(Pure Reason Revolution)
Pure Reason Revolution veröffentlichten im Oktober ihr drittes Studio-Album "Hammer And Anvil". Jon Courtney, Sänger, Gitarrist und Keyboarder der Band, war bereit, uns einige Fragen über das aktuelle Album, Touren, soziale Netzwerke und vieles mehr per E-Mail zu beantworten.

Wie fielen die ersten Reaktionen zum neuen Album "Hammer And Anvil" aus? Lest ihr eigentlich Reviews/Reaktionen der Fans und nehmt euch diese zu Herzen?
Jon Courtney: Die Resonanz ist bisher sehr positiv – sei es hinsichtlich des Albums oder auch der neuen Songs, die wir live gespielt haben. Nein, wir achten nicht wirklich auf die Reaktionen unserer Fans. Im Grunde machen wir die Musik, die uns begeistert.
Der inhaltliche Schwerpunkt des neuen Albums liegt auf dem Thema "Krieg". Kannst du uns die Idee beziehungsweise das Konzept hinter "Hammer And Anvil" beschreiben und warum ihr euch diesem sensiblen Thema gewidmet habt?
Jon Courtney: Die Liedtexte sind von unzähligen Einflüssen inspiriert... aber hey, ich interessiere mich sehr für Kriegsgeschichte und entsprechend spiegelt sich dieses Interesse auch in den Liedtexten wider. Mein Großvater war ein Artillerist, und daher habe ich Nachforschungen zu seinem militärischen Werdegang betrieben. Gerade bin ich von einer Reise in die Normandie zurückgekehrt, wo ich verschiedene Bunkeranlagen, Artillerie-Batterien, Landungsstrände, Radarstationen usw. besichtigt habe. Ich bin überrascht vom ungeheuren Ausmaß, dem Heldenmut, den Toten, der Massenvernichtung, der Tragödie/Katastrophe und den industriellen und wissenschaftlichen Entwicklungen.
Welche Bedeutung steckt hinter dem Album-Cover?
Jon Courtney: Wir gaben einer Design-Firma einfach einen groben Überblick über unsere Vorstellungen vom Album, zusammen mit der Musik und den Liedtexten. Diese kam dann mit verschiedenen Ideen auf uns zu, die wir daraufhin durchgegangen sind. Irgendwie schien dieses Cover das Hauptthema "Krieg" widerzuspiegeln und die Musik gut zu verkörpern.
Auf "Hammer And Anvil" sind wie beim Vorgängeralbum "Amor Vincit Omnia" Synthesizer-Klänge und elektronische Elemente vorherrschend. Steht die musikalische Richtung, die die Band einschlägt, bereits vor den Aufnahmen für ein Album fest oder entwickelt sich diese während des Entstehungsprozesses?
Jon Courtney: "Hammer And Anvil" war kein vorher festgelegter Versuch, etwas anderes zu tun – es hat sich einfach so ergeben. Als ich mich zum ersten Mal mit Tom Bellamy, Co-Produzent und Komponist, getroffen habe, redeten wir über die [musikalische] Richtung, und dies beinhaltet natürlich die wichtigsten Einflüsse der Band. Dann haben wir uns beeilt und arbeiteten sehr schnell am Sound, der sich ganz natürlich mit jedem Stück herausgebildet/entwickelt hat.
Welchen (musikalischen) Hintergrund hat "Blitzkrieg", insbesondere im Hinblick auf den hier extensiven Gebrauch von Samples?
Jon Courtney: Ich wollte einfach etwas mit einer Stimmung schaffen, die irgendwie die Aggressivität/Brutalität des Krieges wiedergibt. Unser Manifest war immer, Musik ohne Grenzen zu kreieren, sei es hinsichtlich der Samples, Gitarren, Synthesizer, Streicher, Live-Drums, programmierten Drums... all dies gehört zu Pure Reason Revolution dazu.
Kannst du uns beschreiben, wie die neuen Songs zustande kamen? Habt ihr schon vorher Ideen oder trifft sich die gesamte Band, jammt zusammen und (manche) Songs entwickeln sich aus den Jamming-Sessions?
Jon Courtney: Ich arbeite/komponiere mit Logic (einer Musiksoftware, d.Red.). Einige Songs, die ich zu Tom mitgenommen habe, waren bereits zu einem großen Teil fertig, andere hatten nur eine einfache Gitarrenspur oder nur Piano und Gesang. Also nein, wir jammen nicht zusammen in einem Raum. Die Songs entwickeln sich während des Aufnahmeprozesses und dann kommen die anderen Bandmitglieder hinzu, falls und wie es gerade nötig ist.

Das neue Pure Reason Revolution-Album "Hammer And Anvil" wurde am 15. Oktober veröffentlicht!
"The Dark Third" dürfte bis heute die am meisten hervorstechende Veröffentlichung der Band sein. Dies könnte einer der Gründe dafür sein, dass selbst das neue Album von vielen Progressive Rock- und sogar Metal-Magazinen im Internet rezensiert wird. Wenn du Pure Reason Revolutions Musikstil selbst einordnen müsstest, wie würdest du diesen beschreiben? Was denkst du darüber, dass eure Musik (noch immer) in die Schublade "Prog" gesteckt wird und was denkst du über die Bezeichnung "Prog" im Allgemeinen?
