(Silbermond)
Ein weiterer Schritt in den Bemühungen von Silbermond für ihre Aktion "Fans helfen" neue Akzente zu setzen und über den Weg eines musikalischen Benefizprojektes Gelder zu sammeln ist die Single "Silbermond trifft Jenix". Damit soll diesmal ein Projekt in Haiti unterstützt werden. Musikalisch wurde dabei ein ganz neuer Weg beschritten. Die selbstgestellte Aufgabe war es, dass Jenix einen Song von Silbermond covern und umgekehrt. Und das möglichst weit weg vom Original und so "unplugged" wie möglich. Entstanden sind zwei Versionen, mit deren Erwerb man nicht nur einen Beitrag zu "Fans helfen" leisten kann, sondern auch ein musikalisches Dankeschön bekommt.
Anfang Juli waren Stefanie Kloß und Thomas Stolle von Silbermond sowie Jenny Böttcher von Jenix in Berlin, um ihre Benefizaktion vorzustellen. Wir hatten dabei die Gelegenheit zu einem Telefoninterview mit den Dreien. Das Gespräch führte Thomas Kröll.

"Silbermond trifft Jenix" - die neue Benefiz-Single zugunsten eines Projektes in Haiti erscheint am 09. Juli!
Am Freitag erscheint eure neue Benefiz-Single "Silbermond trifft Jenix". Darauf covert jeder von euch einen Song des jeweils anderen. Jenix covern "Unendlich" von Silbermond und Silbermond covern "Here We Go Again" von Jenix. Wer hatte diese, wie ich finde, sehr originelle Idee?
Stefanie: Es ist ja so, dass wir schon seit einigen Jahren unsere Aktion "Fans helfen" haben. Wenn du mal auf unsere Homepage schaust (http://www.silbermond.de/, d.Red.), dann kannst du sehen, welche Projekte sich dahinter verbergen. Wir haben da die letzten Jahre mit unseren Fans gemeinsam schon einige gute Sachen auf die Beine gestellt. Wir haben zum Beispiel mit "Brot für die Welt" zusammen und mit Hilfe unserer Fans eine Schule in Kamerun bauen können. Dann fingen wir an darüber nachzudenken, wie wir noch gute Projekte unterstützen können, ohne dass man ein Benefiz-Konzert spielt oder Sachen versteigert. Wie kann man die Leute dazu bringen, dass es ihnen auch Spass macht ein Projekt wirklich zu unterstützen? Irgendwann kam Thomas und meinte: Hey, wie wäre es denn, wenn wir den Leuten ein bißchen Musik dafür geben, dass sie helfen? Irgendwie haben wir die Idee weitergesponnen, wie das halt so ist, wenn man abends mal bei einem Bierchen zusammensitzt und dann ging es Schlag auf Schlag. Es wäre doch cool, wenn wir von einer anderen Band einen Song covern und am besten noch von einer Band, die wir selber kennen. So ist dann dieses ganze "Silbermond trifft..." zustande gekommen. Und da Jenix uns ja schon den ganzen Sommer über begleiten, hat sich das angeboten, dass sie die ersten sind.
Und Jenix waren natürlich komplett begeistert, nehme ich an.
Thomas: Uns verbindet ja mittlerweile nun schon wirklich eine langjährige Freundschaft. Wir verfolgen ihren Weg auch und unterstützen sie wo es geht. Jetzt sind sie eben den Sommer über mit dabei und da bot sich das natürlich an. Wie gesagt, wir treffen uns des öfteren und sie fanden die Idee auch super. Sie haben das auch als Herausforderung gesehen, mal einen Song auf Deutsch zu interpretieren. Vor allem einen Song, den es schon gibt und den vielleicht der ein oder andere auch kennt, mal in ein anderes Gewand zu packen. Und so war es auch für uns. Für uns war das auch eine sehr bereichernde Erfahrung, einen Song auf Englisch zu singen und einzuspielen. Das war schon toll und wir hoffen natürlich, dass die Aktion am Ende auch Früchte trägt.
Jenny, wie war denn für dich die Umstellung auf Deutsch singen zu müssen? Klar, es ist deine Muttersprache, aber wenn man sie singt ist es vielleicht doch etwas anderes, oder?
Jenny: Ja, das ist ein völlig neues Terrain, weil wir seit sieben Jahren englische Texte schreiben und singen. War garnicht so einfach, wie ich es mir am Anfang vorgestellt habe. Es gab schon viele Dinge, die komplett neu für mich waren. Das war schon krass.
Und wie war die Umstellung aufs Englische für dich, Stefanie?
Stefanie: Ich kann eigentlich nur genau dasselbe sagen. Wenn man sich so lange auf die deutsche Sprache konzentriert und in den letzten Jahren so viel Energie reingesteckt hat, dann liegt mir das einfach auch. Ich glaube, das ist auch ein Grund, warum die jeweilige Band immer in der jeweiligen Sprache singt und Texte schreibt. Weil es ihnen einfach liegt. Es fiel mir schon schwer. Ich glaube, wenn ich mir noch ein bißchen Zeit genommen hätte, dann hätte das vielleicht auch noch ein bißchen mehr native-speaker-mäßig geklungen (lacht). Es war auf jeden Fall eine Umstellung, hat aber auch Spass gemacht, weil es definitiv eine neue Herausforderung war.
