(PartySlayerz)
Leors Dimants alias DJ Lethal ist seit 15 Jahren festes Mitglied von Limp Bizkit. Vorher war er bereits bei House Of Pain aktiv und arbeitete nebenher noch mit grossem Erfolg als Produzent für Biohazard, Run DMC, Rob Zombie oder Evanescence. Als wenn das alles nicht schon genug wäre, startet DJ Lethal jetzt mit seinem Kollegen und Freund Franko Carino alias Fc ein neues Projekt - die PartySlayerz. Musicheadquarter-Chefredakteur Thomas Kröll befragte die beiden nach den Hintergründen und erfuhr nebenbei, warum sie eine ganz besondere Beziehung zu Dieter Thomas Kuhn pflegen.

DJ Lethal (vorne) und Franko Carino sind die PartySlayerz.
Ihr seid im Moment auf Tour mit Limp Bizkit und soweit ich weiß gerade in Frankreich. Heute war ein freier Tag. Wie habt ihr den verbracht?
Franko: Wir sind den halben Tag lang mit der Crew hierher angereist. Ich glaube, wir sind so gegen 14 Uhr angekommen. Viel freie Zeit gab es seitdem also nicht.
Du hast deine Karriere in Jacksonville begonnen. Wie wichtig ist dir die Stadt heute noch?
Franko: Jacksonville ist definitiv mein Zuhause, dort bin ich zur Schule gegangen und habe mich selbst gefunden. Es ist eine sehr schöne Stadt und voller Rockmusik oder zumindest sehr vom Rock beeinflusst. Meine Eltern und eine Menge meiner Freunde leben dort. Los Angeles ist aber ebenso wichtig für mich, denn da bin ich geboren. Ich habe also quasi zwei Homebases. Ein Zuhause im Osten und eines im Westen.
Du lebst aber überwiegend in Jacksonville, während Lethal in Los Angeles lebt, richtig?
Franko: Bevor wir auf Tour gegangen sind, habe ich mir auch eine Wohnung in Los Angeles zugelegt. Ich bin inzwischen etwa 60 Prozent des Jahres in Los Angeles, zwischen den Tourneen mit Limp Bizkit und den PartySlayerz. Es machte also Sinn für mich, dort eine Wohnung einzurichten. Es ist auch förderlich für unsere Arbeit. Da lief vorher vieles über E-Mail.
Lethal, wie haben deine frühen Erfahrungen mit dem Beatboxing dein Verständnis von Musik beeinflusst?
Lethal: Vor allem habe ich dadurch ein besseres Rhythmusgefühl bekommen.
Das ist alles?
Lethal: Ja (lacht). Und es hat meine Lippen voller werden lassen. Die Frauen mögen das (lacht).
Franko, als du 15 oder 16 Jahre alt warst, hast du dein erstes Keyboard bekommen und angefangen eigene Sounds zu entwickeln. Was war deine grösste Inspiration in dieser Zeit und welche ist es heutzutage?
Franko: Ich war immer irgendwie anders. Ich habe nie Gitarrespielen gelernt wie so viele Leute um mich herum. Gerade in einer so rockbeeinflussten Gegend mit Bands wie etwa Lynyrd Skynyrd. Ich konnte mich damit nie identifizieren, weil ich elektronische Musik mochte. Als ich dann mein erstes Keyboard bekam, habe ich versucht ihm neue Sounds zu entlocken. Oder Samples wie eine zuschlagende Tür oder das Hämmern gegen eine Wand. Wir haben Sachen durch ein Telefon aufgenommen und all sowas. Mein Bruder war ein grosser Depeche Mode-Fan, was mich auch sehr beeinflusst hat. Zu der Zeit gab es dieses ganze Rock-Zeug auf MTV wie Guns N`Roses oder Metallica. Und plötzlich kamen da diese Jungs mit ihren Keyboards. Das hat vieles verändert und so manche Tür für andere Bands wie zum Beispiel The Prodigy geöffnet. Depeche Mode haben bei mir mit Sicherheit ihre Spuren hinterlassen.
