Interview mit Ray in Birkenfeld - Tour 2007

(Ray Wilson)

08.09.2007 von Andreas Weist

Eine halbe Stunde vor dem Konzert in Birkenfeld hatten wir Gelegenheit, uns mit Ray Wilson zu unterhalten. Die Begegnung fand in einem kleinen Backstageraum statt, wo Rays „Geburtstagsparty“ gerade in vollem Gange war.

Hallo Ray. Ich bin Andreas, das ist Jörg. Wir kommen von Musicheadquarter, einem Online-Musik-Magazin. Schön, dich zu treffen.

Ray Wilson: Freut mich auch.

Heute ist dein Geburtstag. Wir haben dir ein kleines Geschenk mitgebracht.

(Wir überreichen eine Packung „Celebrations“, die Ray direkt an die Band weiterreicht.)
Ray Wilson:
Oh, die Jungs mögen Schokolade.

Was ist es für ein Gefühl, am Geburtstag auf Tour zu sein? Feierst du später mit deiner Familie?

Ray Wilson: Ich habe meinen Geburtstag noch nie gemocht. Es klingt zwar seltsam, aber ich bin nie richtig glücklich, wenn ich Geburtstag habe. Aber ich bin froh, heute Abend ein Konzert zu geben. Das ist immer toll. Die beste Art zu feiern ist es, auf der Bühne zu stehen und die Tatsache zu vergessen, dass ich Geburtstag habe. Ich bin jetzt 39...

Ich finde es etwas irritierend, dass du nach der Zeit vieler Solo-Auftritte zuerst als Ray Wilson & Stiltskin aufgetreten bist, jetzt wieder als Ray Wilson & Band. Ist diese Band Stiltskin? Oder wie definierst du die Unterschiede?

Ray Wilson: Ja, es ist Stiltskin. Die Werbung war falsch. Wir sind „Ray Wilson & Stiltskin“ und ich weiß nicht, warum es anders angekündigt wurde.

Vor Stiltskin gab es noch eine andere Band: Guaranteed Pure. Ich kenne „Swing Your Bag“ von Fishs Outpatients-Sampler. Stehst du noch zu dieser Art von Musik?

Ray Wilson: Ich habe den Sampler nie gehört. Wir haben zu dieser Zeit sicher ein, zwei nette Stücke gemacht. Naive Songs. Es war halt sehr früh in meiner Songwriter-Karriere. Wir spielen ja aktuell auch den „Airport-Song“, der von diesem Album stammt. Das macht viel Spaß. Aber ich spiele nicht viel aus dieser Zeit. Es ist schon sehr lange her.
Wir versuchen innerhalb der aktuellen Show etwas von jedem meiner Alben zu spielen – angefangen bei „Guaranteed Pure“ bis hin zum aktuellen „She“-Album.  Eine Kombination aus allem. „Cut“, „Genesis“, Acoustic-Stoff, alles. Das ist eine sehr erfolgreiche Kombination. Wir machen das auf dieser Tour zum ersten Mal. Den Zuschauern scheint es zu gefallen. Du kannst dir ja gleich selbst ein Bild machen.

Du hast als Support von Dolores O’Riordan gesungen. Ihr Soloalbum „Are You Listening?“ ist sehr gut geworden. Fast wie die alten Cranberries. Wie war die Zusammenarbeit?

Ray Wilson: Dolores ist großartig. Ich habe sie 1994 zum ersten Mal getroffen. Ich kenne sie also schon recht lange. Sie ist eine echte Sängerin, eine echte Songwriterin, ein echter Star – hat absolut Starqualitäten. Es ist schön, das zu sehen, denn so viele im Musikgeschäft können sich nicht lange halten. Sie schreibt wirklich tolle Songs, ist eine nette Person und ich habe viel Respekt vor ihr.

Ich mag vor allem deine Live-Alben. Die Doppel-CD aus Deutschland oder das polnische „An Audience and Ray Wilson“ und die neue Stiltskin live. Wie sieht es mit der geplanten DVD aus?

Ray Wilson: Eigentlich habe ich sie gar nicht geplant. Ich bin nicht enthusiastisch, was eine DVD angeht. Das Problem ist – ich kaufe auch nie DVDs von Künstlern. Ich finde das langweilig.

Aber sie stand schon bei InsideOut auf der Release-Liste, oder?

Ray Wilson: Ja ich weiß. Aber es ist ja nicht so, dass es nur darum geht, einfach eine DVD zu veröffentlichen. Man braucht Finanzmittel zur Vermarktung, muss die richtige Show aufnehmen, die richtige Kombination von Kameras wählen, das richtige Publikum... Ich habe schon viele Shows aufgenommen. Zuhause habe ich massig Bänder mit Musik, aber ich habe noch nicht das, was ich will. Gerade jetzt läuft es sehr gut und ich bin zuversichtlich, dass wir in den nächsten sechs Monaten eine Show aufnehmen werden, die reif zur Veröffentlichung ist. Die momentane Show ist die richtige. Bisher war ich mir nie so sicher, deshalb habe ich noch nichts veröffentlicht.
Und um ehrlich zu sein, mir ist es lieber, die Leute kaufen ein Konzertticket als sich auf den faulen Hintern zu setzen und eine DVD anzuschauen. Also geht raus und schaut euch die Show an!