Ich finde das Ergebnis klingt sehr überzeugend.
Thomas: Ja, das finden wir auch. Wie gesagt, das war für uns alle auch so eine kleine Reise ins Unbekannte. Jetzt wo wir das Ganze fertiggestellt haben, sind wir wirklich sehr happy mit dem Ergebnis und sehr glücklich darüber, dass das alles so gelaufen ist. Das Ganze sollte eben auch in einer kleinen Session erfolgen. Es sollte jetzt keine wirkliche Studioproduktion sein, sondern wir wollten das Ding in einer lockeren Atmosphäre einspielen. Das hat gut funktioniert und ich habe es ja eben schon gesagt, wir hoffen, dass es auf grosse Resonanz stößt und unser neues Projekt auf Haiti vorangetrieben werden kann.

Warum gerade Haiti? Ich meine, es gibt ja auch sonst noch viele Projekte, die unterstützenswert wären.
Stefanie: Auf jeden Fall. Das sehen wir genauso. Aber bei "Fans helfen" gibt es ja nicht nur das Projekt in Kamerun, wo wir eine Frauenschule gebaut haben. Sondern wir setzen uns hier in Deutschland auch ganz stark gegen Rechts ein. Oder wir setzen uns auch ganz stark für Newcomerförderung ein, laden immer wieder junge Bands ein bei uns zu spielen oder richten Proberäume aus. Also wir haben sowohl einen Blick für das, was um uns herum passiert, in unserer Nähe hier in Deutschland, als auch für das, was ein bißchen weiter weg passiert. Natürlich wird auf der ganzen Welt Hilfe gebraucht. Haiti ist nach diesem Erdbeben fast komplett im Chaos versunken. Und das ist sowieso schon ein Land, wo fast alles zu spät ist und wo es ohnehin schon sehr, sehr viele Schwierigkeiten gibt. Und gerade dort muss man ansetzen. Natürlich gibt es ganz, ganz viele andere Orte, aber nachdem wir unser Projekt in Kamerun abgeschlossen hatten und Anfang des Jahres diese Katastrophe in Haiti passiert ist, war Haiti einfach am naheliegendsten. Ich meine, man merkt es ja jetzt schon. Am Anfang wurden ganz viele Spendenaktionen gestartet und es wurde viel über Haiti geredet und jetzt wo ein paar Monate vergangen sind, denken alle, es sei wieder alles in Ordnung. Aber jetzt fängt der Wiederaufbau erst an. Gerade jetzt muss man wieder ansetzen. Und deswegen haben wir uns Haiti ausgesucht.
Stimmt, Haiti ist schon wieder so ein wenig aus dem Bewusstsein verschwunden.
Stefanie: Genau. Wir haben gerade einen aktuellen Film auf unserer Homepage, seitdem wir wissen, welches Projekt genau wir unterstützen. Und da sieht man, wie es vorher dort aussah und wie es jetzt nach dem Erdbeben dort aussieht. Da stellt sich glaube ich nicht mehr die Frage, warum wir das jetzt unterstützen, sondern da ist einfach unglaublich viel Arbeit vonnöten. Gerade für die Kinder und behinderten Jugendlichen, für die wir das dort machen. Für Schulräume, in denen die Kinder lernen können und wo die Eltern lernen können, mit ihren Kindern umzugehen und so weiter. Das ist auch gerade das, was jetzt noch kürzer kommt als ohnehin schon.
Wart ihr selber auch schon vor Ort oder habt ihr vor Haiti zu besuchen?
Thomas: Wir sind noch nie da gewesen. Aber das haben wir bei unserem Kamerun-Projekt ähnlich gehalten. Wir wollten erst, dass das Projekt fertiggestellt wird und jeder Cent, der sonst für einen Flug ausgegeben worden wäre, auch wirklich in dieses Haus vor Ort fließt. Deshalb haben wir uns dann entschlossen, erst zur Fertigstellung beziehungsweise Eröffnung des Hauses in Kamerun dahin zu fliegen. Ich denke, ähnlich wird es auch mit dem Haiti-Projekt sein.
Wie stellt ihr sicher, dass der Erlös der Single auch wirklich zu 100 Prozent den Menschen in Haiti zugute kommt?
Stefanie: Wir achten bei unseren Projekten immer darauf, dass wir mit Leuten zusammenarbeiten, wo wir uns absolut sicher sein können, dass das Geld am Ende auch ankommt. Wir haben das in Kamerun gesehen. Wir waren letztendlich vor Ort, wir wussten, dass es dort eine Organisation vor Ort gibt, die ganz, ganz eng mit "Brot für die Welt" zusammenarbeitet, womit auch wirklich gewährleistet ist, dass das Geld, das hier auf langem Wege aus Deutschland nach Kamerun geschickt wird, auch wirklich an die Schule geht. Geld kann schnell mal flöten gehen. Aber ich glaube, jeder kennt "Brot für die Welt", jeder weiß, dass das eine seriöse Organisation ist und deshalb vertrauen wir da auch "Brot für die Welt". Wir wissen, dass es eine Organisation ist, die sich in Haiti schon lange für behinderte Kinder einsetzt und deshalb ist das Geld dort auch gut aufgehoben.
