli: Es geht. Im März habe ich ja auch ne Akustik Tour gemacht.
Stimmt, mit Davey van Bohlen von Maritime, oder?
Olli: Ja, genau. Bin aber trotzdem ein bisschen aus der Übung. Mal sehn was ich drauf hab.
Du wirst das Kind schon schaukeln, bei deiner Spontanität. Kam jemand eigentlich irgendwann mal mit einer Weakerthans CD bei dir an und wollte sein Geld zurück?
Olli: Nee. Habe ich gesagt auf nem Konzert, oder?
Ja. Mehrmals.
Olli: Aber ich glaube jeder der die gekauft hat, ist zufrieden damit. Großartige Band. 2007 kommt glaube ich das neue Album. Die sind wohl noch nicht ganz fertig mit dem Songwriting.
Was läuft bei dir grade im Player?
Olli: Ähm... bei mir läuft grade ein Hörbuch (lacht). Wassermusik von TC Boyle. Immer vorm Schlafengehen. Also als Hörspiel sogar gemacht, is ganz gut. Musikalisch die neue Bonnie Prince Billy, "The letting go".
Die Frage ob du was liest erübrigt sich dann, oder?
Olli: Nee, jetzt grade lese ich "Schreie vom Balkon" von Charles Bukowski. Das sind seine gesamten Briefe und Tagebuch Einträge von 1958 bis 1994. Bis er halt gestorben ist.
Alles klar. Das war es Olli. Herzlichen Dank.
Olli: Kein Problem. Danke auch. Sehen wir uns heute Abend?
Aber sicher doch.
Am Abend folgte dann im Kölner Prime Club die kleine feine Akustik Show des Olli Schulz, solo, ohne den Hund Marie. Ein Konzert um den Fan und Zuhörer die neuen Sachen vorzustellen. Und zwar so, wie Olli selber zu Hause auf der Couch sie womöglich geschrieben und zum ersten Mal gespielt hat. Roh und pur. Dazu das übliche Gerede zwischen den Liedern, für das Olli Schulz mindestens genauso bekannt ist, wie für seine Musik. Neue Geschichten werden einem geboten. Geschichten zu den Songs oder eben auch nicht. Spontanität und Improvisation. Zudem werden die live gespielten Sachen mitgeschnitten und kommen als kleines Schmankerl als Bonus Disc in der limitierten Auflage des Albums dazu. Hier wurde einem mehr geliefert als nur ein kurzes Reinhören. Aprospros: Den Song "Medizin" präsentierte Schulz erst auf seiner Akustik Gitarre und setzte sich danach ins Publikum, um mit allen anderen den Song in der Studio Version über die PA zu hören. Ganz schön von sich überzeugt, der gute Mann. Aber wenn man dabei so sympathisch wirkt, ist auch dies genehm. Ein schöner Abend und man darf sich freuen auf "Warten auf den Bumerang".