Es gibt ja eine gute Aufnahme vom „Rockpalast“, die im deutschen Fernsehen lief.

Ray Wilson: Ja, das ist was anderes. Wir haben ihnen 5000 Euro gezahlt und sie haben die Show gefilmt.

Das heißt du musst dafür bezahlen?

Ray Wilson: Ja, natürlich muss man das. Du brauchst nicht zu glauben, dass man irgendetwas umsonst bekommt. Aber die „Rockpalast“-Sache war wirklich gut. Das ist jetzt auch schon einige Jahre her. Ich besitze sie natürlich – aber ich möchte etwas, das alles repräsentiert, was ich jemals gemacht habe. Und das habe ich noch nicht. Bis dahin wird es auch keine DVD geben. Ich habe keine Eile damit.
Wenn du heute Abend in den Konzertsaal schaust, da werden sicher sieben oder acht Kameras sein. Jede meiner Shows wird von den Zuschauern gefilmt. Sie sind fast alle im Internet erhältlich.

Und das ist kein Problem für dich?

Ray Wilson: Nein, ich lasse die Leute filmen. Das ist cool. Es ist so einfach. Ich muss nicht über das Marketing nachdenken, keine Rücksicht auf eine Plattenfirma nehmen. Die Nutzer können es runterladen, wenn sie wollen, wegwerfen, wenn sie denken, das es Mist ist. Komm zum Konzert – das ist die Antwort.

Wird dein nächstes Album ein Ray Wilson solo oder ein Stiltskin-Album sein?

Ray Wilson: Ich glaube nicht, dass es so heavy werden wird wie “She”. Aber es ist schwer zu sagen. Ich habe viele Sachen, an denen ich mit den Jungs arbeite. Ein wichtiger Bestandteil des letzten Stiltskin-Albums war die Zusammenarbeit mit Uwe Metzler, einem Gitarristen aus Stuttgart, gar nicht weit von hier entfernt. Er war sehr wichtig – schrieb viel von der Musik. Und der Produzent war auch aus Stuttgart, von den Benztown Studios. Diesmal werde ich nicht mit denen zusammen arbeiten, daher denke ich, dass es kein Stiltskin-Album wird.

Aber du siehst Stiltskin schon als richtige Band?

Ray Wilson: Oh ja. Aber als ich den Namen zurück brachte, wollte ich ihn als den Namen für meine Band. „Ray Wilson & seine Band“.  So mache ich das. Denn ich war in so viele Dinge involviert: “Cut”, “Stiltskin”, “Genesis”, Solo-Albums. Das ist natürlich sehr verwirrend. Und dann möchte ich noch aus jeder Zeit etwas spielen. Ich wollte der Band einen richtigen Namen geben, denn ich bin ein großer Fan von „Bruce Springsteen & the E Street Band“. So dachte ich, wir nehmen den Stiltskin-Namen. Es ist mein Name, also warum nicht? Wenn Die Leute eine „Ray Wilson & Stiltskin“-Show sehen, gibt es Songs von Ray Wilson und Songs von Stiltskin.

Ich habe gehört, es wird ein Remaster von „Millionairhead“ geben – und auch „Calling All Stations“ ist remastert. Aber als einzige Genesis-VÖ soll sie nicht alle B-Seiten enthalten. Das finde ich traurig. Weißt du, warum das so ist?

Ray Wilson: Ich glaube sie veröffentlichen nur die B-Seiten, die ich nicht geschrieben habe. Ich weiß es nicht – du wirst sie fragen müssen. Ich habe das remasterte Alben gehört. Es gibt noch zwei oder drei B-Seiten, die ich geschrieben habe, und sie sind nicht auf dem Album. Ihre eigenen B-Seiten sind alle drauf. Ich kann nicht glauben, dass es nur eine kommerzielle Entscheidung war – aber es sieht tatsächlich so aus. Ich weiß es wirklich nicht.
Andererseits: ich habe das Album gehört und es klingt wirklich gut. Nick Davis hat es im Surround-Sound remastert und wenn du es so hörst, ist es wirklich sehr gut. Er hat einen super Job gemacht. Die Wahl der Bonustracks... keine Ahnung. Sie haben mich nicht gefragt. Und das ist, ehrlich gesagt, typisch für sie. Sie haben mich nie irgendwas gefragt. Das ist nicht fair, aber so war es halt.
Auf dem „Cut“-Album haben wir drei Bonussongs. Es ist jetzt erhältlich, wurde auch remastert. Hauptsächlich ist es etwas lauter, denn es war sowieso schon gut gemastert. Da gibt es diesen Song „Dark“, den mein Bruder geschrieben hat. Ein wirklich guter Song. Ich habe „Millionairhead“ immer gemocht. Ich denke, es ist ein wirklich gutes Album. Wenn jemand es noch nicht hat und mag, was ich tue, dann sollte er es kaufen. Wirklich.