Wir haben unseren Sitz ja in Köln. Und in Köln gibt es BAP und Wolfgang Niedecken, den ihr sicherlich auch kennt. Niedecken ist jemand, der sich auch in vielen Hilfsprojekten engagiert und seine Meinung sagt. Inzwischen gibt es da aber manchmal das Phänomen, dass die Leute sagen: Och nee, nicht schon wieder der Niedecken. Habt ihr vor solchen Abnutzungserscheinungen keine Angst?
Thomas: Das ist schon richtig. Aber wie gesagt, diese Single steht wirklich komplett unter der Fahne von "Fans helfen". Das ist garnicht so gedacht, dass das jetzt hoch in die Charts reingehen soll. Alles was mit der CD zu tun hat, soll in das Projekt fließen und das wird es auch. Was diese Überstrapazierung angeht... ich weiß nicht. Das ist zwar eine Sache, die man so empfinden kann, aber ich finde es trotzdem gut, dass so jemand wie der Wolfgang da immer wieder Kraft aufwendet und sich für Projekte engagiert. Das ist wirklich aller Ehren wert. Und deshalb wäre ich der letzte, der sagt, das geht mir auf den Zeiger. Auf der einen Seite bin ich da zwar irgendwie verständnisvoll, kann das nachvollziehen was du meinst, aber ich finde dann doch die andere Seite besser. Ich finde es cool, dass es Leute wie ihn gibt, die da viel Arbeit reinstecken und das ist einfach vonnöten in diesem Land. Und deshalb finde ich das gut.
Wie kam es dazu, dass ihr ausgerechnet die beiden genannten Songs für die Single ausgewählt habt? Gab es da einen besonderen Bezug oder habt ihr Streichhölzer gezogen?
Jenny: (lacht) Also wir von Jenix haben uns den Song "Unendlich" ausgesucht, weil wir uns als Band da sehr gut drin wiedergefunden haben. Es ist auch unser absoluter Favourite von Silbermond. Der Song gibt uns ziemlich viel und deshalb war "Unendlich" die erste Wahl. Da mussten wir nicht lange drüber nachdenken.
Und wie war es bei den Silbermonden?
Stefanie: "Here We Go Again" ist einfach ein super Song. Wenn du dir mal das Original von Jenix anhörst und dann unsere Version, dann wirst du merken, dass wir es zwar ein bißchen musikalisch abgewandelt haben, aber ansonsten so pur wie möglich gelassen haben. Es ist einfach eine super Nummer.
Wie sehen eure weiteren Pläne für die nahe Zukunft aus, unabhängig vom Benefizgedanken?
Thomas: Ich glaube, da kann ich sozusagen für beide Bands sprechen. Wir sind jetzt den Sommer über noch viel unterwegs, sowohl Jenix als auch wir mit Silbermond. Grösstenteils auch zusammen, was ein sehr grosser Spass ist für uns alle. Das wird noch weiter unseren Sommer prägen. Danach geht es für uns wieder in den Proberaum. Wir werden weiter Songs schreiben und haben da auch schon viele Ideen, die ausgearbeitet werden wollen. Dann machen wir uns schon an das vierte Album... wie das klingt (lacht)... es ist schon viel passiert in den letzten Jahren.
Jenny: Wir sind noch bei unserem ersten Album nach sieben Jahren und hoffen, dass wir das im März nächsten Jahres veröffentlichen können. Da wird dann natürlich auch "Here We Go Again" im Original drauf sein (lacht). Das ist unser Ziel und unser Plan für die nächste Zeit. Und die Tour natürlich. Es wird spannend.
Die beliebte letzte Frage: Vielleicht noch ein paar abschließende Worte an die Fans?
Stefanie: Wenn ihr ein bißchen Musik hören wollt und Silbermond mal ein bißchen in einer anderen Facette hören wollt und wenn ihr eine junge Band kennenlernen wollt, die sehr, sehr viel Potential hat, dann kauft euch diese CD. Denn wenn ihr die dann zuhause habt und hört, habt ihr gleichzeitig noch das Wissen, dass ihr etwas Gutes getan habt. Und wir können euch versprechen, dass alles nach Haiti und an dieses Projekt geht. Also, ab in den Laden und kaufen!
Genau. Ab Freitag dürfen die Läden gestürmt werden. Euch vielen Dank, dass ihr euch schon so früh am Tag zur Verfügung gestellt habt...
(Gelächter am anderen Ende) Stefanie: So früh ist es ja nun auch nicht. Aber wir danken auch und vielleicht sehen wir uns ja auf der Tour.
Ein Dankeschön geht ebenfalls nach Hamburg zu Daniela Lehmann von der Promotion-Werft, die uns dieses Interview vermittelt hat!