Jon Courtney: Ich behaupte einfach mal, dass wir eine "zeitgenössische Rockband" sind. Die Leute können uns einordnen, wie sie möchten. Es ist toll, dass Leute, die sich für verschiedene Musikrichtungen begeistern, auch unterschiedliche Stile aus unserer Musik heraushören. Manche hören Progressive Rock-Einflüsse, andere "West Coast"-Einflüsse aufgrund der Beach Boys-artigen Gesangsharmonien und wiederum andere hören elektronische Einflüsse heraus. Ich liebe Prog-Rock wie King Crimson, Yes, Pink Floyd, aber auch Depeche Mode, Smashing Pumpkins, Gary Numan oder die Beach Boys. Wir haben ganz viele Einflüsse!
Wie würdest du die Entwicklung von Pure Reason Revolution vom Anfang bis heute zusammenfassen?
Jon Courtney: Wir machen einfach die Musik, die uns gefällt, ohne irgendwelche Grenzen und Einschränkungen. Wir mögen zwar mehr in elektronische Gefilde vorgedrungen sein, aber wer weiß, wie es als nächstes weitergeht? Vielleicht schreiben wir sogar mal einen 60 Minuten langen Song?!
Könnt ihr eigentlich bereits von eurer Musik leben? Was machen die Mitglieder der Band neben Pure Reason Revolution?
Jon Courtney: Wenn ich an einem Pure Reason Revolution-Album arbeite, dann bin ich in Vollzeit damit beschäftigt. Aber davon abgesehen bin ich ein freischaffender Produzent und arbeite entsprechend an verschiedenen Projekten: angefangen beim Remixen über Aufnahmen für andere Bands bis hin zur Ausbildung von Pop-Künstlern. Chloë, Paul und Jamie gehen neben Pure Reason Revolution verschiedenen Jobs nach.
Wie wichtig sind für euch soziale Netzwerke wie MySpace, Facebook oder Twitter geworden, speziell weil Pure Reason Revolution immer noch eine recht unbekannte Band ist?
Jon Courtney: Ich denke das ist eine großartige Möglichkeit der kostenlosen Werbung. Der gesamte Austausch von Informationen innerhalb dieser Netzwerke ist großartig. Ich selbst bin aber kein Fan von Twitter und verabscheue es, wenn Leute Sachen twittern wie "Oh, ich habe gerade einen Burger gegessen, das war so toll!". Wen interessiert’s? Und ich finde es wichtig, dass ein Künstler etwas Geheimnisvolles behält und die Balance gewahrt wird zwischen "jemanden auf dem Laufenden halten" und "nicht auf Teufel komm raus irgendwelche unwichtigen Sachen posten".
Ihr wart mit so vielen großartigen, aber auch verschiedenen Bands wie Mew, Blackfield, Porcupine Tree, Editors oder Oceansize auf Tour. Welche war dabei die interessanteste Band und warum?
Jon Courtney: Wir lieben all diese Bands, aber die interessanteste und meine persönliche Lieblingstour war wahrscheinlich die mit Porcupine Tree. Ihr gesamtes Setup läuft wie eine "gut geölte Maschine". Hinzu kommt, dass Steven Wilson ein großartiger Songwriter ist. Es ist toll, sich neue Tipps von Bands zu holen, mit denen man auf Tour ist. Du lernst, wie du Dinge innerhalb deines eigenen Setups verbessern kannst – das ist klasse!
Mit welchen Bands würdet ihr irgendwann in der Zukunft gerne touren wollen, sei es als Vorband oder Co-Headliner?
Jon Courtney: Wir finden, dass eine Tour mit Muse der absolute Hammer wäre. Also, falls ihr Matt Bellamy (den Frontmann von Muse, d.Red.) kennt, dann legt bitte ein gutes Wort für uns ein!
Gibt es einen speziellen Grund, warum ihr eure Setlist während einer Tour nur sehr selten ändert?
Jon Courtney: Nein, das hat nur praktische und technische Gründe. Hinzu kommt ein knappes Budget, nur begrenzte Zeit zum Proben usw...
Lass uns doch mal einen Blick in die Zukunft von Pure Reason Revolution werfen. Was können eure Fans auf der ganzen Welt in den nächsten – sagen wir mal – 12 Monaten erwarten?
Jon Courtney: Eine kurze Tour im November und Dezember, dann noch ein paar Konzerte und eine weitere Single im Januar. Hoffentlich werden wir es auch in die Staaten schaffen! Und dann wird es weitere Aufnahmen geben.
Was auch immer ihr machen werdet – viel Glück dabei und herzlichen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, diese Fragen für uns zu beantworten!
Ein Dankeschön auch an Gisle Johansen von Pirate Smile, die uns dieses Interview vermittelt hat!