(Pure Inc.)
Das idyllische, holländische Uden ist Ort des Geschehens. Nach langer Kurverei und Sucherei finden wir den Club „De Pul“, wo wir nach dem Abendessen und vor der Show zum Interview mit den Schweizern von Pure Inc. erwartet werden. Wiedersehensstimmung im Bistro-Bereich – Deutschland, Frankreich und nun Holland: unser drittes Treffen innerhalb von drei Jahren. Erste Begegnung mit Hoffi, dem neuen Basser. Myspace hat uns vorher schon näher gebracht und als Ältester in der Band wirkt er am Ruhigsten. Drummer David mit mittlerweile kürzeren Haaren ist dick eingemummelt und scheint zu frieren. Während der Band die letzten Pizzen gereicht werden, teilen wir die Shortcuts aus, die mit einigen Fettflecken in Mitleidenschaft gezogen werden. Sänger Gianni, der italienische Gene in sich trägt, über die Schulter schauend beim Ausfüllen des Fragebogens, haken wir hier und da nach:
Du isst gerne Asiatisch? Nicht Italienisch?
Gianni: Besser als meine Mutter macht es niemand und asiatisches Essen kochen wir im Wok, ich kann selber kochen.
Bei der Frage nach den drei Dingen, ohne die er nicht leben kann:
Gianni: „Women“ – das muss bleiben, das ist Klischee! (lacht) Guilty Pleasure – too many to mention!

Ich habe Euch zum ersten Mal live 2005 gesehen, damals war Jorn noch mit Masterplan unterwegs. War das Eure erste richtige Europatour?
Gianni: Eigentlich waren wir 2004 mit der Michael Schenker Group bereits auf Tour und mit Doro waren wir auch noch unterwegs – 3, 4 Shows.
Jetzt also drei Jahre später tourt Ihr erneut mit Jorn. sich in dieser Zeit verändert? Wie ist das Zusammenarbeiten jetzt mit ihm?
Gianni: Jorn ist einfach extrem unkompliziert, ein toller Typ, aber das wussten wir schon von Masterplan. Es hat sich eigentlich gar nicht viel geändert. Die Band ist total anders und es sind coole Jungs und eine coole Band.
Ihr habt bereits ein paar Shows mit ihm gespielt. Habt Ihr bereits etwas zu erzählen, was gut und was schlecht gelaufen ist?
Gianni: In der UK ist es sehr schwierig, auch für Jorn, wir haben noch mit ihm darüber geredet, er macht diese Tour in der UK, weil er präsent sein wollte, obwohl es eigentlich nicht sehr gut besucht war. Wir denken, dass es in Deutschland und Holland besser laufen wird.
Ihr habt Euer 3. Album "Parasites and Worms" veröffentlicht, wie seht Ihr Eure musikalische Entwicklung mit den Alben? Wie seid Ihr als Künstler gewachsen?
Sandro: Ich glaube wir haben uns geöffnet, man hört es auch auf der neuen CD. Wir vermischen vieles was wir auch privat hören und damit einfach unsere Präferenzen wild durcheinander mischen. Aber das trotzdem in ein Gesamtes reinpacken, wo eine gewisse Nische für uns entstanden ist in den letzten Jahren. Wir haben mehr progressive Einflüsse als in der Vergangenheit, haben mehr Aggression im Sound, auch geprägt durch die Erlebnisse der letzten zwei Jahre, insbesondere die Erlebnisse vor zwei Jahren. Mehr Dynamik, mehr Emotionen, das wollten wir auch mit dieser CD. Wir wollten an das Live-Feeling drankommen. Die Traurigkeiten der ruhigen Passagen, die Energien – das haben wir, glaube ich, ganz gut hinbekommen auf der CD.
Was genau ist vor zwei Jahren passiert?
