Interview mit Rise Against-Schlagzeuger Brandon Barnes in Köln

(Rise Against)

23.03.2011 von Marc Brüser

Rise Against sind und bleiben eine Ausnahmeband. Nein, nicht wegen ihres politschen Engagements rund um den Globus, nicht wegen des Einstiegs von Neuling "Endgame" auf Platz 1 der deutschen Charts. Sondern, weil man bei ihren Konzerten mindestens Dreiviertel der Leute nur mit erhobener Faust und wutentbrannten Gesichtern die Songs mitbrüllen sieht, als würden sie ihr ganzes Leben widerspiegeln. Umso mehr freut es mich, als mir die Ehre zuteil wird, Mr. Brandon Barnes, seines Zeichens Schlagzeuger der Herren aus Chicago, für ein 15-minütiges Interview in Köln-Mülheim zu treffen. Und dort zeigt sich, dass er doch relativ auf dem Boden geblieben und sogar stolzer Besitzer eines Facebook-Accounts und einer ganzen Reihe von benzinschluckenden Oldtimern ist.

Musicheadquarter-Redakteur Marc Brüser traf sich in Köln zum Interview mit Brandon Barnes. Wie man sieht waren beide dabei bester Laune.

Brandon: Hey, wie geht es dir?

Bestens und selbst?

Brandon: Auch soweit ganz gut. Guckst du dir die Show heute an?

Ich würde liebend gerne, aber leider ist das Konzert ausverkauft und wir haben bereits zwei Kollegen, die akkreditiert sind.

Brandon: Ach echt? Wusste ich gar nicht. Das Palladium ist auf jeden Fall eine sehr coole Venue.

Ich habe heute gelesen, dass euer Album "Endgame" von 0 auf 1 in den Charts gelandet ist.

Brandon: Ja, das ist wirklich was Besonderes. Vor allem da es unser erstes Nr. 1-Album in Deutschland ist.

Ihr seid ja eigentlich wirklich durchgehend auf Tour. Wo findet man die Zeit, um ein Album wie "Endgame" zu schreiben, was für mich zumindest zu einem eurer Besten zählt.

Brandon: Danke, wir mögen es auch (grinst). Weißt du, wir haben einen routinierten Ablauf, was das betrifft: Touren, neue Songs schreiben, aufnehmen und dann wieder touren. Letzten Sommer haben wir auf einigen Festivals in Europa gespielt und sind anschließend bis Dezember ins Studio gegangen. Und da sind wir wieder. Letztendlich ist es aber gut die ganze Zeit in der Art weiterzumachen, da es Bands gibt, die nach einer Tour eine Pause von zwei oder drei Jahren einlegen und danach nichts mehr auf die Reihe bekommen.

Erinnert mich irgendwie an Blink 182, die jetzt wieder auf Tour gehen, weil ihnen allmählich die Kohle ausgeht.

Brandon: Ja, zum Beispiel (lacht).

Der Sound auf eurem neuen Album kommt wesentlich härter und aggressiver rüber, als auf "Appeal To Reason". Zum ersten Mal seit "Revolutions Per Minute" ist auch keine Ballade mehr zu finden.

Brandon: Ja, nicht Akustisches und keine Ballade, das stimmt schon. Aber ich glaube nicht, dass dies mit Absicht passiert ist. Klar, das Album ist etwas härter, aber das ist wirklich Zufall. Wir haben einfach Songs geschrieben ohne darauf zu achten irgendetwas Ruhigeres mit einfließen zu lassen.

Eure erste Single "Help Is On The Way" hat für mich so eine Art Ruhe vor dem Sturm-Atmosphäre. Da wäre ja bei einem Video eine ganze Menge bei rauszuholen. Habt ihr schon eins gedreht?

Brandon: Ja, haben wir. Es handelt von einer Familie, welche den Hurricane "Katrina" hautnah miterlebt hat und wie sie versuchen, sich vor den Wassermassen in Sicherheit zu bringen. Du solltest es wirklich angucken, es kommt die Tage heraus. Es ist außerdem das erste Video bei dem die Band nicht zu sehen ist (HIER könnt ihr euch den Clip anschauen, Anm. d. Red.).

Habt ihr es auch in New Orleans aufgenommen?

Brandon: Haben wir.

Brandon Barnes hinter seiner "Schießbude" beim Konzert im Kölner Palladium (Foto: Rainer Keuenhof - mehr Fotos vom Konzert findet ihr HIER).

Ich habe noch neulich einen alten Brief von Michael Moore an den damaligen Präsidenten Bush gelesen, wo er über die verheerende Lage rund um New Orleans berichtet. Was hältst du persönlich von ihm?