Und habt ihr beide von Anfang an daran geglaubt, dass ihr als Künstler einmal so erfolgreich werden würdet?
Lethal: Ich weiß nicht. Ich bin glücklich, dass sich die Dinge so gut entwickelt haben. Du möchtest natürlich erfolgreich sein und hoffst, dass du die Herzen der Leute erreichst. Es gehört neben Talent aber auch viel Glück dazu.
Wann habt ihr euch dazu entschieden zusammen Musik zu machen?
Lethal: Wir haben viel Zeit zusammen auf Tour verbracht und hatten immer unsere Computer dabei. Ich habe Franko ein paar Sachen von mir vorgespielt und umgekehrt. Irgendwann haben wir angefangen Sachen zu tauschen. Jeder hat die Songs des anderen bearbeitet und schließlich haben wir gemerkt, dass es passt. Die Idee ist also eigentlich nur aus Spass im Tourbus entstanden. Und jetzt machen wir zusammen Musik.
Was steckt hinter dem Namen PartySlayerz?
Lethal: Wir haben hin und her überlegt und uns allerlei lustige Namen ausgedacht. Wenn du ein DJ bist, dann kennst du den Begriff "Party Breakers". Das sind die Songs, die du als DJ im Set haben musst. Die, mit denen du jede Party schmeisst. Ich wollte es ein wenig dunkler und mehr heavy haben. Also kamen wir auf PartySlayerz mit einem "z" am Ende, weil wir vorhatten Metal mit Dance Music zu verbinden. Wir fangen mit dem Projekt aber ja gerade erst an und die Geschichte der PartySlayerz muss erst noch geschrieben werden.

Arbeitet ihr auch schon an Songs für euer erstes Album?
Lethal: Ja, wir haben schon so etwa dreißig Songs. Da werden aber sicher noch einige rausfliegen. Es wird Gäste geben, die den Gesang und einige Instrumente übernehmen. Wir hoffen, dass wir Ende des Sommers eine erste Single und ein Video veröffentlichen können. Es ist alles eine Frage der Zeit. Im Moment reisen wir mit Limp Bizkit um die Welt, wie du weisst. Es ist mein Job als DJ in Clubs aufzulegen, aber ich werde langsam müde, immer die Musik von anderen Leuten zu spielen. Mit den PartySlayerz können wir unser Ding machen, unsere Version der Geschichte.
Du hast auch dein eigenes Label gegründet, Lethal Dose Records. Welche Intention steckt dahinter?
Lethal: Die Idee dazu entstand aus der Tatsache, dass über die Jahre sowieso immer Bands und andere Leute zu mir ins Studio kamen, um dort Songs aufzunehmen und meine Butterbrote zu essen. Einige sind inzwischen sehr erfolgreich. Erst kamen sie in mein Studio, aßen meine Butterbrote und hatten dann einen Nummer 1-Hit (lacht). Da wurde mir klar, dass ich mit einem eigenen Label erfolgreich sein könnte. Ich kann schließlich nicht DJ sein bis ich hundert Jahre alt bin.
Was magst du mehr: Auf der Bühne zu stehen oder im Studio zu arbeiten?
Lethal: Das kann man nicht wirklich vergleichen. Ich meine, wenn du vor 100.000 Leuten stehst, die zu deiner Musik ausflippen, dann ist es das, was du dir vorstellst, wenn du im Studio bist und an einem Song arbeitest. Du schließt die Augen und stellst dir all diese hüpfenden und tanzenden Menschen vor. Wenn mein innerer Alarm angeht und sagt "Yeah, das hört sich wirklich gut an", dann weiß ich, dass es richtig ist, was ich tue.
Was ist das Besondere daran mit Limp Bizkit zu arbeiten?
Franko: Es ist zunächst einmal grossartig mit einigen deiner besten Freunde zu arbeiten. Die Entwicklung zu sehen, wenn Limp Bizkit aus dem Studio raus auf die Bühne gehen. Es ist eine tolle Erfahrung, die Jungs Abend für Abend auf der Bühne abrocken zu sehen.