Gianni: In 2005 starb Andy Allendörfer, der Chef von AFM. Er war derjenige, der uns eigentlich pushen wollte. Nachdem er gestorben ist, hat sich die Plattenfirma und alles anders entwickelt als wir es uns vorgestellt haben, weil Soulfood hat den Vertrieb aufgekauft. Klar, mit der ersten CD haben wir natürlich nicht viele Scheiben verkauft. Wir hatten jedenfalls irgendwie das Gefühl nicht mehr akzeptiert zu sein, deshalb hat AFM die Option für das dritte Album nicht mehr gezogen und wir wollten auch nicht mehr mit ihnen zusammenarbeiten – das bringt es nicht. Dann haben wir den Bassisten verloren, den wir hatten, bzw. er ist gegangen. Die Booking-Agency hatten wir nicht mehr, das Management ist gegangen. Dann haben wir für uns empfunden, dass wir die neue CD für uns aufnehmen sollen und von Anfang an wieder schön zu starten und neue Leute zu suchen, die an uns glauben.
Während der Aufnahmen hast du deine Stimme verloren?
Gianni: Nein, das war nachher.
Wie ist es dazu gekommen?
Gianni: Ich denke mal, ich hatte eine Kehlkopfentzündung und hätte einfach nicht singen sollen. Das habe ich trotzdem gemacht und na ja...
Wie versuchst du jetzt mit der Stimme umzugehen? Schonst du sie mehr?
Gianni: Ich schaue einfach, dass ich sie mehr schone. Alkohol ist nicht gut für die Stimme, mehr einsingen, obwohl ich das immer schon gemacht habe. Das passiert einfach... das Singen bereitet mir jetzt keine Schwierigkeiten mehr. Es war einfach mühsam, weil es drei Monate dauerte bis ich wieder singen konnte. Ein Polyp auf den Stimmbändern musste entfernt werden.

Nochmals zurück auf die neue Plattenfirma: Ihr seid bei Dockyard untergekommen! Du hast neben Pure Inc. noch eine zweite Band – The Order. Hast du durch diese zweite Band, die ebenfalls bei Dockyard gesignt ist, diese guten Kontakte?
Gianni: Ja, das kann man sagen. Wobei wir uns mit Pure Inc. bei mehreren Plattenfirmen beworben haben und Dockyard hat den besten Deal geboten. Ich kannte den Dirk und die Christine schon, es sind einfach coole Leute. Wieso nicht? Es muss ja bei einem Major-Label nicht besser sein. Ein Indie-Label - wenn sie dazu stehen und eine Band richtig gut finden –arbeitet genauso gut.
Hoffi, wie fühlst du dich mittlerweile in der Band? Hast du dich gut eingelebt?
Hoffi: Ja, es ist ja schon wieder ein Weilchen her... vor einem Jahr habe ich das Album eingespielt und schon einiges gemacht: Videos, Album, Live-Shows, Tour. Ich kann nur sagen, ich bin sehr glücklich und hoffe, dass ich auch dazu beitrage, dass die anderen glücklich sind. (Stille)
Keine Resonanz (alle lachen)...
Wie bist du zu der Band gekommen und wie die Band an dich?
Hoffi: Sie haben mich bezahlt!
Gianni: Wir haben ihm eine halbe Million gegeben! (lacht)
Habt Ihr Euch vorher gekannt?
Gianni: Nicht wirklich (schmunzelt).
Hoffi: Ich habe auf Myspace gelesen, dass ein neuer Bassist gesucht wird, habe mich bei Sandro gemeldet und bin längere Zeit mit ihm in Kontakt geblieben.
Sandro: We’ve shared some love....
Habt Ihr denn noch Kontakt zu Eurem vorigen Basser Gentman?
Gianni: Eigentlich nicht, leider nicht. Wir haben alle zusammen über seine Problematik in der Band gesprochen und er hatte einfach das Gefühl, dass er privat bzw. beruflich etwas anderes machen möchte, sich weiterentwickeln möchte und eine Schule besucht. Da war er Freitags, Samstags und Sonntags nicht mehr da, weil er arbeiten musste und Schule hatte. Ich glaube das Problem ist, dass er es jetzt bereut. Und deshalb hat er auch ein Problem mit uns, er kommt nicht mehr zu Konzerten. Es tut weh, wir haben nicht viel Kontakt, aber wir sind nicht in Streit.