Donovan Aston, dein Support heute, covert vor allem Genesis- und Collins-Stücke. Ist das nicht komisch für dich?

(Ray beginnt spontan zu singen: “Mellow Yellow” des britischen Sängers Donovan.)
Ray Wilson: Ich hätte nie gedacht, dass Donovan mich mal supporten wird. (lacht)
Okay – kleiner Scherz.
Nein, ich wusste das vorher gar nicht. Habe es gerade erfahren. Ehrlich gesagt: Er ist sehr gut, macht einen klasse Job. Es sind ja auch immer Genesis-Fans in meinem Publikum. Also warum nicht? Er spielt Peter Gabriel-Songs. Ich glaube, ich hörte ihn eben „Red Rain“ singen. Er spielt ein wenig Genesis... Es geht doch darum, die Leute zu unterhalten. Wenn du 15 oder 20 Euro bezahlst, wie viel auch immer, möchtest du gut unterhalten werden. Donovan ist gut – er gibt die Genesis-Sachen hervorragend wieder. Wenn er schlecht wäre, wäre er nicht hier.

Birkenfeld ist eine kleine Stadt – aber du warst ja schon öfter in der Gegend: in Landstuhl, in Luxemburg. Wie gefällt es dir hier?

Ray Wilson: Es ist ein sehr schöner Teil Deutschlands. Wir haben unsere Acoustic Tour in Tirol begonnen. Und ich fahre immer mit dem Auto zu meinen Auftritten, um all das Equipment mitzunehmen. In der Beziehung bin ich etwas eigen. Wir fahren also nach Calais, dann durch Luxemburg und erreichen Deutschland auf dieser sehr schönen Route. Mosel und Rhein – eine großartige Gegend.
Einer meiner Träume wäre es, einen Lastenkahn zu mieten, ein Recording Studio darauf zu bauen – das ist wirklich mein Ernst – in Holland zu starten und den Rhein und vielleicht auch die Mosel entlang zu fahren.

Und dann würdest du auf dem Weg Konzerte geben?

Ray Wilson: Nein – ich würde ein Album aufnehmen. Ehrlich, das ist etwas, was ich wirklich gern tun würde. Ich habe mit Joey Kelly gesprochen. Du weißt sicher, dass er ein Boot hat und mit seiner Familie darauf lebt. Er sagte, das würde große Probleme geben. Man braucht Papiere und Genehmigungen. Aber ich meine es wirklich ernst.

Es ist ja auch eine coole Idee.

Ray Wilson: Genau – und es hat mit der Landschaft zu tun. Vor etwa zehn Jahren bin ich zum ersten Mal mit der Bahn von Köln nach Baden-Baden gefahren. Du fährst die ganze Zeit den Rhein entlang. Es ist so schön. Es gibt viele wunderschöne Gegenden in Deutschland, aber diese Landschaft im Westen hat etwas ganz Spezielles.

Da gibt es auch die Loreley auf der Strecke. Eine historische Stätte, aber auch ein ganz besonderes Konzertgelände.

Ray Wilson: Nein, kenne ich nicht. Ich kenne den Nürburgring, die Eifel und habe viele Burgen gesehen. Aber nicht die Loreley. Auch Saarbrücken ist sehr schön.

Dann hast du noch nie vom „Night Of The Prog“-Festival gehört? Das findet auf der Loreley statt.

Ray Wilson: Dann solltet ihr uns da mal mit reinnehmen. Da würde ich gerne spielen!

Edinburgh ist eine tolle Stadt. Ich war schon dreimal dort und ich mag sie sehr. Einmal war ich während des Festivals dort – habe es aber nicht zu deiner Show geschafft.

Ray Wilson: Schäm dich!

Ich glaube, es war ausverkauft. Wir waren einfach zu spät da. Wie lief es denn dieses Jahr?

Ray Wilson: In diesem Jahr – und Ende letzten Jahres – habe ich wirklich die beste Zeit. Das gilt für jedes Konzert. Es passiert viel. So auch in Edinburgh. Daher bin ich sehr optimistisch. In den letzten 3-4 Jahren habe ich hart gearbeitet. Zeitweise wenige Zuschauer, aber man macht trotzdem weiter. Ich denke, die Durststrecke ist überwunden. Es gibt wirklich kein größeres Kompliment, als auf die Bühne zu gehen und ein gutes Publikum zu haben. Ich bin ziemlich aufgeregt und erfreut deswegen. So war es auch in Edinburgh.

Danke für das Interview. Wir freuen uns aufs Konzert.

Ray Wilson: Hat Spaß gemacht. Genießt die Show!

Herzlichen Dank an Jörg Lorscheider für die Fotos, an Dagmar von Gordeon Music für die Organisation und vor allem am Tyla Wilson, Rays Frau und Managerin, die sich sehr lieb um uns kümmerte.

 

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