Was ich mich gefragt habe ist: Limp Bizkit sind eigentlich eine Nu Rock-Band und dein Background ist eher Dance Music und HipHop oder bei Lethal elektronische Musik. Wie passt das zusammen?
Lethal: Wenn wir schon von Genres sprechen, dann nennen wir das "Bit Slap". Damit beschreibt man alle Genres, die irgendwie zusammenhängen. Weisst du, Dance Music ist für mich dasselbe wie HipHop. Es gibt so viele verschiedene Arten von Genres, ich kann dir unseres garnicht genau benennen. Hauptsache ist doch, dass die Leute die Musik mögen. Deshalb möchte ich aus unserem Album auch eine Art Konzeptalbum machen mit vielen verschiedenen Stilen.
Welche Pläne habt ihr noch in nächster Zukunft, abgesehen vom neuen Album?
Lethal: Wir wollen auf Tour gehen und die Leute zum Tanzen bringen.
Franko: Wir bringen die Party in die Welt.
Welche Musik hört ihr privat?
Lethal: Privat höre ich Dieter Kuhn.
Franko: (lacht) Dieter Thomas Kuhn.
Ihr macht Witze. Dieter Thomas Kuhn? Ihr kennt den wirklich?
Franko: Oh, ja! Er ist grossartig, ein netter und lustiger Kerl. Er weiß wie man Party macht, glaub mir. Letztes Jahr haben wir ihn in Köln getroffen und auf der Aftershowparty zusammen gefeiert. Auf seinem Konzert haben 4.000 Leute getanzt und backstage ging es dann weiter. Danach waren wir wie Brüder. Ich glaube, er ist einer der meistbeschäftigsten Menschen in Deutschland (lacht).
Letzte Frage: Wenn ihr für den Rest eures Lebens auf einer einsamen Insel leben müsstet, welche fünf Alben würdet ihr dann mitnehmen?
Lethal: Wow! Welche fünf Alben... (überlegt). Wow! Das ist wirklich schwierig.
Franko: Ich hätte meinen Laptop dabei und da sind alle möglichen Alben drauf (lacht).
Du müsstest trotzdem fünf davon auswählen.
Lethal: Okay... Ich würde sagen Led Zeppelin, Pink Floyd, Run DMC, House Of Pain und PartySlayerz.
Franko: Ich würde auch Run DMC nehmen...
Lethal: Nein, nein, du kannst nicht dasselbe nehmen.
Richtig! Du kannst nicht dasselbe nehmen.
Lethal lacht etwas hämisch...
Franko: (lacht) Na gut... Mist! Ich würde ein Depeche Mode-Album mitnehmen. Muss es ein bestimmtes sein?
Wenn du möchtest.
Franko: Nein... aber ich nehme dann ein Greatest Hits-Album. Dann noch was von Portishead, eine Party-Platte von Cuttin Down Trees, mit Sicherheit Slipknot und den Soundtrack zu "Krush Groove", einem alten HipHop-Film.
Lethal: Wir planen übrigens gerade einen Bandcontest. Der erste Preis wird ein Support-Act für eine PartySlayerz-Show in Deutschland sein. Das Ganze wird in Köln stattfinden, wir suchen im Moment noch Termine dafür. Wahrscheinlich irgendwann im Januar. Alle Informationen dazu kannst du dann auf unserer Website partyslayerz.com finden. Es wird einen Link auf der Startseite geben, wenn es soweit ist.
Vielleicht sehen wir uns ja dann im Januar in Köln. Übrigens die schönste Stadt Deutschlands.
Lethal: Ja, sehr schön. Wir werden im Januar wohl für vier Wochen dort sein, um unser Album aufzunehmen.
Perfekt! Dann danke ich euch für eure Zeit und freue mich auf Januar!
Ein Dankeschön geht ebenfalls an Mariann Krott vom ConcertTeam NRW, die uns dieses Interview ermöglicht hat!