In Eurem aktuellem Booklet ist aufgeführt, dass Ihr einige der Songs mit ihm geschrieben habt. War das vor seinem Ausstieg?
Gianni: Ja, genau. Wir haben vor seinem Ausstieg eine Demo-Aufnahme gemacht. Da hat er die Songs noch gespielt und danach ist er gegangen. Wir haben die Songs natürlich mit ihm arrangiert und Hoffi hat die ganze CD nochmals neu eingespielt und es ist super so. Er konnte seine Imputs bringen, wir mögen seine Art zu spielen, wir sind sehr zufrieden mit ihm, extrem sogar! Er ist auch menschlich ein sehr toller Typ! (Hoffi schmeißt ihm einen 50Euro-Schein über den Tisch) Er geht mir ab und zu auf den Sack, aber....
Erzähl doch noch mehr von The Order, deiner zweiten Band!
Gianni: Bei The Order ist es momentan so, dass eigentlich nicht viel läuft. Just for fun nicht, aber nicht so professionell wie Pure Inc. The Order würde auch nie auf Tour gehen. Einzelne Konzerte ja, Spaß haben mit der Musik.
Worin unterscheidet sich die Musik der beiden Bands?
Gianni: Pure Inc. ist moderner, The Order ist mehr „back to the roots“ und Classic Rock. Mehr so die Schiene Jorn. Aber eher so Mötley Crüe, Skid Row. Bei Pure Inc. kann ich meine Stimme moderner einsetzen, bei The Order kann ich mehr die Classic Rock Schiene nehmen.
Auf der aktuellen Scheibe hast du bei „One Minute On Earth“ Grunts eingesetzt.
Gianni: „One Minute On Earth“ ist eher so ein Black Metal Song. Im Mittelpart habe ich das gemacht.
Würdest du das gerne öfter machen? Das hat sich ganz gutangehört?
Gianni: Ja, why not? Wir haben keinen Trend, dem wir folgen müssen. Die Plattenfirma sagt uns nicht, wir müssen diesen Sound machen, damit wir mehr CD´s verkaufen. Sondern wir sind ziemlich offen für alles. Wir machen einfach, was uns gefällt. Wenn es Scheiße ist, dann nehmen wir es einfach nicht auf. Es ist nicht so wie bei Jorn, der z. B. seine Classic Rock Schiene hat und dabei bleiben muss.
Was können wir in nächster Zeit von Euch erwarten? Sehen wir Euch in ein paar Monaten als Headliner auf kleiner Club-Tour?
Gianni: Das wird sehr schwierig. Das Thema Geld... so eine Tour ist schon ziemlich teuer. Deshalb versuchen wir die Shows auf diese Tour zu fokussieren. Vielleicht machen wir noch einige Shows in Frankreich, dort funktioniert die Band sehr gut. Unser Song „Dead Calling“ läuft dort auf Rotation in den Radios. Jetzt warten wir die Reaktionen ab, die CD ist noch nicht lange raus. Mit der dritten CD haben wir uns eine Basis geschafft in Zukunft richtig gute Chancen zu haben durchzustarten. Wir sind gespannt....

Wir wünschen es den Schweizern und bleiben selbstverständlich auch zum Konzert, welches die Live-Qualitäten der Band unter Beweis stellt. Die Jungs haben Lust zu spielen und es ist unschwer zu erkennen, dass sie gerne auf der Bühne sind. Energiegeladen rocken sie mit einem Querschnitt der drei Alben durch die Show und auch für spontane Einlagen bleibt Zeit:
Kurzerhand wird ein Fan auf die Bühne geholt, der mit Gianni am Mikro abrockt. Da bleibt nur zu hoffen, dass auch bei den übrigen Shows wie in Uden Pure Inc. mit einigen neuen Fans den Abend besiegelt haben!
Besten Dank an Pure Inc., Christine von Dockyard und Mona für das Interview!