Brandon: Er ist wirklich eine interessante Persönlichkeit. Ich habe auch gehört, dass viele Kritiker ihn wegen seiner sogenannten "Fakten" kritisieren. Letztendlich zählt das aber nicht, denn was er damit erreicht hat, ist wirklich wunderbar: Er hat Leute wachgerüttelt, sie wütend gemacht, sie richtig aufgeweckt.

Ebenso wie er, versucht ihr durch komplexe Texte in denen globale Dinge wie Krieg, Menschenrechte, Umweltverschmutzung und ähnliches angesprochen werden, die Menschen auf die Missstände dieser Welt hinzuweisen. Was denkst du kann eine Band wie Rise Against mit ihren Songs erreichen?

Brandon: Ich weiß selbst, dass Rise Against es nicht schaffen können die Welt zu retten. Das wäre albern zu behaupten. Aber wir haben die Möglichkeit die Leute anzuregen darüber nachzudenken in welcher Welt sie leben wollen. Man kann dies mit Konzerten, Videos, Songs, allem möglichen machen. Hauptsache man hat dieses Sprachrohr und weiß es auch zu benutzen. Und so erreichen wir immerhin einige Leute, die wirklich etwas in ihrem Leben verändern wollen und es auch getan haben. Wir bekommen täglich Hunderte von E-Mails von Fans, die wegen unserer Musik damit angefangen haben sich ehrenamtlich für Wohltätigkeiten zu engagieren.

Ich habe auch gesehen, dass ihr in sozialen Netzwerken eine eigene Seite besitzt. Kümmert ihr euch auch darum?

Brandon: Nein, das ist Sache des Managements. Ich meine, ich habe sogar selber Facebook, aber wenn mir Leute immer irgendwelche Anfragen schicken, geht das fünf Minuten ungefähr so: Abgelehnt, Abgelehnt, Abgelehnt, Abgelehnt (lacht).

Zurück zum Album. Meine beiden persönlichen Lieblingssongs sind "This Is Letting Go" und "Satellite", die ihr aber leider beide nicht auf eurer Tour spielt. Generell spielt ihr nur zwei Songs vom neuen Album. Wie kommt`s?

Brandon: Ach, das ist einfach ein neues Album, was noch nicht so viele Leute kennen. Wir werden schon noch mehr von diesem Album spielen, aber es braucht alles ein wenig Eingewöhnungszeit.

Naja egal, jedenfalls ist eure momentane Setlist einfach geil. Ich habe gesehen, dass ihr auf euren letzten Konzerten sogar "Black Masks & Gasoline" und auch Sachen vom Debütalbum "Alive & Well" spielt. Es gibt natürlich noch eine Menge andere ältere Stücke wie "My Life Inside Your Heart" oder "3 Day Weekend". Spielt ihr diese Lieder eigentlich auch ab und an für euch?

Brandon: Sicherlich spielen wir diese Songs noch ab und an, aber die Sache ist die: Eine Menge Konzertbesucher kennt die Stücke von unseren ersten beiden Alben nicht. Und wenn wir diese besagten dann spielen, stehen die Leute einfach nur herum, weil nur wenige, wie du zum Beispiel, diese kennen. Trotzdem versuchen wir immer mal wieder einen in unsere Konzerte einzubauen.

Hast du irgendwelche Songs die du am liebsten live spielst? Oder irgendwelche Orte?

Brandon: Das wechselt immer hin und her. Sehr gerne mag ich "Torches" und "Survive", aber momentan macht "Help Is On The Way" sehr viel Spaß. Bei den Locations kommt keine Konzerthalle am Red Rocks Amphitheater vorbei (hier ein Bild, Anm. d. Red.). Das ist in Colorado und einfach ein epischer Platz für ein Konzert.

Auf eurer im Oktober erschienenen DVD "Another Milestone" wird berichtet, dass du ein großer Oldtimer-Fan bist. Hast du da eine spezielle Marke oder ein spezielles Modell, welches du bevorzugst?

Brandon: Ach, keine Ahnung, ich habe eine ganze Reihe alter Autos, ich mag sie eigentlich alle. Momentan fahre ich aber einen `59 Shelby Suburban.

Und das war es auch von meiner Seite aus. Noch ein paar letzte Worte an die deutschen Fans?

Brandon: Erst einmal vielen, vielen Dank, dass ihr uns auf die 1 der Charts gekauft habt. So was kommt immer überraschend.

Und damit vielen Dank für das Interview und vielen Dank für die zwei Karten, welche Mr. Barnes anschließend noch für mich und einen Freund hat springen lassen.

Ein spezieller Dank geht auch an Dennis Saia von Starkult Promotion, der dieses Interview für uns möglich gemacht hat!

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